Alleinerziehend und trotzdem arbeiten: Lösung Teilzeitjob?

Als alleinerziehender Elternteil stellt sich vieles im Alltag schwierig dar und häufig kommen finanzielle Probleme noch dazu. Immerhin ist nach einer Studie der Caritas Schweiz jede vierte Einelternfamilie arm. Um dagegen anzukämpfen, haben viele Mütter und Väter einen Teilzeitjob.

Alleinerziehend mit Teilzeitjob?

Der Teilzeitjob ist für Alleinerziehende oft eine wichtige Auszeit und führt zu sozialer Integration. Foto: iStock, Thinkstock

Dank Teilzeitjob nicht den Anschluss verlieren

In der Schweiz arbeiten rund 60 Prozent aller alleinerziehenden Mütter oder Väter Teilzeit. Der Grossteil davon sind Frauen, da viele Männer laut dem Bundesamt für Statistik eher Vollzeit arbeiten. Damit zeigt sich, dass selbst bei Alleinerziehenden die klassische bürgerliche Arbeitsverteilung dominiert, obwohl eine deutliche Steigerung der Mütter mit Teilzeitarbeit über die Jahre hinweg zu beobachten ist. Die Gründe dafür sind vielfältig, wobei die Angst vor einer drohenden Armut überwiegt. Der Arbeitsmarkt ist angespannt und eine zu lange Babypause bedeutet häufig, dass sich eine erneute Integration im alten Job als schwierig gestaltet. Des Weiteren leistet die Teilzeitstelle häufig einen wichtigen sowie verlässlichen Beitrag zur Haushaltskasse. Nicht zu vergessen sind zudem die sozialen Faktoren, die einen Job in Teilzeit für viele Mütter und Väter so bedeutsam machen.

Der Teilzeitjob tut der Seele gut

Untersuchungen haben gezeigt, dass Alleinerziehende, welche nicht für sich selbst und ihr Kind sorgen können, unter einer starken psychischen Belastung leiden. Versagensängste kommen auf und eine soziale Isolierung kann eintreten. Eine Teilzeitstelle beugt dieser sozialen Isolierung nicht nur vor, sondern stellt häufig eine wichtige Auszeit vom Muttersein beziehungsweise Vatersein dar. Meist ist der Alleinerziehende die einzige Bezugsperson für den Nachwuchs, sodass das Gefühl da ist, stetig präsent sein zu müssen. Dies kann zu bewusstem oder unbewusstem Stress führen. Single-Mütter oder Single-Väter mit einer Teilzeitarbeit hingegen können dieser Pflicht begründend für einige Zeit entfliehen. Es mag paradox erscheinen, doch in Kurkliniken sind häufiger Alleinerziehende ohne Job als mit Arbeit anzutreffen. Klassische Beschwerden sind beispielsweise Rückenschmerzen, Burn-out, Gelenkbeschwerden und Depressionen.

In diesem Zusammenhang sollte auch das Wohl des Kindes berücksichtigt werden. Wenn der alleinerziehende Elternteil physisch oder psychisch krank ist, nimmt dies auch Einfluss auf den Nachwuchs. Medizinische Studien zeigen, dass 80 % der Kinder, die mit ihren kranken Müttern in eine Klinik kommen, meist selbst eine Behandlung nötig haben. Sie nehmen das Leid ihrer engsten Bezugsperson auf und werden dadurch selbst krank. Deutlich zeigt sich dies an Integrationsproblemen, Verhaltensauffälligkeiten, Bettnässen oder Erkrankungen des Atemsystems. Die Teilzeitarbeit kann daher letztlich der eigenen Seele und dem Kind gut tun. Immerhin bewältigen mehr als 160‘000 alleinerziehende Schweizer täglich den Balanceakt zwischen Erwerbsarbeit, Haushalt und den Kindern.

Voraussetzungen für einen Teilzeitjob schaffen

Wer als Alleinerziehender stundenweise arbeiten möchte, benötigt ein gutes Zeitmanagement und je nach Alter des Kindes eine verlässliche Betreuung. Beides stellt sich nicht ohne Schwierigkeiten dar und bedarf die Hilfe von Dritten. Ferner fordern viele Arbeitgeber von ihren potenziellen Arbeitnehmern, dass eine geregelte Kinderbetreuung nachgewiesen werden kann. Hierbei stossen einige Alleinerziehende auf Probleme. Insbesondere in ländlichen Gebieten sind Krippen häufig Mangelware und für einige Betroffene ausserdem zu kostspielig. Ist dies der Fall, kann auch in lokalen Spitälern oder der Firma selbst nachgefragt werden. Eine weitere Möglichkeit stellt der Mittagstisch dar, der vermehrt von einigen Gemeinden, Städten und kirchlichen Einrichtungen angeboten wird. Des Weiteren kann unter Umständen der Tageselternverein helfen, welcher Tagesmütter sowie Tagesväter vermittelt. Dafür ist ein guter Kontakt zwischen dem alleinerziehenden Elternteil und der Betreuungsperson wichtig. Auch Verwandte, Grosseltern und Freunde stellen eine Option dar. Mit ihnen sollten klare Abmachungen hinsichtlich des Betreuungsumfanges, des Zeitpunktes und der Häufigkeit getätigt werden, damit das persönliche Verhältnis nicht beeinträchtigt und der freiwillige Einsatz nicht überstrapaziert wird.

Probleme eines Teilzeitjobs

Zu dem Problem der Kinderbetreuung kommen häufig noch Schwierigkeiten von aussen. So sind einige Arbeitgeber nicht darüber erfreut, die anfängliche Vollzeitstelle auf eine Teilzeitstelle zu kürzen. Wer den Job wechseln möchte, findet häufig eine begrenzte Auswahl an Angeboten vor und meist liegt der Verdienst deutlich unter dem Durchschnitt. So weisen alleinerziehende Mütter in der Schweiz die höchste Working-poor-Quote auf und erhalten vier Mal häufiger Sozialhilfe als der Durchschnitt. Ferner sind bei einer Teilzeitarbeit die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten beschränkt und meist ist eine geringe Arbeitsplatzsicherheit gegeben. Hinzu kommen Nachteile seitens des Staates. So wird im BVG die Teilzeitarbeit immer noch von der Versicherung ausgeschlossen oder benachteiligt. Dies bedeutet, dass bei einem Einkommen unterhalb der Eintrittsschwelle von 20‘880 Franken im Jahr 2012 dieses nicht versichert wird. Ferner wird bei einer Teilzeitarbeit der gesamte Koordinationsabzug berücksichtigt. Dadurch würde beispielsweise bei einem Einkommen von 35‘000 Franken nicht einmal ein Drittel des Betrages versichert werden, was letztendlich zu einer tieferen Rente führt. Diskussionen im Bundesrat über mögliche Änderungen halten diesbezüglich an. Es gilt, das berufliche Potenzial der Alleinerziehenden effektiver zu nutzen und sich dem demografischen Wandel anzupassen.

Hilfreiche Links bezüglich Teilzeitjobs für Alleinerziehende

 

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