Gesundheit > Therapien & HilfeSpezielle Akupunktur für Kinder ohne Nadeln und Laser - ShonishinShonishin ist eine japanische Form der Kinderbehandlung aus der Tradition der chinesischen Medizin (TCM) – sanft, berührungsbasiert und ohne Nadeln. Manche Familien nutzen Shonishin bei Unruhe, Schlafproblemen oder funktionellen Beschwerden (zum Beispiel Bauchweh ohne klare organische Ursache). Wichtig ist eine realistische Einordnung: Für viele Anwendungen bei Kindern ist die wissenschaftliche Evidenz begrenzt. Shonishin kann als ergänzende Massnahme in Frage kommen – sollte aber eine medizinische Abklärung nicht ersetzen. Naturärztin Elké Richter-Diehl erklärt, wie diese Methode in der Praxis abläuft. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Shonishin, die Akupunktur für Kinder kann bei Schlafproblemen oder ADHS helfen. Foto: Micagoto, flickr, CC-Lizent by-nc Was ist Shonishin – und was ist es nicht? Der Name Shonishin setzt sich aus den japanischen Wortteilen SHONI = Kleinkind und SHIN = Nadel zusammen, obwohl bei dieser sanften Technik keine Nadeln eingesetzt werden. Anders als bei der klassischen Akupunktur wird die Haut nicht gestochen: Mit speziellen Shonishin-Instrumenten wird gestrichen, gedrückt, leicht geklopft oder sanft «gepikst», ohne die Haut zu verletzen. Viele Kinder empfinden das eher als Massage oder Berührungsspiel. In der TCM wird häufig mit den Konzepten Yin und Yang sowie mit Meridianen (Energiebahnen) gearbeitet. Diese Erklärmodelle sind Teil der TCM-Tradition. Aus wissenschaftlicher Sicht sind Meridiane als anatomische Strukturen nicht nachgewiesen. Wenn Familien dennoch positive Effekte erleben, können diese unter anderem über unspezifische Mechanismen erklärbar sein: angenehme Berührung, Entspannung, eine ruhige gemeinsame Routine, Erwartungseffekte sowie das Erleben von Sicherheit und Regulation im Nervensystem. Kinder benötigen nur sanfte Reize, um den Körper gezielt zu stimulieren. Die Meridiane werden bei der Akupunktur für Kinder mit speziellen Instrumenten gestreichelt, gedrückt, gepikst oder beklopft. Nadeln wie in der gewöhnlichen Akupunktur spielen bei Shonishin keine Rolle. Somit wird das Nervensystem leicht gereizt. Diese feinen Reize stimulieren und unterstützen die Selbstheilungskräfte. Die Techniken der Akupunktur für Kinder werden den Eltern und Kindern in der Praxis beigebracht, sodass diese zuhause den Effekt noch steigern können. Wenn du das zu Hause machen möchtest, ist wichtig: Lass dir die Handgriffe seriös zeigen (Druck, Dauer, Körperstellen) – und behandle nur, wenn dein Kind damit einverstanden ist. Es soll sich sicher anfühlen, nicht «über sich ergehen lassen». Die Yin-Meridiane sind: Konzeptionsgefäss (Zentralgefäss) KG Nieren-Meridian Kreislauf-Sexus-Meridian Lungen – Meridian Milz-Pankreas-Meridian Herz-Meridian Die Yang-Meridiane sind: Gouverneurgefäss (Zentralgefäss, Lenkergefäss) GG Dünndarm-Meridian Blasen-Meridian Dreifach-Erwärmer Gallenblasen-Meridian Dickdarm-Meridian Magen-Meridian Was sagt die Forschung zu Akupunktur/TCM bei Kindern? Viele Eltern wünschen sich bei wiederkehrenden Beschwerden eine «sanfte» Unterstützung – gerade wenn Medikamente nicht nötig sind oder Nebenwirkungen befürchtet werden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass du Nutzen und Grenzen kennst. Für Akupunktur bei Kindern ist die Studienlage je nach Thema unterschiedlich, oft klein und nicht immer gut vergleichbar. Für Shonishin im Speziellen gibt es insgesamt weniger hochwertige Studien als zur Akupunktur mit Nadeln. Wo Daten fehlen: Shonishin-spezifisch Die meisten wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten und Leitlinien beziehen sich auf Nadelakupunktur. Shonishin ist zwar «akupunkturähnlich», aber nicht dasselbe. Aussagen zur Wirksamkeit lassen sich deshalb nur eingeschränkt übertragen. Wenn dir jemand sehr breite Heilversprechen macht (von Infekten bis ADHS «heilen»), ist Skepsis angebracht: Gerade bei komplexen Diagnosen ist eine gute kinderärztliche Abklärung und ein multimodaler Behandlungsplan zentral. Was sich dennoch sinnvoll ableiten lässt Als ergänzende