Freizeit > FesteVatertag Schweiz: Zeit zum Vatersein Angela Zimmerling Lange Zeit wurden Väter in der Schweiz weniger sichtbar gefeiert als Mütter. Während es in anderen Ländern schon lange einen Ehrentag für sie gab, hat sich der Vatertag hierzulande erst in den letzten Jahren etabliert. Viele Familien begehen ihn am ersten Sonntag im Juni – als Anlass, innezuhalten und Väter in ihrer Rolle wertzuschätzen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Väter sind nicht nur am Schweizer Vatertag gefordert. Foto: amyleighcook, iStock, Thinkstock Der Vatertag ist der Tag, an dem Familien – ähnlich wie am Muttertag – bewusst zusammenkommen, um Vätern Wertschätzung und Liebe zu zeigen. Viele Eltern merken dabei: Nicht das «Perfekte» zählt, sondern das, was im Alltag oft zu kurz kommt – echte Aufmerksamkeit, ein Danke und gemeinsame Zeit. Wie ist der Vatertag entstanden? Der Vatertag wird in vielen Ländern gefeiert – allerdings an unterschiedlichen Daten und mit unterschiedlichen Bedeutungen. Im deutschsprachigen Raum hatte der Feiertag historische Bezüge zu «Christi Himmelfahrt», das im Mittelalter teils als Tag zu Ehren des «Vaters im Himmel» verstanden wurde. Später wandelten sich die Bräuche regional zu einem Männer- oder Herrentag und entwickelten sich vielerorts zum Vatertag. In anderen Ländern entstand der Vatertag unabhängig davon, etwa in den USA, wo er am dritten Sonntag im Juni begangen wird. Warum findet der Vatertag in den USA am dritten Sonntag im Juni statt? Die Tradition, den Vatertag in den USA am dritten Sonntag im Juni zu feiern, geht auf Initiativen Anfang des 20. Jahrhunderts zurück – inspiriert vom bereits etablierten Muttertag. Häufig wird die Idee Sonora Louise Smart Dodd zugeschrieben. Sie schlug einen Ehrentag für Väter vor und orientierte sich dabei am Geburtstag ihres Vaters (5. Juni 1910). Präsident Lyndon B. Johnson erklärte 1966 per Präsidialerlass den dritten Sonntag im Juni zum Vatertag. Warum ist der Vatertag in Deutschland an Christi Himmelfahrt? Christi Himmelfahrt ist ein christlicher Feiertag, der 40 Tage nach Ostern gefeiert wird und an die Himmelfahrt Jesu Christi erinnert. Die Verbindung des Vatertags mit diesem Feiertag hat historische Wurzeln: In vielen Regionen gab es Prozessionen und Feldsegnungen, die stark mit ländlicher Arbeit und Gemeinschaft verbunden waren. Daraus entwickelten sich regional unterschiedliche Bräuche, die später als Männer- oder Vatertag weiterlebten. Der Vatertag in der Schweiz Der Vatertag in der Schweiz ist kein offizieller Feiertag. Hinter der Idee des Schweizer Vatertags steht «männer.ch», der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Er hat den Vatertag hierzulande 2007 ins Leben gerufen. «Wir wollen damit die Leistungen der Väter in ganzer Breite wertschätzen», sagte Paul Gemperle von «männer.ch» im Familienleben-Interview 2010, damals verantwortlich für die operative Gesamtleitung des Schweizer Vatertags. Anders als am Muttertag soll es laut Initiator:innen weniger um Geschenke gehen, sondern um eine Ermunterung für väterliches Engagement. Die Idee: Väter sollen im Familienalltag präsent sein können – und dafür braucht es auch passende Rahmenbedingungen, zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle