Leben > HaustiereDen Hund kastrieren lassen oder nicht? Die EntscheidungshilfeWenn ein Hund geschlechtsreif wird, taucht in vielen Familien dieselbe Frage auf: Soll ich meinen Hund kastrieren lassen – oder lieber nicht? Eine Kastration kann medizinisch sinnvoll sein und im Alltag entlasten. Sie ist aber kein «Standard-Schritt», der für alle passt, und sie ist nicht umkehrbar [5]. Damit du eine gute Entscheidung triffst, hilft es, die Begriffe zu klären, Chancen und Risiken realistisch einzuordnen und auch die Alternativen zu kennen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Die Kastration eines Rüden kostet in Schweizer Praxen mehrere Hundert Franken, bei einer Hündin ungefähr doppelt so viel [6]. (Foto: Chalabala/Thinkstock,iStock) Kastration oder Sterilisation? Begriffe kurz erklärt Kastration bedeutet: Die Keimdrüsen werden entfernt (beim Rüden die Hoden, bei der Hündin die Eierstöcke, je nach Methode auch die Gebärmutter) [3]. Dadurch sinken die Sexualhormone deutlich. Das verhindert die Fortpflanzung und kann je nach Ausgangslage auch hormonabhängige Krankheiten und Verhaltensanteile beeinflussen. Sterilisation bedeutet: Die Fortpflanzungswege werden unterbrochen (z.B. Samenleiter oder Eileiter). Der Hund bleibt hormonell grundsätzlich «intakt», weshalb läufigkeits- oder testosteronbedingte Themen in der Regel weiter bestehen. Chirurgisch oder Implantat: Neben der Operation gibt es für Rüden die Möglichkeit einer zeitlich begrenzten hormonellen Unterdrückung (umgangssprachlich «chemische Kastration») über ein Implantat. Es ist verschreibungspflichtig und wird von der Tierärztin gesetzt [4]. Was es leisten kann und wo seine Grenzen liegen, liest du weiter unten. Worum geht es in diesem Artikel? Um eine alltagstaugliche Entscheidungshilfe: Wann ist eine Kastration medizinisch sinnvoll, welche Nebenwirkungen sind möglich, was ändert sich im Verhalten (und was nicht), welche Alternativen gibt es – und welche Fragen klärst du am besten mit der Tierärztin. Was in der Schweiz rechtlich gilt Eine Kastration ist ein schmerzverursachender Eingriff. Das Tierschutzgesetz erlaubt solche Eingriffe nur unter allgemeiner oder örtlicher Schmerzausschaltung und nur durch eine fachkundige Person [1] – beim Hund heisst das: in der Tierarztpraxis, unter Narkose. Eine Kastration «nebenbei» oder ohne Betäubung ist verboten. Die Tierschutzverordnung verbietet ausserdem operative Eingriffe, die bloss die Haltung von Heimtieren erleichtern sollen. Ausdrücklich ausgenommen sind «Eingriffe zur Verhütung der Fortpflanzung» [2]. Die Kastration ist damit erlaubt – aber der Rahmen zeigt, worauf es ankommt: Sie darf nicht einfach eine Bequemlichkeitslösung für den Menschen sein, sondern muss sich am Wohl des Tieres messen lassen [5]. Die Vorteile der Kastration Der klarste Effekt ist die sichere Unfruchtbarkeit. Dazu kommt: Viele Halterinnen und Halter berichten, dass ihr Hund nach der Kastration weniger stark von Sexualreizen gesteuert ist. Das kann den Alltag erleichtern, etwa wenn ein Rüde bei jeder läufigen Hündin in der Umgebung kaum noch ansprechbar ist oder wenn er deshalb ausbüxt und in den Strassenverkehr gerät. Medizinisch ist die Bilanz zweiseitig, und genau das macht die Entscheidung anspruchsvoll. Das Universitäre Tierspital Zürich fasst den Stand so zusammen: Eine Kastration kann das Risiko für Gesäugetumoren (Mammatumoren) und Gebärmuttererkrankungen senken. Neuere Untersuchungen zeigen aber auch, dass sie das Risiko für andere Erkrankungen erhöhen kann – namentlich für Inkontinenz, für Verhaltensprobleme