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Das traditionelle Sechseläuten in Zürich mit den Kindern feiern

Böögg verlier’ schnell deinen Kopf, denn dann wird der Sommer schön. Das wünschen sich Zürcher:innen und Gäste am traditionellen Sechseläuten. Auch viele Kinder lieben diesen schulfreien Tag mit Chilbi und Umzug – und manche sind gleichzeitig beeindruckt von Lärm, Gedränge und Rauch. Mit guter Vorbereitung wird der Tag für euch als Familie entspannt und sicher.

Der Böögg am Sechseläuten brennt.
Am Sechseläuten wird der Böögg angezündet. Je schneller er abbrennt, desto besser wird der kommende Sommer.  © anouchka / iStock / Getty Images Plus

Der Tag vor Sechseläuten gehört traditionell ganz den Kindern: Schon seit 1896 findet am Sonntag der Kinderumzug statt. Teilnehmen können Kinder zwischen fünf und 15 Jahren, die eine Tracht oder Uniform tragen – Kinder aus Zunftfamilien, aus der Stadt und aus umliegenden Gemeinden. Es laufen bis zu 3000 Kinder mit, begleitet von rund 800 Musiker:innen und etwa 150 «Chäfern». Als «Chäfer» werden Frauen und Männer aus Zunftfamilien bezeichnet, erkennbar an ihren Käferkrawatten. Viele Kostüme orientieren sich am Mittelalter, an der Renaissance oder an der Belle Époque und können teils auch gemietet werden.

Wer sich gerne verkleidet und von allen bewundert werden möchte, ist am Kinderumzug richtig. Pferde und Wagen, Blasmusik und das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen: Der Kinderumzug ist für viele Kinder eine grosse Bühne. Du kannst dich als Familie am Strassenrand postieren, eine ruhige Ecke suchen und die farbenfrohe Parade gemeinsam anschauen. Nach dem rund einstündigen Umzug treffen viele Kinder im Kongresshaus ein und werden mit einem Zvieri versorgt.

Der Kinderumzug, der mal als Knabenumzug begann, fand früher nur bei schönem Wetter statt, wobei die Beflaggung der Kirche St. Peter das Zeichen für die Durchführung war. Heute ist das Wetter Nebensache – für euch als Eltern bleibt es aber ein wichtiger Faktor für Komfort und Sicherheit.

Sechseläuten mit Kindern – das solltest du vorab wissen

Wo ist es am kinderfreundlichsten? 

Je nach Alter und Temperament deines Kindes kann ein anderer Ort besser passen:

  • Kinderumzug: Viele Familien empfinden ihn als besonders kindgerecht, weil Kinder im Mittelpunkt stehen und der Ablauf klar ist. Plane frühzeitige Anreise ein, damit ihr einen Platz mit guter Sicht bekommt, ohne euch durchs Gedränge schieben zu müssen.
  • Sechseläutenplatz (Böögg-Verbrennen): Das ist der emotionalste Moment – aber auch der lauteste und am dichtesten besuchte. Für sensible Kinder ist ein Platz mit Abstand (und klarer Ausweichmöglichkeit) oft besser als «erste Reihe».
  • Alternative Standorte entlang des Umzugs: Wenn dein Kind Menschenmengen schwierig findet, wähle eine Strecke, an der es erfahrungsgemäss weniger dicht wird. Ein Standort nahe einer Seitenstrasse ist praktisch: Du kannst euch bei Bedarf unkompliziert herausnehmen.

Lärm, Knallkörper und Rauch – so schützt du sensible Kinder 

Beim Böögg sind Knallgeräusche und Rauch Teil des Spektakels. Kinder reagieren darauf sehr unterschiedlich – von Begeisterung bis Angst. Fachlich gilt: Kinderohren sind empfindlich, und wiederholte oder sehr laute Impulse sollten vermieden werden. 

  • Gehörschutz mitnehmen: Kapselgehörschutz ist für viele Kinder bequemer als Ohrstöpsel. Testet ihn idealerweise vorher kurz zu Hause, damit er nicht am Eventtag stört.
  • Abstand planen: Je näher am Scheiterhaufen, desto intensiver sind Lärm und Rauch. Ein paar Meter mehr Abstand machen für viele Kinder den entscheidenden Unterschied.
  • Rückzugsorte festlegen: Vereinbare vorab mit deinem Kind einen ruhigen Ort in der Nähe (z. B. eine Seitenstrasse oder einen Platz abseits). Das nimmt Druck: «Wenn es zu viel wird, gehen wir kurz raus.»

