Paleo-Diät: Essen wie in der Steinzeit

Marzipan und Makronen, Spitzbuben und Zimtsterne, Fondue und Filet im Blätterteig haben über die Feiertage ihre Spuren hinterlassen. Ein kritischer Blick in den Spiegel entlarvt die Speckröllchen an Bauch, Hüfte und Po. Der Speck soll weg. Kann eine Paleo-Diät helfen?

Paleo-Diät: Essen wie die Jäger und Sammler

Trotz den fehlenden Kohlenhydraten hat die Paleo-Diät viel Buntes zu bieten. Foto: Magone, iStock, Thinkstock

Herrje, die Waage offenbart, dass die Befürchtungen wahr geworden sind. Es war tatsächlich keine Einbildung, dass die Hose kneift und spannt! Jetzt soll der Speck weg. Am besten sofort. Fragt sich bloss: Wie? Immer öfter ist von der Paleo-Diät zu hören. Doch mit «Paleo-Diät» ist keine Diät gemeint, sondern eine Ernährung, die sich an der Ernährung der Menschen der Altsteinzeit orientiert. Kurz: Essen, das es auch schon vor 15’000 Jahren gab. Es soll Kinder und Erwachsene zu einem idealen Körpergewicht, guter Gesundheit und Vitalität führen.

Was die Paleo-Diät erlaubt

«Lebende Organismen gedeihen am besten in dem Milieu und mit der Ernährung, an die sie evolutionär angepasst sind», schreibt der amerikanische Prof. Loren Cordain in seinem Buch «Die Paleo-Ernährung». Vorausgesetzt, die menschlichen Gene haben sich seit der Steinzeit nicht verändert, ernährt sich also derjenige artgerecht, der isst, was vermutlich auch die Jäger und Sammler der Altsteinzeit gegessen haben. Dazu gehören u.a. Lebensmittel wie Wildfleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Schalentiere, Gemüse, Obst und Nüsse, Eier, Kräuter, Pilze, Esskastanien und Honig.

Was die Paleo-Diät ablehnt

Viele andere Lebensmittel dagegen lehnt die Paleo-Diät ab. So schreibt Romy Dollé in ihrem Buch «Der Paleo-Code»: «Es gab kein verarbeitete Getreide und keine Getreideprodukte wie Brot und Pasta und keine Milchprodukte. Auch Hülsenfrüchte waren noch weitgehend unbekannt, und industriell verarbeitete, verfeinerte und/oder künstliche Produkte existierten noch nicht einmal als Idee», so die Ehefrau von Dave Dollé, der im Jahr 1995 den Schweizer Rekord im 100-Meter-Lauf holte. Viele unserer Zivilisationskrankheiten wie Herz- und Gefässkrankheiten, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Übergewicht und Adipositas, Gicht, Karies, manche Allergien, Darmkrebs etc. fänden ihren Ursprung im übermässigen Konsum von Zucker und Gluten. Die Paleo-Diät lehnt also Lebensmittel wie Getreide und Getreideprodukte wie Brot, Hülsenfrüchte und Milch und Milchprodukte ab. Strenge Paleo-Anhänger essen weder Fertiggerichte noch industriell verarbeitete Nahrungsmittel wie Zucker oder Pflanzenöle und trinken keinen Alkohol.

Positive Erfahrungen mit Paleo-Diät

Viele Menschen, die die Paleo-Diät ausprobiert haben, äussern sich begeistert. «Auch ich selbst wollte vor einigen Jahren gesund abnehmen und habe durch diese einfache Ernährungsumstellung mit der Paleo Diät, kombiniert mit einem reduzierten Kohlenhydratverzehr in nur neun Monaten 20 Kilogramm abgenommen», schreibt zum Beispiel Felix Olschewski, der sich im Internet mit der Paleo-Diät kritisch auseinander setzt und zum «Urgeschmack» weiter entwickelt hat. Seine sportlichen Leistungen hätten sich dabei stark verbessert, er sei heute fitter als je zuvor. «Obendrein bin ich eine sehr störende Allergie losgeworden, da mein Immunsystem entlastet wurde. Diesen Zustand halte ich seit 2008.»

Paleo als Lebensweise

Paleo ist zu einer Bewegung von Menschen geworden, denen es nicht nur um die Ernährung oder um das Abnehmen geht. «Zum Paleo Lebensstil gehören nicht nur die gesunde, natürliche Ernährung, sondern auch Dinge wie genügend Schlaf, Sonnenlicht, Verminderung von Umweltgift-Belastung und unserem Körper angepasst Bewegung», heisst es auf den Internet-Seiten der Schweizerischen Paleo Vereinigung. Gründungsmitglied Prof. Dr. Jörg Spitz: «Tiefgreifende präventive Konzepte sind notwendig, um aus dem Sumpf der Zivilisationserkrankungen heraus zu kommen. Dies bedeutet eine Änderung des heutigen, unnatürlichen Lebensstils zurück zu einem natürlichen Lebensstil und natürlichen Lebensquellen.»