und für einige Tumorarten [3]. Wichtig: Kein Hund wird «automatisch ruhiger» oder «verträglicher». Welche Veränderungen realistisch sind, hängt stark davon ab, was den Hund vorher motiviert hat (Hormone, Lernen, Stress, Angst, schlechte Erfahrungen, unklare Regeln im Alltag). Eine pauschale Empfehlung für oder gegen die Kastration gibt es deshalb nicht – auch Fachstellen sprechen bewusst keine aus [5]. Wann eine Kastration medizinisch sinnvoll sein kann Die stärksten Argumente für eine Kastration sind meist medizinischer Natur – also dann, wenn Erkrankungen behandelt oder Risiken deutlich gesenkt werden sollen. Ob das bei deinem Hund zutrifft, klärst du am besten gemeinsam mit deiner Tierärztin nach Untersuchung und Vorgeschichte. Hündin: Pyometra, Gesäugetumoren, Läufigkeit, Scheinträchtigkeit Bei einer Pyometra (eitrige Gebärmutterentzündung) ist die Kastration die Behandlung: Gerade bei älteren Hündinnen gibt es dazu praktisch keine Alternative, und eine vorbeugende Gabe von Hormon- oder Antibiotikapräparaten bringt wenig [5]. Ist die Hündin kastriert, fallen die hormonabhängigen Veränderungen der Gebärmutter weg – das Risiko sinkt entsprechend deutlich. Bei Gesäugetumoren wirkt die Kastration vorbeugend, und zwar umso stärker, je früher sie erfolgt: Das Risiko steigt mit jeder Läufigkeit. Gleichzeitig erhöht die Kastration das Risiko für andere, schlechter operierbare Tumorarten [5]. Diese Abwägung gehört ins Gespräch mit der Praxis – sie lässt sich nicht am Küchentisch entscheiden. Auch wiederkehrende, ausgeprägte Scheinträchtigkeit kann ein Grund sein, über eine Kastration zu sprechen – vor allem, wenn die Hündin stark leidet oder die Symptome trotz Management immer wieder auftreten. Alltagsthema Läufigkeit: Eine Kastration beendet die Läufigkeiten. Das kann in Familien mit engem Wohnumfeld, intakten Rüden in der Nachbarschaft oder Betreuungsengpässen eine grosse Entlastung sein. Gleichzeitig ist es sinnvoll, vorher zu klären, ob wirklich die Läufigkeit das Hauptproblem ist – oder ob es eher um Stress, Management oder Training geht. Rüde: Prostata, Hoden, Hodenhochstand Beim Rüden kann eine Kastration medizinisch angezeigt sein, zum Beispiel bei hormonabhängigen Prostataproblemen – hier gibt es allerdings auch medikamentöse Behandlungen, die erfolgreich sind. Klarer ist die Lage bei Hodentumoren, Hodenverdrehung oder Hodenverletzungen, die sich anders nicht behandeln lassen [5]. Ein eigener Fall ist der Hodenhochstand: Bleibt ein Hoden im Bauchraum, sollte er entfernt werden, weil das Entartungsrisiko erhöht ist. Liegt nur ein Hoden innen, muss der Rüde deswegen nicht zwingend komplett kastriert werden [5]. Frag also nach, was genau geplant ist. Mögliche Folgen und Risiken So routiniert der Eingriff heute ist: Eine Kastration ist eine Operation unter Vollnarkose und danach ein dauerhafter Eingriff in den Hormonhaushalt. Die meisten Hunde erholen sich gut, dennoch solltest du die möglichen Folgen kennen, damit du sie früh erkennst. Harninkontinenz bei der Hündin Der bekannteste hormonbedingte Nebeneffekt wird in Ratgebern oft übergangen: Bei kastrierten Hündinnen kommt es häufig zu Harninkontinenz, und sie nimmt mit steigendem Alter zu [5]. Auch das Tierspital Zürich führt Inkontinenz ausdrücklich als eines der Risiken, die durch eine Kastration steigen [3]. Konkret heisst das: Die Hündin verliert im Schlaf oder im Liegen unbemerkt kleine Mengen Urin – nasse Flecken auf dem Hundebett sind das typische erste Zeichen. Das ist kein Erziehungsproblem und kein Grund zu schimpfen. Es ist gut