Gedränge & verlorene Kinder – Treffpunkt, Armband, Notfallkarte

Grossanlässe sind für Kinder aufregend – und für Eltern anstrengend. Ein paar einfache Massnahmen helfen, Stress zu reduzieren:

  • Fixer Treffpunkt: Legt einen gut erkennbaren Ort fest, falls ihr euch trennt (z. B. ein bestimmtes Schild oder ein markanter Eingang).
  • Kontakt am Kind: Ein Armband oder eine kleine Notfallkarte in der Jackentasche mit Name und Telefonnummer (ohne weitere private Daten) kann im Ernstfall helfen.
  • Klare Regel fürs Kind: «Wenn du uns nicht siehst: bleib stehen und sprich eine Polizist:in, eine Person vom Sicherheitsdienst oder eine andere Familie mit Kindern an.»

Tradition, die Kinder staunen lässt

Regelmässige Feste im Jahresverlauf können Kindern Orientierung geben: Wiederkehrende Rituale machen Abläufe vorhersehbar und stärken das Gefühl von Zugehörigkeit. Aus entwicklungspsychologischer Sicht hilft es vielen Kindern, wenn du den Tag strukturierst, Erwartungen klärst und Raum für Fragen lässt. Schon die Vorbereitung ist oft ein Highlight: Ihr könnt gemeinsam ein Kostüm basteln oder etwas ausleihen. Wichtig ist, dass dein Kind mitentscheiden darf – dann wird aus «Pflichtprogramm» leichter ein eigenes Erlebnis.

Rechne mit Kinderfragen wie: «Warum heisst das Sechseläuten eigentlich so?» oder «Warum verbrennen wir den Böögg?». Wenn du keine perfekte Antwort hast, ist das völlig okay – gemeinsam nachfragen, nachlesen und staunen gehört zu Traditionen genauso wie das Zuschauen.

Sechseläuten-Fest: Hauptrolle für den Böögg

Im Mittelpunkt steht der Böögg, eine Schneemannfigur, die symbolisch den Winter darstellt. Der Begriff «Böögg» war historisch im Zürcher Raum auch mit vermummten Figuren und Kinderschreck verbunden; seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die Figur fest als Winter-Symbol etabliert, das beim Sechseläuten verabschiedet wird. Der Böögg selbst ist gross, mit Knallkörpern gefüllt und dadurch spektakulär – aber eben auch laut.

Zum klassischen Sechseläutenumzug am Montagnachmittag kannst du mit deinem Kind Wagen, Musikkorps, Trachten, Uniformen und Reiter:innen bewundern. Viele Kinder lieben Details: Instrumente, Pferde, Farben, Muster. Wenn du merkst, dass die Aufmerksamkeit abfällt, hilft ein kleines «Suchspiel»: «Wer entdeckt als Nächstes eine Trommel?» oder «Wie viele verschiedene Hüte sehen wir?»

Am frühen Abend wird es dann für viele Familien richtig spannend: Der Böögg wird auf seinem Scheiterhaufen angezündet. Wie lange es dauert, bis der Kopf explodiert, wird jedes Jahr mitverfolgt – oft auch als Gesprächsanlass über Wetter, Sommer und Erwartungen. Wenn dein Kind gerne misst und zählt, kann eine Stoppuhr Spass machen. Wenn dein Kind eher empfindlich ist, ist es hilfreicher, den Moment anzukündigen («Es wird gleich sehr laut») und früh genug den Gehörschutz aufzusetzen.

Anschliessend ist das Volkswurstbraten für viele ein gemütlicher Ausklang. Denk dabei an einfache Basics: genug trinken, Hände reinigen und bei kühlerem Wetter eine warme Schicht parat haben – Kinder frieren oft schneller, wenn sie stillstehen.

Das Sechseläuten gestern und heute

Sechseläuten ist Zürichs Frühlingsfest. Der Name geht darauf zurück, dass nach diesem Tag der Arbeitsschluss historisch wieder auf 18 Uhr verlegt wurde: Eine Glocke läutete nach der Tagundnachtgleiche den Feierabend für das Sommerhalbjahr ein. Über die Jahre wurde aus dem Zunftanlass ein grosses Stadtfest, das viele Menschen anspricht – auch Familien, die nicht in Zürich aufgewachsen sind.

Zum Sechseläuten-Wochenende gehört auch, dass sich ein Gastkanton präsentiert. So entstehen oft zusätzliche Programmpunkte und kulinarische Angebote. Am besten planst du für Kinder realistisch: lieber wenige Highlights, dafür mit Pausen, Toilette in Reichweite und einem klaren Ende, bevor die Stimmung kippt.

