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Wie ist es, wenn die Geburt eingeleitet wird?

Wenn das Baby über Termin ist, das Fruchtwasser knapp oder die Herztöne absacken, empfehlen Ärzte häufig die Geburt einzuleiten. Doch was passiert bei einer Geburtseinleitung mit dem Körper der Frau? Und wie geht es dem Kind dabei? Zwei Mütter berichten von ihren Erfahrungen.

Wie ist es eine Geburt einzuleiten: Mütter berichten von Ihren Erfahrungen.

Endlich bist du da! Frauen bei denen die Wehen künstlich eingeleitet wurden, erleben häufiger eine traumatische Geburt. Bild: iStock

Fast jede fünfte Geburt wird in der Schweiz eingeleitet. Das ist doppelt so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt und noch sehr viel häufiger, als sich die werdenden Eltern wünschen. Sind die Ängste vor einer Geburtseinleitung berechtigt? Oder ist es ein gutes Mittel, um der Natur ein wenig auf die Sprünge zu helfen? Und wie fühlt es sich eigentlich an, wenn der Körper durch künstliche Hormone aufgefordert wird Geburtswehen auszulösen?

Zwei Mütter haben uns von ihren Erfahrungen mit der Geburtseinleitung erzählt. Beide haben ihre Kinder im Unispital Zürich zur Welt gebracht.

Protokoll einer Geburtseinleitung: Diana* (30), eine Tochter (49 cm, 3340 g)

«Das Gefühl, dass das Baby jetzt unbedingt raus muss, hatte ich nicht.»

Es war eine gute Schwangerschaft. Oder sagen wir, sie war okay. Ich hatte zwar eine leichte Schwangerschaftsdiabetes, zunehmend Rückenschmerzen und es war viel zu heiss im August. Aber das Gefühl, dass das Baby jetzt unbedingt raus muss, hatte ich nicht. Tatsächlich fürchtete ich mich ein wenig vor der Geburt. Deshalb war ich auch überrascht, als mir meine Frauenärztin am errechneten Geburtstermin sagte, mein Fruchtwasser werde allmählich knapp und man müsse dann wohl bald die Geburt einleiten.

«Was ist einleiten, überhaupt?«,fragte ich. Ich hatte mich vorher mit Haus- und Wassergeburten oder gebären auf dem Inka-Hocker auseinander gesetzt, nicht aber damit, dass mein Körper Hilfe brauchen könnte, damit mein Kind überhaupt raus will.
Man würde mir Hormone geben, die wehenfördernd seien, erklärte die Frauenärztin. «Und wie lange dauert das?», fragte ich. Das wisse man nicht genau, zwischen einem Tag und fünf sei alles möglich. Überhaupt, wisse man trotz des medizinischen Fortschritts immer noch nicht genau, durch was eine Geburt genau ausgelöst werde.

Warum man dann überhaupt einleite, wollte ich wissen. Weil niemand ein Risiko eingehen wolle, sagte sie. Ich hätte ja Schwangerschaftsdiabetes (mein Kind wog zum errechneten Geburtstermin um die 3000 g) und das Fruchtwasser werde langsam knapp. Das beruhigte mich überhaupt nicht.

Wann ist eine Einleitung der Geburt medizinisch indiziert?

  • bei sich verschlimmerten Schwangerschaftkomplikationen, wie z.B. einem vorzeitigen Blasensprung (Präemklampsie) ohne natürlichen Wehenbeginn
  • ab der SSW 42 wegen Übertragungsgefahr
  • unzureichender Versorgung des Babys über die Nabelschnur
  • bei Erkrankungen der Mutter oder des Kindes
  • zur Vermeidung eines Notfall-Kaiserschnitts

Sollte ich einleiten, weil meine Frauenärztin kein Risiko eingehen wollte? Machte mich, das zur schlechten Mutter, dass ich nicht alles tun wollte, um jedes Risiko zu vermeiden? Ich zweifelte, ich googelte, ich konnte mich nicht entscheiden, was das Richtige war. Von da an entglitt mir die Kontrolle.

«Ich wollte weg vom CTG, das drückte und juckte»

Ich musste noch die nächsten zwei Tage zum Herztöne (CTG) messen zu meiner Frauenärztin. Dann überwies sie mich ins Unispital. Dort wieder Herztöne messen, alles gut, aber man werde trotzdem einleiten, sagte die Ärztin. Leider sei aber im Moment kein Platz frei. Ich solle nachhause gehen, meine Tasche packen und warten bis der Anruf komme. Der Anruf kam nicht, drei Tage lang nicht. Dann klingelte mein Telefon morgens um 6 Uhr, ich solle sofort kommen.