behandelbar, aber es gehört in die Sprechstunde, nicht auf die Warteliste. Wenn du eine Hündin kastrieren lassen willst, sprich dieses Risiko vorher aktiv an. Gewicht, Fell, orthopädische Themen, rassespezifische Risiken Gewicht: Nach einer Kastration verändert sich der Stoffwechsel, der Energiebedarf sinkt und der Appetit steigt bei manchen Hunden [5]. Ohne Anpassung von Futter und Bewegung führt das schnell zu Gewichtszunahme. Praktisch heisst das: Futtermenge und Leckerli konsequent prüfen, regelmässig wiegen und früh gegensteuern. Was dein Hund in welcher Lebensphase braucht, liest du in unserem Beitrag zur richtigen Hundeernährung. Fell: Es kann zu Fellveränderungen kommen, je nach Rasse und Felltyp. Wenn du merkst, dass das Fell stumpf wird, stark filzt oder sich deutlich verändert, ist ein Check in der Praxis sinnvoll (auch um andere Ursachen auszuschliessen). Orthopädie und Entwicklung: Der optimale Zeitpunkt hängt auch von Grösse, Wachstum und individueller Entwicklung ab. Je früher im Leben kastriert wird, desto grösser ist der Einfluss auf Körper und Psyche des Hundes [5]. Darum ist es besonders bei grossen Rassen sinnvoll, den Zeitpunkt nicht «nach Kalender», sondern nach Körperentwicklung und Risikoprofil festzulegen. Sozialverhalten: Ein kastrierter Rüde kann im Kontakt mit Artgenossen anders wahrgenommen werden. Das ist nicht bei allen Hunden ein Thema, kann aber im Einzelfall Konflikte begünstigen. Wenn dein Hund im Freilauf häufig gemobbt wird oder Konflikte zunehmen, lohnt sich eine verhaltensmedizinische Einschätzung und ein angepasstes Management. Narkose, Wunde, Infektion Jede Operation unter Vollnarkose hat ein Restrisiko. Dazu kommt in den ersten Tagen ein erhöhtes Infektionsrisiko rund um die Wunde – deshalb ist saubere Nachsorge kein Nebenschauplatz. Frag vor dem Termin, ob Voruntersuchungen (z.B. ein Blutbild) sinnvoll sind, gerade bei älteren Hunden oder Vorerkrankungen. Wenn du unsicher bist, ist eine zweite tierärztliche Meinung völlig in Ordnung. Verhalten: Was sich ändern kann – und was nicht Viele Familien hoffen, dass eine Kastration «Problemverhalten» löst. Realistisch ist: Sie kann klar hormongetriebenes Verhalten beeinflussen – etwa das Erobern und Bewachen einer Hündin durch einen Rüden, starkes Umherstreifen oder sexualmotiviertes Aufreiten [5]. Sie ersetzt aber kein Training und löst keine Themen, die vor allem gelernt, stressbedingt oder angstgetrieben sind. Was Kastration nicht löst Nicht automatisch lösbar sind zum Beispiel Leinenpöbeln, Unsicherheit, Trennungsstress, Jagdverhalten oder generell schlechter Grundgehorsam. Diese Verhaltensweisen werden stark durch Lernen, Emotionen und Alltagserfahrungen beeinflusst. Wenn du nur die Hormone veränderst, bleibt der «Trainingsstand» gleich. Was hilft stattdessen? Ein klarer Trainingsplan (Rückruf, Leinenführigkeit, Impulskontrolle), gutes Stressmanagement im Alltag und – bei ernsthaften Themen – eine Abklärung in der Verhaltensmedizin. Wie du die Basis legst, zeigt unser Ratgeber dazu, wie die Hundeerziehung klappt; für das Alleinbleiben haben wir einen eigenen Beitrag, wie Hunde ohne Stress allein bleiben lernen. Achte darauf, dass Trainerinnen und Trainer gewaltfrei, fachlich fundiert und alltagsorientiert arbeiten. Aggression, Angst, Unsicherheit: hier ist Vorsicht Pflicht Das ist der Punkt, an dem die Kastration am häufigsten falsch eingesetzt wird. Aggression gegenüber Menschen hat in der Regel nichts mit dem Hormonhaushalt zu tun, sondern mit fehlenden oder schlechten Erfahrungen. Eine Kastration ist dann keine Lösung – sie kann die Aggression sogar verstärken [5]. Dasselbe gilt für Aggression gegenüber Artgenossen, hinter der oft Angst nach einem Angriff steckt. Das ist keine blosse Ratgebermeinung: Die behördlich genehmigte Fachinformation zum Kastrationsimplantat hält ausdrücklich fest, dass eine chirurgische oder medikamentöse Kastration unerwartete Folgen für das Aggressionsverhalten haben kann – Besserung oder Verschlechterung. Rüden mit Episoden von Aggression gegenüber Hunden oder gegenüber anderen Lebewesen sollen deshalb weder chirurgisch noch mit dem Implantat kastriert werden [4]. Reagiert dein Hund unsicher, ängstlich oder aggressiv, gehört deshalb zuerst eine Abklärung dazu: eine Kontrolle in der Tierarztpraxis (Schmerzen und Erkrankungen ausschliessen) und eine Verhaltensanalyse durch eine Fachperson [5]. Erst danach entscheidest du über einen Eingriff – er ist irreversibel. Beim Lesen der Körpersprache hilft dir unser Beitrag dazu, wie du deinen Hund richtig verstehst. Alternativen zur Operation Wenn du Nebenwirkungen vermeiden möchtest oder unsicher bist, gibt es Alternativen – entweder als Dauerlösung oder als Zwischenschritt. Management: Wenn in der Nachbarschaft läufige Hündinnen sind (oder du selbst eine Hündin hast), helfen klare Regeln: Leinenmanagement, Spazierzeiten anpassen, Begegnungen planen, Türen und Garten doppelt sichern, zu Hause mit Beschäftigung und Ruheinseln arbeiten. Für viele Familien reicht das bereits. Training: Besonders bei Rüden kann Training rund um Ansprechbarkeit, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle sehr wirksam sein. Wenn du früh beginnst, muss «typisches Rüdenverhalten» nicht automatisch zum Dauerproblem werden. Das Hormonimplantat: was es kann und was nicht Ein Implantat mit dem Wirkstoff Deslorelin gibt über Monate kontinuierlich eine niedrige Dosis ab und dämpft so die hormonbedingten Verhaltensanteile [5]. Der Vorteil: Du siehst im Alltag, ob und welche Anteile sich verändern, bevor du dich für eine Operation entscheidest. Damit es hilft statt zu enttäuschen, gehören ein paar Punkte aus der Fachinformation auf den Tisch [4]: Für wen: zugelassen für gesunde, geschlechtsreife Rüden. Bei Hündinnen ist es nur für Junghündinnen im Alter von 12 bis 16 Wochen vorgesehen; bei geschlechtsreifen Hündinnen wird der Einsatz nicht empfohlen, weil eine Läufigkeit ausgelöst werden kann und damit Erkrankungen von Gebärmutter und Eierstöcken drohen. Bei Hodenhochstand ist das Implantat eine Gegenanzeige. Ab wann es wirkt: Die Unfruchtbarkeit tritt erst nach rund sechs Wochen ein. In dieser Zeit muss der Rüde von läufigen Hündinnen ferngehalten werden. Direkt nach dem Setzen kann das sexuelle Interesse vorübergehend sogar zunehmen. Wie lange: Die Wirkung hält je nach Stärke mindestens sechs beziehungsweise zwölf Monate. Danach dauert es unterschiedlich lang, bis der Hormonhaushalt wieder normal ist: Bei über 80 Prozent der Rüden ist das innerhalb von zwölf Monaten der Fall, bei 98 Prozent innerhalb von 18 Monaten. In sehr seltenen Fällen dauert es länger. «Zeitlich begrenzt» heisst also nicht «nächste Woche wieder weg». Nebenwirkungen: möglich sind unter anderem Schwellung an der Einsetzstelle, Fellveränderungen, Harninkontinenz, weniger Aktivität und Gewichtszunahme. Und die wichtigste Einschränkung noch einmal: Bei einem Hund, der bereits Aggression zeigt, ist das Implantat kein geeigneter Test [4]. Entscheidungshilfe: Checkliste und Fragen an die Tierärztin Wenn du zwischen «kastrieren» und «abwarten» schwankst, hilft ein systematischer Blick. Du kannst dir das wie einen kleinen Entscheidungsbaum vorstellen: 1) Medizin - Gibt es eine Diagnose (z.B. Prostata- oder Hodenthema, wiederkehrende starke Scheinträchtigkeit, Gebärmutterprobleme)? - Ist die Kastration Therapie oder «nur» Prävention? - Gibt es Alternativen (medikamentös, Monitoring)? 2) Verhalten - Ist das Verhalten klar sexualhormongetrieben (z.B. Umherstreifen, starkes Fixieren auf läufige Hündinnen)? - Oder spielen Angst, Stress, mangelndes Training oder Konflikte in Begegnungen die Hauptrolle? - Zeigt dein Hund Aggression? Dann ist die Kastration kein Werkzeug, sondern ein Risiko – zuerst abklären lassen. - Wäre zuerst ein Implantat-Test oder eine verhaltensmedizinische Abklärung sinnvoll? 3) Alltag und Management - Kannst du Läufigkeitszeiten sicher managen (Zeit, Betreuung, Wohnsituation)? - Gibt es Kinder im Haushalt, die Türen oder Garten versehentlich offen lassen könnten? - Wie wichtig ist dir planbare Betreuung (Hundesitting, Ferien, Hundepension)? Fragenliste für das Gespräch in der Praxis - «Welches konkrete Ziel verfolgen wir: Therapie, Prävention oder Alltagserleichterung?» - «Welche Methode empfehlen Sie bei meinem Hund – und warum (Kastration, Sterilisation, Implantat)?» - «Welcher Zeitpunkt ist aus medizinischer Sicht sinnvoll (Wachstum, Rasse, Gewicht, Vorgeschichte)?» - «Wie hoch ist bei meiner Hündin das Risiko einer Harninkontinenz, und was tun wir, wenn sie auftritt?» - «Welche Nebenwirkungen sehen Sie bei dieser Rasse oder bei diesem Felltyp häufiger?» - «Was muss ich bei Fütterung und Gewicht nachher konkret anpassen?» - «Welche Narkoserisiken bestehen bei meinem Hund (Alter, Vorerkrankungen)? Braucht es Voruntersuchungen?» - «Wie sieht Ihr Nachsorgeplan aus (Schmerzmittel, Bewegung, Wundkontrolle, Fäden ziehen)?» - «Wenn es um Verhalten geht: Wann empfehlen Sie Verhaltensmedizin oder qualifizierte Trainerinnen und Trainer?» Der Zeitpunkt der Kastration Der passende Zeitpunkt ist individuell – und er ist der fachlich umstrittenste Punkt des ganzen Themas. Eine frühe Kastration (etwa mit sechs bis zwölf Monaten) kann rassetypisch verstärktes Verhalten wie Territorialität dämpfen, beeinflusst dafür aber die körperliche und geistige Entwicklung stark [5]. Bei der Hündin senkt ein früher Zeitpunkt das Risiko für Gesäugetumoren, erhöht aber jenes für andere Tumorarten [5]. Deshalb taugt keine Kalenderregel. Körperliche Entwicklung, Grösse und Rasse, Gesundheitsrisiken und das konkrete Problem gehören in die Entscheidung – und je jünger der Hund ist, desto grösser ist der Eingriff in seine Entwicklung [5]. Bei grossen Rassen ist Abwarten und gemeinsam mit der Praxis planen meist die bessere Wahl als ein früher Standardtermin. Wichtig für die Erwartungen: Ein älterer Hund zeigt nach der Kastration weiterhin Verhalten, das er über Monate oder Jahre gelernt und geübt hat. Dann braucht es zusätzlich Training und gutes Management – unabhängig davon, ob kastriert wurde oder nicht. Der Ablauf der Kastration Hast du dich entschieden, vereinbarst du einen Termin in der Praxis. Dein Hund muss vorher nüchtern sein: Oft heisst das, ab dem Vorabend kein Futter mehr, Wasser meist bis kurz vorher. Die genaue Nüchternzeit legt aber die Praxis fest – frag nach und halte dich an ihre Vorgabe. Nach der Operation kann dem Hund übel sein; viele Praxen empfehlen deshalb, erst später wieder eine kleine Portion zu geben. Beim Rüden ist der Eingriff vergleichsweise klein: Der Hund wird narkotisiert, das Operationsfeld vorbereitet, die Hoden werden über einen Schnitt vor dem Hodensack entfernt und