und eine breite Akzeptanz moderner Familienformen. Denn Väter stehen genauso wie Mütter vor der Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren. Früher war das Ernährermodell typisch: Der Vater verdiente das Geld, die Mutter kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Die Lebens- und Familienformen haben sich jedoch gewandelt – und damit auch Vaterrollen. Väter treten als Hausmänner, als alleinerziehende Väter oder als Teilzeitbeschäftigte auf. In der Arbeitswelt ist das aber noch nicht überall angekommen. «Wenn Frauen mehr ins Erwerbsleben gehen, müssen wir die Männer mehr in die Familie holen, sonst sterben wir irgendwann aus», meinte Paul Gemperle. Der Verband «männer.ch» macht sich für Teilzeit-Arbeit und Jobsharing-Positionen bis in obere Kaderstufen stark. Vatertag in der Schweiz kurz erklärt Infobox: «Vatertag Schweiz» auf einen Blick Datum: In vielen Regionen der Schweiz wird der Vatertag am ersten Sonntag im Juni begangen (Initiative von «männer.ch»). Tessin: In einzelnen Regionen, insbesondere im Tessin, ist auch ein Vatertag rund um den 19. März (Josefstag) bekannt. Idee dahinter: Im Zentrum steht Engagement im Familienalltag – nicht Konsum oder Geschenkpflicht. Datum & Regionen Wenn du online nach dem «richtigen» Datum suchst, findest du teils verschiedene Angaben – das liegt an regionalen Traditionen. In der Deutsch- und Westschweiz hat sich vor allem der erste Sonntag im Juni etabliert, während im Tessin (kulturell stärker italienisch geprägt) der Josefstag am 19. März als Vatertagsbezug vorkommen kann. Für Kinder ist dabei weniger entscheidend, welcher Tag «offiziell» ist, sondern dass es einen verlässlichen Moment gibt: «Heute feiern wir dich als Papa» – schlicht, klar und ohne Stress. Worum es männer.ch geht: Engagement statt Geschenkpflicht Viele Eltern spüren am Vatertag den Druck, etwas «Besonderes» liefern zu müssen. Genau davon will die Schweizer Initiative weg: Im Fokus steht, dass Väter Zeit, Verantwortung und Beziehung im Alltag aktiv leben können – und dass Familie und Erwerbsarbeit dafür zusammenpassen müssen. Du kannst den Tag deshalb auch als freundliche Standortbestimmung nutzen: Was läuft schon gut? Wo wünschst du dir als Familie mehr Entlastung oder bessere Absprachen? Vatertag ohne Konsumdruck: Was Kinder wirklich geben können Gerade kleine Kinder denken nicht in «Geschenken», sondern in Nähe, Wiederholung und Symbolen. Und auch für ältere Kinder ist es oft leichter, etwas zu tun als etwas zu kaufen. Ein Vatertag ohne Konsumdruck nimmt Stress aus der Familie – und macht Platz für das, was langfristig zählt: eine sichere, zugewandte Beziehung. Warum das mehr ist als «nur nett»: Entwicklungspsychologisch gilt eine verlässliche, feinfühlige Beziehung zu Bezugspersonen als wichtiger Schutzfaktor für die kindliche Entwicklung. Das wird in der Schweiz unter anderem im Rahmen der Empfehlungen zur frühen Kindheit und Elternschaft betont (UNICEF Schweiz und Liechtenstein, 2020: «Elternsein in der frühen Kindheit»). Zeitrituale in 15–60 Minuten (nach Alter) 0–2 Jahre (15 Minuten): «Papa-und-ich»-Ritual: zusammen Bilderbuch anschauen, auf dem Sofa kuscheln, ein kurzes Lied oder Fingerspiel. Du kannst als anderer Elternteil den Rahmen schaffen: Handy weg, Tür zu, Ruhe. 3–6 Jahre (20–30 Minuten): Kind bestimmt: eine kleine Spielrunde, gemeinsam etwas bauen, zusammen «Papa-Fragen» (Lieblingsessen, Lieblingsspiel als Kind) – das gibt Nähe und Gesprächsanlässe. 