Kontroverse Diskussion um Paleo Diät

Was die Paleo-Diät verspricht, klingt zunächst plausibel. Essen wie in der Steinzeit – das scheint gesund und natürlich zu sein. Dennoch ist die Theorie sehr umstritten. Denn wer weiss schon, ob die Ernährung der Menschen in der Altsteinzeit tatsächlich optimal zu ihrer Gesundheit beigetragen hat? Und selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, ist nicht gewiss, dass diese Ernährung auch für uns heute sinnvoll ist, denn unsere Lebensweise unterscheidet sich stark vom Alltag des Jägers und Sammlers. «Unser heutiger Lebensstil entspricht nicht mehr dem der Steinzeit, somit ist die Ernährung der damaligen Zeit auch nicht einfach  auf unsere heutige Ernährung übertragbar», erklärt Ernährungsberaterin Brigitte Buri von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE). «Wir bewegen uns heute bedeutend weniger als die Menschen vor tausenden von Jahren und auch das Nahrungsangebot und unsere Gewohnheiten sind nicht mehr dieselben.»

Hier einige der wichtigsten Streitpunkte:

Gene wie in der Steinzeit?
Für die Evolutionsbiologie seien die vergangenen 10’000 Jahre, in denen der Mensch seine Umwelt zum Teil radikal verändert hat, nur eine kurze Zeitspanne, so die Paleo-Befürworter. «Ein «Wimpernschlag», der (…) nicht zu Genveränderungen taugt», erklärt Prof. Jörg Spitz. Antje Gahl, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), hält dagegen: «Die Annahme, dass nur die Gene das Ernährungsverhalten prägen, ist zu einseitig. Viele Faktoren wie das Erlernen bestimmter Verhaltensmuster, die Prägung durch das soziale Umfeld sowie physiologische Mechanismen beeinflussen unsere Ernährungsweise.»

Wenig Kenntnisse über Altsteinzeit-Ernährung?
Die Menschen der Altsteinzeit lebten in unterschiedlichen klimatischen und geografischen Zonen. «Die Ernährung in der Steinzeit variierte stark, so dass nicht von «der» Steinzeiternährung gesprochen werden kann», führt deshalb Antje Gahl an. - «Es ist richtig, dass niemand genau weiss, was wir Menschen in der Steinzeit gegessen haben. Es steht jedoch eindeutig fest, was wir damals nicht gegessen haben», so äussert sich Prof. Spitz auf diesen Einwand. «Und da es reichlich «altbewährte» Lebensmittel gibt, ist es sicherlich kein Fehler, auf «moderne Errungenschaften in der Ernährung» zu verzichten.»

Keine ausgewogene Ernährung?
Manches, was in der Schweizer Lebensmittelpyramide enthalten ist, fehlt bei der Paleo-Diät, Getreide, Hülsenfrüchte und Milch zum Beispiel. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung sieht das kritisch. «Milchprodukte spielen für die Deckung unseres Calciumbedarfs eine zentrale Rolle. Unsere Vorfahren hatten eine deutlich geringere Lebenserwartung und kamen daher gar nicht in das Alter, in dem Osteoporose ein Thema wird», so Brigitte Buri. «Auch Stärkeprodukte wie Kartoffeln, Brot, Reis und Hülsenfrüchte sind im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sinnvolle Kohlenhydratlieferanten und liefern Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsfasern.»

Paleo Diät regt an, moderne Lebensweise zu überdenken

Wie und was wir essen, ist nicht immer sinnvoll. Wer sich in modernen Supermärkten umschaut, findet fast nur vorgefertigte Lebensmittel – von Aufbackbrötchen über Tiefkühl-Pizzen bis hin zu Fertigmenüs. «Die meisten Fertiggerichte stellen keine ausgewogene Mahlzeit dar. Der oft geringe oder gar fehlende Gemüse- und Früchteanteil steht im Widerspruch zu den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung», urteilte die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) schon vor Jahren. Hier fehlen wichtige Vitalstoffe, während gleichzeitig Salz, Zucker und gesättigte Fettsäuren dem Körper langfristig schaden können. Sich auf das zu besinnen, worin Ernährungsexperten sich einig sind, tut bereits viel für sich. Viel Obst und Gemüse essen, auf Fleisch von nicht artgerecht gefütterten und gehaltenen Tieren verzichten, fettige und zuckrige Fertigprodukte meiden. Wer auf diese Weise seine Ernährung umstellt, nimmt von ganz alleine ab – ohne lästiges Magenknurren.

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