Die Tatsache, dass man das Risiko sehr wohl eingehen konnte, mich tagelang warten zu lassen, verstärkte meine Zweifel. Ich sollte heute gebären, weil ein Kreissaal frei war. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Aber es kam auch nicht so. Nicht heute.

Mein Mann und ich fuhren direkt ins Spital. Dort wurde ich nochmal untersucht. Muttermund null Zentimeter geöffnet. Herztöne gut. Man werde jetzt einleiten.
Die Hebamme hängte mich an den Tropf, um mir intravenös Oxytocin zu geben und liess mich dauerhaft am CTG angeschlossen.

Den ganzen Morgen passierte nichts. Erst am späten Nachmittag spürte ich leichte Kontraktionen, aber mein Muttermund öffnete sich auch bis zum späten Abend keinen Zentimeter. Ich langweilte mich, ich wollte weg vom CTG, das drückte und juckte. Um mich abzulenken, spielte mein Mann mit mir «Wer bin ich?».
Man beschloss mich vom Oxytocin-Tropf für die Nacht zu lösen und morgen früh weiterzumachen. Mein Mann ging heim, die Hebamme auch. Und ich blieb allein im Kreissaal über Nacht.

«Von den Hebammen und Ärzten im Stich gelassen»

Am nächsten Tag morgen kam die Hebamme rein und sagt, man werde mir jetzt die doppelte Dosis Oxytocin geben. Ob ich das wollte, fragte niemand. Ich stutzte nur, sagte aber auch nichts. Am späten Vormittag gingen langsam stärkere Wehen los. Ich dachte, das ist gut. Jetzt geht es los. Aber das war es nicht. Die Wehen wurden immer heftiger und heftiger, aber mein Muttermund öffnete sich lediglich im Schneckentempo.

Irgendwann kam die Hebamme rein und dreht den Wehenschreiber runter, der die Stärke meiner Wehen aufzeichnete. Wie hoch die Kurve ausschlage, das sei nicht wichtig, entscheidend sei nur die Häufigkeit. Dann legte mir die Hebamme ihre Hand auf den Rücken und sagte, ich könne aber ein Aromaöl gegen die Schmerzen haben.

Die Schmerzen waren das Schlimmste, was ich bis dahin erfahren hatte. Obwohl mir mein Mann die Hand hielt und mich nach Kräften unterstützte, fühlte ich mich allein, von den Hebammen und Ärzten im Stich gelassen. Das bei Geburtseinleitungen Wehen in der Regel schmerzhafter sind und dass es zu Anomalien wie zu häufigen und zu starken Wehen kommen kann, hatte mir niemand erklärt. Ich erfuhr es erst sehr viel später.

«Sie sind ja gar nicht so wehleidig»

Weil es mit der Geburt offenbar noch lange nicht soweit war, die Wehen aber immer stärker und für mich unaushaltbar wurden, verlangte ich gegen 14 Uhr eine PDA. Man versuchte mir sie erst auszureden, weil sie den Geburtsvorgang verzögern könne, aber nach einer Stunde kam der Anästhesist dann doch. Die Belehrung musste alle zwei Minuten abgebrochen werden, weil ich mich vor Schmerzen windete und ich nicht aufnahmefähig war. Ich unterschrieb, irgendwie. Die PDA ging beinahe schief, weil ich im entscheidenden Moment wegen einer Wehe aufzuckte.

Aber dann wurde alles gut. Ich blieb am Tropf, aber die starken Kontraktionen hörten auf und der Muttermund begann sich in schnelleren Abständen zu öffnen. Die Geburt verlief dann komplikationslos und relativ schnell, auch ohne eine weitere PDA.

Die Ärztin, die ich bis zehn Minuten vor der Geburt gar nicht gesehen hatte, nähte um 20:30 Uhr meinen leichte Geburtsverletzung zu ohne eine lokale Betäubung. Und sie sagte zu mir: «Sie sind ja gar nicht so wehleidig!».

Wie es Caroline erging, lesen Sie auf der nächsten Seite.

«Als Mami und Hebamme kann ich SWICA nur empfehlen»

Swica

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