Rollenspiele machen Kinder schlau

Das Baby mit einem Stetoskop abhorchen, mit der Spielzeugpistole Räuber verfolgen oder sich mit Glitzerschminke und Flügeln in eine Fee verwandeln: Kinder lieben Rollenspiele. In andere Rollen schlüpfen vertreibt dabei nicht nur wunderbar die Zeit, sondern ist auch für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig.

Kinder können in Rollenspielen viel lernen.

Wenn Kinder in andere Rollen schlüpfen, regt das die Kreativität an und fördet die Sprachkompetenz: (Bild: iStock)

Raus aus dem Alltag, für kurze Zeit mal ganz jemand anders sein ist eine schöne Vorstellung. Beim Spielen können sich Kinder in Zauberer, Hexen, Piraten, Geister oder auch Tiere verwandeln. Oft brauchen die Kinder für ihre Verwandlung kein aufwändig gearbeitetes Kostüm, sondern lediglich ihre Fantasie und ein paar einfache Utensilien wie farbige Tücher, ein Hut oder ein Stecken als Ritterschwert.

Kinder tauchen tief in ihre Rolle ein

Beim Spielen versetzen sich Kinder tief in die Rolle anderer Figuren hinein. Als Biene fliegen sie übers Haus, als Prinzessin dürfen sie Bestimmerin sein und als Pirat die kühnsten Abenteuer bestehen. «Im Rollenspiel verarbeitet das Kind Erlebtes und probiert lustvoll alle Facetten seiner Persönlichkeit aus», schreibt die IG Spielgruppen Schweiz in ihrer Infobroschüre zu Spielgruppen.

Verkleiden fördert Empathie

Tipp: Spielkoffer für Rollenspiele anlegen

  • Kostüme, Theater- oder Fasnachtsperücken, Hüte und alte Sonnenbrillen sammeln
  • Für Rollenspiele mit Berufen: Kochlöffel, Stetoskop, Pflästerli, ein ausrangiertes Handy oder einen alten Laptop aufheben
  • Decken, farbige Tücher ein kleines Tipizelt oder einfach lange Haselnuss-Stecken bereitlegen, mit denen Kinder eine Behausung bauen können

Wenn Kindergartenkinder sich verkleiden und in andere Rollen schlüpfen, lernen sie, sich in andere Menschen und Tiere hineinzuversetzen. Sie identifizieren sich wie Schaupieler mit ihrer Rolle. Wie erlebt wohl eine Katze die Welt? Davon verschaffen sich Kinder einen Eindruck, indem sie auf allen Vieren laufen, miauen und Wasser aus einer Wasserschale schlecken.

Kinder lernen also, sich einzufühlen, empathisch zu sein. «Empathie, das Sich-Einfühlen in andere Menschen, das Verständnis für deren Denk- und Handlungsweisen, ist eine wichtige Voraussetzung, um Toleranz entwickeln zu können», erklärt die deutsche Psychologin Elke Leger, Autorin verschiedener Erziehungs-Ratgeber. «Wie könnte ein Kind das besser lernen als durch den spielerischen Wandel der Identität!», so die Autorin. Darum seien diese Spiele wie alle, die aus der Seele kommen, wichtig für die Entwicklung der Persönlichkeit.

Rollenspiele machen schlau

Stunde um Stunde können Kinder als Arzt ihre Kuscheltiere untersuchen und verbinden. Dabei machen sie sich die Aufgaben eines Arztes bewusst. Sie fragen nach, welche Beschwerden vorliegen, untersuchen den Patienten mit verschiedenen Instrumenten, reinigen Wunden, legen Verbände an, schreiben Rezepte.

Das nachzuspielen wird lange nicht langweilig – auch deshalb, weil das Spiel mit der Zeit immer differenzierter wird und damit ausbaufähig ist. So leben Kinder immer besser die Lebenswelt der Rolle nach, die sie übernommen haben. Gleichzeitig verarbeiten Kinder ihre eigenen Erlebnisse.

Verkleiden fördert soziale Fähigkeiten

Kinder, die sich verkleiden, brauchen Mitspieler für ihr Rollenspiel. Denn wie soll eine Prinzessin ohne Freunde, ohne Dienerschaft und ohne Prinz sich als echte Prinzessin fühlen? Das gemeinsame Spiel erfordert echte Teamarbeit und ist damit eine grosse Herausforderung für Kinder. Alle Mitspieler wollen Spass am Spiel haben – doch verschiedene Interessen unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach.

«Damit das Rollenspiel gelingt, müssen sich Kinder mit anderen Mitspielern absprechen. Dabei erfahren sie, wie soziales Miteinander funktioniert – und wie nicht», schreibt André Zimpel in seinem Buch «Spielen macht schlau». Zimpel ist Professor für Behindertenpädagogik mit Schwerpunkt geistige Entwicklung an der Universität Hamburg.

Im Spiel lassen sich darüber hinaus auch gefahrenlos verschiedene Vehaltensmöglichkeiten ausprobieren. Mal gemein sein, mal arrogant sein – wie reagieren die anderen? «Rollenspiele bieten einen Freiraum, in dem moralische Anforderungen für eine Weile ausser Kraft gesetzt werden», sagt auch die Psychologin Elke Leger. «Warum verkleidet sich Marie so gern als Hexe? Weil Hexen so schön böse sind!»

Rollenspiele fördern das Sprechen

Kinder, die gerne in andere Rollen schlüpfen, üben besonders intensiv das Sprechen. Denn Rollenspiele basieren auf Sprache. Schliesslich muss die Prinzessin der Dienerschaft sagen, was sie zu tun hat, der Koch erklären, welche Zutaten er zubereitet und welche Gerichte er servieren will.

Im Dialog lernen Kinder neue Worte kennen. Wer es liebt, ein Zebra zu sein, lernt auch bald Worte wie Steppe und Afrika kennen – und erobert neue Wissensgebiete. «Der lebendige Dialog und zufriedene Ich-du-Beziehungen haben ihre Wurzeln in ausgedehnten Rollenspielen», erklärt Zimpel. Hier üben Kinder, sich verständlich zu machen. «Sie lernen, die Grammatik als Werkzeug ihrer Verständigung virtuos zu gebrauchen», so der Psychologe weiter.

Kinder brauchen ihre Eltern beim Verkleiden und ihrem Rollenspiel. Da gilt es, viele Fragen zu beantworten. «Darf ein König machen, was er will?» «Gibt es Cowboys in echt?» Beim Schminken und An- und Ausziehen sind Eltern oft unentbehrlich. Ihr Rat ist darüber hinaus gefragt, wenn das Spiel ins Stocken gerät – so werden Eltern schnell zu Drehbuchautoren. Oft haben Kinder, die sich verkleiden, gerade keine Mitspieler. Dann sind die Eltern gefragt, in eine Rolle zu schlüpfen – als Arzt, als Lehrer oder Pilot, der das alleinreisende Kind in ein fremdes Land bringt. Die Abenteuer, die Ihr Kind mit Ihnen dabei erlebt, wird es sein Leben lang nicht vergessen!

Text: Sigrid Schulze

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