Kind > JugendlicheBMI für Kinder: Ist dein Kind zu dick? Sigrid Schulze Viele Eltern fragen sich, ob ihr Kind zu pummelig ist. Ob das Gewicht von Kindern normal oder zu hoch ist, lässt sich nicht immer leicht erkennen. Doch es gibt Anhaltspunkte wie den BMI für Kinder, der dir Orientierung bietet – immer im Zusammenhang mit Wachstum, Pubertät und Wohlbefinden. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Ist mein Kind zu pummlig? Der BMI für Kinder gibt Anhaltspunkte. Foto: D. Anschutz, Digital Vision, Thinkstock Auch in der Schweiz sind Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ein relevantes Gesundheitsthema. Gesundheitsförderung Schweiz weist seit Jahren darauf hin, dass ein zu hohes Körpergewicht im Kindes- und Jugendalter mit einem erhöhten Risiko für Folgeprobleme verbunden sein kann – körperlich (zum Beispiel Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken) und psychisch (zum Beispiel Scham, Rückzug, Mobbing oder geringes Selbstwertgefühl). Wichtig ist dabei: Nicht jede Zahl ist automatisch ein Problem, und nicht jedes «Pummeligsein» ist krankhaft. Entscheidend sind Verlauf, Alltag, Gesundheit und die langfristige Entwicklung. «Ist auch mein Kind zu dick?» fragen sich viele Eltern. Der äussere Anschein ergibt nicht immer das richtige Bild. Viele Eltern unterschätzen Übergewicht, andere sind umgekehrt sehr besorgt, obwohl ihr Kind im Normbereich liegt. Gerade weil Gewicht emotional besetzt ist, lohnt sich ein nüchterner Blick auf objektive Orientierungshilfen – und gleichzeitig ein achtsamer Umgang mit Sprache und Druck. Body-Mass-Index (BMI) beurteilt Gewicht von Kindern Erwachsene, die wissen wollen, ob ihr eigenes Gewicht im gesundheitlich unbedenklichen Rahmen liegt, ziehen üblicherweise den Body-Mass-Index, kurz BMI, zu Rate. Der BMI bewertet das Gewicht eines Menschen in Bezug zu seiner Körpergrösse. Errechnet wird er aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergrösse in Metern zum Quadrat. In der Regel gilt ein Mensch als übergewichtig, wenn das Ergebnis, also der errechnete BMI, grösser als 25 ist. Ein BMI von mehr als 30 ist ein Zeichen für Fettsucht. Für Kinder kann der BMI so aber nicht übernommen werden. Bei Kindern ändert sich das Verhältnis von Grösse zu Gewicht im Laufe des Heranwachsens immer wieder. So ist der BMI bei Babys im Durchschnitt etwas höher als bei Vorschulkindern und wächst mit dem Schuleintritt wieder an. Um das Gewicht von Kindern zu beurteilen, muss deshalb neben dem BMI immer auch das Alter der Kinder berücksichtigt werden. Zusätzlich ist das biologische Reifetempo wichtig: Manche Kinder kommen früher in die Pubertät, andere später – und das kann den BMI vorübergehend nach oben oder unten verschieben. BMI von Jungen. Zum Vergrössern klicken! Grafiken aus "Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen", Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51109 Köln BMI von Mädchen. Zum Vergrössern klicken! Grafiken aus "Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen", Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51109 Köln Auf folgenden Tabellen lässt sich ablesen, ob ein Kind normal-, unter- oder übergewichtig ist. Um sich in der senkrechten Spalte links orientieren zu können, musst du zunächst den BMI ausrechnen. Die horizontale Zeile unten zeigt die verschiedenen Altersstufen an. Die Kurven, die sogenannten Perzentilen, sind Prozentangaben. Konkret: Liegt der BMI-Wert eines achtjährigen Jungen auf der 15. Perzentile, heisst das, dass 15 Prozent der gleichaltrigen Jungen einen niedrigeren BMI-Wert, 85 Prozent einen höheren BMI-Wert haben. Der BMI des Jungen ist damit im Vergleich zu den gleichaltrigen Jungen eher niedrig. Normalgewichtig sind Kinder, deren BMI zwischen der 10. und der 90. Perzentile liegt. BMI bei Teenagern richtig einordnen - Perzentilen & Wachstumsschub Gerade in der Pubertät kann Gewicht sich sprunghaft verändern. Das ist nicht automatisch ein Alarmzeichen, sondern