Leben > HaustiereWarum du deine Katze kastrieren lassen solltest – und ab welchem AlterTierschutz und Tiermedizin empfehlen dasselbe: Lass deine Katze kastrieren. Der Eingriff verhindert ungewollten Nachwuchs, erspart deiner Kätzin die Dauerrolligkeit und deinem Kater die Revierkämpfe. Und er hilft gegen ein Problem, das grösser ist, als die meisten denken. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Eine Kastration verhindert ungewollten Nachwuchs. (Foto: SIBASminich/Thinkstock, iStock) In der Schweiz leben Hunderttausende Katzen ohne feste Betreuung. Sie halten sich auf Bauernhöfen auf, in Schrebergärten, auf verlassenen Fabrikarealen. Niemand füttert sie regelmässig, niemand bringt sie in eine Praxis. Hunger, Verletzungen und ansteckende Krankheiten prägen ihr Leben. Wie viele herrenlose Katzen gibt es wirklich? Jahrelang kursierte die Schätzung von 100 000 bis 300 000 Tieren, belastbare Zahlen gab es dazu keine. 2024 hat das Veterinary Public Health Institute der Universität Bern erstmals eine Modellrechnung vorgelegt, die das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen veröffentlicht hat. Sie kommt auf 125 000 bis 700 000 unkontrollierte Katzen. Der wahrscheinlichste Wert liegt bei rund 225 000.[1] Als unkontrolliert gelten verwilderte Hauskatzen und Bauernhofkatzen, die weder kastriert noch ausreichend versorgt sind. Rund zwei Drittel von ihnen sind Bauernhofkatzen. Zum Vergleich: Als Heimtiere lebten 2022 rund 1,85 Millionen Katzen in der Schweiz, ein Viertel mehr als zehn Jahre zuvor.[1] Die Studie hat einen zweiten Befund, der oft untergeht. Für die Grösse der Population ist weniger der Erfolg von Kastrationsaktionen entscheidend als die Aufnahmekapazität des Lebensraums, also Futterquellen und Unterschlupf.[1] Kastrationen allein lösen das Problem demnach nicht. Sie bleiben trotzdem die eine Massnahme, die du selbst in der Hand hast. Wie viel Arbeit dahintersteckt, zeigt eine Zahl aus derselben Studie: Drei Tierschutzorganisationen fingen innerhalb eines Jahres 12 281 Katzen ein und liessen sie kastrieren.[1] Was das Gesetz von dir verlangt Eine allgemeine Kastrationspflicht gibt es in der Schweiz nicht. Die Tierschutzverordnung verpflichtet dich aber, «die zumutbaren Massnahmen zu treffen, um zu verhindern, dass sich die Tiere übermässig vermehren» (Art. 25 Abs. 4 TSchV).[2] Bei einer Katze mit unkontrolliertem Freigang ist die Kastration eine zuverlässige Methode dafür. Können Halterinnen und Halter die Fortpflanzung ihrer Tiere nicht kontrollieren, dürfen die kantonalen Vollzugsbehörden im Einzelfall eine Kastration anordnen.[2] Die Petition ist längst eingereicht Die Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (NetAP) und die Stiftung für das Tier im Recht haben jahrelang für eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen gekämpft. Ihre Petition übergaben sie am 12. Juni 2018 in Bern, mit 115 567 Unterschriften und der Unterstützung von über 150 Organisationen.[3] Gefordert war ein Zusatz zu Art. 25 Abs. 4 der Tierschutzverordnung: «Hauskatzen mit unkontrolliertem Freigang sind von einem Tierarzt kastrieren zu lassen.» Aus Sicht der Initianten sind unkastrierte Freigängerkatzen eine der Hauptursachen des Streunerelends.[3] Im Dezember 2024 nahm Nationalrätin Meret Schneider die Forderung als Motion wieder auf. Der Bundesrat beantragte im Februar 2025 die Ablehnung und hält eine solche Pflicht für unverhältnismässig.[2] Er widerspricht der Tierschutzseite in einem zentralen Punkt: Es seien nicht die in einem Haushalt lebenden Katzen mit Freigang, die wesentlich zur Population der verwilderten Tiere beitragen. Zudem könnte eine Pflicht dazu führen, dass Halterinnen ihren Katzen den Freigang ganz verwehren. Befürworten würde der Bundesrat dagegen eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hauskatzen.[2] Unabhängig von der Politik lohnt sich das Chippen und Registrieren schon heute. Läuft deine Katze weg, ist es der schnellste Weg zurück nach Hause. Was sonst noch zu einer guten Katzenhaltung gehört, haben wir separat zusammengestellt. Der richtige Zeitpunkt für die Kastration Die Kleintierpraxis im Moos in Ins empfiehlt die Kastration ab einem Alter von rund sechs Monaten, beim Kater wie bei der Kätzin.[4] Der Eingriff im ersten Lebensjahr hat mehrere Vorteile: Wird eine Kätzin vor ihrem ersten Geburtstag kastriert, sinkt ihr Risiko für Mammatumoren. Und Kater, die erst spät oder gar nicht kastriert werden, markieren und verteidigen ihr Revier deutlich stärker.