Sabbatical: Brechen Sie aus dem Alltag aus

Träumen Sie davon, einfach mal vom Berufsleben Abstand zu nehmen und sich einen Traum zu erfüllen? Wollen Sie vielleicht einen Tauchkurs am Great Barrier Reef absolvieren, Freiwilligenarbeit in Kambodscha leisten oder Ihren Studienabschluss in Betriebswirtschaft nachholen? Dann ist ein Sabbatical, eine berufliche Auszeit, genau das Richtige!

Zeit für ein Sabbatical!

Sind Sie ausgepowert? Dann gönnen Sie sich ein Sabbatical! Foto: iStockphoto, Thinkstock

Direkt nach der Lehre oder dem Studium wollen die meisten jungen Menschen nur eins: Endlich in die Arbeitswelt einsteigen und Geld verdienen! Bekommt man dann die erste Zusage eines Arbeitgebers, fühlt sich das an, als hätte man Schmetterlinge im Bauch. Neuer Job, neues Glück. Viele Angestellte bleiben der ersten Stelle auch lange treu – ob Ihnen die Arbeit gefällt oder nicht. Erst nach ein paar Jahren, wenn man knietief im Alltagstrott ist, denkt man wieder an die einstigen Träume: Wollte ich nicht eine Weltreise machen? Einen Kochkurs in Indien besuchen oder Englisch in Irland lernen? Hinzu kommt, dass Sie von den vergangenen Arbeitsjahren vielleicht schon ausgepowert sind, Ihren Job aber trotzdem nicht aufgeben wollen. In solchen Fällen ist eine berufliche Auszeit, ein Sabbatical, die ideale Lösung.

Was ist ein Sabbatical?

Der Begriff Sabbatical geht auf das biblische Sabbatjahr zurück und bezeichnet ein Arbeitsmodell, bei dem sich Arbeitnehmende eine berufliche Auszeit gönnen. Dabei kann es sich entweder um ein Jahr der Teilzeitarbeit handeln oder um eine drei- bis zwölfmonatige Pause, in der Sie Ihrem Beruf gar nicht mehr nachgehen. Obwohl Arbeitspsychologen allen Arbeitnehmenden nach fünf bis sieben Jahren eine Pause empfehlen, gibt es bisher nur wenige Firmen, die Sabbaticals anbieten. Besonders selten werden die beruflichen Auszeiten in Kleinfirmen vergeben: Da sie wenige, aber hochspezialisierte Mitarbeiter haben, sind diese Unternehmen auf die Arbeitsteilung unter geschulten Fachleuten angewiesen. So ist es schwieriger, einen Laborfachmann für ein Jahr zu ersetzen als eine Primarschullehrerin.

In einigen grösseren Schweizer Unternehmen sind Sabbaticals schon Gang und Gäbe. Die USB verpflichtet ihre höheren Kader bereits seit 1999 zu einer beruflichen Pause: «Wenn die Führungskraft zehn Jahre im Unternehmen ist, muss sie eine Arbeitspause von 40 Tagen beziehen», erklärt Mediensprecherin Rebecca Garcia gegenüber dem «Beobachter». Die zweite Auszeit ist dann beim 20-jährigen Dienstjubiläum fällig. Die ETH Zürich belohnt Ihre Mitarbeiter nach langer Dienstzeit mit einem Sabbatical von bis zu sechs Monaten an einer Partnerinstitution im In- oder Ausland. Auch der Dachverband für Lehrer forderte im vergangenen Jahr eine regelmässige Auszeit von einem halben Jahr nach zehn Dienstjahren, wie 20 Minuten berichtete.

