Freizeit > Ferien & ReisenHepatitis, Gelbfieber, Tollwut und Co.: Welche Reiseimpfungen sind nötig?Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine persönliche Beratung. Welche Impfungen und Prophylaxen für dich oder dein Kind sinnvoll oder vorgeschrieben sind, ist immer destination-based (Zielland, Region, Saison), hängt von Reisedauer, Reiseart, Alter und Vorerkrankungen ab und sollte individuell mit einer Ärzt:in (Kinderarztpraxis/Hausarztpraxis) oder einer reisemedizinischen Fachstelle besprochen werden. Für die Schweiz gelten als verlässliche Referenzen insbesondere Informationen des BAG und die Empfehlungen auf HealthyTravel. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Wer eine Reise plant tut gut daran, frühzeitig abzuklären, welche Impfungen sinnvoll oder gar zwingend sind. Foto: steffiiiii, iStock, Thinkstock Ferien in der Sonne sind für viele Familien ein Lichtblick – gleichzeitig steigen mit Fernreisen (oder auch Reisen innerhalb Europas) je nach Destination bestimmte Infektionsrisiken. Das Gute: Mit einer guten Vorbereitung kannst du sehr viel vorbeugen. Impfungen schützen vor einigen schweren Erkrankungen (z. B. Hepatitis A, Gelbfieber, Tollwut), und genauso wichtig sind Basisimpfungen, Mückenschutz, Lebensmittelhygiene sowie – in bestimmten Regionen – eine ärztlich geplante Malaria-Strategie. In 5 Schritten zur Impfentscheidung 1) Destination, Reisedauer, Aktivitäten, Alter, Vorerkrankungen Damit eine Fachperson einen passenden Plan erstellen kann, helfen diese Angaben: Destination & Region: Land ist nicht gleich Land: Küste vs. Hinterland, Stadt vs. ländliche Gebiete, Höhe (Berge) und saisonale Regenzeiten machen einen Unterschied. Reisedauer: Je länger du bleibst, desto wahrscheinlicher sind Kontakte, kleine Unfälle oder Situationen, in denen Hygiene nicht optimal ist. Aktivitäten: Trekken, campieren im Zelt, Familienbesuche, Märkte/Streetfood, Arbeiten mit Tieren, Höhlen (Fledermäuse) oder viel Zeit am Wasser beeinflussen das Risiko. Alter des Kindes: Einige Impfungen sind altersabhängig, andere brauchen mehrere Dosen bis zum verlässlichen Schutz. Vorerkrankungen & Medikamente: Chronische Erkrankungen, Immunsuppression, Allergien oder Schwangerschaft müssen vor Impfungen und Malariamitteln zwingend angesprochen werden. 2) Beratung: Kinderarzt/Reisemedizin (Timing) Idealerweise klärst du Reiseimpfungen 6 bis 8 Wochen vor Abreise ab. So bleibt genug Zeit für Impfserien und für allfällige Nebenwirkungen (z. B. lokale Schmerzen, Fieber) vor dem Reisebeginn. Wenn ihr kurzfristig bucht: trotzdem anrufen – es gibt oft sinnvolle «Last-Minute»-Optionen, und manchmal reicht bereits eine erste Dosis plus ein Plan für später. 3) Zeitstrahl: Was du wann erledigst 6 Wochen vorher: Termin in der Praxis/Impfzentrum vereinbaren, Impfausweis zusammensuchen, Reiseroute/Unterkünfte/Activities notieren, Basisimpfungen prüfen, je nach Ziel erste Dosen starten (z. B. Hepatitis, Tollwut) und Malaria-Strategie besprechen. 2 Wochen vorher: Fehlende Dosen/Booster nach Plan, Reiseapotheke (inkl. Fieberthermometer, Elektrolytlösung, Desinfektion), Mückenschutz (Repellent, lange Kleidung, Moskitonetz), Hygieneplanung (Trinkwasser, Essen). Reisebeginn: Impfausweis (oder verlässlicher Nachweis) mitnehmen, Mückenschutz konsequent umsetzen, bei Tierkontakt vorsichtig bleiben, bei Fieber oder schwerer Erkrankung medizinisch abklären lassen. 4) Einreisebestimmungen prüfen Einige Länder verlangen Impfungen als Einreisevoraussetzung (klassisch Gelbfieber, teils abhängig von Einreise aus einem Risikogebiet). Diese Regeln können sich ändern. Darum: immer kurz vor Abreise nochmals checken. 