Koffein verlangsamt die Hirnentwicklung Jugendlicher

Erst der morgendliche Energy Drink, später die Kaffeepause in der Mensa und nach dem Mittagessen eine Cola - Jugendliche trinken gerne und viel Koffein. Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie warnt nun aber vor koffeinhaltigen Getränken, die schädliche Auswirkungen auf die Hirnentwicklung haben sollen.

Koffein hat negative Auswirkungen auf das Hirn

Drei bis vier Tassen Koffein pro Tag können für Jugendliche schädlich sein. Foto: iStock, Thinkstock

Koffeinhaltige Getränke schmecken Jugendlichen nicht nur gut, sie helfen ihnen auch dabei, in stressigen Phasen wach zu bleiben. In den vergangenen 30 Jahren ist der Koffeinkonsum von jungen Erwachsenen um mehr als 70 Prozent gestiegen und «Energy Drinks» sind zum umsatzstärksten Segment der Getränkeindustrie geworden. Getränke wie Red Bull und Coca Cola wirken sich aber nicht nur wegen ihrer hohen Zuckermenge negativ auf die Gesundheit aus, sondern verzögern auch Reifeprozesse im Hirn, wie eine heute veröffentlichte Studie des Kinderspitals Zürich darlegt.

Koffein verzögert die Hirnentwicklung

Kinder lernen von Tag zu Tag Neues, wodurch immer mehr Verknüpfungen im Hirn (Synapsen) gebildet werden. In der Kindheit nimmt nicht nur die Bildung dieser Synapsen stetig zu, sondern auch die Dauer und Intensität des Tiefschlafs. In der Pubertät erreicht die Synapsenbildung ihren Höhepunkt und fällt danach langsam wieder ab, wenn das Gehirn zu reifen beginnt. «Das ist eine Optimierung, die vermutlich im Tiefschlaf passiert. Wichtige Synapsen werden ausgebaut, die anderen abgebaut, so wird das Netzwerk effizienter und das Gehirn leistungsfähiger», erklärt Huber. In der vom SNF unterstützten Studie untersuchte das Forscherteam die Auswirkungen von Koffein auf den Tiefschlaf und gelangte zu erschreckenden Ergebnissen: Drei bis vier Tassen Kaffee am Tag führen nicht nur zu einem verminderten Tiefschlaf, sondern auch zu einer verzögerten Hirnentwicklung.

Drei bis vier Tassen pro Tag beeinflussen den Tiefschlaf

Da die Synapsenbildung bei Ratten ähnlich wie bei Menschen abläuft, untersuchte Huber den Einfluss von Koffein auf dreissig Tage alte Ratten. Bei den Ratten, die während fünf Tagen angemessene Mengen Koffein erhielten, zeigten Hirnstromwellen einen verminderten Tiefschlaf vom 31. bis zum 42. Lebenstag, also noch lange nach Ende der Koffeingabe. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die während dieser Zeit nur Wasser erhielt, war bei den koffeintrinkenden Ratten nicht nur ein verlangsamter Reifeprozess zu beobachten. Auch fiel den Forschern auf, dass die Koffeingruppe scheu und vorsichtig blieb, während die wassertrinkenden Ratten neugierig auf ihre Umgebung reagierte. Auf den Menschen umgerechnet entspricht der Koffeinkonsum der Ratten drei bis vier Tassen pro Tag.

Ob sich Koffein tatsächlich so negativ auf das menschliche Gehirn auswirkt, wie es der Versuch mit Ratten annehmen lässt, muss künftig noch untersucht werden.

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