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Verdrehte Welt: Was Eltern von ihren Kindern lernen können

Sie wollen leichter und erfüllter Leben und Ihre persönlichen Ziele erreichen? Dann nehmen Sie sich Ihre Kinder zum Vorbild. Glücklich sein ist nämlich kinderleicht. Kinder sind wahre Meister in Sachen Glücksfindung. Sieben Eigenschaften, die wir Erwachsenen uns unbedingt abschauen sollten. 

Einfach den Moment geniessen und der Fantasie freien Lauf lassen: Kindern lehren uns glücklich zu sein. Foto: GettyImages Plus, geber86

Den neusten Ratgeber mit Lebenstipps brauchen Sie nicht. Auch keinen teuren Lifestyle-Coach oder einen Kurs, indem Sie mehr über Achtsamkeit lernen. Sie wollen glücklicher und zufriedener ihr Leben geniessen? Dann schauen Sie einfach mal genau hin, wie Ihre Kinder Tag für Tag durch die Welt gehen. Wir Grossen können von den Kleinen so einiges lernen. Besinnen wir uns auf diese sieben Eigenschaften, die auch wir vor Jahren verinnerlicht hatten und beim Erwachsenwerden immer mehr vergessen haben!

7 Eigenschaften, die uns unsere Kindern lehren 

1 Im Hier und Jetzt leben

Wenn Jonas ein Bild malt, Melanie mit Sand matscht und Leo versucht, einen Schlüssel in ein Schloss zu stecken, dann haben die drei eines gemeinsam: Sie sind voll konzentriert und mit Geist und Gefühl ganz im Hier und Jetzt verhaftet. Sie gehen im Augenblick auf. Das können Eltern von Kindern lernen.

Im Hier und Jetzt zu leben, haben die meisten Erwachsenen verlernt. Die einen schweifen immer wieder in die Vergangenheit, um kräftezehrend mit Geschehenem zu hadern. Die anderen eilen sorgenvoll in die Zukunft, wo Aufgaben erledigt werden müssen. In der Gegenwart zu sein, fällt schwer.

Doch wahre Freude liegt nur im Augenblick. «Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick», lautet eine Zen-Weisheit. «Die meisten von uns sind ihr Leben lang von einem Wust von Projekten, Erwartungen und Plänen für die Zukunft eingenommen sowie von Bedauern, Schuldgefühlen und Scham im Hinblick auf die Vergangenheit», sagt dazu der US-Amerikaner Jack Kornfield. Doch nur in der Gegenwart könne man lieben, erwachen, Frieden und Verständnis finden und sich selbst mit der Welt verbunden fühlen.

2 Mehr lachen

Kinder lachen ausgelassen, und das etwa 400 Mal am Tag, wie Lachforscher nach einem Bericht des Apothekenmagazins herausgefunden haben. Sie lachen dabei aus vollster und tiefster Seele. Die meisten Erwachsenen dagegen haben das andauernde und ausgelassene Lachen verlernt. Nur 15 Mal pro Tag glucksen sie ausgelassen vor sich hin.

Lachen lässt sich von Kindern lernen. Lassen Sie sich einfach anstecken! Wer sich anstecken lässt, merkt schnell, wie gut das Lachen tut. «Eine Minute Lachen kann 45 Minuten Entspannungstraining ersetzen und ebenso abwehrkräftesteigernd wirken wie eine Extra-Dosis Vitamin C», so der Heilpraktiker Rolf Wenger in Spiez, der ein Anti-Stress-Training anbietet, das die neuesten Erkenntnisse der Lachforschung berücksichtigt. Und nicht zuletzt: Wer lacht, wird angelacht. Gute Laune verbreitet sich im Umfeld, nimmt Spannungen und macht das Leben leichter.

3 Ehrlichkeit

Wir lügen jeden Tag 50 bis 200 Mal. Diese erstaunliche Zahl hat die Wissenschaft ermittelt. Oft ist es sinnvoll, auf Notlügen zurückzugreifen. Schliesslich hebt es die Stimmung, wenn Sie behaupten, dass das Essen gut schmeckt und der Partner hervorragend aussieht. Und eine kleine – gelogene Ausrede – kann oft besser sein, als eine breite Diskussion loszutreten.

Doch häufen sich die Notlügen, können sie schaden. Allzu leicht verstricken wir uns in einem Gewirr aus fadenscheinigen Ausreden, falschen Komplimenten und unter den Teppich gekehrten Konflikten. Wie entwaffnend unverblümte Ehrlichkeit sein kann, lässt sich an Kindern beobachten. «Kindermund tut Wahrheit kund», heisst es oft.

