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So klappt die Hundeerziehung – mit Bindung statt Rangordnung

Hunde sind soziale Tiere – und sie lernen ihr Leben lang. Was eine gute Erziehung ausmacht, ist heute besser belegt als vor zwanzig Jahren: Es sind Geduld, Konsequenz und klare Signale, nicht ein Platz in einer Rangordnung. Diese Regeln helfen dir beim Start.

Hund lernt das Kommando Sitz
Eines der wichtigsten Kommandos in der Hundeerziehung ist «Sitz». (Bild: mheim3011/Thinkstock,iStock)

Wer sich zum ersten Mal einen Hund anschafft, muss dafür in der Schweiz keinen Kurs mehr vorweisen: Das nationale Kursobligatorium mit Sachkundenachweis (SKN) galt von 2008 bis Ende 2016 und wurde per 1. Januar 2017 aufgehoben [2]. Der Bundesrat empfiehlt einen Kurs aber weiterhin ausdrücklich – und für bestimmte Hundetypen schreiben einzelne Kantone nach wie vor eine Ausbildung vor. Was in deinem Kanton gilt, sagt dir der kantonale Veterinärdienst [2]. Wie ein solcher Kurs abläuft, steht im Artikel obligatorischer Hundekurs: Was gilt?.

Unabhängig von Vorschriften lohnt sich der Besuch einer Hundeschule: Dort lernst du mit Gleichgesinnten, und dein Vierbeiner hat in der Gruppe mehr Spass. Hundeschulen können sich in der Schweiz freiwillig einem Verband anschliessen – etwa dem Verband Schweizer Hundeschulen, der für seine Mitglieder ein einheitliches Aus- und Weiterbildungsangebot führt. Eine staatliche Zulassung ist das nicht: Wer eine Hundeschule betreibt, braucht dafür keine Bewilligung. Ein Blick auf Ausbildung und Methoden der Kursleitung lohnt sich deshalb in jedem Fall.

Vom «Rudelführer» zur Bindung: ein Modell auf dem Prüfstand

In vielen Ratgebern – auch in früheren Fassungen dieses Artikels – steht, der Mensch müsse in der Hundeerziehung die Rolle des «Leittieres» oder «Rudelführers» übernehmen, sonst stelle der Hund ihn als «Chef» infrage. Dieses Bild stammt aus Wolfsbeobachtungen an Gehegetieren aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und wurde vor allem durch das 1970 erschienene Buch «The Wolf» des Wolfsforschers L. David Mech bekannt.

Mech selbst bezeichnet das Alpha-Konzept heute als überholt. Freilebende Wolfsrudel seien in aller Regel schlicht Familien: Die führenden Tiere hätten ihre Stellung nicht in Rangkämpfen erobert, sondern seien schlicht die Elterntiere – «merely breeders, or parents» [3]. Damit fällt die Grundlage der Vorstellung weg, ein Hund teste seine Menschen laufend auf ihren Rang.

Das heisst nicht, dass die alten Ratschläge alle falsch waren. Sicheres Auftreten, Verlässlichkeit und Konsequenz bleiben richtig – nur die Begründung ist eine andere. Nicht der Rang macht den Unterschied, sondern die Beziehung: Eine enge, vertrauensvolle Bindung ist die Grundlage dafür, dass ein Hund bereitwillig auf Anweisungen reagiert [2]. Wer berechenbar ist, immer dieselben Signale verwendet und erwünschtes Verhalten belohnt, erreicht genau das, was früher der «Rudelführung» zugeschrieben wurde.

Spielerisch beginnen

Hundeerziehung beginnt schon beim Welpen. Spielerisch kannst du ihm die ersten Grundkommandos beibringen. Wichtige Befehle sind unter anderem «Sitz», «Komm her», «Bleib» und «Aus» – wobei die genaue Wortwahl nebensächlich ist. Wichtig ist, dass du immer dasselbe Wort für dieselbe gewünschte Verhaltensweise wählst. Befolgt dein Hund das Kommando richtig, wird er belohnt – ein deutliches Lob reicht meistens aus.

