Warum Kleinkinder einen Mittagsschlaf halten sollten

Da liegt das Kind, völlig entspannt und schläft. Doch wenn aus Babys Kleinkinder werden, verändert sich das Schlafverhalten. Zeit, einen Mittagssschlaf zu etablieren, denn der verhilft dem Kind zu neuer Energie. Auf was Sie dabei achten sollten.

Tipps rund um den Mittagsschlaf

Der Mittagsschlaf bietet Kindern eine sichere Erholungsinsel in einem Alltag voller neuer Eindrücke. (Bild: romrodinka/iStock, Thinkstock)

Kommt das Baby auf die Welt, wirbelt es den Alltag der Eltern durcheinander und macht die Nacht zum Tag. Denn es hat noch keinen Schlaf-Wach-Rhythmus. Nur kurze Zeit ist es wach, bevor es dann erschöpft zurück in den Schlaf fällt, um neue Kraft für weitere Eindrücke und Erlebnisse zu tanken. Erst nach und nach kristallisieren sich zwei Schlafpausen im Tagesverlauf heraus.

So schläft ein Baby, sobald es etwa ein halbes Jahr alt ist, in der Regel am Vormittag und am Nachmittag. Dieser erste Rhythmus kommt nicht nur ihm, sondern auch Eltern zugute. Sie können sich mit der Zeit auf relativ regelmässig eintretende Ruhepausen einstellen.

Vom Genuss des Mittagsschlafes

Nähert sich der erste Geburtstag, ist das Kind am Vormittag wahrscheinlich immer weniger müde. Dann mag es zur bislang gewohnten Zeit einfach nicht mehr schlafen. Auf dieses veränderte Schlafbedürfnis gilt es, flexibel zu reagieren. Wenn sich der gewohnte Morgenschlaf in die Mittagszeit hinein zieht, entfällt dann meist der Nachmittagsschlaf.

Mittagsschlaf bietet ein gut planbares Zeitfenster

Ein guter Zeitpunkt, um den Mittagsschlaf zu etablieren. Er bietet nun für mehrere Monate ein relativ gut planbares Zeitfenster, um selbst auszuruhen oder um Dinge zu erledigen, die mit Kind zusammen nur schwer machbar sind.

Ein Kind ist am Tisch eingeschlafen

Von der Müdigkeit übermannt: Dieses Kind ist am Tisch eingeschlafen. (Bild: gofotograf/iStock, Thinkstock)

Wo Kinder tagsüber am besten schlafen

«Wo macht mein Kind am besten sein Nickerchen?», fragen sich Eltern oft. Es gibt keine Regel, wo ein Kind tagsüber am besten schläft. Der Mittagsschlaf kann im Tragetuch genauso erholsam sein wie im Kinderwagen oder im Kinderbett.

«Manche Eltern machen gute Erfahrungen damit, ihr Baby tagsüber genau so ins Bett zu legen wie abends – inklusive Abdunkeln des Schlafzimmers», schreibt die Autorin Nora Imlau in ihrem Buch «Das Geheimnis zufriedener Babys».

Zwei Kinder halten einen Mittagsschlaf im Kinderwagen

Manche Kinder halten ihr Mittagsschläfchen am liebsten im Kinderwagen. (Bild: pmphoto/iStock, Thinkstock)

Schlaf-Forscher geben jedoch laut Imlau zu bedenken, dass es für die Entwicklung eines Tag-Nacht-Rhythmus gut sei, wenn Babys durchaus den Unterschied zwischen einem kurzen Schläfchen am Tag und einem längeren Nachtschlaf spürten.

«Es darf ruhig etwas Tageslicht einfallen»

«Konkret heisst das: In das Zimmer, in dem das Baby schläft, darf ruhig Tageslicht hereinfallen und niemand muss auf Zehenspitzen durchs Haus schleichen», so Nora Imlau. Merkt ein Baby oder Kleinkind, dass am Tag das Leben um es herum weiter geht, lernt es: Zum Schlafen ist vor allem die Nacht da.

Wenn das Kind nicht schlafen …

Ein regelmässiger Mittagsschlaf gibt einem Kind Sicherheit. Er wirkt wie eine sichere Erholungsinsel in einem Alltag voller neuer Eindrücke für das Kind. Doch kein Mensch funktioniert nach der Uhr. Manchmal ist ein Kind früher, ein anderes Mal später müde. Und hin und wieder war die erste Tageshälfte so eindrucksvoll, dass das Kind so aufgekratzt ist, dass es gar nicht schlafen will.

