Tschüss Mami und Papi, hallo Heimweh

Spätestens wenn Kinder ins Schul- oder Ferienlager gehen, werden sie vom Heimweh ergriffen. Doch eine gute Vorbreitung kann ihnen helfen, die Sehnsucht nach dem vertrauten Zuhause zu überwinden.

Heimweh bei Kindern vorbeugen

Um Heimweh bei Kindern während des Schullagers zu vermeiden, kann viel getan werden. Foto: panco971, iStock, Thinkstock

Nicht alle Kinder bekommen Heimweh, wenn sie für mehrere Tage fern von Zuhause sind. Aber das ein oder andere Elternpaar wird die Symptome des Heimwehs am eigenen Kind bereits miterlebt haben: Von tränenreichen Klagen über zaghaftes Klammern bis hin zu Appetitlosigkeit, Fieber und Kopfweh ist bei Heimweh-Kindern alles vertreten.

Heimweh bei Kindern, die das erste Mal ins Schul- oder Ferienlager gehen, ist keine Seltenheit und auch kein Grund zur Sorge. Denn dabei sind sie das erste Mal auf sich gestellt. Gleichzeitig bedeutet ein mehrtägiger Ausflug ohne Eltern und vertraute Umgebung einen Schritt vorwärts in die Selbstständigkeit. Es ist sehr wichtig für die Entwicklung des Kindes diesen Schritt zu machen und zu lernen, auch mal ohne die Eltern klar zu kommen. Aber wie kommt es zu Heimweh? Und was sollten Sie tun, wenn Ihr Kind klagend und weinend darum bettelt, nach Hause zu können?

Was Heimweh bei Kindern auslöst

Ein tränenreicher und widerwilliger Abschied von den Eltern ist ein Zeichen für Heimweh bei Kindern. Ausgelöst werden kann dieses von unterschiedlichen Faktoren. Manchmal wird Kindern erst bewusst, dass sie eine Zeit lang ohne ihre vertraute Umgebung und ohne die Nähe ihrer Eltern verbringen werden, wenn sie sich von den Eltern verabschieden. Das Heimweh kann aber auch erst auftreten, wenn das Kind im Lager oder Camp angekommen ist und merkt, dass es ohne den Schutz seiner Eltern die Nacht verbringen muss. Ihm wird klar, dass es nach einem Alptraum oder wenn es sich in der fremden Umgebung fürchtet, nicht schnell zu Mami und Papi ins Zimmer laufen oder nach ihnen rufen kann. 

Vor allem das erste Mal allein von Zuhause weg zu sein, kann Kindern Angst machen, so dass sie die Sehnsucht nach Hause entwickeln. Eine weitere Ursache für Heimweh kann das besorgte Verhalten der Eltern sein. Wenn Eltern zum Abschied beispielsweise sagen, wie sehr sie ihr Kind vermissen werden und es immer wieder drücken oder ihm anbieten, es sofort nach Hause zu holen, sobald es das wünscht, vermitteln sie ihrem Kind Unsicherheit.

Heimweh kann aber auch von Kind zu Kind übertragen werden. Sieht Ihr Kind andere Kinder im Schullager jammern und weinen, weil sie nach Hause wollen, kann sich dieser Wunsch auf es übertragen. Es ist schliesslich nicht einfach, sich in einer Umgebung wohl zu fühlen, in der überall Kindergeschrei zu vernehmen ist. Vor allem schüchterne Kinder, die keinen oder nicht schnell Anschluss finden, sind häufig von Heimweh betroffen.

Do’s und Don’ts: Tipps gegen das Heimweh für Eltern

Sprechen Sie über Ängste

Um die Gefahr zu mindern, dass Ihr Kind Heimweh bekommt, können Sie als Eltern einiges tun. Ganz wichtig ist es, mit Ihrem Kind über das anstehende Klassenlager oder Feriencamp zu sprechen. Fragen Sie es, worauf es sich besonders freut oder ob ihm dabei irgendetwas Angst macht. Die möglichen Ängste können Sie Ihrem Kind zum Beispiel nehmen, indem Sie ihm die schönen Erlebnisse des Ausflugs aufzeigen, so dass die Vorfreude überwiegt.

Lassen Sie Ihr Kind mitbestimmen

Stellen Sie vor dem Schullager sicher, dass Ihr Kind gerne mitfahren will. Und auch wenn Sie Ihr Kind in ein Ferienlager schicken möchten, sollte es mitbestimmen dürfen, wo es hin geht. Denn Kinder, die ungern eine bestimmte Unternehmung machen müssen, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit vom Heimweh ergriffen.

Tägliche Anrufe vermeiden

Den Abschied sollten Sie möglichst kurz und schmerzlos halten, denn das zeigt Ihrem Kind, dass Sie ihm zutrauen, allein irgendwohin zu fahren. Somit geht es gestärkt und selbstsicher ins Klassenlager. In der Zeit, die Ihr Kind im Schullager verbringt, sollten Sie vermeiden, es täglich anzurufen. Machen Sie lieber einen Termin ab, an dem Sie es anrufen werden. Wenn Sie Ihr Kind durch tägliche Anrufe nicht immer an Zuhause erinnern, kann es sich viel besser auf den Ausflug konzentrieren und einlassen.

Heimweh kann vorgebeugt werden

Sie können mit Ihrem Kind zudem vorab trainieren, gegen Heimweh anzukämpfen. Durch Auswärtsschlafen bei Freunden, den Grosseltern oder anderen Verwandten kann ein Kind die Situation, fern von den Eltern zu sein, üben und lernen. Erklären Sie, dass Sie selbst zwar nicht da sein können, um ihm zu helfen oder es zu trösten, es sich aber an die Betreuer wenden kann und diesen ruhig seine Ängste anvertrauen darf. 

Tipps für Betreuer bei Heimweh-Kindern

Schul- oder Ferienlagerbetreuer können ebenfalls versuchen, unter Heimweh leidenden Kindern zu helfen. Das Schlüsselwort lautet hierbei Beschäftigung. Ohne Langeweile ist es den Kindern nicht möglich, so oft an daheim zu denken. Betreuer sollten darauf achten, vor allem schüchterne Kinder in fesselnde Aktivitäten und Spiele zu integrieren, denn dadurch lässt sich vermeiden, dass die Kinder sich einsam fühlen und deswegen anfangen, ihr Zuhause zu vermissen. Versuchen Sie Kinder, die besonders stark unter Heimweh leiden, davon zu überzeugen, noch ein Weilchen auszuhalten. Manchmal legt sich das Heimweh nach ein paar Tagen von selbst.

Was tun bei besonders schwerem Heimweh?

Vergeht die Sehnsucht nach den Eltern nach zwei bis drei Tagen nicht, sollten Betreuer mit den Eltern sprechen und abklären, was zu tun ist. Am Telefon können Eltern ihrem Kind versuchen Mut zuzureden, schimpfen sollten sie aber nicht mit ihm, denn dadurch fühlt sich ein Kind unverstanden und assoziiert das Schul- oder Feriencamp mit negativen Empfindungen und Erfahrungen. Wenn sich selbst durch ein aufmunterndes Telefonat keine Besserung einstellt, sollten Eltern ihr Kind abholen. Ermutigen Sie es dann mit den Worten: «Du hast aber doch schon lange ausgehalten. Nächstes Mal klappt es bestimmt noch etwas besser.»

 

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