Warum Kinder so oft «Warum» fragen

Nach dem zweiten Lebensjahr geht es los: Kinder beginnen, ihren Eltern Löcher in den Bauch zu fragen. Oft kennen ihre Frage-Ketten keine Grenzen. Warum fragen Kinder so oft «Warum»? Und warum stellen sie immer wieder dieselben Fragen?

Warum-Fragen bei Kindern

Wieso, weshalb, warum: Manchmal kann es schwer sein, eine kindgerechte Antwort parat zu haben. Foto: Nastia11, iStock, Thinkstock

«Warum bäckst du ein Brot?» - «Weil dieses Brot sehr fein ist.» - «Warum ist es so fein?» - «Das Brot schmeckt gut, weil im Mehl viele feine Sonnenblumenkerne sind.» - «Warum sind die Kerne da drin?» ... Eltern von Kleinkindern und Kindergartenkindern kennen solche Warum-Ketten. Eine Frage ergibt die nächste – Mütter und Väter wissen meist schon im Voraus, wie sie lauten wird. Ständig eine Antwort parat zu haben, kann ganz schön anstrengend sein.

Warum Kinder «Warum» fragen

Warum fragen Kinder dauernd nach dem «Warum»? Die diplomierte Logopädin Barbara Zollinger aus Winterthur formuliert die Antwort so: «Ab dem dritten Lebensjahr eröffnet sich dem Kind eine Welt, die nicht mehr auf das Hier und Jetzt beschränkt ist. Es ist jetzt eine selbstständige Person und beginnt, seine eigenen Fähigkeiten einzuschätzen und von denjenigen Anderer zu unterscheiden», schreibt sie in ihrem Buch «Die Entdeckung der Sprache». «All diese neuen Errungenschaften finden anfangs des dritten Lebensjahres in Fragen ihren Ausdruck.» Mit Warum-Fragen zeige das Kind, dass es mehr über die Beziehungen zwischen Personen, Dingen und Ereignissen erfahren möchte.

Die Welt ist voller Zusammenhänge, die Kinder noch nicht verstehen. Doch Kinder wollen der Welt vertrauen können. Sie suchen nach Sicherheit in dieser für sie so oft verwirrenden Welt.

Warum Kinder immer wieder dasselbe fragen

Geduld brauchen Eltern nicht nur für die scheinbar endlos vielen Fragen, die aus den Zwei-, Drei- und Vierjährigen heraussprudeln. Oft müssen Eltern sogar ein- und dieselbe Frage immer und immer wieder beantworten. «Warum hat Oma so viele Falten?», will zum Beispiel Katharina dauernd wissen. Dafür kann es zwei Gründe geben:

«Kinder wollen immer wieder bestätigt wissen, dass die Welt wirklich so ist, wie sie ihnen soeben bereits erklärt wurde», sagt Mütterberaterin Magdalena Edelmann aus dem Raum Baden. Psychologin Elke Leger, Autorin verschiedener Erziehungs-Ratgeber aus Hannover erklärt: «So wie ein Kind jeden Abend die gleiche Geschichte hören möchte, in genau demselben Wortlaut, so will es auch die immer gleiche Antwort, wenn es eine Frage wieder und wieder stellt. Bekanntes schenkt Geborgenheit in der aufregenden ersten Lebenszeit.»

Die immer gleiche Frage kann darüber hinaus noch eine andere Ursache haben: Möglicherweise hat das Kind die Antwort bisher einfach nicht verstanden. Ein Kind braucht eine Antwort, die ihm einleuchtet, um sie in sein bisheriges Weltbild einordnen zu können.

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