Zum Inhalt
Leben > Arbeit & Familie

Acht Kinder und ein Beruf: So funktioniert der Alltag von Marianne Botta

Hinweis der Redaktion:
Der folgende Artikel stammt aus dem Jahr 2017 und basiert auf den Erfahrungen einer Mutter mit acht Kindern. Die damals befragte Person steht heute in keinem Zusammenhang mehr mit unseren redaktionellen Inhalten. Wir möchten künftig eine neue Mutter mit ähnlicher Erfahrung einbeziehen.

Marianne Botta ist Lebensmittelingenieurin ETH und auf Ernährungswissenschaften spezialisiert. Sie hält viele Vorträge, schreibt Zeitungsartikel und Bücher – und hat acht Kinder. Wie schafft sie das? Ein Porträt vom November 2017.

Zum Zeitbezug: Dieses Porträt entstand im November 2017. Alle Angaben zu Alter, Wohnsituation, Betreuung und Arbeitsalltag geben den damaligen Stand wieder. Wir haben sie bewusst nicht aktualisiert und auch nicht zum Privatleben der Familie weiterrecherchiert.

Marianne Botta mit einem Teil ihrer Kinder
Hat dank ihrer Selbständigkeit viel Spielraum, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen: Marianne Botta. (Bild: Sandra Ardizzone/Aargauer Zeitung)

«Wenn diir eifach es Multivitaminpräparaat iiwärfet, nützt das nüüt». Marianne Botta steht im Halbdunkeln am Lehrerpult eines Klassenzimmers. Neben ihr auf einer Leinwand leuchten nebeneinander zwei Fotos von Tellern mit einem Stück Fleisch, Bratkartoffeln und Broccoli in unterschiedlicher Portionierung darauf. In schwarzen Jeans, weisser Bluse und hochhackigen Stiefeln hält die damals 49-Jährige in schönstem Berndeutsch gerade vor fünfzehn Frauen und Männern einen Vortrag zum Thema «Brain Food».

Fachlich liegt sie damit auf der Linie der Schweizer Empfehlungen: Die Schweizer Ernährungsscheibe der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung stellt für Kinder von 4 bis 12 Jahren ausgewogene, regelmässig über den Tag verteilte Mahlzeiten ins Zentrum – weil diese Leistungsfähigkeit und Konzentration fördern [1]. Konkreter wird es in unseren Tipps zur Kinderernährung.

Danach, als die letzten Eltern zum Zimmer hinaus sind, greift sie sogleich zum iPhone, liest, lacht auf und sagt «Alles in Ordnung daheim.» Während sie an diesem Samstag am Elternbildungstag in Aarau doziert, schmeisst ihr Mann daheim in Ittigen den Haushalt und die Betreuung der Kinder. Acht sind es an der Zahl: Die vier jüngeren wohnten damals in der Wohnung der Eltern, die älteren vier als Wohngemeinschaft in einer Wohnung nebendran.

Der schwierige Start in die Mutterrolle

Als Marianne Botta und ihr Mann anfangs der 1990er-Jahre heirateten, träumten weder er noch sie von einer Familie. Im Gegenteil. «Ich konnte überhaupt nichts mit Kindern anfangen», erzählt Botta nach dem Vortrag, am Lehrerpult sitzend. Doch dann sei sie ungeplant schwanger geworden.

«Ich blickte mit mulmigen Gefühlen der Zukunft entgegen. In den ersten zwei Wochen nach der Geburt fühlte ich mich überhaupt nicht wohl. Doch meine Mutter war bei mir und überzeugte mich, dass ich für dieses Kind die beste Mutter der Welt bin.» Bald war sie parat fürs nächste Kind. Dann fürs nächste. Und noch eines.

Eine beeindruckende Schuhsammlung einer Grossfamilie
Das Leben mit acht Kindern erfordert eine gute Organisation: Auch bei den Schuhen muss Ordnung herrschen. (Bild: Martin Poole/DigitalVision, Thinkstock)

Erst als um 2009 nach vier Jungen und drei Mädchen noch das vierte Mädchen zur Welt kam, fand sie: Jetzt ist genug. Sie sagt: «Es ist einfach schön, viele Kinder zu haben! Ich habe gerne ein volles Haus und viele Menschen am Esstisch.» Und die Arbeit habe sich nicht einfach verachtfacht, es sei mit jedem Kind sogar etwas leichter geworden, da die Kinder jemanden zum Spielen hatten und die Grossen oft den Kleinen ein Vorbild waren. Wie andere Schweizer Grossfamilien ihren Alltag erleben, liest du hier.

