Freizeit > FesteAls Samichlaus unterwegs: Bereit für den grossen Auftritt? Sigrid Schulze «Samichlaus – da kommt er!» Den Samichlaus leibhaftig zu sehen, vielleicht sogar mit ihm zu sprechen, ist für Kinder ein eindrucksvolles Erlebnis. Wenn du als Samichlaus unterwegs bist, kannst du viel dafür tun, dass die Begegnung warm, würdevoll und kindgerecht bleibt – und als schöne Erinnerung trägt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Wer einen autentischen Samichlaus abgeben will, ist hier richtig beraten. Foto: iStock, Dmitriy Shironosov, Thinkstock «Samichlaus wie bin ich froh, dass du au zu mir bisch cho», so rufen Kinder erwartungsvoll den Samichlaus herbei. Damit du sie nicht enttäuschst, lohnt sich Vorbereitung wie bei einem guten Schauspiel: Stimme, Tempo, Haltung und Worte. Du prägst damit ein Stück weit das Bild vom Heiligen Nikolaus, dem einstigen Bischof von Myra. Umso stimmiger wird dein Auftritt, wenn du seine Kernidee vermittelst: Wärme, Mutmachen, und das Eintreten für Menschen, die Unterstützung brauchen. Die Kleidung vom Samichlaus Zuunterst trägst du als Samichlaus ein weisses, langes, gerade geschnittenes Kleid, die «Albe» (lat: weiss). Ein Gürtel hält die Albe über dem Bund zusammen. Darüber kommt ein weiss-rot-goldener Umhang. Auf dem Kopf thront die Mitra, eine doppelspitzige Mütze, auf der ein Kreuz abgebildet ist. In die Hand gehört ein Hirtenstab. Dunkle Stiefel brauchst du auch – wie sonst durch den Winterwald? Und ja: Samichlaus darf sichtbar «winterlich» wirken. Wenn du schlank bist, kann ein Kissen unter dem Mantel helfen. Wer mag, streift noch weisse Handschuhe über. Klar, dass der Sack mit den Geschenken nicht fehlen darf. «Die Verkleidung des Nikolaus soll uns an einen besonderen Bischof erinnern und Kindern nicht die Begegnung an eine Himmelsgestalt vorspielen», so Otto Kromer, Autor des Buches «Nikolaus er zu den Kindern kommt». Ein gutes Kostüm ist die Grundlage für deinen Auftritt. Kümmere dich rechtzeitig um passende Kleidung im Kostümverleih oder über einen Samichlaus-Verein. Probiere alles einige Tage vorher an: Sitzt der Bart? Schleift die Albe? Hält die Mitra? Denke auch an ganz Praktisches: Beim Durchschreiten von Türrahmen rechtzeitig bücken, damit die Mitra nicht kippt. Und plane Pausen ein – ein ruhiger Samichlaus wirkt sicherer als ein gehetzter. Samichlaus-Besuch gut vorbereiten Geschenke besorgen: Geschenke gehören dazu, stehen aber nicht im Vordergrund. Ideal ist es, wenn alle Kinder dasselbe bekommen – das vermeidet Vergleiche. Das muss nichts Teures sein. Nüsse und Früchte gehören zur Tradition. Kleine, selbstgemachte Dinge oder ein einfacher Gruss passen gut. Originelle Weihnachtsbaum-Anhänger können noch viele Jahre an den Besuch des Nikolauses erinnern. Lege ein paar Reserve-Säckli bereit, falls mehr Kinder da sind als erwartet. So geht niemand leer aus. Eckdaten recherchieren: Du brauchst eine Liste mit den Namen aller Kinder und ein paar Eckdaten: Wo wohnen sie? Haben sie Geschwister? Wie alt sind sie? Für einen respektvollen Auftritt reichen wenige, verlässliche Informationen – lieber kurz und korrekt als viele Details, die dann nicht stimmen. Briefe an die Kinder: Eine schöne Sitte ist es, Eltern einen Brief an ihr Kind schreiben zu lassen, den du bei deinem Besuch vorlesen kannst. «Ich weiss alles» – solche Worte machen Kindern leicht Angst. Du kannst bei der Wahrheit bleiben: «Deine Eltern haben mir erzählt …» So wird der