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Umweltbewusst reisen

Ferien im fernen Neuseeland oder in der Karibik sind heute leicht planbar. Flugzeuge machen es möglich. Sie haben aber einen grossen Nachteil: Der Treibhausgas-Ausstoss und die Lärmbelästigung sind enorm – und wirken sich messbar auf den persönlichen Klima-Fussabdruck aus.

Was bringt wirklich viel?

Wenn du mit der Familie nachhaltiger reisen möchtest, lohnt es sich, zuerst dort anzusetzen, wo der Effekt am grössten ist. Wissenschaftliche Auswertungen zeigen seit Jahren ein klares Muster: Die Anreise (vor allem Fliegen und Autofahren über lange Distanzen) dominiert meist die Klimabilanz einer Reise – deutlich stärker als einzelne Massnahmen im Hotelzimmer. Besonders hoch fällt die Klimawirkung bei Flugreisen ins Gewicht, weil Emissionen in grosser Höhe zusätzliche Effekte haben.

Impact-Ranking: Was reduziert die Klimabelastung am stärksten?

1) Flug vermeiden oder seltener fliegen (grösster Hebel)

2) Verkehrsmittel wechseln: Zug statt Flug, Bus/Bahn statt Auto, Auto teilen statt alleine

3) Distanz und Reisedauer passend wählen: lieber näher und länger statt weit und kurz

4) Unterkunft bewusst wählen: Energie, Heizung/Kühlung, Wäsche, Food Waste

5) Verhalten vor Ort: klimafreundlich essen, Abfall vermeiden, naturverträgliche Aktivitäten

6) Kompensation: sinnvoll als Zusatz, aber nicht als Ersatz für Reduktion

Wer mit einem Flugzeug in den Uralub fährt, trägt zu einem hohen Treibhausgasausstoss bei.
Flugreisen tragen viel zur Umweltbelastung bei. Foto: iStock, Thinkstock

Flugreisen und Nachhaltigkeit passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Wenn du denkst, die eine Ferienreise in die USA mache den Unterschied im persönlichen Kohlenstoffdioxid-Fussabdruck nicht aus, lohnt sich ein genauer Blick: Gerade einzelne Langstreckenflüge können einen grossen Teil der jährlichen Emissionen ausmachen.

Nach Berechnungen der Schweizer Stiftung «myclimate» entspricht ein Retour-Flug von Zürich nach New York mit rund drei Tonnen CO2-Ausstoss etwa einem Drittel der jährlichen Kohlenstoffdioxid-Emissionen eines Durchschnittsschweizers von etwa sieben bis zehn Tonnen CO2.

«myclimate» ist eine gemeinnützige Organisation, die freiwillige Kompensationsmassnahmen anbietet. Aus einem Projekt von Studierenden und Professoren der ETH Zürich hervorgegangen, unterstützt die Stiftung heute Klimaschutzprojekte mit Kompensationsgeldern. Konkret heisst das: Du rechnest deinen eigenen CO2-Ausstoss für die nächste Auto- oder Flugreise per Online-CO2-Rechner und erhältst daraufhin einen Spendenvorschlag. Mit der Spende wird zum Beispiel die Verteilung von Solarkochern im Südwesten Madagaskars unterstützt.

Nicht nur der CO2-Ausstoss ist bei Flugzeugen hoch. Sie emittieren auch Stickoxide, Schwefeloxide und Aerosole. Kondensstreifen und die Bildung von Zirruswolken tragen ebenso zur Klimaerwärmung bei. Der Flugverkehr hat laut «myclimate» in der Schweiz einen Anteil an Treibhausgas-Emissionen von 14 Prozent.

Die wirksamsten Hebel für Familien

1) Anreise: Distanz & Verkehrsmittel

Das Autofahren gehört neben dem Fliegen zu den «Hauptverschmutzern» was Treibhausgas-Emissionen anbelangt. Deutlich wird die Umweltbelastung durch den Flug- und den Autoverkehr an einer einfachen Berechnung, die das Bundesamt für Umwelt im Magazin «Umwelt» herausstellt. Demnach verursacht eine Reise von Zürich nach Hamburg mit dem Flugzeug die gleiche Klimabelastung wie anderthalb Wegstrecken mit dem Auto, drei Fahrten mit dem ICE oder fünf Fahrten mit dem Nachtzug, der langsamer und daher energiesparender fährt.

Du musst als Familie nicht komplett auf Flug oder Auto verzichten – aber du kannst die grossen Stellschrauben klug nutzen:

  • Flüge bündeln statt häufen: Wenn fliegen, dann lieber seltener und dafür länger bleiben. Kurze Trips mit Flug (z.B. ein Wochenende) sind besonders ungünstig.
  • Nahziele neu entdecken: Viele Ferienziele in Europa (und in der Schweiz) sind mit der Bahn gut erreichbar. Wenn du bei der Planung überlegst, ob es ein ähnliches Feriengefühl näher gibt, reduziert das oft den grössten Teil der Emissionen.
  • Auto effizient nutzen: Wenn Auto, dann möglichst voll besetzt, vorausschauend fahren, unnötiges Gewicht vermeiden und vor Ort öfter auf ÖV, Velo oder zu Fuss umsteigen.

