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Auch Papa kann in der Stillzeit helfen – Tag und Nacht

Beim Stillen entsteht eine einzigartige Nähe zwischen dir und deinem Baby. Diese erste Zeit nach der Geburt kann sehr glücklich sein und trotzdem an die Substanz gehen. Was viele Paare nicht wissen: Auch der Vater hat in der Stillzeit eine eigene Aufgabe. Sie geht weit über das Zuschauen hinaus.

Papa kann in der Stillzeit helfen
Der Vater kann bei der Ernährung mitmachen, sobald das Stillen eingespielt ist. Foto: Purestock - Thinkstock

Obwohl Paare das gar nicht so planen, verfestigt sich nach der Geburt oft die klassische Rollenverteilung. Die Mutter versorgt das Baby alle ein bis drei Stunden mit Milch, der Vater weiss vielleicht nicht recht, wo sein Platz ist. Dabei ist sein Beitrag keine nette Zugabe: Laut Stillförderung Schweiz zeigen Studien, dass der Vater grossen Einfluss darauf hat, ob und wie lange seine Partnerin stillt [3].

Unterstützung in der Stillzeit: Das können Väter tun

Der erste Schritt ist Information. Wer versteht, wie Stillen funktioniert, kann auch nachvollziehen, wie fordernd es in den ersten Wochen ist. Auf dem Nachttisch liegt oft ein Ratgeber, in dem auch der Vater blättern darf. Sonst helfen die Stilltipps einer Hebamme weiter. Die Stillförderung Schweiz nennt in ihrer Väterbroschüre sechs Ansatzpunkte [3]:

  • sich über das Stillen informieren;
  • eine ruhige, geschützte Umgebung schaffen und die vielen Besuche koordinieren;
  • Mut machen, denn die ersten Tage und Wochen sind die anspruchsvollsten der ganzen Stillzeit;
  • Ruhezeiten und Schlaf ermöglichen, tagsüber wie nachts;
  • beim Stillen unterwegs unterstützen und einen geeigneten Ort suchen;
  • bei Schwierigkeiten fachliche Hilfe organisieren und den Termin gleich selbst abmachen.

Dazu kommt der Alltag: kochen, einkaufen, aufräumen, den Rücken massieren. Eine enge Beziehung zum Säugling fördern Väter, indem sie die Windeln wechseln und viel Hautkontakt mit dem Kind haben. Ein Spaziergang mit dem Baby verschafft dir einen Mittagsschlaf und ihm Zeit allein mit dem Kind. Genau darum geht es: Je eigenständiger seine Beziehung zum Baby wird, desto spürbarer entlastet dich das. Dafür braucht es allerdings auch deine Toleranz, wenn er etwas anders löst, als du es tun würdest [3].

Die Nächte: Wer steht auf, wenn nur die Mutter stillen kann?

Nachts mehrmals geweckt zu werden, ist die Belastung, an der die meisten Paare zuerst mürbe werden. Das Stillen selbst kann der Vater nicht übernehmen. Alles darum herum schon: Er bringt dir das Baby ans Bett, wechselt die Windel und legt es danach wieder hin [3]. Das klingt nach wenig und macht viel aus, weil du liegen bleiben kannst.

Hilfreich ist ausserdem, nahe beieinander zu schlafen, damit dein Kind gar nicht erst schreien muss. Als sichersten Schlafort nennt eine Kommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, der Gesellschaft für Neonatologie und der Stillförderung Schweiz das eigene Kinderbett im Schlafzimmer der Eltern; Beistellbetten, die sich ans Elternbett andocken lassen, sind eine sinnvolle Alternative [2]. Und noch etwas nimmt Druck heraus: Dass ein Baby nicht durchschläft, ist normal. Zwischen sechs und zwölf Monaten erwachen die meisten Kinder sogar wieder häufiger, unabhängig davon, ob sie gestillt werden [2]. Mehr dazu steht im Artikel Wann dein Baby endlich durchschläft.

Helfen in der Stillzeit: Schöppeln mit abgepumpter Milch

Beim ersten Mal fühlt sich das Abpumpen ungewohnt an, bald läuft es von allein. Milchpumpen kommen zum Einsatz, wenn frühgeborene Kinder noch nicht an der Brust saugen können, wenn Mütter wieder in den Beruf einsteigen, wenn das Kind einmal beim Babysitter bleibt oder eben, wenn der Vater füttern möchte. Vier Punkte solltest du dabei kennen.

