Kind > JugendlicheAufregend und verunsichernd - die erste Menstruation Michelle Willi Bei manchen kommt sie früher, bei anderen später - aber für fast alle Mädchen ist die erste Periode ein wichtiges Ereignis. Dabei tauchen viele Fragen auf. Wenn du als Elternteil offen, ruhig und ohne Tabus darüber sprichst, kann deine Tochter ein unverkrampftes Verhältnis zu ihrem Körper entwickeln. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Mit der ersten Menstruation kommen auch Fragen - Eltern können ihre Töchter mit offenen Gesprächen unterstützen. Foto: Michaél Ludwiczak, iStock, Thinkstock Lena ist verunsichert. Als sie am Morgen auf der Toilette war, entdeckte sie Blut in ihrer Unterhose. Die 13-Jährige wusste sofort: Das ist die erste Periode. Einerseits fühlte sie sich sehr erwachsen, endlich konnte sie mit den anderen Mädchen mitreden. Anderseits war sie aber erschrocken: Was jetzt? Musste sie jetzt einen Tampon verwenden? Soll sie ihre Mutter fragen? Zyklusstart: Was ist am Anfang normal? Für viele Mädchen fühlt sich die erste Blutung wie ein plötzliches Ereignis an. Medizinisch ist sie ein Meilenstein: Mit der Menarche beginnt der Körper, einen Menstruationszyklus aufzubauen. In den ersten Monaten und oft auch in den ersten 1–2 Jahren ist es ganz typisch, dass sich vieles noch «einpendelt». Das liegt daran, dass die hormonelle Steuerung zwischen Gehirn, Eierstöcken und Gebärmutter in dieser Phase erst zuverlässig zusammenspielt. Unregelmässigkeit, Dauer, Blutungsstärke Viele Eltern fragen sich (und viele Töchter auch): «Ist das noch normal?» Ein guter Start ist, nicht nur auf das Datum zu schauen, sondern auf das Gesamtbild: Wie lange dauert die Blutung, wie stark ist sie, und wie geht es deiner Tochter dabei? Checkliste: Das ist in den ersten 1–2 Jahren nach der Menarche oft typisch Unregelmässige Abstände: Die Periode kommt mal früher, mal später. Schwankende Blutungsdauer: Mal kurz, mal länger. Wechselnde Blutungsstärke: Von eher leicht bis deutlich stärker – auch innerhalb derselben Blutung. Zwischendurch kaum Blut, dann wieder mehr: Gerade an den ersten Tagen kann die Stärke variieren. Leichte Beschwerden: Bauchziehen, müde sein, empfindlicher reagieren. Hilfreich ist ein einfacher Zykluskalender (Papier oder App) – nicht zur Kontrolle, sondern zur Orientierung: Wann hat es begonnen, wie lange dauerte es, wie stark war es, und gab es Schmerzen? Das erleichtert auch ein Gespräch in der Praxis, falls du später etwas abklären lassen möchtest. Wann du aufmerksam werden solltest: Wenn deine Tochter sehr blass wirkt, über Schwindel klagt, wiederholt «durchblutet» (z.B. trotz regelmässigem Wechsel) oder so starke Blutungen hat, dass Schule, Schlaf oder Alltag deutlich beeinträchtigt sind, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Auch wenn Blutungen sehr häufig auftreten oder über längere Zeit ganz ausbleiben, lohnt sich ein Check. Regelschmerzen & PMS Regelschmerzen können schon mit der ersten Periode auftreten – oder erst später. Manche Mädchen spüren nur ein Ziehen, andere leiden deutlich. Auch Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Kopfweh oder Brustspannen rund um die Periode werden häufig als PMS (prämenstruelles Syndrom) beschrieben. Was oft hilft (alltagsnah und gut verträglich) Wärme: Wärmflasche oder warmes Bad entspannen die Muskulatur. Bewegung: Spazieren, Velo fahren, lockerer Sport – oft besser als nur liegen. Schlaf und Pausen: In Wachstum und Pubertät ist Erholung besonders wichtig. Schmerzmittel: Wenn nötig, können gängige Schmerzmittel helfen – am besten nach Rücksprache mit Ärzt:in oder Apotheker:in, besonders bei jüngeren Teenagern oder wiederkehrend starken Schmerzen (ohne Selbstmedikation «auf Verdacht»). Warnzeichen: Sehr starke Schmerzen, die regelmässig zu Fehlzeiten in der Schule führen, Ohnmacht/Kreislaufprobleme, Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Wasserlösen