Richtet man sich nach den Empfehlungen des Uno-Klimarates IPCC, wonach pro Jahr jeder nur ein bis zwei Tonnen CO2 verbrauchen sollte, sind Flugreisen nicht komplett ausgeschlossen. Alle drei Jahre sei eine Flugreise auf die Kanarischen Inseln oder auf Kreta möglich, alle 15 Jahre auf Bali, so «myclimate». Pro Jahr können pro Person nach dieser Berechnung auch insgesamt 1000 Kilometer mit dem Auto gefahren werden. Für eine vierköpfige Familie wäre das eine Autoreise nach Neapel und 2000 Kilometer über das Jahr verteilt.

In den Jahren zwischen den Flug- und Autoreisen ist eine Reise mit der Bahn angesagt. Oft lassen sich viele schöne Ziele in Europa mit dem Zug erreichen. Bevor du eine Reise planst, empfiehlt der deutsche Umweltverband BUND dich zu fragen, ob es wirklich nötig ist, so weit weg zu fahren und ob du nicht einen ähnlichen Urlaub in der Nähe verbringen könntest.

Um einen Urlaub am Strand in Frankreich oder Italien zu machen, kann man statt mit dem Flugzeug zu fliegen auch mit der Bahn reisen.
Schöne Strände gibt es nicht nur im fernen Thailand, sondern auch im nah gelegenen Frankreich.

Ebenfalls stimmen sollte das Verhältnis von Entfernung und Dauer der Reise. Wochenendausflüge mit dem Flugzeug nach Paris oder eine Woche Urlaub auf Kuba zählen nicht zu den umweltfreundlichen Varianten.

2) Unterkunft: Energie/Wasser/Wäsche

All-Inclusive- oder Grosshotels sind meist nicht umweltfreundlich. Sie lassen zudem die Einwohner des Urlaubslandes nicht an den Einnahmen des Tourismus teilhaben. Wenn du buchst, helfen dir konkrete Kriterien, statt Werbeversprechen:

  • Energie: Wie wird geheizt/gekühlt? Gibt es Effizienzmassnahmen (z.B. Wärmerückgewinnung, LED, erneuerbare Energie) und werden diese transparent beschrieben?
  • Wasser: Gerade in trockenen Regionen ist Wassermanagement zentral (z.B. sparsame Armaturen, bewusste Gartenbewässerung, Poolgrösse).
  • Wäsche: Täglicher Handtuch- und Bettwäschewechsel ist bequem, aber ressourcenintensiv. Du kannst das aktiv reduzieren, indem du nur bei Bedarf wechseln lässt.
  • Essen: Regionale und saisonale Küche reduziert Transport- und Kühlaufwand und stärkt die lokale Wertschöpfung.

Du kannst dir Fragen stellen wie: Wie gross ist das Hotel oder die Ferienanlage und wie fügt sie sich ins Landschaftsbild ein? Kommt das Essen aus der Region? Wie gross ist der Ort? Liegt die Unterkunft im oder ausserhalb des Ortes? Wie ist das Verhältnis von Bettenangebot zur Einwohnerzahl?

3) Verhalten vor Ort: Essen, Aktivitäten, Abfall

Auch vor Ort kannst du viel bewirken – gerade mit Kindern hilft ein klarer, alltagstauglicher Plan:

  • Klimafreundlicher essen: Häufig vegetarisch, Fleisch als bewusste Ausnahme. Das ist oft der einfachste Hebel neben der Anreise.
  • Naturverträgliche Aktivitäten wählen: Angebote sollten zu Klima- und Landschaftverhältnissen passen. Skifahren auf beschneiten Pisten im Frühling oder ein Spiel auf dem bewässerten Golfplatz in trockenen Gebieten sind nicht umweltfreundlich.
  • Abfall vermeiden: Trinkflasche, Znünibox, wiederverwendbare Beutel. Wenn möglich Unterkünfte wählen, die Recycling klar organisieren.
  • Leise mobil sein: Vor Ort häufiger ÖV, zu Fuss oder mit Velo – so wird es automatisch entschleunigter und oft familienfreundlicher.

Positiv für die Umwelt sind Ferien in autofreien Regionen. In der Schweiz haben sich schon einige Urlaubsziele wie Braunwald zur «Gemeinschaft Autofreier Schweizer Tourismusorte» für «Ferien ohne Auto» zusammengeschlossen.

Wenn du das Auto dann zuhause stehen lässt, mit Koffer, Velo und Wanderschuhen in die Bahn steigst, kannst du mit der ganzen Familie einen schönen Aktivurlaub gestalten. Mal geht es zu Fuss in die Berge, mal mit dem Velo am Fluss entlang. Bahnfahrten an Frankreichs oder Italiens Strände sind zwar zeitintensiv, aber viel nachhaltiger als eine kurze Stunde Flug.

