Nach dem Tod von Jasmina änderte sich alles

Elisabeth Schäfer und Sabine Shah wollen Menschen Mut machen, die ein Kind verloren haben.

Elisabeth Schäfer und Sabine Shah wollen Menschen, die ein Kind verloren haben, Mut machen. Foto: Jessica Buschor

Am 3. Februar ist Jasmina «zurück ins Licht» gegangen. «Es war wunderschön, aber todtraurig zugleich», beschreibt Sabine Shah ihre Gefühle. Jeden Abend schaut sie seitdem gemeinsam mit ihrem bald vierjährigen Sohn und ihrem Mann in den Sternenhimmel, um das Leuchten der Tochter zu sehen. Wenn es gewittert, sagt Sabine Shah ihrem Sohn, dass Jasmina gerade Disko macht. Als es einmal einen besonders schönen Sonnenuntergang gab, war er davon überzeugt, dass es Jasmina für ihn gemacht hatte. Wenn er seine Schwester vermisst, setzt er sich auf den Boden, wird ruhig und legt eine Hand auf seinen Bauch, so wie es seine Mutter ihm gezeigt hat. Dann fühlt er ein leichtes Pochen und sagt: «Mami, ich habe sie gespürt.»

Im Haus der Familie steht eine Gedenkvitrine mit den Spielsachen von Jasmina. Am Anfang war auch der Stuhl der Tochter immer mit am Tisch. Darin sass ein Engel. «Sie ist immer noch ein Teil unserer Familie», sagt Sabine Shah. Doch so öffentlich über das Sterben zu reden, das ist ihre persönliche Art, den Tod zu verarbeiten. Ihr Mann geht mit seiner Trauer anders um. Beide sprechen oft über ihre Gefühle, aber jeder darf seinen eigenen Verarbeitungsprozess durchlaufen.

Tabuthema Tod

«Ich möchte das Tabuthema „Abschied vom eigenen Kind nehmen“ brechen», erklärt Sabine Shah ihre Motivation. Sie will für ihre Jasmina Soraya Organisation ein Netzwerk von Müttern und Vätern aufbauen, die Ähnliches erlebt haben. Mehrere Eltern haben bereits ihr Interesse bekundet. Weitere bringt sie aus ihrem eigenen Netzwerk mit. Sabine Shah führt eine Beratungsfirma für Burnout-Betroffene, kennt dadurch viele Familien-  und Paartherapeuten.

Unterstützung erhält sie von ihrer besten Freundin Elisabeth Schäfer. «Jasmina ist für mich wie ein eigenes Kind», sagt Schäfer, die selbst keine Kinder bekommen konnte. Sie legt ein Foto der Kleinen auf den Tisch. «Sie ist immer bei uns.» Obwohl ihr der Tod von Jasmina unglaublich nah ging, strahlt sie wie ihre Freundin Lebensfreude aus.     

Elisabeth Schäfer hat in der Nacht nach dem Tod von Jasmina ein Kinderbuch geschrieben. Es ist eine Geschichte über das Sterben mit Happy End geworden. «Möge diese Buch helfen, betroffenen Kindern, Eltern und Erwachsenen ihre Angst vor dem Tod zu nehmen», heisst es im Abspann. Dieser Wunsch hat sich bereits erfüllt. Mittlerweile erscheint es in der zweiten Auflage. Ein Teil des Erlöses ist für die Jasmina Soraya Organisation vorgesehen.

Lebenskraft tanken

Mut machen, Trost spenden und die Angst vor dem Sterben nehmen: Beide Frauen verfolgen ein ehrgeiziges Ziel. Sie wollen nicht missionieren, aber den ein oder anderen Betroffenen aus der Opferrolle holen und ihm zeigen, was es bedeutet Lebenskraft zu tanken.

Obwohl Sabine Shah und ihre Freundin Elisabeth Schäfer so positiv in die Zukunft schauen, haben beide natürlich auch schwierige Zeiten. Dann fliessen Tränen. Dann vermissen sie Jasmina unheimlich. Dann sind sie aber füreinander da. «In guten und in schlechten Zeiten», wie Elisabeth Schäfer versichert.

Weiterführende Informationen

  • Die Jasmina Soraya Organisation finden Sie unter www.jasminasoraya.ch
  • Das Kinderbuch «Tody & Angelina» über das Sterben und Abschied nehmen kostet CHF 29.90 und kann bei Elisabeth Schäfer unter tody-angelina@gmx.ch bestellt werden.

 

Autor: Angela Zimmerling im September 2012

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