Massnahme kann Shonishin für manche Familien vor allem dann hilfreich sein, wenn es um Regulation und Entspannung geht: abendliche Unruhe, Einschlafbegleitung, Stress im Familienalltag oder funktionelle Beschwerden, die sich bei Anspannung verstärken. Entscheidend ist, dass parallel die häufigen Ursachen (z.B. Schlafumgebung, Tagesstruktur, Ernährung, Schmerzen, Atemprobleme, Eisenmangel) geprüft werden. Sicherheit: Worauf du bei Shonishin achten solltest Haut, Hygiene, Druck Weil Shonishin ohne Nadeln arbeitet, ist das Risiko für Infektionen durch Stiche deutlich geringer als bei invasiver Akupunktur. Trotzdem gilt: Instrumente müssen sauber/desinfiziert sein, die Haut darf nicht verletzt werden, und es sollte nie so fest gedrückt oder gekratzt werden, dass Rötungen schmerzen oder kleine Verletzungen entstehen. Bei Neurodermitis-Schüben, offenen Stellen, frischen Narben oder akuten Hautinfektionen sollte nicht darüber behandelt werden. Wann du erst medizinisch abklären lassen solltest Gerade bei Schlafproblemen und wiederkehrender Unruhe lohnt sich ein klarer «Entscheidungsweg»: zuerst abklären, dann ergänzen. Bitte wende dich an eine Ärzt:in, wenn eines davon zutrifft: Fieber, deutlicher Krankheitszustand oder rasche Verschlechterung Atemauffälligkeiten im Schlaf (lautes Schnarchen, Atempausen, starke Mundatmung) Verdacht auf Schmerzen (z.B. häufiges Schreien, Ohrziehen, Bauchschmerzen mit Abwehr, Schmerzen beim Wasserlassen) Gedeihstörung, wiederholtes Erbrechen, Blut im Stuhl, anhaltender Durchfall oder Verstopfung Entwicklungsauffälligkeiten, Regression (Kind «verlernt» etwas) oder neurologische Symptome Verdacht auf ADHS: Wenn der Alltag in Familie/Schule stark belastet ist, gehört die Abklärung in erfahrene Hände – und die Behandlung umfasst meist mehrere Bausteine (Pädiatrie/Kinder- und Jugendpsychiatrie, Schule, Verhalten, je nach Situation Medikamente) Wenn eine organische Ursache ausgeschlossen ist, kann Shonishin für manche Familien eine zusätzliche Option sein – ähnlich wie Entspannungsübungen, Massage, Wärmeanwendungen oder strukturierte Abendroutinen. So läuft eine Behandlung häufig ab Viele Behandlungen dauern eher kurz (oft 15–30 Minuten), weil Kinder auf sanfte Reize meist schnell reagieren und die Aufmerksamkeit begrenzt ist. Hilfreich ist, wenn dein Kind vorher gegessen hat, nicht völlig übermüdet ist und du ein ruhiges «Ankommen» einplanst. Wenn du als Elternteil eine Technik für zu Hause lernst, sind diese Punkte alltagstauglich: Kurz statt lang: Lieber täglich 3–10 Minuten als selten eine lange Session. Kind führt mit: Du fragst nach Zustimmung («Ist das angenehm?»). Stopp heisst Stopp. Ritual statt Therapie-Druck: Zum Beispiel nach dem Baden oder vor dem Schlafen – ohne Leistungsanspruch. Beobachten: Notiere 1–2 Wochen, was sich verändert (Schlaf, Bauchweh, Stimmung). So merkst du, ob es euch tatsächlich hilft. Behandlungsinstrumente: so werden sie eingesetzt Hier sehen Sie eine Auswahl der Behandlungsinstrumente, welche die nicht-invasive, angstfreie und äusserst angenehme Methode bereichern. Während einer Akupunktur-Behandlung kann man die Kinder auch mit den übrigen Instrumenten an sich selbst üben lassen. Dies macht den meisten viel Spass und lenkt auch ein wenig ab, was sich als sehr entspannend erweist. In der Behandlung kommen Zauberringe und Massagestäbchen, aber keine Nadeln zum Einsatz. Der Zauberring: Der Ring lässt sich leicht dehnen und kann somit über jeden Finger gestrichen werden, um jeden Finger zu massieren. An den Fingern befinden sich wichtige Anfangs- und Endpunkte der Merdiane. Das Massagestäbchen: Dieses Stäbchen liegt locker in der Hand und damit werden die Meridiane mit leichtem Druck nachgefahren und somit sanft stimuliert. Wofür wird Shonishin in der Praxis genutzt? Unter anderem lassen sich mit der Shonishin-Methode folgende gesundheitlichen Probleme behandeln: Babys Schlafprobleme, Unruhe, Verdauungsprobleme, Dreimonatskoliken, Mittelohrentzündungen, Probleme der Atemwege Kleinkinder Verdauungsprobleme, Asthma, Appetitmangel, Bettnässen, chronischer Husten, chronisch verstopfte oder laufende