Ehrlichkeit erdet, schafft Lebensqualität im Moment und hilft, erfüllter zu leben. Versuchen Sie es! Ein «Nein, ich möchte nicht …» bildet einen guten Anfang und wirkt in vielen Situationen befreiend.

4 Der Fantasie freien Lauf lassen

Kinder sind reich, vor allem an Fantasie. Sie verleiht ihnen wahre Flügel. Mit ihrer Hilfe haben Kinder imaginäre Freunde, träumen sich auf Pferde, erleben See-Abenteuer, erfinden Geschichten.

«Fantasie ist wichtiger als alles Wissen», wusste schon Albert Einstein. Sie macht kreativ. In der können wir alles durchspielen, was real noch nicht möglich ist. «Wir können so tun «als ob» und einschränkende Grenzen aufheben», schreiben Evelyne Maass und Karsten Ritschi in dem Buch «Fantasiereisen leicht gemacht». «In der Fantasie haben wir die schöpferische Freiheit, alles zu denken, was uns einfällt.» Dabei entstehen Visionen, neue Ziele, neue Perspektiven und Lösungswege.

Auch Erwachsene können sich von ihren Träumen führen lassen. Wer aus dem Fenster in die Wolken schaut und den Gedanken freien Lauf lässt, eigene Wünsche aufschreibt oder malt, gleichgültig, ob ihre Erfüllung realistisch ist oder nicht, die Augen schliesst und den Konflikt mit dem Partner, den Kindern oder der Chefin in der Fantasie löst, erhält wertvolle Gedankenanstösse.

5 Learning by doing

Was auch immer interessant ist, Kinder probieren es aus. Spielend lernen sie, in dem sie die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes anpacken. Beim Ausräumen von Schubladen, beim Brabbeln erster Laute, beim Auseinander- und Wiederzusammenbau einer Schreibmaschine erobern sie die Welt. Kinder lesen keine Gebrauchsanweisungen. Sie lernen beim Tun. Das können wir von Kindern lernen.

Learning by doing ist eine Herangehensweise an Aufgaben, die auch Erwachsene weiterbringt. Wer nicht immer nur nach Rezept kocht und nach Anleitung bastelt, sondern einfach experimentiert, wird kreativ und gewinnt an Selbstbewusstsein – und damit an Mut, sich an weitere Aufgaben zu wagen.

6 Offen sein für Neues

Beim Erreichen von Zielen stehen wir uns oft selbst im Weg. Wir wollen uns selbstständig machen – doch auf keinen Fall in die Stadt ziehen. Wir wollen mehr Kontakte – aber gehen den Nachbarn aus dem Weg. Wir suchen nach dem Traumpartner – doch schliessen bestimmte Merkmale von vornherein aus. Vorurteile sind Mauern, die Wege verbauen.

Kinder haben keine Vorurteile. Offen und neugierig begegnen sie der Welt. Ausgebremst werden sie dabei vor allem von Erwachsenen, die an Konventionen, festgefahrenen Verhaltensmustern und Ängsten festhalten. «Wir müssen lernen, Menschen, die anders sind als wir, ohne Schrecken, ohne Misstrauen und ohne Vorurteile zu begegnen. Das lernen Kinder leichter als Erwachsene», sagte einst Hermann Gmeiner, Gründer der SOS-Kinderdörfer.

Wer jeden Tag einmal etwas Neues wagt, öffnet Türen, die das Leben bereichern. Nicht jede Erfahrung muss schön sein, aber jede ist interessant. Mal mit der scheinbar verschrobenen Nachbarin quatschen, am Wochenende Schlittschuhlaufen, obwohl man sich für unsportlich hält, eine Bewerbung losschicken, obwohl die Arbeitsstelle vielleicht nicht ganz den Erwartungen entspricht. Wer Vorurteile überwindet und sich echte Urteile bildet, gewinnt Freiraum, eigene Ziele zu erreichen.

7 Am Ball bleiben

Drei wackelige Schritte – und schon wieder auf den Po gefallen! Wenn Kinder sich von solchen Misserfolgen entmutigen liessen, würden sie es nicht schaffen, laufen, sprechen, schreiben und rechnen zu lernen. Misserfolge gehören zum Leben. Das sollten wir von Kindern lernen.

Ausdauer ist eine Voraussetzung, um Ziele zu erreichen. Wer sich von der Ausdauer, die Kinder trotz Misserfolge an den Tag legen, eine Scheibe abschneidet, kommt weiter. Wichtig ist, aus Misserfolgen zu lernen. So geht es also nicht – warum nicht? Wie kann es besser gehen? Die Antworten auf diese Fragen helfen auf vielen Wegen effektiv weiter. Kinder sind wahrlich gute Vorbilder!