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Alimente: Berechnung und Einforderung

Wächst das Kind bei einem Elternteil auf, hat das andere mit der Zahlung von Alimenten seinen Pflichten nachzukommen. Wie sich die Höhe der Alimente berechnet, in welchen Fällen sie sich ändern lassen und wie Sie ausstehende Zahlungen einfordern können, lesen Sie hier.

Alimente für Kinder berechnen.

Wenn sich die Eltern trennen, haben Kinder ein Recht auf Alimente. Foto: Annie Spratt, Unsplash

Alimente für Kinder: Das Wichtigste in Kürze 

  • Die Höhe der Alimente berechnet sich in der Regel aus dem Bedarf des Kindes und dem Einkommen der Eltern.
  • Alimente passen sich an den Teuerungsausgleich an.
  • Alimentenzahlungen können erhöht oder vermindert werden, wenn sich die finanzielle Lage der Eltern nachhaltig ändert.
  • Alimente müssen bis zum 18. Geburtstag des Kindes oder dem Abschluss der Erstausbildung bezahlt werden.
  • Wenn die Alimentenzahlung ausbleibt, können Sie selbst aktiv werden und eine Schuldbetreibung, Anweisung an den Schuldner und Sicherstellung in Gang setzen.
  • Zudem haben Sie die Möglichkeit eine staatliche Alimentenhilfe zu beantragen. Diese umfasst die Inkassohilfe und die Alimentenbevorschussung.

«Im Zivilgesetzbuch der Schweiz (ZGB) steht, dass beide Eltern für das Kind und seinen Unterhalt sorgen müssen», heisst es im Ratgeber zur Alimentenhilfe des Schweizerischen Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV).

Zum Unterhalt gehören Nahrung, Kleidung, Obdach, Pflege und Erziehung, schulische und berufliche Ausbildung, Freizeit und die Deckung von Risiken wie Krankheit und Unfall. Wenn sich die Eltern trennen, wächst das Kind hauptsächlich beim Elternteil auf, welches das Sorgerecht für das gemeinsame Kind hat.

Ob Vater oder Mutter, der Sorgeberechtigte geht seinen Elternpflichten nach, indem er Pflege, Erziehung und Haushaltsführung übernimmt. Während der sorgeberechtigte Elternteil seinen Beitrag an den Unterhalt des Kindes dann überwiegend in natura leistet, übernimmt der nicht sorgeberechtigte dies in Form von Geldzahlungen, den sogenannten Alimenten.

Alimente werden nicht nur an Kinder, sondern im Fall einer Scheidung auch an den Ex-Mann oder die Ex-Frau bezahlt. Dies ist laut Art. 125 im Zivilgesetzbuch (ZGB) dann der Fall, wenn nach der Scheidung dem Ex-Partner nicht zuzumuten ist, dass dieser für seinen Unterhalt selbst aufkommt.

Ob und in welchem Ausmass der Ex-Mann oder die Ex-Frau wieder eine Arbeit aufnehmen oder diese erhöhen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Berücksichtigt werden dabei die Dauer der Ehe und die bei der Ehe vereinbarte Aufgabenteilung.

Bleibt ein Elternteil zu Hause und kümmert sich um die Kinder, erschwert sich wegen des damit verbundenen Berufsunterbruchs die Wiedereingliederung ins Berufsleben. Weiter können Kinderbetreuungspflichten, persönliche Gründe wie Gesundheitszustand oder Ausbildung und objektive Umstände wie die Arbeitsmarktlage dagegen sprechen, dass der Ex-Partner seinen Unterhalt alleine finanziert.

Alimente berechnen

In diesem Beitrag soll der Fokus allerdings auf die Kinderalimente gelegt werden. Der nicht sorgeberechtigte Elternteil zahlt Kinderalimente und übernimmt damit einen Teil der anfallenden Kinderkosten. Diese werden vom Gericht oder in einem Unterhaltsvertrag festgelegt.