Warte, bis das Stillen eingespielt ist. Die Stillförderung Schweiz rät, erst dann abzupumpen und die Ernährung mit abgepumpter Milch dem Partner zu überlassen, wenn sich das Stillen etabliert hat [3]. In den ersten Wochen lernt dein Baby das Saugen an der Brust, und an der Flasche funktioniert das anders. Eine Saugverwirrung ist deshalb vor allem am Anfang ein Thema.

Pumpe etwa so oft, wie du stillen würdest. Bist du länger vom Kind getrennt, ist regelmässiges Abpumpen wichtig: Es verhindert einen schmerzhaften Milchstau und sorgt dafür, dass die Milchmenge nicht zurückgeht. Wie viel dabei zusammenkommt, sagt übrigens nichts über deine tatsächliche Milchproduktion aus. Die Pumpe holt in der Regel weniger heraus, als dein Kind in derselben Zeit an der Brust trinken würde [2].

So lange hält abgepumpte Milch. Bei Zimmertemperatur (16 bis 29 Grad) drei bis vier Stunden, im Kühlschrank (kälter als 4 Grad) drei Tage, im Tiefkühler (kälter als minus 17 Grad) sechs Monate [1]. Stell die Milch nicht ins Türfach, sondern hinten in den Kühlschrank, wo es am kältesten ist. Beschrifte die Behälter mit dem Datum und friere in Portionen von 50 bis 100 Millilitern ein, dann musst du weniger wegschütten [2].

Erwärmen: niemals in der Mikrowelle. Gefrorene Milch taut am besten einige Stunden im Kühlschrank auf. Danach wärmst du sie im warmen, nicht heissen Wasserbad an und schüttelst sie kurz auf, damit sich das Fett verteilt [1]. In der Mikrowelle verteilt sich die Hitze ungleichmässig, das kann zu Verbrennungen führen, und wertvolle Bestandteile gehen verloren [2]. Aufgetaute Milch gehört nicht zurück ins Tiefkühlfach und sollte innerhalb von 24 Stunden verbraucht werden. Was dein Baby übrig lässt, kannst du ihm innerhalb von zwei Stunden noch einmal geben. Danach kommt der Rest weg [1].

Und wenn dein Baby die Flasche zuerst nicht mag? Das ist kein Rückschlag. Es muss sich erst an eine andere Saugform und -technik gewöhnen, und manche Kinder brauchen dafür mehrere Anläufe. Einige Familien greifen zu speziellen Muttermilchsaugern. Der Hersteller Medela etwa bewirbt seinen Sauger Calma damit, dass das Baby wie an der Brust ein Vakuum erzeugen muss und der Milchfluss stoppt, sobald es pausiert. Das ist eine Herstellerangabe. Bleiben die Schwierigkeiten, ist eine Stillberatung die bessere Adresse als ein neues Produkt [3].

Vaterschaftsurlaub: zwei Wochen, die sich planen lassen

Seit 2021 hat der zweite Elternteil in der Schweiz Anspruch auf einen bezahlten Urlaub nach der Geburt. Im Gesetz heisst er heute «Entschädigung des andern Elternteils». Das Erwerbsersatzgesetz sieht höchstens 14 Taggelder vor, was mit den Wochenenden zwei Wochen entspricht. Ausbezahlt werden 80 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens. Beziehen lässt sich der Urlaub wochenweise oder tageweise, aber nur innerhalb von sechs Monaten ab der Geburt [4].

Zwei Wochen sind schnell vorbei, die Stillzeit dauert länger. Es lohnt sich deshalb, die Tage gemeinsam einzuteilen, statt sie unbesehen direkt nach der Geburt zu verbrauchen. Wie sich der Anspruch aufteilen lässt, steht im Artikel Vaterschaftsurlaub in der Schweiz.

Quellen

  1. Stillförderung Schweiz: Muttermilch aufbewahren (Merkblatt 2025). Abgerufen am 20.08.2026.
  2. Stillförderung Schweiz: Häufige Fragen (FAQ) zum Stillen und zur Säuglingsernährung, aktualisiert 2024. Abgerufen am 20.08.2026.
  3. Stillförderung Schweiz: Du als Vater willst das Beste für dein Baby, Broschüre 2025 (PDF). Abgerufen am 20.08.2026.
  4. Bundesgesetz über den Erwerbsersatz (Erwerbsersatzgesetz, EOG), SR 834.1, Art. 16i–16l, Stand am 1. Juni 2026: Fedlex. Abgerufen am 20.08.2026.

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