Leben > HaustiereHarmonisches Miteinander – Kaninchenhaltung in der Wohnung: Platz, Artgenossen, VorschriftenKaninchen sind gesellige Tiere und dürfen in der Schweiz nicht ohne Artgenossen leben. Wer sie in der Wohnung hält, braucht deshalb mindestens zwei Tiere, viel Platz und ein Gehege, das dauerhaft offen steht. Wir zeigen dir, was das Gesetz verlangt – und was darüber hinaus nötig ist, damit sich deine Kaninchen wohlfühlen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Weil Kaninchen beim Freigang nicht immer stubenrein sind, hilft eine alte Decke. (Foto: Maja Dumat/pixelio.de) Ein Freigehege im Garten ist nicht für jede Familie möglich. Dann ziehen die Tiere in die Wohnung – und genau dort wird es anspruchsvoll. Kaninchen brauchen Platz zum Hoppeln, Haken schlagen und «Männchen machen», einen abgedunkelten Rückzugsort, ständig Heu und mindestens einen Artgenossen. Werden diese Punkte beachtet, ist ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und Tier möglich. Was das Gesetz vorschreibt – und warum das nicht genügt Die Kaninchenhaltung ist in der Schweiz verbindlich geregelt. Die Tierschutzverordnung (TSchV) legt in Anhang 1 Tabelle 8 Mindestmasse für Gehege fest: Für ein oder zwei ausgewachsene Kaninchen der Gewichtsklasse 2,3 bis 3,5 Kilogramm sind es 4800 Quadratzentimeter Grundfläche – also knapp einen halben Quadratmeter – bei einer Höhe von 50 Zentimetern, die auf mindestens 35 Prozent der Fläche vorhanden sein muss [1]. Für schwerere Tiere gelten grössere Werte, für leichtere kleinere. Diese Zahlen sind kein Haltungsziel, sondern die Untergrenze. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hält ausdrücklich fest, dass die gesetzlichen Mindestanforderungen an Kaninchengehege «ein absolutes Minimum» sind [2]. Der Schweizer Tierschutz STS formuliert es noch deutlicher: Wer die Minimalvorschriften unterschreitet, macht sich strafbar – die Mindestvorschriften markieren also die Grenze zur Tierquälerei, nicht den Anfang einer guten Haltung [3]. Verbindlich sind ausserdem zwei Punkte, die im Alltag oft untergehen: Kaninchen müssen täglich mit grob strukturiertem Futter wie Heu oder Stroh versorgt werden und ständig Objekte zum Benagen zur Verfügung haben. Und jedes Gehege braucht einen abgedunkelten Bereich, in den sich die Tiere zurückziehen können [1]. Nie allein: Kaninchen brauchen Artgenossen Das ist die wichtigste Regel überhaupt – und sie ist keine Empfehlung. Artikel 13 der Tierschutzverordnung verlangt, dass Tieren soziallebender Arten angemessene Sozialkontakte mit Artgenossen ermöglicht werden [1]. Das BLV legt diesen Artikel für Kaninchen so aus: «Auch für die Heimkaninchen-Haltung gilt, dass ein Kaninchen nicht gehalten werden darf, wenn keine anderen Kaninchen im gleichen Raum sind.» [4] Rechtlich gefordert ist damit mindestens ein geruchlicher und akustischer Kontakt zu anderen Kaninchen; die Haltung im selben Gehege ist laut BLV das anzustrebende Ziel, aber nicht in jedem Fall zwingend [4]. Für die Wohnungshaltung heisst das praktisch: Plane von Anfang an mit zwei Tieren. Bewährt hat sich ein kastriertes Männchen mit ein bis zwei Weibchen [2]. Ein Meerschweinchen ist kein Ersatz für einen Artgenossen – die beiden Arten sprechen buchstäblich nicht dieselbe Sprache [3]. Grosse Gehege für die Kaninchen Im Handel werden noch immer viele Käfige verkauft, die für eine artgerechte Haltung nicht geeignet sind. Achte deshalb weniger auf die Bezeichnung als auf die Masse – und darauf, dass die nutzbare Fläche wirklich frei bleibt: Futter- und Trinkschalen, Häuschen und Klettergerüste dürfen das Gehege nicht vollstellen. Als Orientierung über das gesetzliche Minimum hinaus empfiehlt der Schweizer Tierschutz für ein Freilandgehege eine Mindestfläche von sechs Quadratmetern bei mindestens 70 Zentimetern Höhe für zwei bis vier Tiere [3]. Diese Zahl stammt aus der Freilandhaltung und lässt sich nicht eins zu eins auf die Wohnung übertragen – sie zeigt aber, wie weit gute Haltung von der gesetzlichen Untergrenze entfernt liegt. Für die Wohnungshaltung selbst ist die Empfehlung des STS klar: Kaninchen brauchen ein eigenes, ruhiges Zimmer. In einem Bereich dieses Zimmers steht das Gehege, das immer offen ist und den Tieren zugleich als Rückzugsort dient [3]. Von unkontrolliertem Freilauf in der ganzen Wohnung rät der STS dagegen ab – Auslauf ausserhalb des Kaninchenzimmers gehört unter Aufsicht. Stelle das Gehege nicht dorthin, wo es laut ist und ständig jemand vorbeiläuft. Kaninchen hören ausgezeichnet und reagieren empfindlich auf Lärm. Ungeeignet ist auch ein Platz in der prallen Sonne. Für gute Belüftung sorgen, aber Zugluft vermeiden – sie begünstigt Krankheiten [3]. Worauf du bei der Kaninchenhaltung in der Wohnung achten musst Kaninchen knabbern mit Leidenschaft an allem, was sie erreichen. Elektrokabel gehören deshalb ausser Reichweite, und Steckdosen in Bodennähe werden abgedeckt [3]. Zimmerpflanzen sind für die Tiere unerreichbar aufzustellen – im Zweifel gilt eine Pflanze als ungeeignet, solange du nicht sicher weisst, dass sie für Kaninchen unbedenklich ist. Auch Tapeten und wertvolle Möbel solltest du im Kaninchenzimmer nicht dem Zufall überlassen. Spitze oder scharfkantige Gegenstände haben in der Nähe der Tiere nichts verloren. Ein Punkt, der in Wohnungen regelmässig übersehen wird: der Boden. Laminat und Parkett sind rutschig, und Kaninchen brauchen trittsichere Flächen, um sich normal zu bewegen. Erhöhte Ebenen müssen gut erreichbar, rutschfest und einfach zu reinigen sein. Ebenso wichtig ist, dass der Boden trocken und sauber bleibt: Nässe führt häufig zu Pfotenerkrankungen, und staubarme Einstreu schützt die empfindlichen Augen. Da Kaninchen meist nicht völlig stubenrein sind, lohnt sich eine alte Decke oder ein Bettlaken unter dem Auslaufbereich – viele Tiere nehmen zusätzlich eine mit Einstreu gefüllte Schale als Toilette an [2]. Beim Auslauf ausserhalb des Geheges bleiben die Tiere unter Aufsicht. So verschwinden sie nicht unter den Möbeln, und du merkst früh, wenn sie sich an etwas zu schaffen machen. Bereiche, die tabu sind, lassen sich mit einem handelsüblichen Freilaufgehege abgrenzen. Heu, Wasser und Nagematerial: die Grundversorgung Der häufigste Fehler in der Kaninchenhaltung passiert nicht beim Gehege, sondern beim Futter. Viel frisches Heu als Grundfutter ist zentral für die Verdauung und für den Abrieb der Backenzähne [2]. Heu ist also keine Einstreu, sondern das Hauptnahrungsmittel – es muss ständig verfügbar und täglich frisch sein. Kaninchen haben einen empfindlichen Verdauungstrakt und müssen jederzeit fressen können; ein Futterentzug kann lebensbedrohlich sein. Frischer Salat, Gräser, Kräuter sowie Gemüse wie Gurken oder Rüebli ergänzen den Speiseplan. Stärkehaltige Futtermittel gehören nur in kleinen Mengen als «Guetzli» dazu, sonst drohen Verdauungsprobleme und Übergewicht [2]. Frisches Wasser in Trinkwasserqualität muss immer bereitstehen. Mehr dazu, was in den Napf gehört und was nicht, liest du im Beitrag Wie ernähre ich mein Kaninchen richtig? Zusätzlich brauchen Kaninchen ständig Nagematerial – das schreibt die Tierschutzverordnung ausdrücklich vor [1]. Geeignet sind frische, ungespritzte Äste von Obst- und Nussbäumen sowie Weichholz [2]. Gesundheit: impfen, kastrieren, täglich hinschauen Gegen die Viruserkrankungen RHD, RHD2 und Myxomatose stehen Impfstoffe