Der Zeitpunkt spielt dabei eine grosse Rolle: Die wichtigste Phase der Sozialisierung liegt etwa zwischen der dritten und zwölften Lebenswoche. In dieser Zeit lernt ein Welpe, sich gegenüber anderen Hunden angemessen zu verhalten, und baut eine enge Bindung zu Menschen auf [2]. Von der Mutter getrennt werden dürfen Welpen frühestens im Alter von 56 Tagen [1] [2] – ein Züchter, der früher abgibt, verstösst gegen die Tierschutzverordnung.

Beim jungen Hund solltest du die Übungseinheiten nicht zu oft wiederholen, da die Konzentrationsfähigkeit ihre Grenzen hat. Zu viele Leckerlis sind auch nicht zielführend – sonst ist der Belohnungseffekt bald nicht mehr gegeben. Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag reichen vollkommen aus. Als lockerer Abschluss empfiehlt sich ein Spaziergang oder ein fröhliches Spiel. Welpenspielgruppen bieten viele Hundeschulen an, zum Beispiel die Hundeschule Züri Hünd in Zürich. Wie du die ersten Wochen zu Hause meisterst, liest du im Artikel Geduld ist gefragt, damit der Welpe stubenrein wird.

So nicht: Fehler in der Hundeerziehung

Auf keinen Fall darfst du inkonsequent sein und eine Verhaltensweise des Hundes einmal zulassen und das andere Mal nicht. Dein Hund kann dann schlicht nicht lernen, was gilt. Zudem sind zu viele Befehle in kurzer Zeit schlecht. Klare, ruhige Kommandos sind gefragt.

Grobes Bestrafen ist ein No-Go – und in seinen härteren Formen verboten. Massnahmen zur Verhaltenskorrektur müssen der Situation angepasst sein und direkt auf das unerwünschte Verhalten folgen [1] [2]. Ausdrücklich untersagt sind Strafschüsse, Stachelhalsbänder, Zughalsbänder ohne Stopp und jede Form übermässiger Härte wie das Schlagen mit harten Gegenständen [1]. Ganz grundsätzlich gilt: Hilfsmittel dürfen nicht so eingesetzt werden, dass sie dem Hund Verletzungen oder erhebliche Schmerzen zufügen oder ihn stark reizen oder in Angst versetzen [1].

Das hat auch einen praktischen Grund: Wenn dein Hund nur aus Angst vor dir einen Befehl befolgt, hast du kein verlässliches Team, sondern ein verunsichertes Tier. Ein harmonisches Miteinander wird dadurch unmöglich. Mit einem klaren, bestimmten «Nein» und dem konsequenten Belohnen der erwünschten Alternative zeigst du deinem Hund deutlich genug, was du von ihm willst. Bleibt ein unerwünschtes Verhalten hartnäckig – etwa übermässiges Bellen –, steckt meist ein Bedürfnis oder eine Unsicherheit dahinter, die sich mit Strafe nicht beheben lässt.

Der Hund an der Leine – wichtige Tipps

Ein wichtiges Thema in der Hundeerziehung ist die sogenannte «Leinenführigkeit». Dein Hund soll entspannt neben dir laufen, ohne zu ziehen. Auf welcher Seite er geht, ist Geschmackssache – entscheide dich für eine und bleib dabei, damit er es zuordnen kann.

Der Weg dorthin führt über Belohnung, nicht über Zug oder Ruck: Zieht dein Hund nach vorne, bleibst du stehen und gehst erst weiter, wenn die Leine wieder locker ist. Läuft er neben dir, lobst du ihn sofort – anfangs auch dann, wenn es nur ein paar Schritte sind. Das ist mühsamer als ein kurzer Ruck an der Leine, aber es ist der Weg, der hält.