7–11 Jahre (30–45 Minuten): Mini-Projekt: Velorunde, Fussball im Park, zusammen kochen (Kind hat eine Aufgabe). Wichtig: Nicht perfektionieren, sondern gemeinsam lachen können. 12+ (30–60 Minuten): Ein echtes Gespräch plus gemeinsame Aktivität: kurzer Spaziergang, Kaffee/Glacé, Musik teilen, ein Spiel. Teenies mögen oft kleine, respektvolle Gesten ohne grosses Brimborium. Kleine Zeichen der Wertschätzung, die nichts kosten Ein «Danke für …»-Zettel mit 3 konkreten Dingen (z.B. «Danke, dass du mich zum Training fährst»). Ein Foto vom Alltag (ausgedruckt oder auf dem Handy gezeigt) mit einem Satz: «Das war ein guter Moment mit dir.» Ein Wunsch-Ritual: Papa darf heute eine Sache auswählen (Spiel, Essen, Spazierroute) – im realistischen Rahmen. Ein Entlastungsversprechen, das machbar ist: «Heute räume ich nach dem Essen ab» (bei grösseren Kindern). Wenn der Vatertag schwierig ist Nicht in jeder Familie ist der Vatertag unbeschwert. Manchmal ist da Trennung, Trauer, Konflikt oder eine belastete Beziehung. Dann darf der Tag kleiner, neutraler oder auch ganz anders gestaltet sein. Wichtig ist: Kinder sollen nicht in Loyalitätskonflikte geraten und müssen keine Erwachsenenprobleme lösen. Getrennte Eltern/Wechselmodell: zwei Haushalte, eine Botschaft Wenn ihr getrennt seid, hilft ein einfacher Grundsatz: Das Kind darf beide Eltern lieben – ohne Prüfung, ohne Kommentar, ohne «Spitze». Der Vatertag kann dann ein kleines Zeichen sein, das zur Lebenssituation passt. Vatertag bei Trennung Wer kommuniziert? Idealerweise die Erwachsenen direkt (kurz, sachlich, schriftlich), nicht über das Kind. Was macht das Kind? Ein Anruf, eine Sprachnachricht, ein Bild, ein Treffen – je nachdem, was möglich und sicher ist. Welche Botschaft? «Ich wünsche dir einen schönen Vatertag» reicht. Keine Diskussion über Vergangenes. Timing klären: Wenn der Termin nicht passt: «Wir feiern am nächsten Wochenende kurz nach.» Schutzsatz für das Kind: «Du darfst dich freuen – das ist ok.» Wenn Papa fehlt: Erinnern und schützen Wenn ein Vater gestorben ist oder dauerhaft abwesend bleibt, kann der Vatertag Trauer anstossen – bei Kindern und Erwachsenen. Du kannst helfen, indem du Gefühle erlaubst und zugleich Sicherheit gibst: «Du darfst traurig sein. Und wir schauen heute gut zu uns.» Manche Kinder möchten erinnern (Kerze, Foto, kurze Geschichte), andere lieber ablenken. Beides ist in Ordnung. Wenn du merkst, dass Trauer über längere Zeit den Alltag stark belastet oder Ängste zunehmen, ist eine Beratung bei einer Fachperson (z.B. Kinderärzt:in, Familienberatung, psychologische Fachstelle) sinnvoll. Wenn Beziehung belastet ist: neutrale Gesten & Grenzen Manchmal ist der Kontakt schwierig oder es gab verletzende Erfahrungen. Dann gilt: Ein Vatertag ist kein Muss. Du darfst Grenzen setzen – und Kinder dürfen entlastet werden. Eine neutrale Option ist eine kurze, respektvolle Nachricht ohne Näheversprechen. Wenn es Sicherheitsbedenken gibt (z.B. Gewalt, Drohungen), geht Schutz vor. In solchen Situationen ist es sinnvoll, dich