Greenwashing-Check in 6 Fragen

Viele Angebote werben mit «grün», «eco» oder «klimaneutral». Damit du als Familie schneller erkennst, was dahintersteckt, hilft diese kurze Prüfung. Wenn du mehrere Fragen nicht klar beantworten kannst, ist Vorsicht angebracht.

Ist es zertifiziert (z.B. Swisstainable, GSTC-Recognized, Travelife)?

Ein glaubwürdiges Zertifikat ist kein Garant für Perfektion, aber besser als reine Selbstaussagen. Achte darauf, dass ein Programm transparent macht, welche Anforderungen gelten und wie kontrolliert wird.

Wer prüft – unabhängig oder Eigenlabel?

Ein Eigenlabel («wir sind nachhaltig») ist kein Nachweis. Seriöse Programme arbeiten mit unabhängigen Prüfstellen oder klar dokumentierten Audits.

Werden konkrete Daten/Ziele genannt (Energie, CO2, Abfall)?

Gute Anbieter nennen messbare Ziele (z.B. Energieverbrauch, Abfallreduktion, Anteil erneuerbarer Energie) und berichten regelmässig über Fortschritte. Nur allgemeine Slogans sind ein Warnsignal.

Ist Kompensation Zusatz – oder Ersatz für Reduktion?

Kompensation kann sinnvoll sein, sollte aber nicht die einzige Massnahme bleiben. Achte darauf, ob zuerst reduziert wird (z.B. weniger Energie, weniger Food Waste) und Kompensation erst den Rest abdeckt.

Was ist inbegriffen (Scope) und was nicht?

Wenn «klimaneutral» draufsteht, frage dich: Bezieht sich das auf den Hotelbetrieb, auf die ganze Reise, auf Anreise und Verpflegung – oder nur auf einen kleinen Teil? Transparenz ist entscheidend.

Gibt es eine faire Wertschöpfung vor Ort?

Nachhaltigkeit ist nicht nur Klima. Hinweise sind z.B. lokale Mitarbeitende in fairen Arbeitsbedingungen, regionale Lieferketten, Kooperation mit lokalen Anbietern und respektvoller Umgang mit Natur- und Kulturraum.

Schweiz: Orientierung über Swisstainable

Wenn du in der Schweiz Ferien planst, kann dir «Swisstainable» als Orientierung dienen. Die Idee: Betriebe und Angebote machen sichtbar, wie sie Nachhaltigkeit umsetzen und wo sie auf dem Weg stehen. Das kann die Suche vereinfachen – besonders, wenn du rasch eine Vorauswahl treffen möchtest.

Was die Levels bedeuten

Swisstainable arbeitet mit Levels, die zeigen, wie systematisch Nachhaltigkeit in einem Betrieb verankert ist. Für dich als Familie ist vor allem wichtig: Je höher das Level, desto umfassender sind in der Regel die Prozesse, Messungen und Verbesserungen im Betrieb beschrieben. Trotzdem lohnt es sich, zusätzlich hinzuschauen, welche konkreten Massnahmen für euch relevant sind (z.B. ÖV-Anbindung, regionale Küche, Energie, Abfall, Familienangebot ohne Autostress).

So nutzt man es bei der Suche nach Angeboten

  • Starte mit der Anreise: Suche zuerst Ziele, die du gut mit dem ÖV erreichst (das ist oft der grösste Hebel).
  • Vergleiche Angebote auf derselben Strecke: Wenn Ziel und Distanz ähnlich sind, wird die Unterkunft wichtiger.
  • Frage gezielt nach: «Wie handhabt ihr Wäschewechsel?», «Wie wird geheizt/gekühlt?», «Gibt es regionale Menüs?» – konkrete Fragen bringen klare Antworten.

Checkliste «Nachhaltig buchen» 

Anreise

  • Ist das Ziel mit Zug/Bus gut erreichbar?
  • Wenn Auto: Fahrgemeinschaft, volle Auslastung, möglichst wenig Umwege?
  • Wenn Flug: so selten wie möglich und dafür länger bleiben?

Unterkunft

  • Gibt es nachvollziehbare Infos zu Energie/Wasser/Abfall?
  • Ist ein glaubwürdiges Zertifikat vorhanden (und wer prüft)?
  • Wäschewechsel nur bei Bedarf möglich?

Vor Ort

  • Gibt es ÖV, Velo- oder Fusswege statt tägliche Autofahrten?
  • Passt das Aktivprogramm zur Region (ohne künstliche Beschneiung/Bewässerung als Dauerlösung)?
  • Kannst du einfach Mehrweg nutzen und Abfall vermeiden?

Kompensation

  • Hast du zuerst reduziert und kompensierst nur den Rest?
  • Ist der Betrag nachvollziehbar berechnet (z.B. via Rechner)?

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