Für die Berechnungen der Alimente gibt es keine feste Formel und die Höhe variiert von Kanton zu Kanton. Die meisten Gerichte gehen bei der Berechnung vom konkreten Bedarf des Kindes (Unterhaltsbedarf) oder vom Einkommen der Eltern aus.

Bei der Berechnung des tatsächlichen Unterhaltsbedarfs des Kindes sind die Empfehlungen des Amts für Jugend und Beratung des Kantons Zürich am bekanntesten und verbreitetesten. Sie sind auch durch die gerichtliche Rechtsprechung anerkannt.

Die dazu veröffentlichte Tabelle gibt zum durchschnittlichen Unterhaltsbedarf für Kinder im Alter von eins bis sechs, sieben bis zwölf und dreizehn bis achtzehn Jahren zum Beispiel folgende Zahlen an: Haben Sie ein achtjähriges Kind, dann betragen dessen Unterhaltskosten pro Monat 1925 CHF. Darin enthalten sind die Kosten für Ernährung (330 CHF), Bekleidung (115 CHF), Unterkunft (365 CHF), andere anfallende Kosten (655 CHF), Pflege und Erziehung (460 CHF).

Die Tabelle mit aktuellen Zahlen zum durchschnittlichen Unterhaltsbedarf im Kanton Zürich finden Sie hier.

Neben dem durchschnittlichen Bedarf eines Kindes wird bei der Berechnung der Alimente zudem der Lebensstandard des zahlungspflichtigen Vaters oder der zahlungspflichtigen Mutter berücksichtigt. Ist dieser hoch, dann erhöht sich auch die Kinderalimente. Denn das Kind hat das Recht, am Lebensstandard beider Eltern teilzunehmen.

Die zweite Berechnungsmethode sieht sich ausschliesslich die finanziellen Mittel des Unterhaltspflichtigen an. Allgemein sind 15 bis 17 Prozent des Einkommens für den Unterhalt eines Kindes, 25 bis 27 Prozent für den Unterhalt von zwei Kindern und 30 bis 35 Prozent für den Unterhalt von drei Kindern vorgesehen.

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Foto: kloromanam, Thinkstock

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Änderung der Alimente

Die Höhe der Alimente kann sich ändern. Dies ist bei der Anpassung der Alimente an den Teuerungsausgleich der Fall. «In den meisten Unterhaltsverträgen, Scheidungs- und Trennungsurteilen findet sich eine Indexklausel. Sie regelt, wann und wie Alimente an die laufende Teuerung angepasst werden müssen. Fehlt sie, gibt es auch keinen Teuerungsausgleich», heisst es im «Beobachter».

Bei der Berechnung des neuen Alimentenbetrags müssen Sie einfach den alten Alimentenbetrag mit dem neuen Indexstand multiplizieren. «Informationen über Indextabellen und -zahlen sind unter www.statistik.admin.ch oder www.mietrecht.ch einsehbar», gibt der Beobachter weiter Auskunft.

Zudem kann die Unterhaltszahlung unter Änderung der Alimentenregelung erhöht oder vermindert werden. Dies kann gerichtlich oder – wenn Vater, Mutter und Vormundschaftsbehörden zustimmen – auch aussergerichtlich erfolgen.

Gründe für eine neue Regelung sind beispielsweise die Änderung der Kinderbetreuung, ein höheres Einkommen, grosse Lohneinbussen oder eine dauerhafte Veränderung der finanziellen Verhältnisse. Letzteres trifft beispielsweise dann zu, wenn ein unterhaltspflichtiger Vater wieder heiratet und erneut Vater wird. In diesem Fall kann das Gericht die Alimente tiefer ansetzen.

Grundsätzlich muss Vater oder Mutter die Alimente bis zum Mündigkeitsalter von 18 Jahren oder bis zum Abschluss der Erstausbildung bezahlen. Als Erstausbildung wird der Weg von Beginn der Ausbildung bis zu einem anerkannten Abschluss, welcher den Einstieg ins Berufsleben ermöglicht, verstanden. Das kann der Abschluss einer Lehre oder ein Universitätsabschluss sein.

