Stillen in der Öffentlichkeit: Haben wir ein Problem mit blanken Brüsten?

Tiefe Dekolletés auf Werbeplakaten sind kein Grund zur Aufregung. Blanke Brüste beim Stillen in der Öffentlichkeit schon.  Kürzlich wurde in Deutschland eine Mutter aus einem Bus verbannt, weil sie ihr Kind stillte. Könnte das bei uns auch passieren?

Stillen in der Öffentlichkeit: Im ÖV nicht immer willkommen

Stillen in der Öffentlichkeit ist in den öffentlichen Verkehrsbetrieben nicht immer willkommen. Foto: Brian McEntire, iStock, Thinkstock

Eine Mutter fährt in Hamburg in einem Bus der Hochbahn. Während der Fahrt stillt sie ihr Baby, weil es Hunger hat. Eigentlich die normalste Sache der Welt. Eine Mitfahrerin fühlt sich allerdings gestört und beschwert sich beim Chauffeur. Dieser hält den Bus an und verkündet via Lautsprecher, dass die Mutter mit dem Stillen aufhören soll oder den Bus verlassen muss. Der Mutter bleibt nichts anders übrig als den Bus zu verlassen.

Stillen in der Öffentlichkeit ist auch im Jahr 2015 noch keine Selbstverständlichkeit. Eine Bloggerin machte den Vorfall Anfang Juni publik. In den sozialen Netzwerken und auf Blogs riefen Freunde der Frau dazu auf, sich bei der Hochbahn zu beschweren. Die Hochbahn bestätigte gegenüber dem «Abendblatt» den Vorfall und entschuldigte sich bei der Mutter. Sie wollen ihre Fahrer ganz klar darüber informieren, dass so ein Verhalten nicht zulässig ist.

Verkehrsbetriebe in der Schweiz sind tolerant

Wir haben bei fünf Verkehrsbetrieben in der Schweiz nachgefragt, ob Sie eine solche Situation auch schon erlebt haben und wie ihr Personal darauf reagieren würde. Dagmar Jenny, Mediensprecherin der Basler Verkehrs-Betriebe liegen keinerlei Beschwerden vor: «Sollte es vorkommen, dass sich ein Fahrgast bei unserem Fahrpersonal beschwert, weil er sich durch eine stillende Frau gestört fühlt, würde unser Personal den Fahrgast bitten, sich an einen anderen Platz zu setzen. Keinesfalls würde die Frau gebeten, das Fahrzeug zu verlassen». Ähnlich tönt es bei Bernmobil. Sie haben keine Regeln für das Personal, sagt Rolf Meyer, Leiter Unternehmenskommunikation, aber: «Es ist klar, dass wir ein Handeln nach Augenmass verlangen. Wenn das Brust geben diskret erfolgt, ist nichts dagegen einzuwenden. Es kommt immer auf die Situation an. Eine Mutter wird nicht zu Spitzenzeiten im Bus ihr Baby stillen wollen».

Stillen in der Öffentlichkeit verbieten

Bei den Luzerner Verkehrsbetrieben VBL sieht man keinen Grund dafür das Stillen in der Öffentlichkeit zu verbieten, sagt Christian Bertschi, Kommunikationsverantwortlicher bei der VBL. «Wir hatten bislang zu diesem Thema nie eine Kundenreaktion erhalten. Es gibt ja auch Möglichkeiten, dass man in diskreter Art sein Kind stillen kann. Wir vermuten, dass in unseren Bussen weniger gestillt wird, da unsere Fahrgäste oft nur kurze Strecken im Bus zurücklegen». Familienfreundlich zeigt sich auch die SBB. Bei ihnen sind Familien und Mütter mit Kleinkindern herzlich willkommen sagt Christian Ginsig, stellvertretender Leiter Medienstelle. «Da viele Eltern mit Kindern ganz bewusst die Familienwagen für ihre Reise nutzen, sind kritische Stimmen schon aus diesem Grund grundsätzlich kein Thema bei der SBB».

Stillen in der Öffentlichkeit sollte überall möglich sein, findet Miriam Wille vom Schweizerischen Hebammenverband SHV: «Ganz viele Frauen machen dies, wie die Frau im Bus, sehr diskret und es wird oftmals nicht bemerkt. Das Kind ist zufrieden und weint nicht. Weinen und Quengeln ist meiner Meinung nach im öffentlichen Verkehr für alle Beteiligten einiges unangenehmer. An welchem Orten nicht gestillt werden sollte, hängt ja oft von den vor Ort anwesenden Personen ab. Nicht vom Ort an sich».

Reklamationen gibt es immer

Stillende Frauen sind bei den Verkehrsbetrieben in der Schweiz kein Thema. Reklamationen gehören aber bei allen Betrieben zur Tagesordnung. Auch Familien stehen ab und zu im Zentrum, sagt Daniela Tobler Mediensprecherin der Verkehrsbetriebe Zürich: «Der Kinderwagen ist ein häufiges Thema: Familien beschweren sich, dass wir zum Beispiel Haltestellen nicht schön genug anfahren um nahtlos auszusteigen, der Bus nicht gewartet hat oder es zu viele Kinderwagen im Bus und Tram hat und keinen Platz mehr für weitere. Andere beschweren sich, die Familien hätten zu laute Kinder und diese nicht im Griff».  Es gebe auch Reklamationen über pöbelnde Jugendliche, sagt Tobler weiter. Bei den Verkehrsbetrieben Zürich sei grundsätzlich alles erlaubt, was nicht störe.

Babys stillen ist die normalste Sache der Welt

Trotzdem löst das Brust geben in der Öffentlichkeit auch im Jahr 2015 noch Diskussionen aus. Es gibt unterschiedliche und oft auch sehr persönliche Gründe sagt Miriam Wille vom Schweizerischen Hebammenverband SHV. «Ob es nun damit zusammenhängt, dass die Brust bei uns viel mehr Sexsymbol ist, als mit der Ernährung des Säuglings zu tun hat oder ob sich jemand fremdschämt, weil man so etwas einfach nicht macht».  Es gibt auch Frauen, die beleidigt und traurig sind, wenn sie eine stillende Mutter sehen, weil es bei ihnen mit dem Stillen nicht geklappt hat. Am einfachsten sei es für Mütter wenn sie sich beim Stillen aufs Kind einlassen, dann nehme man die Blicke der Umgebung gar nicht wahr, sagt Wille. «Ich glaube nicht, dass diese Blicke immer böse oder schief gemeint sind. Viele sind sich einfach den Anblick nicht mehr gewohnt. Somit entspricht es der natürlichen Neugierde, dass Mann oder Frau hinguckt ohne zu werten».

Einfache Tipps zum Stillen in der Öffentlichkeit:

  • Es gibt spezielle Stillbekleidung. Diese Mode macht es möglich, ganz diskret zu stillen. Sie können auch einen Stillschal oder ein Stilltuch nehmen. Beides können sie als Accessoires benützen.
  • Wo ist der nächstgelegene Stillort? Schauen Sie in der MamaMap nach. Dort können Sie einen ruhigen Raum zum Stillen nutzen
  • Unterwegs stillen: in der Umkleidekabine während des Einkaufens, im Auto auf dem Parkplatz oder auf einer Parkbank. Schauen Sie herum, es gibt viele Möglichkeiten. Getrauen Sie sich.
HiPP

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