oft Teil der normalen Entwicklung: Wachstumsschübe, veränderte Körperzusammensetzung und hormonelle Umstellungen laufen nicht bei allen gleich ab. Darum ist es bei Teenagern besonders wichtig, nicht einzelne Messwerte zu überbewerten, sondern den Verlauf anzuschauen: Wie haben sich Grösse, Gewicht und BMI-Perzentile über Monate entwickelt? Gibt es eine stabile Tendenz oder einen abrupten Sprung? Hilfreich ist auch, sich klarzumachen: Perzentilen sind ein Vergleich mit Gleichaltrigen – sie sind keine «Schulnote» für Gesundheit. Gesundheitsförderung Schweiz betont in ihren Informationen zum gesunden Körpergewicht, dass bei Kindern und Jugendlichen neben dem BMI immer auch Wachstum, Bewegung, Ernährung, Schlaf, psychische Belastungen und das familiäre Umfeld in die Beurteilung gehören. Warum Muskelmasse & Pubertät Zahlen verzerren können Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Besonders bei sportlichen Teenagern (zum Beispiel regelmässiges Fussball-, Tanz-, Turn- oder Krafttraining) kann der BMI deshalb höher sein, ohne dass ein gesundheitlich problematischer Fettanteil vorliegt. Umgekehrt kann ein Teenager im Normbereich sein, aber sich ungesund ernähren, wenig bewegen oder unter starkem Stress stehen. In der Pubertät verändern sich Körperformen zudem geschlechtsspezifisch: Bei vielen Mädchen nimmt der Körperfettanteil physiologisch zu, bei vielen Jungen steigt die Muskelmasse. Auch die zeitliche Abfolge ist individuell. Darum ist der Blick einer Ärzt:in (oder je nach Situation einer Ernährungsberater:in mit Anerkennung in der Schweiz) oft hilfreicher als die Selbstdiagnose zu Hause. Wie Eltern über Gewicht sprechen können – ohne Diätdruck Viele Kinder und Jugendliche leiden nicht nur unter Kilos, sondern unter Kommentaren, Vergleichen und dem Gefühl, «falsch» zu sein. Ein guter Zugang ist: Du nimmst dein Kind ernst, ohne den Körper zum Projekt zu machen. Du kannst klar und liebevoll signalisieren: «Ich bin für dich da – wir schauen gemeinsam, was dir gut tut.» Sprache: nicht «gut/schlecht», Fokus auf Verhalten statt Zahl Sprich über Energie, Kraft und Wohlbefinden statt über «zu dick/zu dünn». Zum Beispiel: «Wie fühlst du dich im Alltag? Hast du genug Energie in der Schule?» Vermeide Moral bei Essen («gut»/«schlecht», «verboten»/«erlaubt»). Das senkt nachweislich nicht das Gewicht, erhöht aber bei vielen Kindern Druck und Heimlichkeit. Fokus auf Gewohnheiten: mehr Alltagsbewegung, regelmässige Mahlzeiten, genug Schlaf, weniger zuckersüsse Getränke – das sind Stellschrauben, die Gesundheit fördern, unabhängig von der Zahl auf der Waage. Schütze dein Kind vor Bodyshaming (auch in der Familie). Wenn Sprüche fallen, darfst du klar Grenzen setzen. Beziehe Teenager ein: Jugendliche brauchen Mitbestimmung. Frage: «Was wäre ein realistischer nächster Schritt, der dir nicht zu viel ist?» Wenn du den Eindruck hast, dass dein Kind sich stark mit dem Körper beschäftigt, Kalorien zählt, Mahlzeiten auslässt oder sich für Essen schämt: Das ist nicht «Disziplin», sondern ein Warnsignal. Dann ist Unterstützung wichtig. Wann medizinisch abklären? Ein BMI ausserhalb des Normbereichs ist ein guter Grund, genauer hinzuschauen – aber nicht für Schuldgefühle. Eine medizinische Abklärung hilft, Ursachen einzuordnen (zum Beispiel Wachstum, familiäre Veranlagung, Medikamente, Schlafmangel, Stress, psychische Belastungen) und Komplikationen früh zu erkennen. Rasche Zu-/Abnahme, ausbleibende Periode, Leistungseinbruch, Esszwang Hole rasch eine Einschätzung bei einer Ärzt:in (bei Teenagern je nach Situation auch bei einer Kinder- und Jugendärzt:in), wenn du eines oder mehrere dieser Zeichen beobachtest: schnelle, ungeplante Gewichtszunahme oder -abnahme innerhalb weniger Wochen ausbleibende Menstruation oder sehr unregelmässige Zyklen (nachdem die Periode bereits eine Zeit lang da war) Leistungseinbruch, auffällige Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsprobleme Esszwang, häufige