Brief persönlich, ohne bedrohlich zu wirken. Download/Copy-Box: Muster-«Elternbrief» (kurz) Betreff: Ein Gruss für [Name] Liebe:r Samichlaus Wir möchten dir kurz etwas über [Name] erzählen: • Was wir gerade an [Name] schätzen: [z.B. «Du hilfst oft beim Tischdecken und tröstest, wenn jemand traurig ist.»] • Was [Name] in letzter Zeit geübt hat: [z.B. «Du versuchst, dich morgens selbst anzuziehen.»] • Ein Wunsch als Ich-Botschaft (ohne Druck): «Ich wünsche mir, dass du …» [z.B. «… beim Streit mit deiner Schwester kurz stoppst und zuerst sagst, was du brauchst.»] Danke, dass du [Name] Mut machst und stärkst. Herzlich [Unterschrift Eltern/Bezugsperson] Anfahrt: Schau vorher die Route an und plane Reservezeit ein. Kinder sollen nicht warten müssen, weil du im Stau stehst. Und: Parkiere nicht direkt vor dem Haus – die Illusion lebt davon, dass du «ankommst», nicht «aussteigst». Nikolaus nicht als Erziehungshelfer missbrauchen Als Gegenpol zum gütigen Nikolaus entstanden mit der Zeit furchteinflössende Begleiter, die ungezogene Kinder einschüchtern sollten: in der Schweiz der Schmutzli, in Deutschland Knecht Ruprecht, in Österreich und Bayern Krampus. Doch braucht der Samichlaus den Schmutzli? «Die finsteren Begleiter kommen aus anderen Brauchtumstraditionen und haben mit der ursprünglichen Heiligengestalt nichts zu tun», sagen Kritiker. «Ein Mann in einem braunen Kapuzenmantel und mit schweren Stiefeln kann Kindern leicht Angst machen.» Wenn ein Schmutzli dabei ist, gilt umso klarer: Auf einer Samichlaus-Feier haben Massregelungen, Drohungen und Beschwerden nichts verloren. Ein «Sündenregister», aus dem Verfehlungen vorgelesen werden, beschämt. «Der Heilige Nikolaus war kein strenger Aufpasser, sondern ein liebevoller Mensch. Daher ist die Nikolaus-Feier nicht der geeignete Zeitpunkt, Kinder vom Schnuller zu entwöhnen, sie zum freiwilligen Aufräumen zu erziehen und ihnen Versprechen für das laufende Jahr abzunehmen», darauf weist Otto Kromer hin. Stattdessen kannst du den Samichlaus als selbstlosen, engagierten Christen darstellen, der sich um Schwache und Notleidende kümmerte und sich als Anwalt der Kleinen gegen die Machthaber stellte. Elternbrief statt Sündenregister Viele Familien wünschen sich heute einen Samichlaus-Besuch, der stärkt statt beschämt. Das passt auch zu dem, was Fachpersonen zur kindlichen Entwicklung betonen: Kinder lernen nachhaltiger durch Beziehung, Vorbild und Ermutigung als durch Angst. Ein Elternbrief ist dafür ideal – wenn er wertschätzend und konkret bleibt. So formulieren Eltern «Lob + Wunsch» ohne Druck Wenn du Eltern beim Vorgespräch anleitest, hilft diese einfache Struktur: 2–3 positive Beobachtungen, dann 1 Wunsch als Ich-Botschaft. Das klingt zum Beispiel so: «Ich habe gehört, du hast in letzter Zeit oft geteilt. Das ist stark.» «Deine Eltern haben mir erzählt, wie du dich bemühst, morgens ruhiger zu starten.» «Ich wünsche mir, dass du, wenn du wütend wirst, kurz tief durchatmest und sagst: ‹Stopp, ich brauche Hilfe.