5) Schutzmassnahmen ergänzen: Hygiene, Mücken, Verhalten Viele Reisekrankheiten lassen sich nicht impfen (z. B. viele Durchfallerreger, Dengue). Darum gehören Mückenschutz und Lebensmittelhygiene immer dazu – auch wenn ihr «gut geimpft» seid. So findest du seriöse Infos: BAG & HealthyTravel BAG: In der Schweiz ist das Bundesamt für Gesundheit eine zentrale Stelle für den Schweizer Impfplan und Empfehlungen zur Prävention. HealthyTravel: Für reisemedizinische Empfehlungen aus Schweizer Perspektive (destination-based) ist HealthyTravel eine wichtige Referenz. Praxis/Impfzentrum: Die finale Entscheidung sollte immer individuell mit einer Ärzt:in oder einer reisemedizinischen Fachstelle getroffen werden – besonders bei Säuglingen, chronischen Krankheiten, Immunsuppression oder Schwangerschaft. Schweizer Impfplan vs. Reiseimpfungen Basisimpfungen checken (Impfausweis) Reisen ist ein idealer Anlass, die Basisimpfungen gemäss Schweizer Impfplan zu überprüfen. Oft sind Auffrischungen der wichtigste Schritt, weil diese Krankheiten auch auf Reisen vorkommen und teils schwer verlaufen können. Wichtig für Familien: Masern sind weiterhin ein relevantes Reisethema. Schon kurze Aufenthalte (Flughäfen, Hotels, Familienbesuche) können reichen. Wenn du unsicher bist, ob du oder dein Kind vollständig gegen Masern geimpft seid, lohnt sich eine rasche Klärung in der Praxis. Häufige Reiseimpfungen im Überblick Welche Impfungen «nötig» sind, hängt stark vom Ziel ab. Diese Impfungen werden in der reisemedizinischen Beratung häufig besprochen: Hepatitis A Hepatitis A wird fäkal-oral übertragen, typischerweise über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel. Für viele Destinationen (auch ausserhalb klassischer Fernreiseziele) kann die Impfung sinnvoll sein – besonders bei Kindern, die unterwegs vieles anfassen und dann rasch essen, oder bei Reisen mit einfachen hygienischen Bedingungen. Nach der Impfung dauert es etwas, bis ein verlässlicher Schutz aufgebaut ist; je früher du planst, desto besser. Hepatitis B Hepatitis B wird über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen. In der Reiseberatung wird sie vor allem bei längeren Aufenthalten, engem Kontakt mit der lokalen Bevölkerung (z. B. Familienbesuche), medizinischen Behandlungen im Ausland (auch ungeplant nach Unfällen) oder bei bestimmten Risikosituationen thematisiert. Faktencheck: Die Hepatitis-B-Impfung wird in der Regel als Injektion verabreicht (nicht als Schluckimpfung). Oft ist sie bereits Teil der Basisimpfungen – hier lohnt sich der Blick in den Impfausweis. Typhus Typhus ist eine bakterielle Infektion, die über verunreinigte Lebensmittel und Wasser übertragen werden kann. Das Risiko ist in bestimmten Regionen erhöht, besonders bei Reisen mit einfachen hygienischen Bedingungen oder «Backpacking»-ähnlichen Situationen. Eine Impfung kann schützen, aber sie ersetzt nicht die wichtigste Regel: Trinkwasser sicher wählen und bei Eiswürfeln, ungekochtem Essen sowie ungeschältem Obst vorsichtig sein. Gelbfieber (nur Zentren) Gelbfieber kommt in bestimmten tropischen Regionen vor. Die Impfung ist in einigen Ländern vorgeschrieben (Einreisebestimmung) oder stark empfohlen. Sie wird in der Regel nur in autorisierten Gelbfieber-Impfstellen durchgeführt, weil Dokumentation und Vorgaben speziell sind. Ob sie für dein Kind geeignet ist, muss individuell beurteilt werden (Alter, Gesundheitszustand, Route). Tollwut (Risikoimpfung) Tollwut wird meist durch den Biss oder Kratzer infizierter Säugetiere übertragen (in vielen Ländern insbesondere Hunde, aber auch Affen, Fledermäuse oder Katzen). Tollwut ist praktisch immer tödlich, sobald Symptome auftreten. Die Impfung wird vor allem dann geprüft, wenn ihr in Regionen mit relevantem Risiko reist, wenn ihr abseits medizinischer Versorgung unterwegs seid oder wenn Kinder wegen ihres Verhaltens (Tiere anfassen, unbemerkt gekratzt werden) ein höheres Expositionsrisiko haben. Ganz zentral: Auch wenn eine Person geimpft ist, braucht es nach einem Risiko-Kontakt (Biss/Kratzer/Schleimhautkontakt mit Speichel) sofortige medizinische Abklärung und eine definierte Nachbehandlung. Darum: Kinder im Ferienalltag immer wieder klar erinnern: «Tiere nicht anfassen – auch keine herzigen Welpen.» Malaria & Mückenschutz Malaria ist nicht durch eine klassische Reiseimpfung «erledigt». Schutz besteht aus einer Kombination aus Expositionsschutz (Stiche vermeiden) und – je nach Region und Risiko – einer ärztlich verordneten Chemoprophylaxe oder einer individuell besprochenen Notfallmedikation. Was sinnvoll ist, hängt stark von der Destination, Jahreszeit, Höhenlage und der Verfügbarkeit medizinischer Versorgung ab. Prophylaxe/Notfallmedikation & Expositionsschutz Repellent: Tagsüber und nachts je nach Mückenart konsequent anwenden. Besonders wichtig: Mücken, die z. B. Dengue übertragen, stechen häufig tagsüber. Kleidung: Lange, helle Kleidung kann Stiche reduzieren. Moskitonetz: In Risikogebieten und bei einfachen Unterkünften sehr sinnvoll, besonders für Kinder. Unterkunft: Klimaanlage, Insektengitter und geschlossene Fenster/Türen am Abend helfen. Fieber ernst nehmen: Fieber während oder nach Aufenthalten in Malaria-Regionen muss dringend medizinisch abgeklärt werden. FAQ für Eltern Was, wenn mein Kind gerade krank ist? Bei Fieber oder wenn dein Kind aktuell deutlich krank ist, wird eine Impfung oft verschoben – nicht weil Impfungen «gefährlich» wären, sondern damit Symptome (z. B. Fieber nach der Impfung) nicht mit der Erkrankung verwechselt werden und damit sich dein Kind erholen kann. Bei leichten Infekten ohne Fieber ist Impfen je nach Situation trotzdem möglich. Kläre das kurz in der Praxis, besonders wenn die Reise bald startet. Wie lange vorher sollte man impfen? Plane idealerweise 6 bis 8 Wochen ein. Manche Impfungen brauchen mehrere Dosen, und der Schutz baut sich nicht immer sofort auf. Wenn es nur noch 1 bis 2 Wochen bis zur Abreise sind: trotzdem beraten lassen. Je nach Ziel sind einzelne Impfungen, Auffrischungen oder Schutzmassnahmen noch sinnvoll. Brauchen wir wirklich Reiseimpfungen, wenn wir «nur» im Hotel sind? Auch im Hotel isst du ausserhalb, fährst Ausflüge, nutzt Transportmittel oder besuchst Märkte. Viele Risiken entstehen nicht durch «Abenteuerreisen», sondern durch alltägliche Situationen (z. B. kontaminierte Lebensmittel, Mückenstiche, Tierkontakte). Die genaue Empfehlung hängt von Destination und Saison ab – deshalb ist die destination-based Beratung so wichtig. Generelle Infos zu Reiseimpfungen Wenn du eine Reise in ein Risikogebiet planst, besprich dein Vorhaben vorgängig mit der Hausarztpraxis, Kinderarztpraxis oder einer Fachstelle für Reisemedizin. Überprüfe vor jeder Reise die Impfbestimmungen der jeweiligen Destination. In den Tropen und Subtropen Tag und Nacht auf Mückenschutz achten (lange Kleidung, Insektenspray, Moskitonetze). Wichtig: Mücken, die zum Beispiel Denguefieber übertragen, stechen vor allem tagsüber. Tritt Fieber während oder nach einem Aufenthalt in den Tropen auf, sollte es unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Wichtig: Informiere die Ärzt:in vor jeder Impfung über chronische oder schwere Krankheiten, Allergien, Schwangerschaft und Medikamente, die du regelmässig einnehmen musst. Bei Fieber sollte die Impfung verschoben werden.