während der Periode oder Beschwerden, die mit der Zeit zunehmen, gehören abgeklärt. Dahinter können zum Beispiel starke Periodenschmerzen mit Behandlungsbedarf stecken; in einzelnen Fällen muss auch an Ursachen wie Endometriose oder hormonelle Störungen gedacht werden. Die erste Periode kommt nicht nach Kalender Mädchen bekommen ihre erste Menstruation im Durchschnitt zwischen 12 und 13 Jahren. Andere aber schon mit zehn oder elf und manche Mädchen bekommen ihre erste Blutung erst im 16. Ein richtiges Alter gibt es nicht. Tritt die erste Periode aber auch nach dem 16. Geburtstag nicht ein, kann ein Besuch beim Frauenarzt Klarheit schaffen. Für Mütter ist die erste Periode ihrer Töchter oft genauso aufregend. Immerhin wird jetzt aus dem Mädchen eine junge Frau. Doch viele Mütter tun sich schwer, mit der Tochter darüber zu reden. Die Hemmschwelle ist gross. Wenn du ganz selbstverständlich mit den Veränderungen umgehst, schaffst du eine gute Basis für offene Gespräche – ohne Druck, ohne peinliche «Sondersitzung», aber mit dem Signal: Du darfst alles fragen. Erste Anzeichen der Periode Der Körper eines Mädchens beginnt sich schon vor der ersten Blutung zu verändern. Während der Pubertät zeichnet sich die Brust langsam ab, Achsel- und Schambehaarung wachsen und manche Mädchen haben einen weisslichen Ausfluss. Diese Flüssigkeit ist eine ganz natürliche Absonderung und kann ein bis zwei Jahre vor der ersten Regel einsetzen. Er ist ein Zeichen dafür, dass die Geschlechtsorgane bereits aktiv geworden sind. Bereits da kannst du Veränderungen behutsam thematisieren – ohne zu werten, eher erklärend und zugewandt. Lena ist schon weiter, sie hat ihre erste Periode. Sie ruft ihre Mutter und zeigt ihr das Blut. So kann diese ihr erklären, was das zu bedeuten hat. Denn viele Mädchen wissen gar nicht, was in ihrem Körper passiert. Wenn sie genau verstehen, wie ihr Zyklus funktioniert und warum sie jeden Monat eine Blutung haben, ist es oft einfacher, damit umzugehen. Praktisch im Alltag: Schule, Sport, Ausflüge Viele Mädchen möchten in der Schule oder beim Sport möglichst «unauffällig» durch die Tage kommen. Du kannst deiner Tochter helfen, sich sicher zu fühlen: durch Vorbereitung statt Kontrolle. Wichtig ist auch die Botschaft: Periode ist kein Grund, sich zu schämen – und kein Grund, auf alles zu verzichten. Perioden-Notfallset Ein kleines Set im Schulsack oder Rucksack gibt Sicherheit, gerade am Anfang, wenn die Blutung noch unregelmässig kommt. Ihr könnt es gemeinsam packen – oder du bietest an, dass sie es selbst zusammenstellt. Mini-Packliste 2–3 Binden oder Tampons (oder beides) eine Ersatzunterhose eine kleine, blickdichte Tüte/Beutel für benutzte Produkte oder Wäsche ggf. Periodenunterwäsche als Backup ein kleines Päckchen Feuchttücher oder Taschentücher Wenn deine Tochter sich in der Schule unsicher fühlt: Je nach Kanton und Schule gibt es Schulgesundheitsdienste oder Schulsozialarbeit als Ansprechstelle. Manchmal hilft schon zu wissen, wo es im Notfall Binden gibt oder bei wem sie sich melden kann. Sport: Bewegung ist grundsätzlich auch während der Periode möglich. Manche Mädchen fühlen sich mit Tampons oder Periodenunterwäsche beim Sport sicherer, andere lieber mit Binden. Bei starken Schmerzen, sehr starker Blutung oder Kreislaufproblemen ist es sinnvoll, Belastung zu reduzieren und bei wiederholten Problemen ärztlich abzuklären. Menstruationsprodukte heute Heute gibt es mehr Möglichkeiten als «nur» Binden oder Tampons. Entscheidend ist nicht, was «man nimmt», sondern womit sich deine Tochter wohl, sicher und frei bewegen kann. Manche wechseln je nach Tag oder Situation. Binden / Tampons / Periodenunterwäsche / Menstruationstasse Binden sind für viele am Anfang am unkompliziertesten. Sie sind leicht anzuwenden und geben ein gutes Gefühl für die Blutungsstärke. Tampons sind beim Sport und Schwimmen praktisch, brauchen aber etwas Übung