zur Verfügung [2]. Welcher Schutz für deine Tiere sinnvoll ist und in welchem Abstand geimpft wird, klärst du in der Tierarztpraxis – das hängt unter anderem davon ab, ob die Kaninchen Kontakt nach draussen haben. Kaninchen werden früh geschlechtsreif: je nach Rasse und Fütterung bereits mit acht bis zehn Wochen [3]. Wer Männchen und Weibchen zusammen hält, muss die Männchen deshalb rechtzeitig kastrieren lassen – der Eingriff darf nur unter Narkose und durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt erfolgen [2]. Eine Kastration vermindert zudem Kämpfe unter Männchen. Beobachte deine Tiere täglich: Fressen alle normal? Sind Augen und Nase frei, das Fell rund um den After sauber, die Krallen nicht zu lang? Weil die Zähne lebenslang wachsen, gehört auch das Gebiss regelmässig kontrolliert. Und eine Regel, die jede Familie kennen sollte: Ein Kaninchen, das nicht mehr frisst, ist immer ein Notfall und gehört unverzüglich in eine Tierarztpraxis [3]. Welche Beschwerden häufig sind und woran du sie erkennst, zeigt der Beitrag zu den häufigsten Kaninchenkrankheiten. Kaninchen und Kinder: herzig, aber keine Kuscheltiere Kaninchen wirken wegen ihres Aussehens besonders auf Kinder attraktiv – und werden deshalb oft mit falschen Erwartungen angeschafft. Das BLV ist an diesem Punkt eindeutig: Als sehr stressanfällige Tiere sind Kaninchen keine «Kuscheltiere». Herumtragen oder Festhalten kann ihnen grosse Angst machen und zu Schreckstarre oder zu Kratz- und Beissreaktionen führen [2]. Das heisst nicht, dass Kaninchen keine Familientiere wären. Leben sie in der Gruppe und in einem gut gestalteten Gehege, können Kinder und Erwachsene ihr natürliches Verhalten beobachten – ohne die Tiere herausnehmen zu müssen [2]. Muss ein Kaninchen doch einmal hochgehoben werden, stützt eine Hand das Hinterteil; an den Ohren darf ein Kaninchen nie hochgehoben werden [3]. Kindern sollte der verantwortungsvolle Umgang von Anfang an beigebracht werden. Ob ein Haustier überhaupt zur aktuellen Familiensituation passt, ist eine Frage, die vor der Anschaffung geklärt gehört – dazu findest du Entscheidungshilfen unter Haustiere für Kinder. Trotz Auslauf ist eine sinnvolle Beschäftigung notwendig Kaninchen wollen beschäftigt werden. Fehlt die Abwechslung, können aus Langeweile Verhaltensstörungen entstehen, zum Beispiel Gitternagen. Aus Kartons lassen sich kleine Abenteuerpaläste bauen, und eine Buddelkiste sollte bei der Kaninchenhaltung in der Wohnung nicht fehlen: Ein flacher Behälter mit Erde oder Sand ermöglicht Scharren und oberflächliches Graben [2]. Beliebt sind auch erhöhte Aussichtsplätze – ein Brett auf einer Kiste genügt oft schon. Verstecke wie Korkröhren, Weidenkörbe oder Häuschen sollten mehrfach vorhanden sein und bei zwei Tieren möglichst mehrere Ein- und Ausgänge haben, damit sich niemand in einer Sackgasse wiederfindet. Lustige Parcours lassen sich mit Stühlen, Steinen und Kartons schnell aufstellen. Ein Snackball ist als Abwechslung in Ordnung, sollte aber nur mit kleinen Mengen gefüllt werden – Leckerlis sind Beigabe, nicht Mahlzeit [2]. Quellen Schweizerische Eidgenossenschaft: Tierschutzverordnung (TSchV, SR 455.1), Art. 13, Art. 64 und 65 sowie Anhang 1 Tabelle 8, Stand 1. Februar 2026 (abgerufen am 12.08.2026) Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Kaninchen – Haltung, Pflege, Ernährung und Beschäftigung (abgerufen am 12.08.2026) Schweizer Tierschutz STS: Merkblatt Kaninchen (PDF, abgerufen am 12.08.2026) Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Fachinformation Tierschutz 5.8: Sozialkontakte bei Kaninchen (PDF, abgerufen am 12.08.2026) Erstellt im August 2017, aktualisiert im August 2026 / (red)