So machen Sie Ihrem Chef das Sabbatical schmackhaft

Rechtlich gesehen haben Sie keinen Anspruch auf eine berufliche Auszeit. Umso besser sollten Sie sich Argumente zurechtlegen, weshalb sich das Sabbatical auch für Ihren Arbeitgeber lohnt. Dieser wird wahrscheinlich nicht sofort begeistert von Ihrem Anliegen sein - schliesslich ist ein Sabbatical organisatorisch aufwändig für den Betrieb. Der Arbeitnehmer hinterlässt bei Abwesenheit eine Lücke, die neu besetzt werden muss. So verändert sich die Struktur des Unternehmens und auch finanzielle Fragen müssen neu geklärt werden. Machen Sie Ihrem Arbeitgeber klar, wie viel Ihnen Ihr Job bedeutet – ansonsten würden Sie sich ja nicht für ein Sabbatical, sondern für eine endgültige Kündigung entscheiden. Betonen Sie, dass Sie nach der Auszeit wieder motivierter und mit frischem Elan an Ihre Aufgaben herangehen würden. Besonders gut für eine Auszeit eigenen sich Träume, welche auch im weiteren Berufsleben von Nutzen sind. Eignen Sie sich beispielsweise neue Informatikkenntnisse an oder perfektionieren Sie Ihr Französisch, wird das Ihren Chef schneller überzeugen als eine Weltreise quer über den Globus. Auch kann ein Sabbatical einem Burn Out vorbeugen und für Erholung sorgen.

Überlegen Sie sich bei der Planung des Sabbaticals, ob es im Büro flaue Zeiten gibt, in denen weniger zu tun ist. Falls dies beispielsweise die Sommermonate sind, wären Sie zu dieser Zeit ein kleinerer Verlust für das Unternehmen. Vielleicht haben Sie ja auch schon jemanden im Kopf, der Sie während Ihrer Auszeit vertreten könnte? Je mehr Gedanken Sie sich machen und je besser vorbereitet Sie auf mögliche Gegenargumente Ihres Chefs sind, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein. Wenn Ihr Arbeitgeber trotzdem noch nicht überzeugt ist, könnten Sie ihm ein Teilzeit-Lohnmodell vorschlagen: Während einer vereinbarten Zeit, beispielsweise zwei Jahren, arbeiten Sie zu einem Vollzeitpensum mit reduziertem Teilzeitlohn. So erwirtschaften Sie sich nach und nach ein Zeitguthaben, das dann schliesslich als Sabbatical eingelöst werden kann.

Checkliste: Ein Sabbatical sollte geplant sein

Vergessen Sie bei aller Abenteuerlust nicht, Ihr Sabbatical vorzubereiten! Da berufliche Auszeiten in den wenigsten Fällen vorgeschrieben sind, werden Sie meist auch nicht finanziell vergütet. Überlegen Sie sich gut, wie Sie sich Ihre berufliche Auszeit finanzieren wollen und ob Sie genügend Ersparnisse auf der Seite haben. Vielleicht können Sie sich auch Überstunden oder nicht bezogene Ferientage anrechnen lassen?

Folgende Punkte sollten Sie vor einem Sabbatical klären:

  • Erkundigen Sie sich nach den Sabbatical-Angeboten Ihrer Firma.
  • Geben Sie Ihrem Arbeitgeber rechtzeitig Bescheid, damit dieser eine geeignete Vertretung suchen kann. Personalberater empfehlen, das Sabbatical so viele Monate vorher anzukünden, wie es dauern soll.
  • Überlegen Sie sich, ob Sie bereit zu Kompromissen sind: Würden an Stelle der zwölf Monate Auszeit auch zehn Monate reichen? Wollen Sie nach dem Sabbatical wieder in Ihre alte Stelle zurück oder möchten Sie sich in einer neuen Funktion versuchen? Sind Sie bei Nachfragen erreichbar oder wollen Sie während Ihres Sabbaticals überhaupt nicht arbeiten?
  • Informieren Sie sich über Ihren Wiedereinstieg nach dem Sabbatical und lassen Sie die Konditionen in einem schriftlichen Vertrag festlegen.
  • Klären Sie ab, ob Ihre Versicherungen weiterlaufen und ob Sie bei der Pensionskasse bleiben.
  • Suchen Sie nach einem Untermieter, wenn Sie Ihr Sabbatical im Ausland verbringen wollen.

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