Ältere Ratgeber empfehlen an dieser Stelle den «Leinenruck». Davon ist abzuraten: Ein kräftiger Ruck kann dem Hund wehtun und ihn erschrecken, und je nach Halsband und Härte kollidiert er mit den Vorgaben der Tierschutzverordnung zu Hilfsmitteln und Verhaltenskorrekturen [1]. Dauernder Zug auf der Leine ist ohnehin für beide Seiten unangenehm. Kommst du bei starkem Ziehen nicht weiter, ist eine Hundeschule die bessere Adresse als mehr Kraft.

Hund und Kind: Regeln, die im Alltag zählen

Wo Kinder und Hunde zusammenleben, gehört die Bissprävention zur Erziehung – auf beiden Seiten. Hundebisse bei Kindern können gravierende Folgen haben; mehrere Kantone führen deshalb eigene Präventionskurse für Kindergarten- und Primarschulkinder durch [4]. Das Ziel ist dabei ausdrücklich kein Streichelkurs, sondern ein respektvoller, distanzierter Umgang [4].

Die wichtigsten Punkte für den Familienalltag:

  • Kleine Kinder und Hund nie unbeaufsichtigt lassen – auch nicht mit dem eigenen, gutmütigen Hund und auch nicht «nur kurz».
  • Dem Hund einen Rückzugsort geben, an dem ihn niemand stört. Wer schläft, frisst oder sich zurückgezogen hat, wird in Ruhe gelassen.
  • Fremde Hunde immer zuerst die Halterin oder den Halter fragen, bevor dein Kind sie streichelt – und den Hund selbst entscheiden lassen, ob er Kontakt will.
  • Warnsignale ernst nehmen: Wegdrehen, Erstarren, Knurren oder Zähnezeigen sind Kommunikation, keine Frechheit. Wird ein Hund fürs Knurren bestraft, lernt er, die Vorwarnung wegzulassen.
  • Kein Toben mit dem Gesicht auf Hundehöhe und kein Umarmen um den Hals – für viele Hunde ist das bedrängend, auch wenn es lieb gemeint ist.

Zur Vorbeugung von Vorfällen empfiehlt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die kindergerechte Broschüre «Tapsi, komm» sowie die Schulprojekte der Kantone [2]. Und wenn doch etwas passiert: Vorfälle, bei denen ein Hund einen Menschen erheblich verletzt hat oder übermässiges Aggressionsverhalten zeigt, müssen der zuständigen kantonalen Stelle gemeldet werden – als erheblich gilt eine Verletzung, die ärztlich oder tierärztlich behandelt werden muss [2].

Wer erst über die Anschaffung nachdenkt, findet im Artikel ein Familienhund ist mehr als ein herziges Haustier die Überlegungen, die vor dem Einzug anstehen.

Grundausrüstung für den Start

Du benötigst nicht viele Utensilien, um deinen Hund zu erziehen: Halsband oder Brustgeschirr, Leine, Spielzeug und gute Laune reichen aus. Ein Leckerli zur richtigen Zeit verstärkt den positiven Lerneffekt.

Was nicht in die Ausrüstung gehört: Stachelhalsbänder und Zughalsbänder ohne Stopp sind in der Schweiz verboten, ebenso Geräte, die elektrisieren, sehr unangenehme akustische Signale aussenden oder mit chemischen Stoffen wirken [1]. Auch Hilfsmittel gegen das Bellen sind untersagt [1]. Wer unsicher ist, fragt in der Hundeschule oder beim kantonalen Veterinärdienst nach.

Quellen

  1. Tierschutzverordnung (TSchV) vom 23. April 2008, SR 455.1, insbesondere Art. 70, 73, 76 und 78. fedlex.admin.ch (abgerufen am 17.08.2026)
  2. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: «Hunde» – Haltung, Umgang und Erziehung, Ausbildungen, Meldung von Vorfällen. blv.admin.ch (abgerufen am 17.08.2026)
  3. L. David Mech: «Alpha Wolf Concept», Wolf News and Information. davemech.org (abgerufen am 17.08.2026)
  4. Kanton Basel-Stadt, Kantonales Veterinäramt: Präventionskurs «Kind & Hund». bs.ch (abgerufen am 17.08.2026)

Erstellt im August 2017 / (red)

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