Tipps zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Redaktionelle Ergänzung – diese Tipps stammen von der Redaktion und nicht aus dem Gespräch mit Marianne Botta.

  • Plant früh: Mit Kindern kommt oft alles anders. Trotzdem lohnt es sich, schon vor der Geburt zu überlegen, wer wie viel arbeitet und wie die Kinder betreut werden sollen.
  • Netzwerke schaffen: Wer gut vernetzt ist, hat es leichter, nach der Geburt eines Kindes an frühere berufliche Erfolge anzuknüpfen.
  • To-do-Listen: Wer anstehende Aufgaben aufschreibt, hat im Kopf mehr Kapazität für anderes frei und nimmt sich damit einen Stressfaktor.
  • Arbeit teilen: Wenn beide Partner berufstätig sind, ist eine klare Arbeitsteilung zu Hause nötig. Oft lohnt es sich, Arbeiten fix zuzuteilen. Bleibt aber flexibel genug, um Ämtli kurzfristig zu tauschen.

Selbständigkeit verschafft ihr Spielraum

Nur am Herd im trauten Heim zu stehen, kam für Botta nie in Frage. Nach dem Studium zur Lebensmittelingenieurin ETH hatte sie sich auf Ernährungswissenschaften spezialisiert, später zur Fitnessinstruktorin mit zahlreichen weiteren Sportausbildungen weitergebildet. Dadurch konnte sie sich selbständig machen und meistens von daheim aus arbeiten. Als Fachjournalistin zum Thema Ernährung, Buchautorin, Kursleiterin und Personal Coach.

Die Morgenstunden sind fix für ihre Erwerbsarbeit reserviert, und auch nachmittags erledigt sie oftmals Telefonate, wenn diese notwendig sind. Jeden Mittag kocht sie für die Kinder, natürlich alles frisch. Eine gesunde Ernährung ist ihr enorm wichtig, ein Bewusstsein, das sie von ihrer Mutter erbte, die wie sie eine leidenschaftliche Köchin ist.

Elternschaft ist nicht nur Privatsache

Sie sagt: «Ich habe Glück, dass ich meinen Beruf, der auch meine Leidenschaft ist, so selbständig einteilen kann. Als Angestellte wäre es viel schwieriger, Job und Kinder unter einen Hut zu kriegen.» Ihr Mann, der lange Arbeitstage hat, kann nicht einfach mal früher aus einer Sitzung kommen oder einige Tage daheim bleiben, wenn ein Kind nach dem anderen die Magen-Darm-Grippe bekommt.

Ein Punkt, den Marianne Botta massiv verbesserungsfähig findet: «Die meisten Arbeitgeber erwarten ständige Verfügbarkeit.» Elternschaft werde einfach als Privatsache betrachtet. Als sei Haushalt und Familie etwas, das man als eine Art Hobby betreibe. «Es braucht eine viel grössere Toleranz gegenüber dem Familienleben.»

Eine Grossfamilie geniesst die gemeinsame Zeit in den Ferien
Ein Luxusgut, das sich Familie Botta nur selten gönnt: Ferien mit der Grossfamilie. (Bild: Design Pics/Thinkstock)

Klare Arbeitsteilung – und Unterstützung von aussen

Als die Kinder morgens noch daheim waren, halfen in der Kinderbetreuung Bottas Vater und eine Nanny, die nach Bedarf einsprang. Bis 2015 wohnte die Familie in einem kleinen Dorf auf dem Land, das dazumal weder einen Mittagstisch noch eine Kinderkrippe hatte. Bottas Mann arbeitete immer Vollzeit.

Ohne diese Arbeitsteilung wäre das Grossfamilienleben nicht möglich. Trotzdem blieb das Budget sehr eng, vor allem seit die zwei Ältesten studierten. Die Kinder haben nicht alle ein eigenes Zimmer. Ferien macht die Familie selten, und wenn, dann immer nur ein Elternteil mit der Hälfte der Kinder – Reisetickets und eine Ferienwohnung für so viele Personen würden viel zu viel kosten. «Erholung holen wir uns einfach im Alltag», sagt Botta. «Ich gehe jeden Nachmittag mit den Kindern raus.»