und die passende Grösse/Saugstärke. Periodenunterwäsche kann allein oder als «Backup» getragen werden und ist für viele im Schulalltag angenehm, weil sie nichts einführen müssen. Eine Menstruationstasse ist wiederverwendbar und bei korrekter Anwendung sicher, setzt aber etwas Körpergefühl, Übung und gute Hygiene voraus – für manche Teenager passt sie später besser als direkt zu Beginn. Mythbusting: Tampons und Jungfernhäutchen Die Sorge, dass ein Tampon «das Jungfernhäutchen zerstört», ist unbegründet. Das sogenannte Hymen ist keine geschlossene «Membran», sondern meist ein elastischer Gewebesaum mit Öffnung, der sich individuell sehr unterschiedlich zeigt. Tampons können – wie auch Sport – das Gewebe dehnen, aber «Jungfräulichkeit» ist kein medizinischer Zustand, der sich an einem Häutchen ablesen liesse. Wichtig ist: Nichts muss. Deine Tochter darf in ihrem Tempo ausprobieren. Ein natürlicher Umgang mit dem eigenen Körper Doch nicht alle Jugendlichen getrauen sich, während der Pubertät mit jemandem über die Veränderungen im Körper und über die erste Menstruation zu reden. Oft entwickelt sich eine falsche Scham über Jahre. Werden körperliche Vorgänge und Veränderungen in der Familie nie thematisiert, wird die Hemmschwelle immer grösser, ein Tabuthema entsteht. Darum ist es wichtig, schon früh einen natürlichen Umgang mit dem eigenen Körper und auch mit der Menstruation zu pflegen. Ein Weg kann sein, dass du deine eigene Periode ganz selbstverständlich erwähnst – ohne Drama, ohne Abwertung, ohne Sprüche. So lernen Mädchen: Das ist normal, darüber darf man reden, und ich bekomme Unterstützung, wenn ich sie brauche. Wichtig ist zudem, dass du Fragen ehrlich beantwortest. Auch wenn die Sprache auf Themen wie Geschlechtsverkehr kommt, solltest du nicht ausweichen, sondern dir Zeit nehmen für die Fragen deiner Tochter. Auch der erste Termin beim Frauenarzt wird für viele Mädchen mit dem Einsetzen der Periode ein Thema. Das darf in der Familie Platz haben – ohne Druck, aber mit der Botschaft: Medizinische Hilfe ist etwas Normales, nicht erst «wenn es schlimm ist». Wann zur Ärztin / zum Arzt? Viele Unsicherheiten lassen sich in einem Gespräch in der Praxis gut klären – und es ist völlig in Ordnung, auch «nur» wegen Fragen hinzugehen. Spätestens bei deutlichen Beschwerden ist eine Abklärung sinnvoll. «Wann abklären?» Sehr starke Blutung (z.B. häufiges Durchbluten, grosse Einschränkung im Alltag) oder Anzeichen von Kreislaufproblemen wie Schwindel, Ohnmacht, starke Müdigkeit oder auffällige Blässe. Sehr starke Schmerzen, die regelmässig Schule/Sport verhindern oder trotz Wärme/Bewegung immer wieder dominieren. Blutungen zwischen den Perioden oder Blutungen, die dich beunruhigen. Längeres Ausbleiben der Periode nach bereits eingesetzter Menarche oder keine erste Periode bis nach dem 16. Geburtstag. Verdacht auf Schwangerschaft (auch wenn es unangenehm ist: früh abklären ist wichtig). Binden oder Tampons? Lena will zuerst vor allem eines wissen: Was jetzt? Binden oder Tampons? Am besten gibst du deiner Tochter verschiedene Optionen zum Ausprobieren. So kann sie herausfinden, was für sie am besten ist und sich richtig und angenehm anfühlt. Zu Beginn fühlen sich viele Mädchen mit Binden wohler. Oft wächst der Wunsch nach Tampons nach einer gewissen Zeit, unter anderem weil die Bewegungsfreiheit grösser ist. Tampons einzuführen braucht etwas Übung und Mädchen sollten sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Die Sorge, dass durch die Verwendung von Tampons das Jungfernhäutchen verletzt wird, ist unbegründet. Generell hilft es, wenn du deiner Tochter ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper vorlebst. So kann die Menstruation als Zeichen einer gesunden Körperentwicklung gesehen werden – und nicht bloss als mühsame Angelegenheit, die mit Kommentaren wie «Du bist so zickig, bekommst du deine Tage oder was?» begleitet wird.