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Die Kraft der Globuli: Homöopathie für Kinder

Die klassische Medizin hat oft unerwünschte Nebenwirkungen. Viele Eltern suchen deshalb eine sanfte Alternative. Zu den besonders bekannten alternativ-medizinischen Behandlungsmethoden gehört die Homöopathie.

Homöopathie für Kinder: mit sanfter Medizin zum Erfolg

Mit homöopathischen Mitteln belasten wir unser Immunsystem weniger. Foto: Hemera, Thinkstock

Schon wieder! Gerade ist die eine starke Erkältung abgeklungen, da beginnt der fünfjährige Louis erneut zu husten. Wegen der wiederholten Infekte hat die Mutter Louis schon mehrmals zum Kinderarzt gebracht. Nun fürchtet sie, dass die letztlich verschriebenen Antibiotika Louis‘ Immunsystem ganz aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Sie überlegt, mit ihrem Sohn zu einem Homöopathen zu gehen.

Homöopathie: Selbstheilung von Kindern anregen

Die alternativmedizinische Behandlungsmethode Homöopathie soll die Selbstheilung anregen. «Sie ist «Hilfe zur Selbsthilfe» für Körper, Geist und Seele», erklärt Brigitta Morger, Homöopathin shp/HVS aus Eschenbach. «Nicht eine bestimmte Krankheit wird behandelt, sondern der Mensch, der an dieser Krankheit leidet.»

«Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt» – das ist die These, die der Homöopathie zugrunde liegt. Formuliert wurde sie vom Arzt, Apotheker und Chemiker Samuel Hahnemann (1755-1843). Er war überzeugt: Ein Mittel, das bei einem gesunden Menschen eine Krankheit auslöst, kann in verdünnter Form einen Kranken heilen. «Je verdünnter und je verschüttelter die Substanz ist, also je höher die Potenz eines Mittels, desto stärker und tiefer erfolgt die Heilwirkung am Menschen», so Kurt Lustenberger, dipl. Homöopath SHI hfnh, in Luzern. Die Potenzierung der Grundsubstanzen soll die Kräfte freisetzen, die in ihnen enthalten sind.

So finden Sie einen Homöopathen für Kinder

«Zu welchem Homöopathen gehe ich?» Diese Frage steht am Anfang, wenn Eltern sich entschieden haben, ihr Kind erstmals homöopathisch behandeln zu lassen. Manche Homöopathen haben sich besonders auf Kinder spezialisiert. Sinnvoll ist es, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören: Wer hat gute Erfahrungen mit einem Kinder-Homöopathen gemacht? Wer wird empfohlen?

Homöopathen lassen sich über das ErfahrungsMedizinische Register(EMR) finden, der Zulassungsstelle für Therapeuten. Auf der EMR-Public-Seite können sich alle anerkannten Therapeuten registrieren lassen. Auch auf der Homepage des Homöopathie-Verbandes Schweiz kann unter Homöopathieverband Schweiz nach Therapeuten in der Region gesucht werden. Informationen über Homöopathen vor Ort gibt auch die jeweilige Krankenkasse.

Der erste Besuch mit dem Kind beim Homöopathen

Zum ersten Besuch müssen Eltern und Kind Zeit mitbringen. Weil die Homöopathie die Individualität des Menschen berücksichtigt, kennt sie keine Patentrezepte. Zu Beginn einer klassischen Behandlung steht ein ausführliches Gespräch, die Anamnese. Dabei unterhält sich der Homöopath mit Eltern und Kind über seinen augenblicklichen Zustand, über seine Krankengeschichte sowie über schwerwiegende Krankheiten in der Familie. «Im Allgemeinen gehen Kinder gerne zum Homöopathen», berichtet Brigitta Morger. «Oft schildern Kinder die Symptome viel besser als Erwachsene, was die Bestimmung der passenden Arznei vereinfacht.»

Weil die gesamte Konstitution das Mittel bestimmt, das letztendlich eingesetzt wird, können zwei Kinder mit denselben Symptomen ein unterschiedliches Medikament erhalten. Genauso gilt: Was bei dem einen wirkt, hilft dem anderen noch lange nicht. Wie gut, dass die verordnete Arznei, die Globuli, Kindern schmeckt! Ihr Trägerstoff und damit ihre Hauptsubstanz ist Rohrzucker.
 

Homöopathische Mittel aus der Apotheke

Schnelle Hilfe versprechen Mittel aus der Apotheke. Viele Eltern schwören auf die Globuli, die bei Prellungen blaue Flecke vermeiden, bei Schnupfen die Nase frei machen und geschwollene Mückenstiche zum Abklingen bringen.