Einordnung der Redaktion

Marianne Bottas Modell ruht auf Bedingungen, die längst nicht alle haben: eine selbständige Tätigkeit mit frei einteilbaren Morgenstunden, ein Partner mit festem Vollzeitpensum, dazu ihr Vater und eine Nanny als Auffangnetz. Was von aussen wie eine persönliche Organisationsleistung aussieht, ist zu einem grossen Teil eine Frage der Rahmenbedingungen – und auch bei ihr bleibt das Budget eng und die Ferien selten.

Die Statistik zeigt dasselbe Muster: In der Schweiz sind die meisten Väter mit Kindern unter 25 Jahren vollzeiterwerbstätig und eine Mehrheit der Mütter teilzeiterwerbstätig. Wie viel eine Mutter arbeitet, hängt stark vom Alter des jüngsten Kindes und von der Familiensituation ab [2]. Wie sich die unbezahlte Arbeit in Schweizer Familien verteilt und wie Moderatorin Claudia Lässer Familie und Karriere organisiert, zeigen zwei weitere Beiträge.

Grossfamilie stellt Beziehung auf die Probe

Die Kinderphase ist für viele Paare eine Belastungsprobe – auch für die Ernährungsexpertin und ihren Mann. Sie sagt: «Auch wir hatten Krisen. Aber wir schafften es, immer im Gespräch zu bleiben und wieder zueinander zu finden.» Bewusst pflegen sie den Moment zu zweit.

Marianne Botta reist wegen ihren Vorträgen viel im Zug
Marianne Botta reist wegen ihrer Vorträge viel im Zug. Oft begleitet ihr Mann sie auf den Reisen, um Zeit für sich als Paar zu haben. (Bild: ViktorCap/iStock, Thinkstock)

So begleitet Bottas Mann sie abends oder am Wochenende oft zu Vorträgen, dadurch haben sie unterwegs Zeit zum Reden. Auch nach Aarau kam ihr Mann am Vorabend mit. Sie übernachteten im Hotel, am Morgen fuhr er heim zu den Kindern. Und an diesem Tag nimmt sich die achtfache Mutter zusätzliche Zeit für sich heraus. Freunde haben sie ans Konzert von Helene Fischer im Hallenstadion eingeladen. Während sie sich die Jacke überstreift, sagt sie: «Das ist eine nette Einladung und ich freue mich. Auch wenn ich selbst lieber ‹Die Toten Hosen› höre.»

Paartipps für Eltern

Redaktionelle Ergänzung – nicht Teil des Gesprächs mit Marianne Botta.

  • Nimm dir Zeit: Gerade Eltern müssen sich bewusst Freiräume schaffen. Psychologin Caroline Fux rät, pro Woche 45 Minuten einzuplanen, in denen ihr einfach miteinander redet (kein Handy, kein TV, keine Arbeit).
  • Den Sex planen: Es klingt unromantisch, doch wer die Sexualität nur dem Zufall überlässt, läuft Gefahr, dass sich immer seltener Gelegenheiten dafür ergeben. Denn mit Kindern kommt oft Unvorhergesehenes dazwischen.
  • Lass dich nicht stressen: Chronischer Alltagsstress zerfrisst Partnerschaften schleichend, sagt der Zürcher Paarforscher Guy Bodenmann, dessen Forschungsschwerpunkt Stress und Coping bei Paaren ist [3]. Er rät, die eigenen Erwartungen an sich selbst und andere zu überdenken.

Text: Anouk Holthuizen, im November 2017

Quellen

  1. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Schweizer Ernährungsscheibe – Kindheit (4 bis 12 Jahre). Abgerufen am 7. August 2026.
  2. Bundesamt für Statistik (BFS): Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern. Abgerufen am 7. August 2026.
  3. Universität Zürich, Psychologisches Institut: Prof. Dr. Guy Bodenmann – Forschungsschwerpunkte. Abgerufen am 7. August 2026.

1 Kommentar

?
T

Tamara11

Guten Tag

Ist Ihnen bewusst, dass Sie Werbung für eine amtierende Tierquälerin machen??

Marianne Botta ist die Frau hinter dem Solothurner Tierschutz Fall, wo über 100 Hunde liquidiert wurden.

Machen Sie doch für so jemanden keine Werbung bitte!

Wenn die so zu den Kindern schaut wie zu ihren Tieren ist es kein Wunder kann sie mit links zu 8 schauen.... die sind wohl auch verwarlost...

Mfg Tamara Wülser

Kommentar melden

Danke für deine Mithilfe! Wir überprüfen den Beitrag in Kürze.

Bist du sicher, dass du diesen Kommentar melden willst?

Meistgelesene Artikel

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an und diskutiere mit anderen Eltern und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren