Freizeit > Ferien & ReisenCheckliste für die ReiseapothekeWer in die Ferien fährt, sollte frühzeitig eine Notfall- oder Reiseapotheke zusammenstellen. Der Umfang der mitzunehmenden Medikamente hängt dabei von der Wahl des Reiseziels, sowie der Reiseart und der Reiselänge ab. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Eine Reiseapotheke erspart oft das Suchen nach geeigneten Medikamenten und Verbandmaterial in der Feriendestination. (Bild: Robert Przybysz/iStock, Thinkstock) Krank sein in den Ferien gehört mitunter zu den unangenehmsten Erfahrungen, die man machen kann. Denn oft ist die medizinische Versorgung in der Reisedestination nicht die selbe wie zu Hause, hinzu kommt vielleicht eine fremde Sprache, die die Verständigung zusätzlich erschwert. Daher solltest du vor einer Reise ins Ausland rechtzeitig eine Reiseapotheke anlegen. Denn in anderen Ländern sind nicht immer dieselben Medikamente wie zu Hause erhältlich. Es kann sein, dass du dann auf eine andere Marke ausweichen musst oder im schlimmsten Fall sogar einen Wirkstoff verwenden würdest, der hierzulande nicht bekannt ist. Das kann zu unerwarteten Nebenwirkungen führen. Mit bekannten Medikamenten kannst du diese Gefahr minimieren. Reiseapotheke nach Alter & Bedürfnissen Eine «gute» Reiseapotheke ist nicht möglichst gross, sondern passend: zum Alter deines Kindes, zur Reiseart (Auto, Flug, Camping), zum Klima (Hitze, Sonne, Höhe) und zu euren individuellen Risiken (Allergien, chronische Krankheiten). Praktisch ist es, wenn du die Reiseapotheke in zwei Teile gliederst: 1) «Grundausstattung» für alle und 2) «Zusatz je nach Kind». So findest du im Stress schneller, was du brauchst, und du nimmst weniger doppelt mit. Grundausstattung (für jede Familie) Verband/Instrumente Wunddesinfektion und Händedesinfektion Schnellverband, Heftpflaster, elastische Binde, Gaze, Verbandklammern, Sicherheitsnadeln Fieberthermometer in bruchsicherer Hülle Kleine Schere, Fremdkörperpinzette Fieber/Schmerz Schmerz- und Fiebermittel in kindgerechter Dosierung und Darreichungsform (z.B. Saft, Zäpfchen, Tabletten – je nach Alter) Dosierhilfe (Spritze oder Messbecher) und eine Notiz mit dem aktuellen Gewicht deines Kindes Hinweis: Achte darauf, nicht mehrere Kombipräparate parallel zu geben. Wenn du unsicher bist, frag in der Apotheke nach dem Wirkstoff (z.B. Paracetamol oder Ibuprofen) und rechne die Tageshöchstdosis sauber nach. ORS (Orale Rehydratationslösung) bei Durchfall/Erbrechen Orale Rehydratationslösung (aus der Apotheke) für Kinder und Erwachsene Begründung: Bei Durchfall und Erbrechen zählt vor allem Flüssigkeit und Salz. Hautschutz Sonnencreme Insektenschutz für die Haut zum Einreiben oder Aufsprühen Bei Insektenstichen Mittel gegen Juckreiz zum Einreiben (und je nach Situation/ärztlicher Empfehlung auch zum Einnehmen) After-Sun oder eine beruhigende Pflege für gereizte Haut (z.B. nach Sonne, Salz- oder Chlorwasser) Reiseapotheke fürs längere Autofahrten Folgendes solltest du im Auto dabei haben: Kopfschmerztabletten Etwas gegen Übelkeit und eine Spucktüte Desinfektionsmittel für öffentliche Toiletten Reinigungstücher Die gepackte Tasche musst du unbedingt ausserhalb der Reichweite der Kinder aufbewahren. Sonnencreme sollte in keiner Reiseapotheke fehlen. Foto: iStock, senky, Thinkstock Erste Hilfe Zur Versorgung von Wunden sind Verbandmaterial wie Schnellverband, Heftpflaster, elastische Binde, Gaze, Verbandklammern, Sicherheitsnadeln und ein Desinfektionsmittel mitzunehmen. Mitzunehmende Instrumente sind: Fieberthermometer in bruchsicherer Hülle, kleine Schere, Fremdkörperpinzette. Chronisch & Allergien: was zusätzlich rein muss Wenn dein Kind eine chronische Erkrankung oder eine schwere Allergie hat, reicht eine Standardliste oft nicht. Plane so, dass du 1–2 Wochen Reserve einpackst (vor allem bei Verspätungen oder verlorenem Gepäck) und verteile wichtige Medikamente auf Handgepäck und Koffer. Asthma Bedarfsmedikament (z.B. kurz wirksamer Bronchodilatator) plus Spacer/Inhalierhilfe Dauertherapie (Controller) in ausreichender Menge Kopie des Asthma-Plans bzw. ärztliche Anweisung, was bei Verschlechterung zu tun ist Diabetes Insulin, ausreichend Teststreifen/CGM-Sensoren, Lanzetten, Ersatzbatterien/Powerbank (falls nötig) Hypoglykämie-Set (Traubenzucker, schnell wirksame Kohlenhydrate) und je nach ärztlicher Verordnung Glukagon Transportlösung für die Kühlung (siehe Abschnitt «Kühlkette & Hitze») Epipen/Anaphylaxie-Plan Adrenalin-Autoinjektor(en) in doppelter Ausführung (falls empfohlen) und griffbereit, nicht im aufgegebenen Gepäck Antihistaminikum und Kortikosteroid gemäss ärztlichem Notfallplan Schriftlicher Notfallplan (kurz und klar: «Woran erkenne ich eine Reaktion? Was gebe ich zuerst? Wann 144?») Neurodermitis und empfindliche Haut Basispflege (reichhaltige Salbe/Creme, die ihr vertragt) in ausreichender Menge Entzündungshemmende Creme/Salbe gemäss ärztlicher Verordnung Bei starkem Juckreiz: deine bewährten Massnahmen (kühlende Umschläge, geeignete Kleidung, ggf. ärztlich empfohlenes Medikament) Schmerz- und Fiebermittel: Sind Kinder mit dabei, dann achte darauf, dass du für Kinder zugelassene Medikamente einpackst. Tipp: Kautabletten können auch ohne Wasser eingenommen werden. Hautschutz: Sonnencreme Insektenschutz für die Haut zum Einreiben oder Aufsprühen. Bei Insektenstichen Medikamente gegen Juckreiz zum Einreiben oder Einnehmen. Durchfall: Rehydratationslösung (käuflich in Apotheke), Probiotica (auf Basis von Microorganismen wie z.B. Lactobazillen, erhältlich in Apotheken). Durchfallhemmendes Medikament bei wässrigem Durchfall ohne Fieber. Bei Durchfall mit hohem Fieber und blutigem Stuhl solltest du vor Ort eine Ärzt:in aufsuchen Mineralsalzpulver für Flüssigkeitsersatz. Verstopfung: Genügend Trinken und ballaststoffreiche Nahrung essen. Für kurze Zeit kann ein mildes Abführmittel verwendet werden. Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit: Bei bekannter Reiseübelkeit kann bereits vor Fahrtbeginn ein entsprechendes Medikament eingenommen werden. Für Kinder gibt es rezeptfreie Zäpfchen gegen Reisekrankheit, es wird aber empfohlen, vor Reiseantritt mit der Ärzt:in die Verträglichkeit abzuklären. Bei plötzlicher Übelkeit helfen schnell wirksame Kaugummi-Präparate. Vorsicht: Viele dieser Wirkstoffe machen schläfrig. Medikamente im Handgepäck & Kühlkette Bei Flug- oder längeren Bahnreisen lohnt es sich, die wichtigsten Medikamente immer im Handgepäck zu haben: Fiebermittel, ORS, Asthma-Spray, Adrenalin-Autoinjektor, Insulin/Diabetesmaterial sowie alles, was du innerhalb von 24 Stunden benötigen könntest. Das gilt auch dann, wenn du zusätzlich alles im Koffer