Eltern und Lehrer: Eine konfliktreiche Beziehung

Lehrer und Eltern kommen nicht immer gut miteinander aus. Woran liegt das nur? Was können Eltern für ein besseres Miteinander tun? In diesem Text finden Eltern viele Anregungen, wie sie zu einem guten Kontakt zu den Lehrern ihrer Kinder beitragen können.

Lehrer und Eltern sollten an einem Strang ziehen.

Für das Wohl des Kindes ist es wichtig, dass Lehrer und Eltern an einem Strang ziehen. Foto: iStock, Thinkstock

«Der Englisch-Lehrer mag meinen Sohn nicht. Wenn alle etwas ausfressen, wird er am meisten ausgeschimpft.» - «Kein Wunder, dass meine Tochter nichts lernt. In dem Unterricht würde ich auch einschlafen!» - «Die Biologie-Lehrerin nimmt keine Rücksicht auf die schwächeren Schüler. Wer nicht mitkommt, hat selber Schuld, findet sie.» Gleichgültig, ob sich Eltern beim Eltern-Stammtisch oder in Internet-Foren austauschen: Wenn Eltern zusammen sind, bleiben Klagen über Lehrer nicht lange aus. Das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern ist oft gestört.

Eltern und Lehrer: Gute Zusammenarbeit wichtig

Eine gute Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern ist wünschenswert. «Wenn Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen, lassen sich für viele kleine und grosse Probleme gemeinsame Lösungen suchen und finden», erklärt Heidemarie Brosche, Autorin des Buches «Warum Lehrer gar nicht so blöd sind». Sitzt das Kind morgens häufig müde im Klassenzimmer, brauchen Lehrer Eltern, die künftig dafür sorgen, dass ihr Kind mehr Schlaf bekommt. Und Eltern, deren Kind von den Hausaufgaben regelmässig überfordert ist, sind auf verständnisvolle Lehrer angewiesen.

Gleichgültig, ob Kinder in ihrer eigenen Unordnung ertrinken, ob sie in der Schule und am Nachmittag zu oft in Raufereien verwickelt sind oder ob sie unter schlechten Noten leiden – immer ist es hilfreich, wenn Lehrer und Eltern an einem Strang ziehen. «Eltern und Schule sind Partner! Gemeinsam tragen sie die Verantwortung für Kinder und Jugendliche», dafür plädiert auch das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt.

Die Ursachen vieler Missverständnisse zwischen Eltern und Lehrern

Oft sehen Eltern Lehrer wie durch eine ungeputzte Brille: Ihr Blick wird getrübt von schlechten Erfahrungen mit Lehrern in der eigenen Kindheit. Darüber hinaus sind viele Erwartungen, die Eltern an Lehrer richten, zu hoch gegriffen. «Lehrer sollen Schülern – auch in zu grossen Klassen - möglichst viel Wissen vermitteln. Sie sollen Schüler zum friedlichen Miteinander bewegen und sie gleichzeitig knallhart auf Leistung trimmen. Sie sollen den Einzelnen fördern und die Gruppe disziplinieren. Sie sollen Mut zusprechen – auch bei miserablen Zukunftsperspektiven. Und sie sollen neuen Unterrichtsmethoden gegenüber immer aufgeschlossen sein», berichtet Heidemarie Brosche. «Die vielen Dinge, die sie aber sehr wohl leisten, werden von aussen kaum wahrgenommen.»

Tipps für ein besseres Miteinander von Eltern und Lehrern

Eigene Erfahrungen überdenken
Sinnvoll ist es, die eigenen Erfahrungen zu überdenken. Wie ist das Bild, das man sich selbst im Laufe seines Lebens von Lehrern gemacht hat? Ist es heute noch angemessen? Schulen und auch die Ausbildung von Lehrern haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert.

Erwartungen an Lehrer reflektieren
Sind die Erwartungen an die Lehrer der Kinder realistisch? Lehrer sind nicht nur Lehrer, sondern auch Privatpersonen. Wie alle anderen Berufstätigen haben sie ein berechtigtes Interesse daran, dass ihr Beruf nicht zu viel Energie verschlingt. Und sie haben Stärken und Schwächen wie alle anderen Menschen auch. Heidemarie Brosche sagt: «Ziehen Sie zumindest in Erwägung, dass eine Lehrkraft, die auf einem Gebiet in Ihren Augen nicht so gut ist, den Kindern in einem anderen Bereich Vorteile bietet.»

Lehrer ernst nehmen
«In der Regel dürfen Eltern dem Lehrer als pädagogische Fachkraft vertrauen», sagt Heidemarie Brosche. Sich gegenseitig anzuerkennen, bedeutet aber nicht, immer gleicher Meinung sein zu müssen.

Kontakt halten
Kleinere Probleme lassen sich oft zwischen Tür und Angel klären. Bei komplexeren Schwierigkeiten ist es besser, einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Elternsprechstunden bieten immer eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. «Viele Eltern sehen die Elternsprechstunde als ungeliebten Pflichttermin, vor allem, wenn die Noten eigentlich in Ordnung sind», beklagt der Schweizer Studienkreis. «Trotzdem: Jede Chance, mit den Lehrern zu sprechen, sollten Eltern wahr- und ernst nehmen. Nur so erfahren sie aus erster Quelle, wie sich ihr Kind in der Schule macht.»

Offen sein
Sie trennen sich von Ihrem Partner? Der geliebte Hund ist gestorben? Sie oder Ihr Partner werden arbeitslos? Solche Sorgen können sich auf die Leistungen des Kindes auswirken. Sinnvoll ist es, Lehrern zu berichten, was das Kind belastet. Nur dann, wenn sie die Hintergründe kennen, können sie auf das Verhalten des Kindes feinfühlig reagieren.

Kritik sachlich vortragen
«Wenn Ihr Kind zusehends die Lust an der Schule verliert, sollten Sie nicht zögern zu handeln», rät Heidemarie Brosche. Die Kritik sollte allerdings sachlich vorgetragen werden. Ein Satz wie «Mein Sohn fühlte sich letzten Donnerstag ungerecht von Ihnen behandelt» kann ein Einstieg in ein gewinnbringendes Gespräch sein. Ein Satz wie «Immer wieder behandeln sie meinen Sohn ungerecht» dagegen greift den Lehrer an, ohne ihm zu vermitteln, wo genau er sich falsch verhalten haben soll.

Bei gravierenden Problemen nicht aufgeben
Eltern sind Anwalt ihrer Kinder. Manchmal ist ein Problem so schwerwiegend, dass es die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen kann. Dann müssen Eltern versuchen, das Problem zu lösen. Kommen sie im Gespräch mit dem Lehrer nicht weiter, ist es sinnvoll, den Klassenlehrer, den Vertrauenslehrer oder die Schulleitung hinzu zu ziehen. Auch die Elternvertreter, Beratungslehrer und Schulpsychologen können geeignete Anlaufstellen sein.

Weiterführende Informationen für Eltern

 

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