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Nach der Trennung: Wer betreut die Kinder wo?

Eltern, die sich trennen wollen, stehen vor der Frage, wie sie nach dem Beziehungs-Aus die Kinder betreuen werden: wer, wann und wo? Wir stellen drei Wohnmodelle vor.

Der Abschied fällt schwer: Nach der Trennung verändert sich die Wohnsituation

Der Abschied fällt schwer: Wenn sich Eltern trennen, sehen viele Kinder ihren Vater weniger. Bild: Getty Images, gradyreese

Eine Trennung verursacht bei Kindern oft eine starke Verunsicherung. Nicht nur, weil Vater und Mutter kein Paar mehr sind, sondern oft auch, weil ein Elternteil wegzieht. Das bedeutet, dass die Familie auseinander gerissen wird, und die Kinder in der Regel von nun an in zwei Wohnungen leben.

Je nach dem, wie sich die Eltern organisieren, ist letzteres nicht zwingend der Fall: So gibt es auch Wohnformen, bei denen die Eltern zwischen zwei Haushalten pendeln und die Kinder fix an einem Ort leben.

Bessere Entwicklung bei regelmässigem Kontakt

Verschiedene Studien zeigen auf, dass Kinder, die regelmässigen und häufigen Kontakt zu beiden Eltern haben, am wenigsten seelische Schäden davontragen. Gemäss Martin Widrig, Jurist an der Universität Freiburg, der mit der Familienrechtsprofessorin Hildegund Sündenhauf zum Thema alternierende Obhut geforscht hat, entwickeln sich Kinder im Wechselmodell häufig psychisch gesünder als Kinder in alleiniger Obhut eines Elternteils.

Im Wechselmodell betreuen die Eltern die Kinder in etwa zu gleichen Teilen in ihren nun getrennten Wohnungen – eben in alternierender Obhut. Es ist in der Schweiz allerdings weitaus weniger verbreitet als das Residenzmodell. Dabei haben die Kinder nur ein Zuhause bei einem Elternteil und besuchen den anderen regelmässig.

Alle Bedürfnisse berücksichtigen

In der Schweiz ist das Zuhause von Kindern nach einer Trennung in der Regel bei der Mutter. Dies aufgrund der stark verbreiteten traditionellen Rollenzuteilung, wonach der Vater Vollzeit, und die Mutter in einem kleinen Pensum erwerbstätig ist. Schweden, Norwegen oder Frankreich sind da weiter: Dort ist die alternierende Obhut mit bis zu 30 oder mehr Prozent verbreiteter. Gemäss Widrig würden auch die Eltern sehr vom Wechselmodell profitieren. Väter seien zufriedener, und auch mehrheitlich die Mütter. Denn diese hätten mehr Zeit für berufliche oder andere Tätigkeiten und seien weniger überlastet. Das neue Unterhaltsgesetz, das in der Schweiz seit Anfang 2017 in Kraft ist, sieht vor, dass man die alternierende Obhut prüfen soll, sofern dies ein Elternteil oder das Kind verlangt. Jedoch besteht kein gesetzlicher Anspruch darauf.

Doch nicht nur das Residenz- oder Wechselmodell sind mögliche Wohnformen nach der Trennung, einige Eltern entscheiden sich auch für das sogenannte Nestmodell. Wichtig bei der Entscheidung für das eine oder das andere Modell ist, dass es an die Bedürfnisse aller Beteiligten angepasst wird, die je nach Lebensphase und Gemüt unterschiedlich sein können. Einigen Kindern ist wohl dabei, zwischen den Wohnungen der Eltern hin- und herzupendeln, anderen ist dies zu unruhig und sie wünschen sich einen fixen Wohnort.

Das Nestmodell: Die Kinder bleiben, die Eltern pendeln

Würden Kinder wählen können, so würde das Nestmodell wohl weiter verbreitet sein: Die Kinder bleiben im vertrauten Daheim, die Eltern betreuen sie dort abwechslungsweise. Der Elternteil, der «frei» hat, wohnt in einer eigenen Wohnung. Für die Kinder verändert sich mit diesem Modell am wenigsten nach der Trennung. Für die Eltern bedeutet es: Sie müssen sich beide eine Wohnung oder ein WG-Zimmer ausserhalb des «Nests» suchen. Je nach Raumbedürfnis kann dies das Monatsbudget stark strapazieren. Doch es ist nicht zwingend teurer als die anderen Wohnmodelle. Ein Nest und zwei WG-Zimmer oder Studios können günstiger sein als zwei familientaugliche Wohnungen. Und auch wer mit einem neuen Partner zusammenlebt, kommt beim Nestmodell je nach dem günstiger davon.

Eines sollte man sich bei einer Trennung bewusst sein: Teurer wird es bei allen Wohnmodellen, da die Eltern nach der Trennung verschiedene Wohnräume beanspruchen. Das Nestmodell erfordert aber, anders als die anderen Wohnmodelle, klare Regeln für die Kinderwohnung: etwa zur Organisation des Haushalts, oder auch zur Frage, ob der neue Partner/die neue Partnerin ebenfalls dort ein- und ausgehen darf.

Das Wechselmodell: Gleich viel Zeit bei Vater und Mutter

Beim Wechselmodell hat jeder Elternteil eine genügend grosse Wohnung und die Infrastruktur, um das Kind an mehreren Tagen pro Woche betreuen zu können. Die Kinder haben zwei Zuhause. Das neue Daheim muss so gewählt werden, dass schulpflichtige Kinder ihre Schule von beiden Elternhäusern aus gut erreichen können.

Auch diese Wohnform hat für Kinder den Vorteil, dass sie nicht zwischen zwei Gemeinden hin- und herpendeln müssen, sondern an ihrem vertrauten Ort bleiben und ihre sozialen Kontakte pflegen können.

Je nach Verpflichtungen und Möglichkeiten der Eltern können für die Kinderbetreuung die Wochentage aufgeteilt werden, oder die Kinder wohnen eine Woche beim einen und die andere Woche beim anderen Elternteil. Idealweise sind die Eltern bereit, auch mal ausserhalb ihrer Betreuungszeit einzuspringen – das gilt sowieso für alle Wohnmodelle.

Das Residenzmodell: Fixe Struktur, Alltag nur mit einem Elternteil

Das Residenzmodell ist unter getrennten und geschiedenen Eltern am meisten verbreitet, da die Kinder nach der Trennung zumeist bei jenem Elternteil mehr Zeit verbringen, der sich bereits davor vorwiegend um sie gekümmert hat. Hierzulande ist das in der Regel die Mutter. Der andere Elternteil nimmt die Kinder jede Woche oder alle zwei Wochen ein oder zwei Tage zu sich.

Für Kinder gibt dies eine relativ ruhige Struktur und sie leben im Alltag in einer vertrauten Umgebung. Der grosse Wermutstropfen ist jedoch, dass sie einen Elternteil viel weniger sehen und kaum noch den Alltag mit diesem teilen können. Beide Eltern möglichst viel sehen zu können, ist jedoch für Kinder von fundamentaler Bedeutung. «Die häufige Abwesenheit von Vätern bei Kindern alleinerziehender Mütter zeigt negative Folgen, und ist namentlich Ursache für schlechtere Schulabschlüsse, für negative soziale und emotionale Entwicklung des Kindes, sowie für psychische Gesundheitsprobleme im Erwachsenenalter», schreiben Widrig und Sündhenhauf.

Für welches Modell auch immer Eltern sich entscheiden: Sehr wichtig sind geregelte Strukturen und Abläufe, auf die sich Kinder verlassen können. Und Eltern, die friedlich miteinander kommunizieren können.