Nase Schulkinder Atemwegserkrankungen, Verdauungsprobleme, Stottern, Konzentrationsmangel, Hyperaktivität, ADHS Wichtig für deine Erwartung: Viele dieser Beschwerden haben sehr unterschiedliche Ursachen. Bei Infekten, Asthma, Mittelohrentzündungen oder anhaltendem Husten ersetzt Shonishin keine leitliniengerechte Diagnose und Therapie. Wenn du es ergänzend nutzen möchtest, tu das idealerweise abgestimmt mit eurer Ärzt:in – vor allem dann, wenn Medikamente im Spiel sind oder die Beschwerden wiederholt auftreten. Fallbeispiel eines Kleinkindes mit 2 ½ Jahren: Ein zweieinhalbjähriger Junge kam zu mir in die Praxis. Er hatte Durchschlafschwierigkeiten, wachte jede Stunde mit Geschrei auf. Tagsüber war er sehr aktiv. Gern lief er der Mutter davon. Um seinen Willen durchzusetzen, schlug er oft den Kopf auf den Boden. Er ass immer nur kleine Happen, dafür öfter am Tag. Kinderakupunktur-Therapie in der Praxis Während vier Wochen kam der Junge zweimal pro Woche zur Shonishin-Behandlung in die Praxis. Jede Sitzung dauerte ca. 20 Minuten. Die Eltern erlernten in dieser Zeit von mir die notwendigen *Shonishin-Streicheleinheiten* für zuhause, die diese täglich mit zehn Minuten Aufwand durchführten. Resultat nach 4 Wochen Anfänglich konnte der Junge auch nicht mehr alleine einschlafen und wachte in den ersten drei Nächten noch häufiger auf. Nach einer Woche bereits hörte das Schlagen mit dem Kopf auf dem Boden auf. In der zweiten Woche war beim Schlafverhalten noch keine wesentliche Änderung sichtbar. In der dritten Woche wurden die Aufwachphasen nur noch alle drei Stunden bemerkt. In der vierten Woche schlief der Junge sieben Stunden am Stück durch. Dies hält heute, nach neun Monaten, immer noch an. Das Essverhalten hat sich nicht verändert. Einordnung für Eltern: Ein Fallbeispiel kann Mut machen, ersetzt aber keine Studie. Schlaf verändert sich bei Kleinkindern auch durch Entwicklungsschritte, Tagesstruktur, Bindungserleben, Zahnen, Infekte oder neue Routinen. Wenn du etwas ausprobierst, hilft ein nüchterner Blick: Was wurde gleichzeitig verändert (z.B. Abendroutine, Reaktionen nachts, Einschlafbegleitung)? Und was ist euer Ziel (z.B. weniger Stress, längere Schlafphasen, schnelleres Wiedereinschlafen)? Schweiz: Qualifikation und Kosten – so orientierst du dich In der Schweiz findest du Angebote sowohl im ärztlichen wie auch im nicht-ärztlichen Bereich. Für deine Entscheidung helfen diese Fragen: Qualifikation: Welche Ausbildung in TCM/Shonishin liegt vor? Gibt es eine transparente Weiterbildung, Supervision und Erfahrung mit Kindern? Medizinische Abklärung: Wird aktiv nach Warnzeichen gefragt und bei Bedarf an Kinderärzt:in verwiesen? Kosten: Ärztliche Akupunktur/TCM kann je nach Setting über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden, während nicht-ärztliche Behandlungen oft über eine Zusatzversicherung laufen oder privat bezahlt werden. Kläre das vorab direkt mit der Praxis und deiner Versicherung. Realistische Kommunikation: Werden keine Heilversprechen gemacht, sondern Ziele, Grenzen und Verlaufskontrollen besprochen? FAQ: Häufige Fragen von Eltern Tut Shonishin weh? Shonishin wird üblicherweise als angenehm beschrieben, weil die Haut nicht gestochen wird. Dein Kind sollte aber jederzeit stoppen dürfen. Schmerz ist kein notwendiger Teil der Behandlung. Wie schnell merkt man etwas? Das ist sehr unterschiedlich. Manche Familien berichten von rascher Entspannung, andere sehen gar keinen Effekt. Sinnvoll ist eine klare Testphase (z.B. 2–4 Wochen) mit einem konkreten Ziel (Schlafdauer, Einschlafzeit, Bauchweh-Tage). Wenn es nicht hilft, darfst du es auch wieder lassen. Kann Shonishin ADHS behandeln? Bei ADHS ist eine fachliche Diagnostik entscheidend. Ergänzende Verfahren können das Wohlbefinden unterstützen, ersetzen aber keine evidenzbasierte Behandlung. Wenn jemand ADHS als alleinige Folge «gestörter Energie» erklärt oder Heilung verspricht, ist Vorsicht angebracht. Autor: Elké Richter-Diehl Elké Richter-Diehl ist Naturärztin mit Sitz in Küssnacht am Rigi. Die Kinderheilkunde liegt ihr besonders am Herzen. Foto: Bote der Urschweiz