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Binge Eating: Wenn Kinder mit dem Essen nicht aufhören können

Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie sind weitestgehend bekannt. Doch über eine Essstörung wird heute noch wenig bis gar nicht berichtet: Binge Eating oder auch Binge Eating Disorder. Was Sie darüber wissen müssen und wie Sie als Eltern handeln, sollte Ihr Kind an der Störung leiden.

Binge Eating führt bei Kindern zu gesundheitlichen Problemen.

Kinder mit einer Binge Eating Disorder essen besonders viel Fast Food oder andere ungesunde Lebensmittel in grossen Mengen. Bild: KatarzynaBialasiewicz, Getty Images

Binge Eating oder Binge Eating Disorder meint eine Fresssucht, bei der die Betroffenen beim Essen totalen Kontrollverlust erleiden. Bei dieser Erkrankung ist das Essverhalten gestört, sodass Betroffene eine verzerrte oder gestörte Beziehung zur Nahrung haben. Menschen mit einer Binge-Eating-Störung denken nahezu ständig ans Essen und können auch nicht aufhören: Ihr Essverhalten beeinflusst Ihren Alltag und behindert sie sogar im Leben.

Wenn Essen zum Problem wird

Das englische Wort «binge» bedeutet Gelage und beschreibt das Essverhalten von Binge-Eating-Patienten perfekt. Ähnlich wie bei der Ess-Brech-Sucht Bulimia Nervosa essen die Menschen beim Binge Eating so viel wie möglich. Dabei ignorieren Sie Ihr Sättigungsgefühl, da Sie beim unkontrollierten Essen Glück oder Freude empfinden.

Dieses Gelage ist nicht mit dem emotionalem Essen zu verwechseln. Menschen mit einer Binge Eating Disorder leben mit einem permanent unangenehmen Völlegefühl. Bei manchen tritt nach einiger Zeit schleichend Bulimie ein, damit Sie das unangenehme Gefühl loswerden können. An den folgenden Symptomen erkennen Sie, ob Ihr Kind auch von dieser Essstörung betroffen ist.

Symptome und Verlauf dieser Essstörung

Die Symptome und der Verlauf der Essstörung fallen bei vielen Betroffenen unterschiedlich aus. Viele Kinder mit einer Binge-Eating-Störung essen in kürzester Zeit in übertriebenen Massen. Meist ist es ungesundes Fast Food mit viel Fett, Kohlenhydraten und Zucker. Manche essen auch mehrere Stunden lang und können sich dabei nicht mehr bremsen. Sie erleben beim Essen einen kompletten Kontrollverlust. Hinterher empfinden sie Schuldgefühle oder fühlen sich körperlich schlecht. Dann greifen Sie wieder zur Nahrung, um sich besser zu fühlen.

Ein weiteres Symptom ist das Gefühl, niemals satt zu werden oder sich ständig leer zu fühlen. Deshalb essen Kinder oder Jugendliche beim Binge Eating, bis sich irgendwann ein Gefühl von Ruhe einstellt. Dabei leiden viele am krankhaften Übergewicht, das in Adipositas 1 oder sogar Adipositas 2 übergeht. Adipositas 1 beginnt ab einem Body-Mass-Index von 30, Adipositas 2 ab 35. Die körperlichen Folgen können gerade für Kinder schlimm sein: Neben Gelenkproblemen und möglichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen können auch Probleme mit der eigenen Wahrnehmung entstehen, was die Symptome der Binge-Eating-Störung verstärkt. Es entsteht ein Teufelskreis.

Wer ist betroffen?

Generell lässt sich sagen, dass Frauen häufiger als Männer an einer Fresssucht leiden. Die Rate beträgt laut der Schweizer Gesellschaft für Essstörungen 3:2. Dabei beginnen die Episoden einer Binge-Eating-Störung schon im frühen Erwachsenenalter oder sogar in der Kindheit und Jugend. Ganz besonders betroffen sind die, die bereits schon strikte Diäten gehalten haben oder sogar anorektisch waren. Viele der Patienten leiden an Depressionen oder anderen Erkrankungen, sodass die Binge-Eating-Störung bloss ein Symptom tieferliegender Probleme ist.

Ursachen von Binge Eating

Jugendliche mit einer Binge-Eating-Störung können oft ihren eigenen Körper nicht akzeptieren. Darüber hinaus merken sie nicht, wenn Sie sich satt fühlen. Hinter dieser Essstörung verbergen sich wie bei allen anderen Essstörungen auch psychische Probleme, die nur in einer Behandlung oder Therapie gelöst werden können.

Betroffene leiden meist an einem starken Übergewicht, das schon krankhaft ist. Oft sind ein geringes Selbstwertgefühl, negative Gefühle im Allgemeinen oder auch Depressionen die Ursachen für die Essattacken. Eine medikamentöse Behandlung ist bei manchen Patienten möglich, jedoch nur in Begleitung einer kognitiven Verhaltenstherapie, bei der die Betroffenen lernen, mit ihrer Fresssucht umzugehen. Dabei lernen sie in der Therapie auch, wie sie regelmässige Mahlzeiten zu sich nehmen und eine gesunde Nahrungsmenge für sich finden.

Behandlung und Therapieformen

Eine Binge-Eating-Störung lässt sich ebenso wie Magersucht oder Bulimie mithilfe von Therapie gut behandeln. In einer solchen Therapie lernen die Kinder, sich selbst zu akzeptieren und mit ihrer Fresssucht umzugehen. Neben einer gesunden Ernährung oder Diät sucht der Therapeut auch nach Ursachen für die Störung und nach Wegen, die wiederkehrenden Essanfälle zu unterbinden.

Was Sie als Eltern tun können, wenn Ihr Kind ein ungesundes Verhältnis zu seinem Körper und zu seiner Ernährung entwickelt, lesen Sie hier. Psychologin Ina Blanc gibt praktische Tipps für Eltern. 

Weiterführende Informationen

Informationen für Betroffene oder Angehörige erhalten Sie bei der Schweizer Gesellschaft für Essstörungen. Dort finden Sie auch Adressen von Beratungsstellen sowie Online-Hilfe.