[4] Ob deine Katze schon so weit ist, entscheidet am Ende die Untersuchung in der Praxis. Sprich den Termin deshalb früh an, am besten beim Impftermin. Bei Kätzinnen kommt ein zweiter Grund dazu. Sie werden mehrmals im Jahr rollig, mit einer Ruhephase von Oktober bis Dezember.[4] Bleibt die Paarung aus, entsteht bei manchen Tieren eine Dauerrolligkeit: Sie schreien, sind unruhig und fressen nicht mehr richtig. Von einer dauerhaften Unterdrückung der Rolligkeit mit Hormonpräparaten rät die Praxis ab. Solche Mittel können die Gebärmutter verändern und Mammatumoren begünstigen.[4] Katzen kastrieren ist ein Routineeingriff Kastrieren heisst, dass die Keimdrüsen entfernt werden: beim Kater die Hoden, bei der Kätzin die Eierstöcke. Der oft gehörte Ausdruck «Sterilisation» meint einen anderen Eingriff, bei dem nur die Samen- oder Eileiter unterbunden werden. Beim Kater ist die Sache klein. Der Eingriff läuft unter Vollnarkose, die Wunde bleibt offen und heilt innerhalb weniger Tage ab. Fäden müssen keine gezogen werden, und schon am Tag danach darf er wieder nach draussen.[4] Bei der Kätzin ist mehr nötig. Damit die Eierstöcke entnommen werden können, wird die Bauchdecke geöffnet und anschliessend mit ein paar Stichen verschlossen. Die Fäden kommen nach rund zehn Tagen weg.[4] Deshalb braucht sie danach auch mehr Ruhe als der Kater. Ein wenig Geduld und Pflege danach Halte deine Kätzin nach der Operation ein bis zwei Tage drinnen und kontrolliere, dass sie die Naht am Bauch nicht ableckt. Gelingt das nicht, bekommt sie aus der Praxis eine Halskrause. Sorg dich nicht gleich, wenn dein Tier nicht sofort frisst: Bei Kätzinnen dauert es manchmal zwei Tage, bis der Appetit zurückkommt, Kater fressen meist am selben Tag wieder. Frisches Wasser sollte immer in Reichweite stehen. Ruf in der Praxis an, wenn die Naht gerötet ist oder nässt, wenn deine Katze teilnahmslos bleibt oder wenn sie gar nichts frisst und nichts trinkt. Solche Zeichen gehören abgeklärt und nicht abgewartet. Nach der Kastration verändert sich der Stoffwechsel, kastrierte Tiere neigen eher zu Übergewicht. Stell deshalb vom Jungtierfutter auf ein Futter für erwachsene, kastrierte Katzen um und kontrolliere das Gewicht regelmässig.[4] Wer das im Blick behält, kann früh reagieren. Weniger Kämpfe, weniger Krankheiten Die Kastration verhindert nicht nur Nachwuchs. Unkastrierte Kater markieren ihr Revier mit stark riechendem Urin, auch in der Wohnung, und verteidigen es gegen Artgenossen. Bissverletzungen und Abszesse sind die Folge, und manche Kater sind tage- bis wochenlang unterwegs.[4] Kastrierte Kater tun das seltener. Das macht auch das Zusammenführen von zwei Katzen einfacher. Bei der Kätzin fällt mit den Eierstöcken auch das Risiko einer Gebärmutterentzündung oder einer Gebärmuttervereiterung (Pyometra) weg.[4] Was kostet die Kastration? Eine feste Antwort gibt es nicht. Tierarzttarife sind in der Schweiz nicht einheitlich geregelt, jede Praxis rechnet eigenständig ab. Sicher ist nur, dass die Kastration der Kätzin mehr kostet als die des Katers: Bei ihr wird die Bauchdecke geöffnet und genäht, beim Kater nicht.[4] Frag vor dem Termin nach einem Kostenvoranschlag, dann weisst du, woran du bist. Plane den Betrag von Anfang an ein, zusammen mit Impfungen, Chip und Grundausstattung. Worauf du beim Kauf einer Katze sonst noch achten solltest, liest du hier. Übrigens: Beim Hund stellt sich die Frage ganz anders. Die Vor- und Nachteile der Kastration beim Hund haben wir separat aufgeschrieben. (Erstellt von Red.) QuellenD. Farra, G. Schüpbach, Veterinary Public Health Institute der Universität Bern: Estimation of the Uncontrolled Cat Population within the Framework of Neutering Campaigns in Switzerland (PDF), 11. Juli 2024, veröffentlicht vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Abgerufen am 23. August 2026.Schweizerisches Parlament, Curia Vista: Motion 24.4672 «Stopp der übermässigen Vermehrung von Streunerkatzen!» mit der Stellungnahme des Bundesrates vom 19. Februar 2025. Abgerufen am 23. August 2026.Network for Animal Protection (NetAP) und Stiftung für das Tier im Recht: Petition «Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen in der Schweiz». Abgerufen am 23. August 2026.Kleintierpraxis im Moos, Ins: Kastration bei Katzen, verfasst von Dr. med. vet. Anna Geissbühler Philipp, FVH für Kleintiermedizin. Abgerufen am 23. August 2026.