Beim heutigen Unistudium sind die Eltern dazu verpflichtet, bis zum Masterabschluss für den Unterhalt ihres Kindes aufzukommen. Zwar können junge Erwachsene bereits mit dem Bachelordiplom ins Berufsleben einsteigen, doch der ordentliche Abschluss der Erstausbildung ist erst mit dem Masterdiplom erreicht.

Alimente einfordern

«Damit sie über die Runden kommen, sind Alleinerziehende auf regelmässige Alimentenzahlungen angewiesen. Leider zeigt die Erfahrung, dass es hier oft hapert: Die Zahlungen kommen verspätet, in reduziertem Umfang oder gar nicht», äussert sich der SVAMV in seinem Ratgeber.

Wenn die unterhaltspflichtige Mutter oder der unterhaltspflichtige Vater die Alimente nicht, nur teilweise oder schleppend bezahlt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sie und Ihr Kind zu Ihrem Geld kommen. Sie können selbst handeln und nicht bezahlte Beträge eintreiben.

Oder Sie beantragen staatliche Alimentenhilfe. Wenn Sie sich entscheiden selbst zu handeln, haben Sie den Vorteil rasch eingreifen zu können. Jedoch müssen Sie die Kosten für die eingeleiteten Massnahmen vorschiessen.

Mahnung an den Ex-Partner

Werden Sie selbst aktiv, dann besteht der erste Schritt in der Mahnung des Ex-Partners, seine Alimenten-Schulden zu begleichen. Dafür brauchen Sie keine rechtliche Unterstützung. Schicken Sie Ihrem Ex-Partner zehn Tage nach Ablauf des Zahlungstermins einen eingeschriebenen Brief und fordern Sie ihn darin auf, die ausstehenden Alimente umgehend auf Ihr Konto zu überweisen.

«Setzen Sie ihm eine Frist, bis wann die Zahlung erfolgt sein muss, informieren Sie ihn, dass Sie andernfalls eine Betreibung einleiten und weiter Kosten (Verzugszinsen und Betreibungskosten) für ihn anfallen werden», rät der SVAMV. Zeigt die Mahnung keine Wirkung, dann sollten Sie weitere Schritte wie eine Schuldbetreibung, eine Anweisung an den Schuldner oder eine Sicherstellung einleiten. Im Folgenden werden die einzelnen Schritte erklärt.

Schuldbetreibung

Bei einzelnen ausstehenden Beträgen und einem regelmässigen Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils ist es ratsam, eine Betreibung in Gang zu setzen. Dazu reichen Sie beim Betreibungsamt am Wohnort des Schuldners ein Betreibungsbegehren ein.

«Die Homepage www.betreibungsschalter.ch gibt Auskunft über die Adresse des zuständigen Betreibungsamtes und auf wichtige Fragen im Zusammenhang mit einer Betreibung wertvolle Antworten», informiert der Ratgeber zur Alimentenhilfe. Doch auch das zuständige Betreibungsamt wird Ihnen beim Ausfüllen der Formulare helfen.

Die Gebühren für ein Betreibungsverfahren müssen Sie vorschiessen und sind von der Höhe des betriebenen Betrags abhängig (40 bis 100 CHF). Bezahlt der Schuldner trotz Zustellung des Zahlungsbefehls vom Betreibungsamts die ausstehenden Kinderalimente nicht, können Sie «frühestens 20 Tage und längstens ein Jahr danach mit dem sogenannten Fortsetzungsbegehren die Betreibung auf Pfändung (von Vermögensstücken und Einkommen) verlangen. Das Betreibungsamt hat die Pfändung unverzüglich nach Eingang des Fortsetzungsbegehrens zu vollziehen», so der Ratgeber des SVAMV weiter.

Mit der Betreibung können Sie nur ausstehende Alimente eintreiben, nicht aber laufende oder zukünftige. «Für jeden neuen Alimentenrückstand müssen Sie ein neues Betreibungsverfahren in Gang setzen», äussert sich der SVAMV über die Nachteile einer Schuldbetreibung bei ausstehenden Kinderalimenten. Weniger Aufwand haben Sie da bei der Anweisung an den Schuldner.