Essanfälle, strenges Restriktionsverhalten oder «kompensatorisches» Verhalten (z.B. Erbrechen, exzessiver Sport) körperliche Beschwerden wie Atemnot bei geringer Belastung, Gelenkschmerzen, Schnarchen mit Tagesmüdigkeit psychische Belastung: Rückzug, depressive Stimmung, starke Körperunzufriedenheit, Mobbing Für viele Familien ist es entlastend, wenn nicht nur «die Waage» im Zentrum steht, sondern ein Gesamtbild: Wachstumskurve, Blutdruck, mögliche Laborwerte, Bewegung, Schlaf, Ernährung, Stress und psychische Gesundheit. Schweiz-spezifische Unterstützung kann die Hürde senken: feel-ok.ch bietet jugendgerechte Informationen zu Körper, Essen, Bewegung und psychischer Gesundheit; Pro Juventute unterstützt Familien bei Erziehungs- und Alltagsthemen. Viele Kantone und Gemeinden bieten zudem anerkannte Ernährungsberatung und Bewegungsangebote an. Für Bewegung im Alltag werden in der Schweiz unter anderem Empfehlungen zur gesundheitswirksamen Bewegung im Sinne von HEPA (Health-Enhancing Physical Activity) verbreitet. Zu hohes Gewicht: Gespräch mit Arzt der Kinder sinnvoll Liegt ein Kind knapp über dem Normalgewicht, musst du nicht zu sehr erschrecken. Gesundheit richtet sich nicht nach Zahlen. Ein Kind, das relativ viele Kilos auf die Waage bringt, könnte auch Muskulatur aufgebaut haben. Muskelgewebe ist schwerer als Fettgewebe. Ein BMI-Wert, der sich nicht im Norm-Bereich befindet, sollte dennoch auf jeden Fall Anlass sein, dir einen Termin bei der Kinderärzt:in zu holen. Die Kinderärzt:in kann einschätzen, ob sich das Gewicht gesundheitsschädlich auswirken kann. Darüber hinaus kann sie oder er helfen herauszufinden, wie Ernährungsgewohnheiten und Bewegung alltagstauglich angepasst werden können – ohne dein Kind zu beschämen oder unter Diätdruck zu setzen. Gesunde Ernährung für ein gutes Gewicht von Kindern Bei einer gesunden Ernährung stellt sich das richtige Gewicht und der optimale BMI-Wert nach und nach von ganz allein ein. Wasser trinken: Genug trinken ist gesund! Gib Wasser den Vorzug vor Süssgetränken oder künstlich gesüssten Light-Getränken. Zur Abwechslung eignen sich ungesüsster Früchte- oder Kräutertee oder verdünnte Fruchtsäfte. Früchte und Gemüse essen: Entdecke die Vielfalt des Angebots an Früchten und Gemüse. Bring zu jeder Saison frische Abwechslung in deine Küche. Regelmässig essen: Ein ausgewogenes Frühstück ist der beste Start in einen fitten Tag. Müesli, Vollkornbrot, Früchte, Gemüse und Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Milch versorgen deine Kinder mit dem nötigen Schwung für den ganzen Morgen. Verteile die Mahlzeiten regelmässig über den Tag. Essen und Trinken schlau auswählen: Versuche, deinen Kindern eine schlaue und abwechslungsreiche Auswahl an Nahrungsmitteln zu bieten – täglich Früchte, Gemüse, Vollkornprodukte, Milchprodukte und regelmässig Fisch, Eier und Fleisch. (Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung) Eine wichtige Ursache für ein zu hohes Gewicht kann neben einer Fehlernährung auch mangelnde Bewegung sein. Gesundheitsförderung Schweiz und HEPA-Informationsangebote in der Schweiz betonen, dass Kinder und Jugendliche möglichst täglich körperlich aktiv sein sollten – idealerweise mit einer Mischung aus Alltagsbewegung (zu Fuss, Velo), Spiel, Sport und Muskelkräftigung. Praktisch hilft oft weniger die «perfekte Sportart» als eine kleine Routine, die wirklich zum Familienalltag passt: Schulweg zu Fuss, gemeinsame Spaziergänge, Trampolin im Garten, Schwimmen, Vereinsleben oder freie Bewegung mit Freund:innen. Kinder orientieren sich am Verhalten ihrer Eltern. Du bist Vorbild – auch beim Essen und bei der Bewegung. Gesundheitsförderung Schweiz weist darauf hin, dass gemeinsame Mahlzeiten, eine entspannte Essatmosphäre und regelmässige Bewegung im Alltag Kinder langfristig prägen können. Gleichzeitig gilt: Du musst nicht alles «perfekt» machen. Konsequent kleine Schritte wirken oft stärker als kurze Intensivphasen.