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Mutter sein ist nicht leicht: Geständnisse normaler Mütter

Mütter sind liebevolle und fürsorgliche Wesen, die immer für ihre Familie da sind - so lautet ein weitverbreitetes Klischee. Viele Frauen wollen diesem Idealbild entsprechen und setzen sich selber unter Druck. Dass andere Mütter auch keine Wunderwesen sind, hat die Autorin Romi Lassally erfahren.

Mutter sein ist nicht immer so einfach.

Manchmal haben Mütter die Nase voll und keine Lust auf ihr Kind. Foto: Creatas, Thinkstock

«Ich bringe meinen Sohn nur ins Karatetraining, weil ich seinen Trainer so heiss finde. So hole ich mir Appetit für meine Einschlafträume!» Würden Sie das beim Mütterfrühstück im Kindergarten erzählen? Ihrem Mann? Nein? Dem schon gar nicht?

«Manchmal erzähle ich meinem Mann erfundene Storys, wie stressig es im Büro war. Nur damit er mir aus Mitgefühl die Kinder vom Hals hält und ich meine Ruhe habe!» Würden Sie das Ihrer besten Freundin erzählen? Nein? Weil diese auch Mutter ist und Sie etwa für eine schlechte Mutter halten könnte? Würden Sie es Ihrer eigenen Mutter erzählen? Auch nicht?

Jede von uns – Sie, ich, die Frau hinter dem Verkaufstresen, die Ihnen heute Morgen die Zeitung gereicht hat – jede hat ein Geheimnis. Die Rede ist nicht von Geheimnissen wie eine einbetonierte Leiche im Keller, sondern von kleinen Alltagsgeheimnissen, die wir anderen nicht erzählen. Es wäre uns peinlich, wir würden das Gesicht verlieren, die anderen könnten schlecht von uns denken. Die Autorin Romi Lassally hat Mütter nach ihren kleinen Geheimnissen gefragt. Herausgekommen sind diese unterhaltsamen «Beichten» (entnommen aus dem Buch «Ich habe meinen Kindern immer noch nicht beigebracht, wie man die Uhr liest. So kann ich einfach immer behaupten, es sei Schlafenszeit.: 1000 Beichten von ganz normalen Müttern». Erschienen im mvg Verlag.)

Das Buch 1000 Beichten von ganz normalen Müttern ist amüsant.

In dem Buch «1000 Beichten von ganz normalen Müttern» werden Geheimnisse ausgeplaudert.

Auszüge aus dem Buch «1000 Beichten von ganz normalen Müttern»

Eins der Lieblings-T-Shirts meiner Tochter kann ich nicht ausstehen... Gestern Abend hab ich es mit rotem Nagellack beschmiert und ihr erklärt, dass es nicht mehr zu retten ist.

Mein Sohn hat sich so sehr auf seinen zweiten Geburtstag gefreut, aber als es so weit war, hatte ich gar keine Feier auf die Beine gestellt – da hab ich ihm gesagt, dass er sich im Tag geirrt hat, und dass sein Geburtstag erst nächste Woche ist. (Ja ... er hat’s geglaubt, und ich kam mir furchtbar vor!)

Letzte Woche hielten wir einen Elternabend bei mir zu Hause ab. Alle Mütter bewunderten mich für mein sauberes Haus. Gut, dass sie nicht so genau hingeschaut haben: Ich hatte das dreckige Geschirr in den Ofen gesteckt und die Berge von Schmutzwäsche (zusammen mit dem miefigen Hundekorb) in den Garderobenschrank gestopft!

Wenn ich mit meinem Sohn im Buggy in den Supermarkt gehe, »vergesse« ich schon mal, ein oder zwei Waren zu bezahlen, die ich unten in den Buggy gesteckt habe.

Ich bin nur schwanger geworden, damit ich nicht mehr jeden Tag zur Arbeit muss.

Wenn mein Mann morgens aufsteht, um zur Arbeit zu gehen, tue ich so, als ob ich schliefe, damit ich nicht mit ihm reden muss.

Wenn die Kinder schlafen, beuge ich mich über ihre Betten und flüstere: Morgen bin ich eine bessere Mami, versprochen. Es gibt so viele Tage, an denen ich wünsche, ich hätte es besser gemacht.

Wenn ich mein wunderschönes Baby im Arm halte und wir einander liebevoll in die Augen schauen, wünsche ich mir manchmal insgeheim, dass es einschläft, sodass ich E-Mails checken kann.

Ich werde sauer, wenn meine Kinder mich beim Lesen stören – beim Lesen eines Erziehungsratgebers.

Ich habe als Nacktmodell für eine erotische Internetseite gearbeitet. Jetzt weiss ich nicht, wie ich meinen Mädchen später einmal Selbstachtung predigen soll.

Ich weiss gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, von Händen begrabscht zu werden, die nicht klebrig sind.

An manchen Tagen (heute zum Beispiel) ist mir unter allen Haushaltsmitgliedern die Katze am liebsten.

Mein Mann ist ein besseres Elternteil als ich. Er kocht, er spielt mehr mit den Kindern, er ist geduldiger. Falls ich früh sterben sollte, würden sie sicherlich auch ohne mich problemlos gross werden. Dafür liebe und hasse ich ihn.

Klischees sind in der Frauenwelt üppig vertreten: Die Hausfrau ist zu faul und macht es sich mit ihren Kindern daheim gemütlich, die berufstätige Mutter lässt ihre Kinder im Stich, die kinderlose Frau ist nur auf ihre Karriere bedacht und verzichtet deswegen auf Nachwuchs. Frau könnte fast den Eindruck haben, egal wie sie es macht, einen Grund zur Kritik gibt es immer.

Dabei sind es selten Männer, die schlecht über das weibliche Geschlecht reden. Bei Frauen ist das eher der Fall. Die Hausfrau lästert über ihre berufstätige Schwester, weil sie keine Zeit mehr für die Kinder hat. Die berufstätige Schwester lästert über ihre Freundin, weil diese den Kinderwunsch noch mal um ein paar Jahre verschiebt und stattdessen eine neue berufliche Laufbahn einschlägt. Vielleicht ist das der Grund, warum die 1000 ganz normalen Mütter lieber bei der Autorin Romi Lassally beichten gehen, als bei ihren Freundinnen. Dass es besser sein kann, einmal die Wahrheit zu sagen und auf das Image zu pfeifen, haben die von uns befragten Mütter erfahren.

Ehrlich sein kann helfen

Mein Mann und ich treffen uns ab und an mit befreundeten Paaren. Das sind jetzt keine superengen Jugendfreunde, sondern einfach nette Bekannte zum Plaudern. Bisher haben wir nie ernstere Themen angeschnitten. Vor ein paar Wochen haben wir ein Paar zum Essen eingeladen. Bevor sie gekommen sind, habe ich geweint, weil ich mit meinem Mann mal wieder gestritten habe. Die Männer waren mit den Kindern beschäftigt, wir waren allein in der Küche. Sie sagte: «Ach, hast du Zwiebeln geschnitten!» Da ist es aus mir rausgerutscht: «Nein, ich habe vorher geflennt, weil ich nicht weiss, wie es bei uns weitergehen soll.» Sie schaute mich an und hat die Karten auf den Tisch gelegt, wie es nämlich bei ihnen aussieht. Zwischen Salat, Bergkäse und Ofenkartoffeln hatte ich das schönste Gespräch seit Langem. Man sollte öfter ehrlich sein. Sie hat von uns angenommen, dass wir das glücklichste Pärchen sind und ich von ihnen. Zwischen mir und meinem Mann läuft es wieder gut, ich habe endlich aufgehört mein Leben mit anderen zu vergleichen. Hinter der Fassade sieht es oft ganz anders aus.

Haushalt und Beruf unter einen Hut bringen

Ich bin selbstständig und verbringe sehr viel Zeit in meinem Arbeitszimmer. Manchmal arbeite ich bis spät in die Nacht. Mein Mann studiert seit ein paar Monaten. Seine Arbeitszeit in seinem Job hat er deswegen reduziert. Deshalb muss ich noch mehr Geld verdienen und noch mehr arbeiten. Natürlich möchte ich meiner Tochter eine gute Mutter sein. Ich gehe mit ihr in den Wald, backe mit ihr einen Kuchen und lese mich mit ihr durch die örtliche Kinderbücherei. Die meisten meiner Freundinnen arbeiten nur ein paar Stunden wöchentlich. Sie jammern aber immer zu über ihren Stress. Ich koche dann innerlich vor Wut. Warum sind sie denn gestresst? So einen Haushalt schmeisst man doch mit links, wenn man den ganzen Nachmittag daheim ist?! Natürlich sage ich nichts und höre nur zu, es sind ja meine Freundinnen, die ich gern habe. Aber ganz ehrlich Mädels: Stellt euch nicht so an. Einen Fuss reisst ihr euch wirklich nicht raus!

Kein schlechtes Gewissen haben

Ich arbeite sehr viel. Deswegen wollte ich es meinen Kindern immer besonders recht machen. Dass ich wegen meiner Arbeit kein schlechtes Gewissen haben muss, musste ich zuerst lernen. Ich sehe es an anderen Müttern, diese machen den gleichen Fehler wie ich damals. Nach der Arbeit sind sie jede Minute für ihr Kind da. Sie machen sich zu Spielgefährten, so verlernen Kinder selbstständig zu spielen. Auf Dauer schlaucht das natürlich, wenn das Kind immer dauerbeschäftigt werden muss. Ich habe gelernt, bewusst Zeit mit meinen Kindern zu verbringen - wir kochen gemeinsam, gehen Schlitten fahren oder schauen zusammen einen Film. Aber ich lasse mich nicht mehr vereinnahmen und instrumentalisieren. Ich bin so zufriedener und meine Stimmung wirkt sich positiv auf meine Kinder aus. Deshalb kann ich anderen Mamas nur raten: Weg mit dem schlechten Gewissen, ihr werdet es schon gut machen.