Tod, Trauer, Trennung: Mit Kindern schwierige Gespräche führen

Trennung vom Partner, Tod der Oma, tückische Freundschaften, Umzug in eine andere Stadt: Manche Themen trauen sich Eltern kaum anzusprechen – aus Angst, das Kind zu sehr aufzuwühlen, zu verunsichern, Wut oder Ablehnung zu entfachen. Doch schwierige Gespräche sind auch mit Kindern möglich.

Schwierige Gespräche mit Kindern führen

Wenn sich Eltern trennen, sollten sie wissen, wie sie es ihrem Kind erklären können. Foto: VStock, Thinckstock

Eltern sprechen mit Kindern über vielerlei. Während der Mahlzeiten, beim gemeinsamen Spiel und beim Ins-Bett-bringen diskutieren sie den Belag des Pausenbrotes, die Hausaufgaben, Nachbarn und Erzieherinnen, das Mittagessen und das Fernsehprogramm. Doch wenn es um eine schwere Krankheit, die Trennung vom Partner, den Tod der Oma oder unloyale Freunde handelt, geraten Eltern leicht ins Stocken. Gross ist die Sorge, nicht die richtigen Worte zu finden, das Kind zu verunsichern oder zu verschrecken. Doch auch schwierige Gespräche lassen sich mit Kindern fruchtbar führen. Denn auch sie haben das Bedürfnis, über das zu reden, was ihnen am Herzen liegt und so Auswege aus Trauer und Wut zu finden.

Die richtige Situation für schwierige Gespräche

Alle Situationen, die von einer gemeinsamen Tätigkeit geprägt sind, eignen sich gut für schwierige Gespräche. «Wer etwas zu tun hat, braucht sich nicht ständig anzugucken und kann ruhig auch mal schweigen», erklären Inge Sleeboom, Katrien van de Vijfeijken und Joop Hellendoorn in ihrem Buch «Was bewegt Dich?». «Zu Zeiten, als der Abwasch in den meisten Familien noch von Hand erledigt wurde, war dies eine hervorragende Hintergrundsituation für ein Gespräch zwischen Eltern und Kind.» Die Fahrt vom Sportverein nach Hause, ein gemeinsamer Spaziergang und das Schlecken von Eis sind ebenfalls Situationen, in denen sich schwierige Gespräche gut führen lassen. Allen gemeinsam ist der Vorteil, dass mit diesen Tätigkeiten auch der Dialog irgendwann ein natürliches Ende findet.

Eltern von Klein- und Kindergarten-Kindern können leicht beim Basteln oder Bauen mit dem Nachwuchs ins Gespräch kommen. «Durch das Umstossen eines Turms, festes Aufeinanderschlagen von Klötzchen oder kräftiges Kritzeln auf Papier können Emotionen anders als nur durch Worte ausgedrückt werden», erläutern Inge Sleeboom, Katrien van de Vijfeijken und Joop Hellendoorn einen weiteren Vorteil.

Kleine Tipps für schwierige Gespräche

  • Kinderbücher bieten geeignete Ausgangspunkte für schwierige Gespräche. «Warum ist Mama traurig?» lautet zum Beispiel ein Vorlesebuch für Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil. «Papa, wo bist Du?», «Ein Himmel für Oma», «Opa hat Krebs» - das sind nur wenige Beispiele für eine Fülle an Kinderliteratur, mit deren Hilfe sich Kinder mit ernsten Themen vertraut machen können.
  • Stille ist heilsam. Gesprächspausen haben eine klare Funktion. Sie bieten Zeit, in der Botschaften zu uns und zu anderen durchdringen können. «Gemeinsames Schweigen kann also eine gute Art der Kommunikation sein!», darauf weisen die Autorinnen hin. So gilt es, ruhig abzuwarten, wenn das Kind schweigt. Für den Erwachsenen kann der Gedanke, nicht ständig die Verantwortung für die nächste Aussage übernehmen zu müssen, erleichternd sein. In der Regel spricht das Kind nach kurzem Schweigen von selbst weiter.
  • Scherze eignen sich hervorragend, um schwierigen Gesprächen einen leichteren Ton zu geben. Ausserdem verstärkt gemeinsames Lachen das Vertrauensverhältnis. Wichtig ist aber, dass der Humor echt ist. Unechtes Lachen wirkt nicht ehrlich – und damit irritierend.

 

Voraussetzungen für schwierige Gespräche

Schwierige Gespräche gelingen nur dann, wenn der Erwachsene sich auf Augenhöhe des Kindes begibt. Diese Augenhöhe ist wörtlich zu nehmen: «Im Gespräch mit einem kleinen Kind darf man es nicht turmhoch überragen, sondern sollte zum Beispiel auf dem Boden liegen oder auf einem niedrigen Stuhl sitzen – oder das Kind auf einen hohen Stuhl setzen», erklären Inge Sleeboom, Katrien van de Vijfeijken und Joop Hellendoorn. Auf diese Weise fühlt sich das Kind als gleichberechtigter Gesprächspartner angenommen und kann sich öffnen.

«Ehrlich beginnen!» raten Experten Eltern, wenn sie schwierige Gespräche mit einem Kind eröffnen wollen. Sätze wie «Wir wollen jetzt etwas Wichtiges gemeinsam besprechen» schaffen leicht Distanz, weil das Kind die Unehrlichkeit der Aussage intuitiv durchschaut. Sinnvoll ist es, statt der «Wir»-Form die «Ich»-Form zu nutzen. «Ich möchte etwas mit Dir besprechen» oder «Ich möchte Dich etwas fragen», heisst es dann.

Zuhören ist die wichtigste Regel bei schwierigen Gesprächen

Wer eine schwierige Botschaft mitzuteilen hat, trägt sie ruhig vor. Anschliessend ist es wichtig, dem Kind Gelegenheit und Raum zu bieten, zu reagieren. So kann es seiner Verwunderung, Wut oder Trauer ausreichend Raum zu geben. Zuhören – das ist die wichtigste Regel, die zu einem guten Gespräch gehört. Das bedeutet auch, ernst und wichtig zu nehmen, was das Kind sagt. Statt mit einem «Ja, aber …» wegzuwischen, was das Kind sagt, gilt es, sich zu bemühen, die Botschaft des Kindes zu verstehen. Oft haben Kinder überraschend gute und originelle Lösungen.

Kindern in schwierigen Gesprächen Mut machen

Sich mit traurigen oder beängstigenden Botschaften abzufinden, fällt jedem schwer, nicht nur Kindern. Sinnvoll ist es, dem jungen Gesprächspartner Lösungsstrategien an die Hand zu geben, die Mut und Hoffnung geben, mit der Situation fertig zu werden. Ist die geliebte Oma gestorben, hilft es, einen Busch mit einem grossen Loch in der Mitte aufzumalen. «Die Hecke ist wie unser Leben. An dieser Stelle hat der Tod ein grosses Loch hineingerissen, das uns traurig macht. Doch jeden Tag wächst die Hecke wieder ein winziges Stück zu. Du kannst jeden Tag aufmalen, wie viel sie gewachsen ist. Am Ende wird nur ein kleines Loch bleiben, das uns immer wieder gerne an die Oma erinnert», so lässt sich eine aufmunternde und ehrliche Botschaft formulieren.

Weiterführende Links:

Buchtipp. Was bewegt Dich? Helfende Gespräche mit Kindern.

• Mit Kindern über Sexualität reden.

 

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