Trauern um das verlorene Baby

Wie mit Schicksalsschlägen umgegangen wird, ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Was dem einen geholfen hat, muss nicht für den anderen gelten, denn jeder Mensch trauert anders. So auch Mütter, die ihr Baby verloren haben. Es gilt die persönliche Art der Trauerverarbeitung herauszufinden. Abschied vom eigenen Kind zu nehmen, welches einen eigentlich ein Leben lang begleiten sollte, ist ein Prozess und kein Minutenakt. Viele kleine Elemente ergeben ein Ganzes, wie bei einem Mosaikbild – erst viele kleine Mosaiksteinchen ergeben zusammen ein Motiv. Übertragen bedeutet das, durch viele einzelne Steinchen kann das grosse Ganze geschafft werden, den Tod des Kindes verkraften und akzeptieren können.

Das sagt die Expertin

Franziska Maurer, Leiterin der Fachstelle Fehlgeburt und perinataler Kindstod in Bern

 

Franziska Maurer, Leiterin der Fachstelle Fehlgeburt und perinataler Kindstod in Bern sagt:

«Es gibt kein grundsätzliches richtiges Verhalten nach einer Fehlgeburt. An der Fachstelle FpK beraten wir grundsätzlich individuell, da die betroffenen Eltern sehr persönlich mit diesem Verlust umgehen.

Manche Mütter erleben die Fehlgeburt als trauriges Ereignis jedoch nicht so belastend, da sie für ihr Kind in diesem frühen Stadium noch keine intensiven Muttergefühle hegen.

Andere Mütter hingegen sehr. Ihnen empfehlen wir, ihrer Trauer und ihrem verstorbenen Kind einen Platz zu geben. Das kann bedeuten, in der Wohnung einen Ort für das Kind und die Trauer zu schaffen. Eine Kerze anzünden, einen symbolischen Gegenstand aufstellen, dem Kind einen Brief schreiben oder ihm einen Stellenwert durch seinen Namen geben.

Ob und wie schnell an eine Folgeschwangerschaft gedacht wird, hängt von der körperlichen und psychischen Verfassung ab. Manche Eltern möchten sofort wieder schwanger werden, weil eben der Wunsch nach einem Kind sehr stark ist. Andere fühlen sich erstmals als Eltern des verstorbenen Kindes und brauchen Zeit für Trauer. So oder so braucht es eine Zeit der körperlichen und psychischen Erholung, um das Geschehene in das Familienleben zu integrieren und um gute Bedingungen für eine folgende Schwangerschaft zu schaffen.

Problematisch wird es, wenn die Eltern über den Zeitpunkt einer erneuten Schwangerschaft nicht einig sind oder die Angst vor einer weiteren Fehlgeburt verstärkt auftritt. Ein Gespräch bei einer Beratungsstelle und Begleitung durch Fachpersonen kann helfen.»

Foto: privat

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