›» Wichtig: Keine Drohung, kein Deal («nur wenn du … bekommst du …»). Der Besuch soll kein Druckmoment werden, sondern ein Beziehungs- und Mutmachmoment. Was der Samichlaus niemals sagt (No-Go-Liste) No-Go-Checkliste: Drohung & Beschämung vermeiden Diese Sätze und Muster lässt du weg – sie können Angst auslösen oder das Kind blossstellen: • «Ich weiss alles über dich.» • «Du warst böse / schlecht.» • «Wenn du nicht …, dann nehme ich dich mit / bekommst du nichts.» • «Deine Schwester ist viel braver als du.» • Verfehlungen öffentlich vorlesen oder vor allen «abfragen». • Körperliche Nähe erzwingen («Gib mir einen Kuss», «Komm auf den Schoss») – das Kind entscheidet über Abstand und Kontakt. Schmutzli modern denken Wenn ein Schmutzli dabei ist, kann die Rolle heute bewusst neu interpretiert werden: als ruhiger Helfer im Hintergrund, der Organisation und Leichtigkeit reinbringt. So bleibt der Samichlaus präsent, und Kinder, die sich schnell fürchten, werden nicht zusätzlich belastet. Rolle: Organisieren, Tragen, Humor - nicht Drohen Eine zeitgemässe Schmutzli-Rolle kann so aussehen: Praktisch: Er trägt den Sack, achtet auf den Ablauf und hilft beim Verteilen, ohne sich in den Mittelpunkt zu drängen. Beruhigend: Er spricht wenig, bewegt sich langsam und bleibt auf Augenhöhe (auch körperlich: lieber hinhocken als über Kinder «drüberragen»). Humorvoll, aber sanft: Kleine, freundliche Gesten sind ok (z.B. «Oh, ich habe fast den Nüssli-Sack verwechselt!»), aber keine Angstmache. Umgang mit Rute und Sack: Wenn eine Rute überhaupt dabei ist, dann höchstens als historisches Symbol – nicht als Drohobjekt. Ein Sack ist für Geschenke da, nicht «für Kinder». Das sollte auch in Sprache und Spiel klar bleiben. Sensible Darstellung: Warum schwarze Gesichtsschminke heute problematisch sein kann - und welche Alternativen es gibt Schmutzli ohne Blackface Schwarze Gesichtsschminke («Blackface») kann als rassistische Darstellung gelesen werden, weil sie historisch mit der Abwertung schwarzer Menschen verbunden ist. Für einen respektvollen Samichlaus-Besuch gilt darum: keine komplette Schwarzfärbung des Gesichts. Bessere Alternativen: • Braune Kutte, Kapuze, Handschuhe – die Rolle funktioniert auch ohne geschminktes Gesicht. • «Rußig/erdig» nur sehr dezent (z.B. ein wenig Schmutz an der Nase oder am Mantel), ohne Hautfarbe zu imitieren. • Fokus auf Requisiten und Verhalten (Sack tragen, leise helfen) statt auf Gesichtsfärbung. Schweiz-Box: Samichlaus-Vereine, Kirche, Schule In vielen Gemeinden in der Schweiz wird der Samichlaus-Besuch von Vereinen, Pfarreien, Quartiergruppen oder Schulen organisiert. Das erleichtert die Planung und sorgt oft für gemeinsame Standards – gerade bei Kinderschutz und Umgangston. Buchung & Timing (wann anfragen, Spenden/Kosten) Viele Teams sind rund um den 6. Dezember stark ausgelastet. Frag früh an, besonders für Samichlaus-Abende in Quartieren, Schulen oder Vereinen. Je nach Organisation gibt es fixe Zeitfenster pro Familie/Gruppe (oft kurz und konzentriert), und statt «Preis» wird häufig eine Spende oder ein Unkostenbeitrag vorgesehen. Kläre auch: Wer stellt Kostüm und Säckli, wer organisiert Nüsse/Früchte, und wie läuft der Ablauf konkret? Kinderschutz & Diskretion (Notizen, Fotos, Privatsphäre) Gerade wenn du in einem Verein oder im Rahmen von Kirche/Schule unterwegs bist, gelten heute höhere Erwartungen an Diskretion: Notizen zu Kindern sollten auf das Nötigste beschränkt sein, sicher aufbewahrt und nach dem Anlass zeitnah entsorgt werden. Fotos oder Videos machst du nur, wenn die Eltern klar zustimmen – und du achtest darauf, dass Kinder nicht gegen ihren Willen fotografiert werden. Auch wichtig: Keine körperliche Nähe erzwingen, keine «Strafrituale», keine Blossstellung. Ein guter Samichlaus schafft Sicherheit, auch für schüchterne oder neurodivergente Kinder, indem er langsam spricht, Pausen zulässt und Abstand respektiert.