die Wunde wird verschlossen. Der Eingriff dauert meist nicht lange, und du kannst deinen Hund in der Regel am selben Tag abholen. Bei der Hündin ist es eine Bauchhöhlenoperation: Entfernt werden die Eierstöcke (Ovariektomie) oder Eierstöcke und Gebärmutter zusammen (Ovariohysterektomie) [6]. Der Eingriff ist entsprechend aufwendiger, dauert länger und braucht mehr Schonung. Welche Methode für deine Hündin die richtige ist, entscheidet die Tierärztin nach Untersuchung. Zu Hause ist besonders wichtig, dass dein Hund nicht an der Wunde leckt oder knabbert. Dafür gibt es eine Halskrause oder einen Schutzbody. Schone deinen Hund in den ersten zwei Wochen: kurze, ruhige Spaziergänge an der Leine, kein wildes Spiel, kein Springen. Den Nachsorgetermin (inklusive Fädenziehen, falls nötig) solltest du unbedingt wahrnehmen. Nachsorge und Alltag nach der OP Damit die Heilung gut verläuft, helfen diese Punkte im Familienalltag: Schmerz und Ruhe: Gib Schmerzmittel nur wie verordnet. Viele Hunde wirken schnell wieder fit, brauchen aber trotzdem Schonung, damit die Wunde stabil heilt. Wunde im Blick: Kontrolliere täglich. Rötung, Schwellung, Nässen, unangenehmer Geruch oder starke Empfindlichkeit sind Gründe, die Praxis zu kontaktieren. Bewegung dosieren: Lieber mehrere kurze Runden als eine lange. Wenn du Kinder hast: Erkläre klar, dass Toben und Ballwerfen für einige Zeit pausiert. Futter anpassen: Plane in den Wochen danach feste Wiegetermine (z.B. alle zwei Wochen) und passe die Futtermenge früh an, wenn das Gewicht steigt. Praxis Schweiz: Kosten, Vorbereitung und Planung Die Kosten unterscheiden sich deutlich zwischen Rüde und Hündin, weil die Operation bei der Hündin aufwendiger ist. Aktuelle Preislisten Schweizer Praxen nennen für die Kastration eines Rüden rund 360 bis 460 Franken und für eine Hündin rund 770 bis 960 Franken, je nach Gewicht und Methode [6]. Je nach Praxis, Region, Narkoseform, Voruntersuchungen und Nachsorge kann es auch mehr sein. Verlange in jedem Fall einen Kostenvoranschlag, damit du Planungssicherheit hast. Versicherung: Falls dein Hund versichert ist, lohnt sich ein Blick in die Police: Nicht jede Versicherung übernimmt Eingriffe, die als präventiv gelten. Bei medizinischer Indikation kann die Situation anders aussehen. Betreuung organisieren: Plane die ersten 24 bis 72 Stunden so, dass eine erwachsene Person Zeit hat. Viele Hunde sind nach der Narkose müde, brauchen Ruhe, kurze Gassigänge und jemanden, der die Wunde kontrolliert. Übrigens: Bei Katzen stellt sich die Frage anders, weil freilaufende Tiere sich unkontrolliert vermehren. Warum eine Kastration dort meist klar empfohlen wird, liest du im Beitrag zur Kastration von Katzen. Quellen Schweizerische Eidgenossenschaft: Tierschutzgesetz (TSchG, SR 455), Art. 16, Stand 1. September 2023 (abgerufen am 11.08.2026). Schweizerische Eidgenossenschaft: Tierschutzverordnung (TSchV, SR 455.1), Art. 24 Bst. b, Stand 1. Februar 2026 (abgerufen am 11.08.2026). Universitäres Tierspital Zürich: Soll ich meine Hündin oder meinen Rüden kastrieren lassen oder nicht?, 4. Januar 2024 (abgerufen am 11.08.2026). Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich, Tierarzneimittelkompendium der Schweiz: Fachinformation Suprelorin 4,7 mg ad us. vet., Implantat, Stand der Information 01.2026 (abgerufen am 11.08.2026). Zürcher Tierschutz: Soll ich oder soll ich nicht? Kastration bei Rüden und Hündinnen, Zürcher Tierschutz Magazin 2/2021 (abgerufen am 11.08.2026). tezet AG, Tierärztliches Zentrum: Preisliste, Stand Mai 2025 (abgerufen am 11.08.2026).