Das gehört in die homöopathische Hausapotheke:

«In eine homöopathische Hausapotheke gehören am besten ca. 15-20 Arzneien und dazu ein kleiner homöopathischer Ratgeber», erklärt Kurt Lustenberger. «Kleinere Apotheken sind grundsätzlich möglich, sie haben aber dann den Charakter einer homöopathischen Notfallapotheke.» Zu den sieben wichtigsten Arzneien zählt der Homöopath:

- Arnica montana: die meistverwendete Arznei. Sie wird bei Verletzungen, Prellungen und Verstauchungen aller Art angewandt.

- Aconitum: bei Schreck, Schock oder zu Beginn einer heftigen Erkältung

- Gelsemium: bei leichter Grippe, Benommenheit, Zittrigkeit, Konzentrationsschwäche und Prüfungsangst

- Nux-Vomica: ein Allroundmittel bei Magenbeschwerden und Erkältungen

- Apis mellifica: bei Insektenstichen und lokalen Entzündungen mit blass-rosa Schwellungen

- Cocculus: bei Reisekrankheit mit Übelkeit und Erbrechen

- Chamomilla: bei Überempfindlichkeit und heftigem Durchfall beim Zahnen

Homöopathie: Sinn oder Unsinn?

Die Erfolge der Homöopathie sind bis heute nicht naturwissenschaftlich erklärbar. Die meisten Untersuchungen konnten keine Wirksamkeit beweisen, die über den reinen Placebo-Effekt hinausgehen. Anders ausgedrückt: Bisher ist nicht eindeutig belegt, dass sich homöopathische Arzneimittel von Scheinmedikamenten unterscheiden. Dennoch schwören viele Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen auf die Wirksamkeit der kleinen Globuli.

Das kostet Homöopathie für Kinder

Die Kosten einer homöopathischen Behandlung sind abhängig von der Art und der Schwere einer Erkrankung. Kurt Lustenberger gibt drei Beispiele:

1. Kleinkind mit Insektenstich, der heftig schmerzt: Hier braucht es nur eine kurze Anamnese mit einer Mittelverschreibung und evtl. einem kurzen Kontrolltermin. Kosten: ca. Fr. 50.- inklusive Arznei

2. Baby mit einer akuten Windeldermatitis: Hier genügen eine Teilanamnese sowie ein Kontrolltermin. Kosten ca. Fr. 120.- inklusive eines Kontrolltermins und Arznei.

3. Kleinkind mit starken Einschlaf- und Durchschlafproblemen seit vier Wochen, welche schulmedizinisch nicht behandelt werden konnten: Zur Behandlung ist eine komplette Anamnese mit mindestens einem Kontrolltermin erforderlich. Kosten inklusive eines Kontrolltermins und Arznei ca. Fr. 200.-

 

Darüber hinaus gibt es Beschwerdebilder, die eine konstitutionelle Behandlung über einen längeren Zeitraum nötig machen, zum Beispiel ADHS, chronische Hauterkrankungen, Asthma, Entwicklungsstörungen und wiederkehrende Erkältungen. «In diesen Fällen werden in der Regel ca. drei Termine pro Jahr mit Kosten von jeweils ca. 120 Franken benötigt», so Kurt Lustenberger.

Homöopathische Behandlungen werden über die Grundversicherung abgerechnet, sofern die Leistung von einem Arzt mit einem FMH-Fähigkeitsausweis erbracht wird. «Die allermeisten alternativmedizinischen Behandlungen in der Schweiz erfolgen jedoch über die nichtärztlichen Therapeuten», erklärt Brigitta Morger. «Solche Behandlungen werden nur über die freiwilligen Zusatzversicherungen vergütet, unter der Voraussetzung, dass der Therapeut eine fundierte Ausbildung hat und entsprechend vom Versicherer anerkannt ist.» Wer sich entscheidet, öfter mit seinem Kind zum Homöopathen zu gehen, kann eine entsprechende Zusatzversicherung abschliessen. So ist ein grosser Teil der Kosten gedeckt. Grundsätzlich ist es vor jedem Behandlungsbeginn sinnvoll, mit der Krankenkasse Kontakt aufzunehmen, um die Frage der Kosten zu klären.

Weiterführende Links:

· Homöopathie-Verband Schweiz: www.hvs.ch

· Buchtipp: Homöopathie für Kinder. Von Sven Sommer. Verlag Gräfe und Unzer, 2. Aufl. 2010.

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