an eine geeignete Beratungs- oder Schutzstelle zu wenden. Schule/Kita: so bleibt’s inklusiv Viele Bastelaktionen rund um Mutter- oder Vatertag sind liebevoll gemeint – können aber für Kinder in Patchwork-, Pflege- oder Einelternfamilien schmerzhaft sein. Inklusiv wird es, wenn Betreuungseinrichtungen das Thema breit denken: nicht «für den Vater», sondern «für eine wichtige Bezugsperson». Das nimmt Druck und schliesst niemanden aus. Was Eltern ansprechen können Mail-Vorlage (zum Kopieren und Anpassen): Guten Tag Ich melde mich kurz wegen der Bastelaktion rund um den Vatertag. In unserer Familie ist die Situation etwas anders (z.B. getrennte Eltern / kein Kontakt / Trauerfall). Könnten wir für unser Kind eine inklusive Alternative wählen, z.B. ein Geschenk für eine «wichtige Bezugsperson» oder ein neutrales Dankes-Kärtli? Mir ist wichtig, dass mein Kind gut mitmachen kann, ohne sich erklären zu müssen. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung. Freundliche Grüsse [Name] Alternative: «Danke-Tag für wichtige Bezugspersonen» Wenn du in der Klasse oder Gruppe mitgestalten kannst (z.B. als Elternvertretung), ist ein «Danke-Tag für wichtige Bezugspersonen» oft die einfachste Lösung: Jedes Kind entscheidet selbst, wem es danken möchte (Papa, Mama, Grosseltern, Pflegeeltern, Gotti/Götti, Nachbar:in). So bleibt die Idee der Wertschätzung erhalten – ohne jemanden auszuschliessen. Geschenkideen für den Vatertag 2026 Wenn ihr trotzdem gerne etwas schenken möchtet: Entscheidend ist nicht der Preis, sondern dass es zu eurem Vater und eurem Familienalltag passt. Ein gutes Geschenk darf den Papa freuen, muss aber niemanden stressen. Kulinarische Highlights für den Vater Hat der Papa eine Leidenschaft für kulinarische Genüsse? Wie wäre es dann mit einem Whisky-Tasting-Set oder einem hochwertigen Grill für das Grillieren zum Vatertag? Ein handgefertigtes Schneidebrett mit persönlicher Gravur könnte ebenfalls Freude bereiten. Erlebnisgeschenke für abenteuerlustige Väter Für Väter, die auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick sind, machen sich Gutscheine für Abenteuer-Events immer gut. Wie wäre es mit einem Fallschirmsprung oder einem Fahrerlebnis in einem Sportauto? Ein Besuch als Familie in einem Kletterpark macht sich auch immer beliebt. Für Technikbegeisterte Smarte Uhren, mit denen der Vater seine Gesundheitsdaten im Blick behält, bis hin zu drahtlosen Kopfhörern für sein Musikvergnügen – technische Gadgets bieten immer Abwechslung im Alltag. Darum eignen sie sich ideal auch als Geschenk für den Vatertag. Zeit mit den Liebsten schenken Gemeinsame Erlebnisse zu teilen schafft letztendlich die wertvollsten Geschenke. Wie wäre es, einen ganzen Tag zusammen mit dem Vater zu verbringen? Ein Picknick oder ein gemeinsamer Ausflug übers Wochenende sind dafür ideale Möglichkeiten. Fazit: Der Vatertag ist in der Schweiz kein Feiertag, aber dennoch wertvoll Zwar ist der Vatertag hierzulande kein offizieller Feiertag. Doch für viele Familien ist er ein guter Anlass, Vätern bewusst Danke zu sagen – ohne Druck, ohne Vergleich, und so, wie es zu eurer Situation passt. Wenn du den Tag als kurze Insel im Alltag gestaltest, kann er für Kinder und Väter zu einem echten Beziehungsmoment werden.