So erziehen Sie Zwillinge

Jeder kennt sie - berühmte Zwillinge wie «Das doppelte Lottchen». Auch im Alltag ziehen sie besondere Aufmerksamkeit auf sich. Familienleben.ch sprach mit einer Mutter von Zwillingen über die schönen und anstrengenden Zeiten mit ihren Kindern. Ausserdem gibt es Tipps zur Erziehung von Zwillingen.

Zwillinge machen doppelt Freude und Arbeit.

Zwillinge sind gemeinsam doppelt stark. Eltern müssen deshalb manchmal mehr Zeit und Kraft investieren. Foto: ©iStockphoto.com/digitalskillet

Petra* (48) berichtet von ihrem Leben als Zwillingsmutter:

«Als ich vor 16 Jahren von meinem Frauenarzt erfahren habe, dass ich Zwillinge erwarte, war ich erfreut, erstaunt und auch schockiert zugleich. Schliesslich hatte ich Zuhause schon eine neun Monate alte Tochter. Für mich und meinen Mann war schnell klar, dass ich dieses Pensum mit drei kleinen Kindern nicht alleine stemmen werden kann. Im ersten Jahr wollte er deshalb nur 75 Prozent arbeiten, um dann wieder zu erhöhen. Für mich war klar, dass es in den nächsten Jahren wohl ausgeschlossen ist, in meinen Beruf zurückzukehren.

Wie es wohl bei den meisten Zwillingen üblich ist, kamen auch meine beiden einige Wochen zu früh. Für mich, als junge Mutter, war es nicht leicht, die winzigen Zwillinge im Spital zurückzulassen. So konnte ich aber langsam in die Situation hineinwachsen. Zuhause konnte ich mich intensiv meiner Tochter widmen, dann fuhren wir täglich ins Krankenhaus zu den beiden Frühchen.

Die erste Zeit nach dem Spitalaufenthalt war alles andere als leicht. An nächtlichen Schlaf war gar nicht zu denken. Entweder schrie Lena* oder Raphael*. Der eine hatte Hunger, die andere war bis oben hin nass. Diese Zerrissenheit, immer an zwei Orten gleichzeitig sein zu müssen, nagte an meinen Nerven. Schon am Morgen war ich geschafft, aber da ging es erst richtig los. Die Zwillinge versorgen und auch Sarah*, die ältere Tochter, forderte ihr Recht auf Mama ein.

Mit Zwillingen hat man doppelt Freude

Heute, wenn ich Bilder von damals ansehe, bin ich immer erstaunt, wie ordentlich und sauber mein Haus war. Wie hatte ich damals eigentlich noch Zeit für meinen Haushalt? Aber ich denke man wächst mit seinen Aufgaben. Es war wahnsinnig anstrengend, aber irgendwie auch die schönste Zeit, die man als Eltern mit seinen Kindern haben kann. In diesem Alter sind sie mit Kleinigkeiten zufrieden und zu begeistern. Wir hatten eine blaue Muschel als Babyplanschbecken. Stundenlang sassen sie im Sommer darin, bespritzten sich gegenseitig, leerten sich Giesskannen voll Wasser über den Kopf oder rannten wie wild durch den Garten, um Blumenbeete unter Wasser zu setzen. Mein Mann und ich sassen auf der Terrasse und konnten manchmal das Glück gar nicht fassen - drei bis in die winzigen Zehenspitzen glückliche süsse Kinder zu haben. Oder wenn die Drei mit Traktor, Dreirad und Cityroller kichernd über den Hof brausten. Diese Momentaufnahmen vergisst man als Eltern nicht.

Zwillinge machen viel Arbeit im Haushalt

Natürlich gibt es auch andere Momente: die Kapitulation vor grossen Wäschebergen vor der Waschmaschine und dem Bügelbrett. Oder auch der Wunsch mal wieder eine junge Frau mit individuellen Wünschen und Bedürfnissen sein zu können und nicht nur Mama zu sein. Diese Rolle ist nicht zu unterschätzen. Es wird ja mehr von einem gefordert als sein Kind zu lieben und es in den Armen zu wiegen. Ein gesundes Essen muss gekocht werden, die Kinder müssen gebadet werden, die Kinderzimmer aufgeräumt werden, usw.

Diese Zeit habe ich nur als Babyzeit im Kopf. An Unternehmungen mit meinem Mann ohne die Kinder, erinnere ich mich nicht. Die ersten Jahre standen die Kinder absolut im Vordergrund, das Stemmen dieser Aufgabe erforderte unsere ganze Kraft. Dies hat unserer Beziehung nicht geschadet, eher begünstigt. Wir haben erfahren, dass wir auch in schwierigen Zeiten aufeinander bauen und es zusammen schaffen können.

Zwillinge streiten sich wie andere Geschwister auch

Heute: Unsere Drei sind inzwischen in der Pubertät. Das Hegen und Pflegen ist natürlich weggefallen. Dennoch sind wir als Eltern weiterhin gefordert. Die Streitereien unter den Kindern haben in der Teeniezeit sprunghaft zugenommen. Es sind Kleinigkeiten, die sie zum Zoffen bringen. Oft ist die Gerechtigkeit Grund allen Übels. Mein Sohn fühlt sich benachteiligt, weil er abtrocknen muss und er angeblich mehr im Haushalt helfen muss als seine beiden Schwestern. Sarah ist sauer, weil die anderen beiden länger an den Computer dürfen. Lena ist sauer, weil die anderen beiden morgens mehr Zeit im Bad haben und sie dann nicht mehr duschen kann. So könnte ich unendlich weitererzählen. In der ersten Zeit habe ich diese Zickereien ernst genommen und wollte immer zwanghaft Harmonie herstellen und vermitteln. Ich habe festgestellt, dass dies der komplett falsche Weg ist. So fühlen sich die Drei nur unnötig bestätigt und ernst genommen und ziehen den Streit in die Länge. Nun klinke ich mich aus und lasse sie in Ruhe austragen, ob Lena 15 Minuten im Bad war und Sarah ganze 20.

Es ist sehr wichtig die Drei als eigene Persönlichkeiten wahrzunehmen und nicht nur als «die Kinder». Meine Tochter ist sehr sportlich, sie fängt schon an schulfreien Tagen morgens an Sport zu treiben. Ich muss mich zügeln, die anderen beiden in Ruhe zu lassen. Und sie ihren Tag so verbringen zu lassen, wie sie es möchten. Es ist ungerecht, sie mit dem Vorwurf zu konfrontieren: «Los geht raus, eure Schwester war heute schon fünf Kilometer joggen.»

Einen grossen Vorteil haben wir anderen Eltern voraus, die keine Zwillinge haben: Wir hatten anfangs sehr viel Stress, haben jetzt aber wieder sehr viel Zeit für uns als Paar, denn die Kinder sind ja fast gleich alt und wir können sie über das Wochenende allein lassen. Was wir in der Babyzeit als Paar verpasst haben, holen wir jetzt nach. Wir besuchen Konzerte, machen Städtereisen oder machen viel mit Freunden.»

*Namen von der Redaktion geändert

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter