Fantasiefreunde beweisen Kreativität

 

Das Mädchen spielt mit ihrem unsichtbaren Freund

Imaginäre Freunde helfen, lästigen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. (Bild: emeliemaria/iStock, Thinkstock)

Wie kreativ Sara ist, zeigt sich vor allem dann, wenn sie lästigen Diskussionen aus dem Weg gehen will. «Sara, wasch dir bitte die Hände», fordert die Mutter Sara auf. «Nein, dass geht jetzt nicht, denn Bantel kommt gleich, und dann gehen wir in den Wald, und da klettern wir auf Bäume und dann werden die Hände sowieso wieder schmutzig“, ruft sie zurück.

Anders als im richtigen Leben muss man mit unsichtbaren Freunden nicht immer liebevoll umgehen. Leicht lässt sich ihnen in die Schuhe schieben, was man selbst verbockt hat. Auch hier zeigt sich Sara erfinderisch: «Bantel hat mir die Schuhe weggenommen», beschwert sie sich, als ihr Vater sie bei Minus-Temperaturen im Garten in den Socken erwischt.

So können Eltern mit unsichtbaren Freunden umgehen

Solch ausgefeilten Argumentationen stehen Eltern oft ratlos gegenüber. Sicher, nicht immer erleichtert ein unsichtbarer Freund den Familienalltag. Dennoch sollten Eltern ihrem Kind den zuweilen besten, wenn auch imaginären Freund nicht ausreden. Wahrscheinlich würde das Kind dann zwar weniger über den Freund sprechen, doch in seiner Fantasie würde er weiter agieren. Sinnvoll ist stattdessen, einem Fantasiefreund mit Wertschätzung zu begegnen. «Freuen und entspannen», dazu rät Marjorie Taylor. «Dann lass uns deine Schuhe mal suchen und anziehen», könnte eine gelassene Antwort sein, wenn der unsichtbare Freund angeblich die Schuhe des Kindes geklaut hat.

Imaginäre Freunde fördern Sprachentwicklung

Kinder profitieren von imaginären Freunden. Das bestätigt auch eine Studie von Forschern um die Professorin Elaine Reese von der Universität Otago, Neuseeland. Demnach können sich Kinder mit einem Fantasiefreund oft besser ausdrücken und verfügen über bessere erzählerische Fähigkeiten als andere Kinder. «Erzählerische Fähigkeiten gelten als ein guter Prognosefaktor für die späteren Lesefähigkeiten und damit unter anderem auch für den schulischen Erfolg», erklärt Ulrich Fegeler, deutscher Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Sara: «Ich war schon mal im Wald. Mit Bantel. Da habe ich Schmetterlinge gesehen: Rosafarbene, blaue, rote ... Da war auch ein Fuchs. Da waren zwei Füchse. Gaaaanz kleine.»

Mutter: «Hast du die gestreichelt?»

Sara: «Die sind gaaanz lieb und gaaaanz klein! Felix und Lisa heissen die. Da war auch ein See. Da habe ich Steine reingewerft.»

Mutter: «Wo seid ihr dann hingegangen?»

Sara: «Da war auch ein Haus. Ich hatte auch einen Schlüssel.»

Mutter: «Wer hat denn da gewohnt?»

Sara: «Niemand.»

Mutter: «War denn da ein Kinderzimmer?»

Sara: «Mit ganz viel Spielzeug. Da habe ich mit Bantel gespielt…»

Kinder erzählen gern von ihren Fantasiefreunden. Sinnvoll ist es, die unsichtbaren Freunde zum Anlass zu nehmen, ein längeres Gespräch mit dem Kind zu führen. Ein solcher Dialog regt die Fantasie an und lässt bunte Geschichten entstehen, an die man sich noch lange erinnert. 

 

Autor: Sigrid Schulze, aktualisiert im November 2017

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