«Kinder senken die Partnerschaftszufriedenheit entscheidend»

Nach neun Monaten Wartezeit können es Eltern kaum erwarten, ihr Erstgeborenes endlich in den Armen zu halten. Mit dem neugewonnenen Elternglück kommen jedoch auch Probleme: Nach der Geburt des ersten Kindes sinkt die Partnerschaftszufriedenheit durchschnittlich um die Hälfte. Wie es zu diesem Effekt kommt, erklärte Dominik Schöbi, Leiter der Abteilung klinische Familienpsychologie und Gesundheitspsychologie der Universität Fribourg, an der Fachtagung «Lebensphasen der Familie».

 

Machen Kinder unglücklich?

Kinder können stressig sein. Foto: Wavebreak Media - Thinkstock

Elternschaft als Risikophase: Veränderungen verstärken Beziehungsprobleme

Das erste Kind stellt das Leben seiner Eltern grundlegend auf den Kopf, denn es will Mamas und Papas Aufmerksamkeit rund um die Uhr. Plötzlich ist es vorbei mit der idyllischen Zweisamkeit; alles dreht sich um den Neuankömmling. Natürlich umsorgen und verwöhnen Eltern das neue Familienmitglied gerne, doch dies kann mit der Zeit auch ganz schön anstrengend werden. «Vor der Geburt des ersten Kindes befinden sich die Partner in einer Zeit des maximalen Handlungsspielraums. Sie gewinnen beruflich wie auch privat Autonomie, sind selbstständig und unabhängig», erklärt Dominik Schöbi. Nach der Geburt verändern sich Prioritäten und mehrjährig antrainierte Routinen funktionieren nicht mehr. Nach der ersten Euphorie realisieren Paare, dass Kinder vor allem eines bedeuten: Viel Arbeit, Geld und Zeit. In der Folge sind Eltern häufig müde, gereizt und überfordert. Dies wirkt sich auf den Alltag, das Selbstbild und vor allem auch auf die Partnerschaft aus. Plötzlich schrumpft die Welt; Reorganisation ist dringend nötig!

Partnerschaftsprobleme: Frauen sind unzufriedener

«Egal wie modern oder egalitär Paare vor dem ersten Kind eingestellt waren, mit der Geburt vollzieht sich eine Stereotypisierung der Geschlechterrollen», so Dominik Schöbi. Frauen sind oft diejenigen, die sich rund um die Uhr um das Baby kümmern und Männer übernehmen die Rolle des Ernährers. Viele Frauen leiden unter der starken, noch ungewohnten Belastung und haben zusätzlich mit hormonellen wie auch körperlichen Veränderungen zu kämpfen. Doch auch Männer haben es nicht leicht: Gleichzeitig sollen sie als Ernährer finanziell für die Familie sorgen und trotzdem so oft wie möglich am Familienleben teilhaben.

Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Rollenverteilung verstärken das Konkurrenzdenken der Paare, was zu Frustration, Feindseligkeit und Rückzug führen kann. Durch die Umstrukturierung des Familienalltags verringert sich die Zeit, in der Paare etwas zu zweit unternehmen. Verbringen sie dann doch einmal einen Abend zu zweit, drehen sich Gespräche um das Baby und allfällige Beziehungsprobleme. Diese haben sich nach der Geburt des ersten Kindes in den vergangenen Jahren immer mehr verstärkt, da der Druck der Gesellschaft auf die Familie stetig zunimmt. Eltern sollen Allrounder sein und gleichzeitig im Berufs- und Familienleben funktionieren.

Weshalb Kinder trotzdem eine Bereicherung sind

Düstere Prognosen für werdende Eltern? Dominik Schöbi entwarnt: «Kinder machen glücklich, weil es in der Natur der Menschen liegt, Eltern zu sein. Es gibt keine Krise, die für alle gilt». Obwohl die Partnerschaftszufriedenheit vieler Paare nach dem ersten Kind abnimmt, bei einigen sogar um die Hälfte, bleibt sie bei anderen Paaren auch nach der Geburt dauerhaft konstant oder erhöht sich sogar. Ein Neugeborenes weckt in den Eltern Liebe, Zuneigung und Stolz – positive Gefühle, welche nicht nur die Beziehung zum Baby, sondern auch die zum Partner verstärken. Auch können einige präventive Massenahmen den Beziehungsproblemen vorbeugen.

Präventive Massnahmen

  • Emotionen kontrollieren: Versuchen Sie, sich nicht in Situationen hineinzusteigern. Bleiben Sie ruhig und trainieren Sie Ihre Selbstregulationskompetenzen.
  • Belastungen ernst nehmen: Ignorieren Sie Belastungen nicht. Setzten Sie sich damit auseinander und versuchen Sie, aktiv eine Lösung zu finden.
  • Arbeiten Sie im Team: Kommunizieren Sie und gehen Sie Kompromisse ein.
  • Auszeiten nehmen: Erleben Sie positive Momente zu zweit. Lassen Sie Ihr Baby ruhig einmal bei einem Babysitter oder den Grosseltern.

 

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