hast. Handgepäck-Regeln (Medikamente/Babyfood) Flüssige Medikamente und Babynahrung werden an Flughäfen häufig als «medizinisch notwendig» akzeptiert, trotzdem ist es hilfreich, die Originalverpackung und – wenn vorhanden – eine ärztliche Bestätigung oder ein Rezept dabeizuhaben. Plane extra Zeit für die Sicherheitskontrolle ein und lagere Medikamente so, dass du sie auf Verlangen schnell vorzeigen kannst. Kühlkette & Hitze: was in den Schatten muss Hitze kann Medikamente beschädigen: Manche Wirkstoffe verlieren an Wirksamkeit, andere werden instabil. Achte auf die Lagerhinweise in der Packungsbeilage (Temperatur, Lichtschutz). Besonders wichtig ist das bei kühlpflichtigen Medikamenten (z.B. bestimmten Insulinen). Nutze eine Kühlbox oder Kühltasche, aber vermeide direkten Kontakt von Medikamenten mit Kühlakkus (Frostschäden). Lass die Reiseapotheke nie im aufgeheizten Auto liegen und schütze sie vor direkter Sonne. Transport & Aufbewahrung Überlege dir vor dem Packen, was schnell griffbereit sein muss (Auto: oben; Flug: Handgepäck). Prüfe Haltbarkeitsdaten rechtzeitig und ersetze abgelaufene Medikamente. Lagere die Reiseapotheke kindersicher: am besten in einer abschliessbaren Tasche oder ausser Reichweite. Mini-Notfallplan Notfallnummern + Foto/Scan von Rezepten/Mediplan Wichtige Notfallkontakte 144 Sanität (medizinischer Notfall) 145 Tox Info (Vergiftungen, Medikamente, Pflanzen, Haushaltchemie) Speichere die Nummern im Handy und notiere sie zusätzlich auf Papier – falls der Akku leer ist. Praktisch ist ausserdem: Mach ein Foto/Scan von Rezepten, Impfausweis und dem Medikamentenplan und speichere es offline auf dem Handy. So hast du wichtige Infos auch dann, wenn das Original verloren geht. Arztbrief/Rezepte/Versicherungskarte – das hilft im Ausland Wenn dein Kind chronisch krank ist: kurzer Arztbrief (Diagnose, aktuelle Therapie, Notfallmedikamente) auf Deutsch und wenn möglich zusätzlich auf Englisch Rezepte oder Medikamentenliste mit Wirkstoffnamen (nicht nur Markenname), damit du Ersatz findest Versicherungskarte und Notfallnummer der Krankenversicherung/Reiseversicherung Bei Flugreisen: Bestätigung für medizinisch notwendige Flüssigkeiten/Medizinprodukte (z.B. Inhalationsgerät, Insulin, Spritzen), falls vorhanden Wichtige Tipps Haltbarkeitsprobleme: Wenn immer möglich sollen Tabletten oder Dragees und weniger Tropfen oder Säfte mitgenommen werden, da die Behältnisse zerbrechen können. Auch ein geschmolzenes Schmerz- oder Fiberzäpfchen nützt im Bedarfsfall nichts mehr. Salben sind Cremes vorzuziehen, da ihre Grundlage stabiler gegen klimatische Einflüsse ist. Jedes Medikament verfügt über ein Verfalldatum. Medikamente müssen vor Wärme, Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden. Dazu gehören auch Medikamente wie Insulin oder Schlangenseren. Vor allem in warmen Ländern empfiehlt sich eine Lagerung in Kühlboxen. Wichtige Arzneimittel, die regelmässig eingenommen werden müssen, sollen unbedingt im Handgepäck mitgenommen werden. Die Mitnahme des Arztrezeptes und des Packungsprospektes erleichtern die Beschaffung eines Ersatzmedikamentes im Ausland. Müssen Medikamente zu einem festen Zeitpunkt eingenommen werden (z.B. Empfängnisschutz, Insulin), muss eine mögliche Zeitverschiebung bei Fernreisen miteingerechnet werden. * bezeichnet rezeptpflichtige Medikamente.