Sportsucht: Fitnesswahn bei jungen Männern

Noch mehr Muskeln aufbauen, noch härter trainieren, noch weniger Fett zu sich nehmen: Viele Jugendliche – besonders junge Männer – stählen ihren Körper in ungesundem Masse und verfallen einem regelrechten Fitnesswahn. Dadurch schaden sie ihrer Gesundheit. Wer die Symptome erkennt, kann Betroffenen helfen. 

Fitnesswahn ist unter jungen Männern verbreitet

Trainieren bis zum Umfallen: Fitnesswahn ist unter jungen Männern verbreitet. Foto: slavemotion, iStock, Thinkstock


In der Pubertät verändert sich die Körperwahrnehmung und viele Jugendliche fühlen sich nicht mehr wohl in ihrer Haut. Unsicherheit und der Wunsch, akzeptiert zu werden, begleiten dabei fast alle jungen Menschen. Sport bietet in dieser Zeit einen guten Ausgleich: Die körperliche Aktivität hilft, überschüssige Energie loszuwerden, hält den Körper fit und macht durch die Ausschüttung des Hormons Serotonin auch noch glücklich.

Fitnesswahn - vergleichen und nacheifern

Doch gerade jungen Männern reicht das oft nicht: Sie fühlen sich von Fitnessstudios magisch angezogen, vergleichen sich mit den muskelbepackten Männern dort und eifern einem unrealistischen Schönheitsideal nach. Mehr Muskeln bringen sie mit mehr Männlichkeit in Verbindung. Und plötzlichen kontrollieren sie nicht mehr ihren Körper, sondern sie werden von ihrer Sportsucht kontrolliert. Sie «pumpen» – trainieren – bis zum Umfallen und sind plötzlich im Fitnesswahn. Zwar haben einige Fitnessstudios das Mindestalter auf 18 Jahre festgelegt, aber viele heissen auch minderjährige Kunden willkommen.

Früherkennung ist wichtig

Eltern freuen sich zu Recht, wenn die Kinder Sport treiben. Eltern sollten allerdings ein Auge auf die sportlichen Aktivitäten haben, um eine mögliche Sucht frühzeitig zu erkennen. Ein Anzeichen für Sportsucht ist zum Beispiel, dass die Betroffenen trotz Verletzungen weiter trainieren und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Typisch ist auch, dass sie sich die Sucht nicht eingestehen können und aggressiv reagieren, wenn sie darauf angesprochen werden. Vernachlässigen sie Freunde und andere Hobbies oder geben sie gar auf, kann dies ebenfalls ein Symptom für Fitnesswahn sein. Kommt dann noch eine extreme Diät hinzu, bei der jedes Gramm abgewogen wird, wird es für Angehörige höchste Zeit zu reagieren. Denn: Dass sie durch zu viel Training ihrer Gesundheit schaden, ist den jungen Männern meist nicht bewusst. 

Die Folgen von Sportsucht

  • Verletzungen
  • Verringerte Knochendichte (kann zu Osteoporose führen)
  • Wachstumsstörungen
  • Immunschwäche, Erkrankungen häufen sich
  • Soziale Isolation
  • Depressive Verstimmung

Grundsätzlich gilt: Sport ist gut für Jugendliche und sollte nicht verteufelt werden. Es ist hier wie bei allem: Die Dosis macht das Gift.
Eltern können Jugendliche unterstützen, indem sie mit ihnen zusammen ein Fitnessstudio auswählen, wo Fachpersonal arbeitet und auf die speziellen Bedürfnisse der jungen Menschen eingegangen wird.

Bei Verdacht schnell reagieren

Hegen Eltern den Verdacht, ihr Kind könnte den Sport nicht mehr unter Kontrolle haben, sollten sie ihre Sorgen offen aussprechen und ihre Hilfe anbieten. Denn ein Fitnesswahn kann sich auch daraus entwickeln, dass andere Probleme verdrängt werden wollen und der Sport zum Schutzschild wird. Verschliessen sie sich zu sehr, kann auch der Kinder- oder Hausarzt weiterhelfen und allenfalls einen Therapeuten vermitteln.

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