Familienleben-User vergeben schlechte Noten für die Familienfreundlichkeit in der Schweiz

Zwei Drittel der familienleben-User finden, dass die Schweiz nicht familienfreundlich ist. Das ergab unsere Online-Umfrage, an der über 400 Nutzer teilnahmen. Fast 80 Prozent befürworten den Verfassungsartikel zur Familienpolitik, über den am 3. März landesweit abgestimmt wird. Er verpflichtet Bund und Kantone, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern und den Ausbau der Kinderbetreuung voran zu treiben.

Wie familienfreundlich ist die Schweiz?

Nur 32 Prozent der familienleben-User finden die Schweiz sehr oder eher familienfreundlich. Foto: iStockphoto, Thinkstock

«Im Ausland sind sie schon viel weiter», schreibt ein Teilnehmer unserer Umfrage, zum Beispiel in Norwegen oder Frankreich. Kein Wunder, dass 68 Prozent der familienleben-User angeben, dass die Schweiz weniger bis gar nicht familienfreundlich ist. Nachholbedarf gibt es überall. Die Mehrheit ist der Meinung, dass der Staat die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und Familien stärker finanziell unterstützen sollte. Häufig wünschen sich die Teilnehmer mehr Krippenplätze, Tagesschulen, Mittagstische und eine bessere Qualität in der Kinderbetreuung. Auch sollte der Staat mehr für die Frühförderung tun.

An der nicht repräsentativen Online-Umfrage, die vom 6. bis 20. März 2013 auf familienleben.ch lief, nahmen 431 Nutzer teil. Wir wollten wissen, ob der Staat den Familien mehr unter die Arme greifen soll. Denn am 3. März stimmt die Schweiz über den Familienartikel ab. Bund und Kantone werden darin verpflichtet, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Konkret heisst das: Die Kantone sollen Betreuungsplätze für Kinder ausbauen.

 

Mehr Teilzeitstellen für Männer gewünscht

Aber auch von den Firmen erhoffen sich die User mehr: Die Möglichkeit für Home Office, flexiblere Arbeitszeiten und Teilzeitstellen vor allem für Männer wird befürwortet. Manche wünschen sich Quoten für Frauen in Kaderpositionen. Andere sehen in Betreuungsplätzen in Firmen eine gute Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Die Hälfte stimmt zudem dem Punkt zu, dass der Stellenwert der Familie in der Gesellschaft steigen sollte. «Nachbarn sollten Kindern gegenüber toleranter sein», wünscht sich beispielsweise ein User. Einige würden es begrüssen, wenn Kinder überall willkommen wären, beispielsweise in Hotels, Restaurants und Freizeiteinrichtungen.

32 Prozent der Nutzer geben der Schweiz allerdings gute Noten in Sachen Familienfreundlichkeit. Sie sind der Meinung, dass sich der Staat bisher sehr gut für die Familie engagiert. Zum Beispiel in Form von Kinderzulagen, Steuervorteilen oder durch den Ausbau der Betreuungsplätze. Auch glauben sie, dass die Familie einen hohen Stellenwert in der Schweiz hat und Kinder überall willkommen sind.

Staat engagiert sich bisher zur wenig für die Familie

Dennoch, die Mehrheit (78 Prozent) der familienleben-User ist für den Verfassungsartikel zur Familienpolitik und damit für den staatlich geförderten Ausbau der Kinderbetreuung. Die meisten von ihnen sind der Meinung, dass sich der Staat bisher zu wenig für die Familie engagiert und es zu wenige Betreuungsplätze gibt.

Viele weitere Gründe sprechen für unsere User für den Familienartikel. «Weil partnerschaftliche Eltern gut für Kinder sind und wir hier auch kluge Kinder haben, die wir gut ausbilden könnten, wenn sich die Eltern gute frühe Bildung leisten könnten», heisst ein Argument. Ein andere Nutzer schreibt: «Man sollte das Potential an qualifizierten weiblichen Fachkräften ausschöpfen». Ähnlich sieht es ein weiterer familienleben-User: «damit ungenutztes Wissen und Erfahrung nicht vergeudet wird». Viele finden auch die Betreuungsplätze zu teuer: «Wenn beide Elternteile arbeiten, geht ein Lohn nur für die Kita weg», schreibt ein User.

22 Prozent sind gegen den Ausbau der Betreuungsplätze

Allerdings sind auch 22 Prozent der User gegen den staatlich geförderten Ausbau der Kinderbetreuung. Sie finden zum einen, dass sich der Staat nicht in die Angelegenheiten der Familie einmischen soll und zum anderen, dass die Kosten für den Ausbau der Betreuungsplätze zu hoch wären. Ein User schreibt: «Es sind die Arbeitgeber, die sich bewegen müssen». Manche merken an, dass alle Familien gleich unterstützt werden sollen, also auch diejenigen, die ihre Kinder selber betreuen. Andere sind komplett gegen saatlich geförderte Kinderbetreuung: «Fremdetreuung von Kindern sollte nicht begünstigt werden», schreibt ein Nutzer

Am 3. März werden alle Schweizer die Gelegenheit haben, sich zum Thema Familienfreundlichkeit zu äussern. Ginge es nach der Mehrheit der familienleben-User hätte der Verfassungsartikel zur Familienpolitik gute Chancen.

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