Das Zeitfenster zum Schlafenlegen ist relativ eng

Oft hilft es, auf die gewohnten Müdigkeitsanzeichen zu warten. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind quengelig wird, gähnt, am Finger nuckelt und sich die Augen reibt, können Sie es hinlegen und schlafen lassen.

Das Zeitfenster, in dem sich ein Baby leicht hinlegen lässt, wenn es müde ist, ist relativ eng. Es dauert etwa zehn bis 15 Minuten. «Verpassen Eltern so ein Zeitfenster, tut sich erst etwa 45 Minuten später ein neues auf», erklärt Imlau.

… oder aufwachen will

Schreit Ihr Kind sehr lange, wenn Sie es im tiefen Mittagsschlaf wecken? Dann ist es orientierungslos. Besser ist es deshalb, ein Kleinkind möglichst ausschlafen zu lassen. Schläft es aber grundsätzlich so lange, dass es abends nicht in den Schlaf findet, versuchen Sie, es sanft zu wecken. Etwas mehr Lärm und etwas mehr Licht helfen, das Kind aus dem Schlaf zu holen, sobald er nicht mehr ganz so tief schläft.

Nickerchen in der Kita

Die Kinderbetten in einer Kita sind bereit für den Mittagsschlaf

Bereit für den Mittagsschlaf: Kinderbetten in einer Kita. (Bild: Ignatiev/iStock, Thinkstock)

Auch in der Kita brauchen Kleinkinder ihren Mittagsschlaf. Eltern können sich oft nicht vorstellen, dass ihr Kind in einem Raum mit vielen anderen Jungen und Mädchen einschlafen kann. Doch in der Regel klappt das gut, denn die Kinder sind nach einem langen Spielvormittag in der Kita einfach müde.

Gewohnte Schlafbegleiter sind wichtig

Wichtig ist, dass die gewohnten Schlafbegleiter mit von der Partie sind: der Nuggi, das Kuscheltier oder das Schmusetuch. Bei der Wahl der Kita sollten Eltern nachfragen, wie die Schlafregeln in der Betreuungsstätte sind. Gehen die Erzieherinnen flexibel auf das individuelle Schlafbedürfnis ein oder gibt es eine fixe Uhrzeit, wo die Kinder schlafen müssen? Wenn bis zu einem gewissen Alter die Kinder grundsätzlich schlafen müssen, gleichgültig ob sie müde sind oder nicht, kann das zu Tränen und Ärger führen …

Mittagsschlaf: Ein Ritual klingt aus

Der Genuss des Mittagsschlafs klingt oft schon im Alter von zwei bis drei Jahren aus. Dann haben die meisten Kinder immer weniger Lust auf den Mittagsschlaf. Sie sind zum gewohnten Zeitpunkt einfach nicht müde. Nach und nach verschiebt sich der Mittagsschlaf immer mehr nach hinten.

Sobald Ihr Kind abends Schwierigkeiten bekommt, einzuschlafen, weil der Mittagsschlaf noch nicht lange her ist, ist es sinnvoll, ihn ganz abzuschaffen. Das erfordert anfangs einige Nerven, denn ein müdes Kind am Spätnachmittag wachzuhalten bedeutet auch, sein Gequengel geduldig ertragen zu müssen. Dafür kann es nun abends etwas früher ins Bett gehen. Jetzt reicht der Nachtschlaf aus, um Kraft für einen ganzen Tag zu sammeln.

Pause statt Mittagsschlaf

Hält das Kind keinen Mittagsschlaf mehr, ist es sinnvoll, mit ihm eine ruhige Pause zu vereinbaren. In dieser Zeit kann das Kind ein ruhiges Spiel in seinem Zimmer machen, ein Hörspiel hören, Bilderbücher anschauen oder malen. Dies wird dem Sprössling gut tun.

«Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie nach dem Mittag eine halbe Stunde Ruhe brauchen und es sich in dieser Zeit in seinem Zimmer aufhält», rät die Mütter- und Väterberatung des Kantons Bern. «Wenn Sie die Pause regelmässig durchführen, entwickelt sich daraus eine selbstverständliche Gewohnheit.» Ein Küchenwecker helfe, dem Kind zu erklären, wann die halbe Stunde vorüber geht.

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