Stillen um jeden Preis?

Kommentar - In diesen Tagen werden Frauen wieder daran erinnert, wie gut das Stillen für ihr Kind ist. Es ist Weltstillwoche. Dass Stillen viele Vorteile hat, bestreitet heute niemand mehr. Doch die Bedürfnisse der Frauen sollten dabei nicht vergessen werden. Stillzwang nützt keinem etwas.

Stillen hat viele Vorteile.

Bei der Diskussion um das Stillen sollten die Bedürfnisse der Frauen nicht vergessen werden. Foto: George Doyle, Stockbyte, Thinkstock

Die Liste der Vorteile des Stillens ist mittlerweile recht lang geworden. Immer mehr Studien machen deutlich, wie gut Stillen dem Baby tut. Die Muttermilch hat immer die richtige Zusammensetzung, die passende Temperatur, ist praktisch und kostenlos. Stillen fördert die Beziehung zwischen Mutter und Kind und senkt das Risiko für Infektionen, Übergewicht und eventuell sogar Asthma und Leukämie. Die gestrige Fachtagung der Schweizerischen Förderung des Stillens zeigte, dass Stillen sogar umweltfreundlicher als Säuglingsnahrung ist.

Den meisten Frauen ist bewusst, dass Stillen das Beste für ihr Kind ist. 90 Prozent stillen ihr Kind, weil ihnen in Geburtsvorbereitungskursen, in Spitälern und Arztpraxen genau das vermittelt wurde. Es ist richtig und wichtig, dass Stillen gefördert wird und es eine Weltstillwoche gibt. Denn noch immer mangelt es vor allem Familien mit Migrationshintergrund an Wissen.

Dennoch sollten wir bei der Diskussion um die Vorteile des Stillens nicht vergessen, dass es auch um die Bedürfnisse der Frauen geht. Immer wieder ist von Müttern zu hören, die sich unglaublich unter Druck gesetzt fühlen. Von Hebammen und Stillberaterinnen, aber auch von anderen Müttern. Mit Stillzwang grenzen wir Frauen aus, die nicht stillen können.

Es kann nicht sein, dass Mütter, die Probleme beim Stillen haben, sich teilweise unter Schmerzen durchbeissen, um weiter zu stillen, weil ihnen niemand sagt, dass es auch in Ordnung ist abzustillen. Es kann nicht sein, dass in babyfreundlichen Spitälern nur in aussergewöhnlichen Fällen Flaschen, Nuggis und Co erlaubt sind, weil die Stillquote zählt.

Gut, dass das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF, welches das Label Babyfreundliches Spital vergibt, erkannt hat, dass das enge Korsett der Vorgaben nicht mehr zur heutigen Situation passt. Statt Mütter unter Druck zu setzen, sollte darauf geachtet werden, ob sich Mutter und Kind mit der Situation wohl fühlen. Eine gestresste Mutter mit einem schlechten Gewissen wird unter Umständen Mühe haben, eine gute Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Damit ist keinem geholfen.

HiPP

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