Anweisung an den Schuldner

Bei der Anweisung an den Schuldner stellen Sie einen Antrag ans Gericht und leiten ein zivilgerichtliches Verfahren ein (auch hierfür haben Sie einen Kostenvorschuss zu leisten). Mit dem Antrag möchten Sie bewirken, dass der Arbeitgeber die Alimente direkt vom Lohn des zahlungspflichtigen Ex-Partners abzieht und Ihnen auszahlt.

Der Vorteil ist hier, dass die «gerichtliche Anweisung an den Schuldner nicht nur für die bereits fälligen Forderungen, sondern bis auf weiteres auch für die laufenden Verpflichtungen, ohne dass Sie dafür neu klagen müssen, gelten» (SVAMV).

Doch die Anweisung an den Schuldner ist nicht für ausstehende Alimente möglich. Deswegen empfiehlt Ihnen der Ratgeber zur Alimentenhilfe gleichzeitig zur Anweisung eine Sicherstellung beim Gericht zu beantragen.

Sicherstellung

Wenn Vater oder Mutter beharrlich nicht zahlt, jedoch finanziell in der Lage ist, den Elternpflichten nachzukommen, dann können Sie beim Gericht zudem eine Sicherheitsleistung für zukünftige Beträge verlangen. Das Gericht kann dann beispielsweise Bankguthaben in der Höhe der geschuldeten Alimente sperren lassen und eine monatliche Überweisung an Sie anordnen.

Alimentenhilfe beantragen

Anstatt selber zu handeln, können Sie aber auch staatliche Alimentenhilfe beantragen. Die Alimentenhife umfasst die Inkassohilfe und die Alimentenbevorschussung. «Reichen Sie das Gesuch um Inkassohilfe und Alimentenbevorschussung bei Ihrer Wohnsitzgemeinde ein. Vereinbaren Sie einen Termin und nehmen Sie die verlangten Dokumente mit», heisst es im Ratgeber zur Alimentenhilfe.

Bei der Inkassohilfe erhalten Sie staatliche Hilfe bei der Einforderung von Unterhaltsbeiträgen. Die Inkassohilfe treibt anstelle von Ihnen beim zahlungspflichtigen Elternteil die Unterhaltsbeiträge ein und überweist sie im Anschluss an Sie. Die für die Inkassohilfe zuständige Behörde nimmt unter Absprache mit Ihnen Kontakt zum Schuldner auf, «um von ihm zu erfahren, warum er die Alimente nicht bezahlt und um ihn zu veranlassen, seine Unterhaltspflicht freiwillig regelmässig zu erfüllen» (SVAMV).

Zahlt der Ex-Partner nicht freiwillig seine Alimente, ergreift die Behörde die nötigen Inkassomassnahmen wie Schuldbetreibung, Anweisung an den Schuldner und die Sicherstellung. Normalerweise werden die dazu erforderlichen Betreibungs-und Verfahrenskosten dem zahlungspflichtigen Ex-Partner angerechnet. Ist dieser jedoch finanziell nicht in der Lage diese zu begleichen, müssen Sie die Kosten übernehmen.

Neben der Inkassohilfe können Sie zudem Alimentenbevorschussung einfordern. Der Kanton bevorschusst Ihnen und Ihrem Kind die Alimente. Dadurch schuldet der zahlungspflichtige Vater oder die zahlungspflichtige Mutter nicht mehr Ihnen, sondern der Gemeinde oder dem Kanton den Kinderunterhalt. Vorteil der Bevorschussung ist, dass die Zahlungen regelmässig eintreffen und Ihnen eine finanzielle Sicherheit geben.

Weiterführende Hilfe

  • Der Schweizerische Verband für alleinerziehende Mütter und Väter gibt Ihnen unter www.einelternfamilie.ch weiter Auskunft zum Thema «Unterhaltspflicht und elterliche Sorge» und zur Bestellung der Broschüre «Wie kommen Kinder zu ihren Alimenten? Ein Ratgeber zur Alimentenhilfe».

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