Wenn's muht und summt unter dem Tannenbaum

Konsumstress, Ressourcenverschleiss, Müllberge – Die Schattenseiten der besinnlichsten Zeit des Jahres zeigen sich spätestens dann, wenn die Tür hinter dem letzten Gast ins Schloss fällt und man sich fragt: «Wohin, zum Teufel, mit all den Geschenken?» Wie das Schenken dieses Jahr sinnvoller verlaufen kann.

Sinnvolle Geschenkideen zu Weihnachten

Worüber freut sich eine Person, die schon alles hat? Die Antwort ist leichter als gedacht. Bild: Collage der Redaktion / Gajus, iStock, Thinkstock / PD. 

«Mein Sohn hat mir zu Weihnachten eine Ladung Backsteine geschenkt», verkündet die ältere Dame stolz ihren überraschten Freundinnen. Was anmutet wie ein weiteres unpassendes Präsent unter dem Tannenbaum, steht symbolisch für die Geschenke, die nicht nach kurzer Zeit unbenutzt in einer Ecke landen: Ihr Sohn hat ihr ein Spendengeschenk gemacht. Das Heks-Projekt hilft Roma in Serbien, ihre Siedlungen zu sanieren. Ihr Sohn wollte bewusst mit einem sinnvollen Geschenk dem weihnachtlichen Konsumrausch entgegenhalten.

An Weihnachten sind die Schweizer in Spendierlaune. Glaubt man der aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens EY (ehemals «Ernst and Young»), so geben Schweizer Haushalte dieses Jahr rund sieben Prozent mehr für Weihnachtsgeschenke aus als im Vorjahr. Budgetierten 2015 noch 50 Prozent der 500 befragten Konsumenten für Weihnachtsgeschenke mit einem Betrag von 200 Franken, so wollen dieses Jahr bereits 55 Prozent diese Summe ausgeben. Durchschnittlich investieren Herr und Frau Schweizer dieses Jahr 294 Franken in Weihnachtsgeschenke. Wohin der Konsumwahn führt, davon zeugen wohl in jedem Haushalt die Berge an Geschenkpapier, Süsswaren und Mitbringseln, die es nach der Weihnachtsfeier wegzuräumen gilt. Wer noch nie mit schlechtem Gewissen ein Geschenk entsorgt hat, der werfe den ersten Stein.

Geschenk von Herzen, nicht vom Einkaufszentrum

Der Ursache des Problems beginnt schon einige Wochen vor Weihnachten. Vor einem üppigen Regal, zwischen schwitzenden Geschäftsmännern und gestressten Eltern, mahlt man so richtig an dieser einen Frage: Worüber freut sich eine Person, die schon alles hat? Eine Zwickmühle. Hilfswerke reagieren auf dieses bekannte Problem und werben in der Vorweihnachtszeit besonders um Spenden. Zugunsten einer Spende auf ein Geschenk zu verzichten, hat aber immer eine erzieherische Komponente, meinte Moralphilosoph Rainer Erlinger kürzlich in einem Interview mit dem «Migros-Magazin». Darum sei es wichtig, sich vorab abzusprechen. Einigt man sich auf alternative Geschenke, findet man Angebote, die nicht nur Sinn machen, sondern dem Beschenkten auch effektiv etwas in die Hände geben.

Hoffnung pflanzt sich fort

Seit 2008 bewirbt das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) mit der Kampagne «Hilfe schenken» überraschende Weihnachtsgeschenke, die dann in Form von Spenden den jeweiligen Projekten zugutekommen. Anders als eine einfache Geldspende bietet dies die Möglichkeit, individuell auf die Interessen oder den Geschmack des Beschenkten einzugehen. Und das Geschenk macht doppelt Freude: Den Liebsten mit einer edel gestalteten Schenkungsurkunde, und bedürftigen Menschen mit der Spende. Wer die Website des Heks besucht, wird überhäuft mit Geschenkideen: Fischernetze, Wandtafeln, Ferkel und vieles mehr; alle hübsch dekoriert mit einer Schleife. Die Preise bewegen sich zwischen 22 Franken (ein Suppentopf) und 750 Franken (ein Dorfladen). Wenn es aber um die beliebtesten Geschenke geht, so hat eine Geiss die Nase vorn. Die Ziege kommt für 30 Franken einer Bauernfamilie im Kongo zugute, die wegen bewaffneten Konflikten ihre Lebensgrundlage verloren hat. Mit dem Tier als Starthilfe kann die Familie laut Heks aus ihrem Elend herausfinden. Und der Geissen-Nachwuchs wird weiteren Familien neue Hoffnung schenken.

Die 44 Präsente sind sechs Fonds mit einem fest definierten Verwendungszweck zugeteilt. Unter jedem Geschenk lässt sich einsehen, welchem übergeordneten Spendenzweck es verpflichtet ist. Eine gespendete Geiss etwa kommt dem Fonds A zu und wird zur Förderung ländlicher Gemeinschaften eingesetzt. Die Spende erreicht hilfsbedürftige Menschen dann entweder tatsächlich als Ziege oder in Form einer anderen, von Heks unterstützten Starthilfe für die gleiche Zielgruppe. Heks verfügt zudem über das ZEWO-Gütesiegel, ein Qualitätsnachweis der Schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen. Diese Art von Spenden kommt offenbar an: 30’780 «Hilfe schenken»-Produkte wurden im Jahr 2015 bestellt.