Sechseläuten verständlich erklärt 

Ein Mini-Glossar 

  • Böögg: Schneemannfigur, die symbolisch den Winter darstellt und am Sechseläuten verbrannt wird.
  • Zünfte: Historisch berufsbezogene Zusammenschlüsse, die in Zürich bis heute einen wichtigen Teil der Organisation und Tradition tragen.
  • Chäfer: Begleitpersonen aus Zunftfamilien, die beim Kinderumzug mitlaufen und erkennbar zur Gruppe gehören.
  • Umzug: Festzug mit Musik, Wagen, Kostümen, Pferden und Delegationen, der durch die Stadt führt.

Wie ihr respektvoll mitmacht 

Sechseläuten ist für viele Beteiligte Tradition und Herzenssache. Mit ein paar einfachen Regeln fühlt sich das Mitfeiern für alle gut an:

  • Kostüme: Wenn ihr euch verkleidet, achtet darauf, dass dein Kind sich darin bewegen kann, nicht überhitzt und gut sieht. Praktisch sind bequeme Schuhe und eine warme Schicht für längeres Warten.
  • Fotos: Frage nach, bevor du Nahaufnahmen von fremden Kindern machst. Ein kurzer Blickkontakt und ein «Ist das okay?» verhindert Missverständnisse.
  • Platz lassen: Pferde brauchen Abstand. Halte dein Kind bei Reiter:innen und Wagen lieber an der Hand und bleib hinter Absperrungen.

Barrierearm unterwegs

Anreise mit ÖV/ Kinderwagen / Rollstuhl 

Rund um die Innenstadt kann es zu Sperrungen, Umleitungen und vollen Trams kommen. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl lohnt sich eine extra einfache Route:

  • ÖV statt Auto: In der Regel ist der ÖV die entspannteste Wahl, weil Parkplätze knapp sind und Strassen gesperrt werden können.
  • Kinderwagen-Strategie: Wenn du mit Buggy unterwegs bist, plane Pufferzeit ein und wähle Orte mit Ausweichmöglichkeit. In dichtem Gedränge ist Tragen (Tragehilfe) für manche Familien praktischer als ein grosser Kinderwagen.
  • Rollstuhl & barrierearme Wege: Nutze möglichst breite Wege und meide Engstellen direkt am Festgeschehen. Vorab lohnt sich ein Blick auf die Hinweise der Veranstalter:in und der Stadt zu Sperrungen und Zugängen.

Wenn dein Kind Angst bekommt: so hilfst du im Moment

Manche Kinder erschrecken beim Knall, beim Feuer oder wenn die Menge drängt. Angst ist dann keine «Unart», sondern ein Stresssignal. Das kannst du konkret tun:

  • Rückzug ohne Diskussion: Geh ein paar Schritte raus, weg vom Lärm. Dein Kind muss nichts «aushalten».
  • Wenige, klare Sätze: «Ich bin da. Du bist sicher. Wir gehen kurz weg.» Das hilft mehr als lange Erklärungen.
  • Exit-Plan: Vereinbare schon vorher: «Wenn es dir zu viel wird, machen wir Pause oder gehen nach Hause.» Das gibt Kontrolle und senkt die Anspannung.

Sicherheits-Checkliste für euren Tag

  • Gehörschutz (Kapseln oder passende Stöpsel), besonders fürs Böögg-Verbrennen
  • Abstand zu Pferden, Wagen und zum Feuer einhalten; Absperrungen respektieren
  • Treffpunkt abmachen; Notfallkarte/Armband mit Telefonnummer
  • Wetter: Regen-/Sonnenschutz, warme Schicht zum Drüberziehen
  • Verpflegung: Wasser, kleiner Snack, ggf. etwas Traubenzucker; Hände reinigen (Tüchli)
  • Toilettenplan: Kurz vor Beginn nochmals gehen; mit Kindern frühzeitig eine Toilette suchen

So wird Sechseläuten für euch ein gutes Familienerlebnis

Sechseläuten kann für Kinder ein unvergesslicher Tag sein – besonders, wenn du Tempo und Nähe so wählst, dass es für dein Kind passt. Mit Gehörschutz, einem klaren Treffpunkt und einem Exit-Plan bist du gut vorbereitet. Und wenn dein Kind am Ende vor allem die Musik, die Pferde oder das gemeinsame Zvieri in Erinnerung behält, ist das genauso wertvoll wie der Moment, in dem der Böögg seinen Kopf verliert.

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