Mehr Informationen zur Kampagne «Hilfe schenken» von Heks finden Sie hier.

Bienen unter die Leute bringen

Stellen Sie sich vor, Sie möchten zu Weihnachten ein Essen auftischen, aber die Teller bleiben zu einem Drittel leer. Das ist nicht so abwegig, wie es klingt: Gut 30 Prozent unserer Nahrung können laut der Website von «Wildbiene und Partner» nur gedeihen, wenn Pflanzen bestäubt werden – namentlich von Bienen. Nebst der Honigbiene vollbringen in der Schweiz über 600 heimische Wildbienenarten täglich Höchstleistungen. Rund die Hälfte dieser Bienenarten steht auf den Roten Listen der gefährdeten Tierarten der Schweiz des Bundesamts für Umwelt (Bafu). Dank «Wildbiene und Partner», einem kommerziellen Anbieter von Wildbienen-Häuschen, schwirren die «vergessenen Bestäuber» seit 2013 vermehrt in Schweizer Gärten umher, zwischen Hornklee, Weiden und Traubenhyazinthen.

Im Rahmen einer Wildbienen-Patenschaft können Interessierte zum Schutz der Wildbienen und zu einer nachhaltigen Bestäubung der Pflanzen in der Schweiz beitragen. Wer sich als Bienen-Götti anmeldet, erhält ein Bienenhäuschen und im Frühling jeweils eine Startpopulation von 15 Mauerbienen. Die friedfertigen Mauerbienen lassen sich wunderbar beobachten, weshalb sich die Patenschaft besonders als Geschenk für Familien und naturbewusste Personen in der Stadt und auf dem Land eignet. Das BeeHome kann im Garten oder auf dem Balkon bedenkenlos aufgehängt werden, denn Mauerbienen sind harmlos, stechen nicht und interessieren sich nicht für Essen oder Süssgetränke.

Ein paar Zahlen: Ein sogenanntes BeeHome kostet, je nach Modell, zwischen 120 und 175 Franken. Je nach Standort und Jahr können rund 300–400 Wildbienen in einem Häuschen heranwachsen. Die Bienenpopulation erhält man jeden Frühling kostenlos geliefert. Dann schlüpfen sie, bestäuben die Pflanzen in ihrer Umgebung und vermehren sich. Im Herbst stellen die Göttis und Gottis die vermehrten Kokons «Wildbiene + Partner» wieder zu, damit sie gepflegt und fachgerecht überwintert werden. Und im nächsten Frühling auf Schweizer Bauernhöfen zum Einsatz kommen können.

Mehr Informationen zum BeeHome finden Sie hier

Wenn schon Fleisch konsumieren, dann bitte ohne Verschwendung

«Charolais Bio Weide Rind, zu 15 Prozent verkauft», heisst es auf kuhteilen.ch. Wer etwas Neues wagen und die Freunde nicht schon wieder mit einem Korb aus dem Delikatessenladen überraschen will, könnte mit einer Geschenkkarte zum gemeinsamen Kuhteilen richtig liegen. Gegründet wurde das Crowdbutchering-Unternehmen (zu Deutsch: gemeinsames Schlachten) 2014 von zwei Bernern, Moritz Maier und Xavier Thoné. Zusammen mit Freunden, Familie und anderen Personen kaufen Kunden online einen Teil einer Kuh oder eines Rindes. Das Tier wird erst geschlachtet, wenn es zu 100 Prozent verkauft ist. Danach reift das Fleisch während 26 Tagen in speziellen Reifekammern, was ihm, laut den Betreibern von kuhteilen.ch, eine einzigartige Qualität verleiht. Lokale Verarbeitung mit kurzen Schlachtwegen wird ebenso hochgehalten, wie die Bio-Weidehaltung, in der die Tiere aufgezogen werden.

Nebst dem Wunsch, qualitativ hochwertiges und regionales Fleisch zu produzieren, möchten die beiden Gourmets aber auch ein Zeichen für die Nachhaltigkeit setzen. Ihnen sei wichtig, das geschlachtete Tier ganzheitlich zu verwerten. So enthält das Paket, das Kunden nach Hause geliefert bekommen, nicht nur Entrecôte und Steak, sondern auch Würste, Hackfleisch und Hamburger. Je nach gebuchtem Paket sind das zwischen vier oder acht Kilogramm Fleisch. Transparenz in Bezug auf die Information woher und von welcher Rasse das Fleisch kommt, gehört ebenfalls zur Philosophie von kuhteilen.ch. Damit sich Konsumenten bewusst werden, wie wertvoll Fleisch als Ressource ist, wird nebst der Ohrmarkennummer jeweils auch der Namen der Kuh veröffentlicht. Für Feinschmecker bietet kuhteilen.ch eine nachhaltige Alternative zum üblichen Fleischkonsum. Maier und Thonés Motto lautet denn auch: «Lieber ein bisschen weniger Fleisch essen, dafür bewusst und von bester Qualität!»

Mehr Informationen finden Sie hier.

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