Freizeit > FesteValentinstag: Mit Kindern das Fest der Liebenden feiern Sigrid Schulze Auch mit Kindern lässt sich der Valentinstag feiern: nicht als «Kauf-Tag», sondern als Anlass für Wertschätzung, Zugehörigkeit und kleine Gesten. Viele Kinder interessieren sich schon früh für Verliebtsein, Freundschaft und Familie – und sie haben oft ganz eigene, kluge Fragen dazu. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Am Valentinstag liegt überall Liebe in der Luft. Foto: Orbon Alija, iStock, Getty Images Plus Sicher: Wenn vom Valentinstag am 14. Februar die Rede ist, reiben sich Blumenhändler und Florist:innen die Hände. Zu kaum einem anderen Zeitpunkt im Jahr machen sie einen so hohen Umsatz wie am Tag der Verliebten und Liebenden. Trotzdem kann Valentinstag mehr sein als ein Werbeanlass: Für Familien ist er eine schöne Gelegenheit, über Liebe in all ihren Formen zu sprechen – über Familienliebe, Freundschaft, Zuneigung, Respekt und darüber, wie man Grenzen achtet. Das stärkt Kinder sozial und emotional. Ursprung des Valentinstages Der Valentinstag geht zurück auf den Heiligen Bischof Valentin von Terni, der im dritten Jahrhundert in Rom Brautpaare nach christlichen Ritualen traute – in einer Zeit, in der Christ:innen im Römischen Reich verfolgt wurden. Für seinen Mut musste er sterben: Enthauptet wurde er auf Befehl des Kaisers Claudius II. am 14. Februar. Weil er verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten schenkte, gelten Blumen bis heute als passendes Präsent. Valentinstag als Familien-Tag: Worum es (Kindern) wirklich geht Viele Eltern fragen sich: «Ist Valentinstag nicht viel zu erwachsen?» Für Kinder geht es selten um Romantik im Erwachsenen-Sinn. Häufig steht etwas anderes im Vordergrund: Ich bin wichtig. Ich gehöre dazu. Jemand hat an mich gedacht. Wenn ihr das als Familie in den Fokus rückt, wird Valentinstag zu einem warmen, alltagstauglichen Ritual – ohne Druck, ohne Kitsch, ohne Perfektionsanspruch. Familienliebe vs. Verliebtsein: kindgerechte Erklärung Du kannst deinem Kind helfen, Begriffe zu sortieren – ganz einfach, ohne grosse «Grundsatzrede»: Familienliebe ist das sichere Band: «Ich bin für dich da, auch wenn wir streiten.» Freundschaft ist Verbundenheit im Alltag: «Wir mögen uns, teilen, helfen, lachen.» Verliebtsein kann sich kribbelig anfühlen: «Ich denke oft an diese Person, bin nervös, will in ihrer Nähe sein.» Wichtig: Alle drei Formen sind wertvoll. Und bei Kindern kann «verliebt» auch einfach bedeuten: «Ich finde dich toll.» Das darf leicht sein. Freundschaft zählt: «Du bist mir wichtig» ohne Schwarm-Druck Gerade in Kita und Primarschule kann Valentinstag schnell das Gefühl auslösen, man müsse «jemanden haben». Nimm den Druck raus, indem du Valentinstag als Wertschätzungstag rahmst: Karten für Freund:innen, Grosseltern, Nachbar:innen, Geschwister oder die Person, die im Alltag oft hilft. So lernt dein Kind: Liebe ist nicht exklusiv – und Zuneigung zeigt sich auch in Fürsorge und Respekt. Mit Kindern über die Liebe sprechen Kinder interessieren sich nicht für die Liebe? Eltern vertun sich da leicht. Wann warst du das erste Mal verliebt – in den Klassenkameraden, in das Nachbarsmädchen? Valentinstag bietet einen guten Anlass, mit Kindern über Verliebtsein, Freundschaft und Zugehörigkeit zu sprechen – und darüber, wie man andere fair behandelt. Vielleicht möchtest du erzählen, wie ihr Eltern euch kennengelernt habt, woran du gemerkt hast, dass du verliebt bist, oder wie sich tiefe Freundschaft anfühlt. Hilfreich ist eine Haltung, die nicht bewertet, sondern neugierig bleibt: «Erzähl mir mehr.» Genau diese wertschätzende Grundhaltung wird auch in Angeboten der Elternbildung CH (2021) als zentral beschrieben. Kinderfragen in 2 Minuten «Was ist Liebe?» – «Liebe ist, wenn dir jemand wichtig ist und du gut mit dieser Person umgehen willst.» «Bin ich verliebt?» – «Vielleicht. Manche merken das an Kribbeln, viele daran, dass sie oft an jemanden denken.» «Muss ich jemandem etwas schenken?» – «Nein. Eine freundliche Geste reicht – und manchmal ist ‘Nein danke’ auch okay.» «Darf ich jemanden küssen/umarmen?» – «Nur wenn die andere Person das auch möchte. Fragen ist mutig und respektvoll.» «Was, wenn ich keine Karte bekomme?» – «Das tut weh. Wir schauen gemeinsam, was dir jetzt hilft und mit wem du darüber reden willst.» «Ist es peinlich, jemanden zu mögen?» – «Gefühle sind nicht peinlich. Wichtig ist, dass du respektvoll bleibst.» Gesprächsimpulse für Eltern Wenn Kinder über Liebe sprechen, geht es oft um sehr konkrete Situationen: Wer sitzt neben wem? Wer darf mitspielen? Wer hat mir geschrieben? Mit ein paar offenen Fragen hilfst du deinem Kind, Gefühle zu benennen und soziale Situationen einzuordnen. 10 Fragen, die Kinder wirklich beantworten können «Wer war heute freundlich zu dir?» «Wann hast du dich heute dazugehörig gefühlt?» «Gibt es jemanden, dem du ‘Danke’ sagen möchtest?» «Was bedeutet ‘eine gute Freundin/ein guter Freund’ für dich?» «Woran merkst du, dass dir jemand wichtig ist?» «Was machst du, wenn du nervös bist, weil du jemanden toll findest?» «Was ist für dich ein schönes Kompliment – und was nicht?» «Was würdest du dir wünschen, wenn du traurig bist?» «Gab es heute eine Situation, die unfair war? Was hätte geholfen?» «Wie möchtest du, dass andere deine Grenzen respektieren?» Grenzen & Consent am Valentinstag: Umarmen/Küssen ist immer freiwillig Valentinstag ist ein guter Moment, um eine einfache Regel zu verankern: Körperkontakt ist immer freiwillig. Das gilt für Umarmungen, Küsse, «Gspändli»-Druck, aber auch für Erwachsene in der Familie. Du kannst deinem Kind Sätze anbieten wie: «Nein danke, ich möchte das nicht» oder «Frag mich bitte zuerst». Und umgekehrt: «Darf ich dich umarmen?» Diese Haltung stärkt Kinder und ihr Wohlbefinden: Kinder sollen ernst genommen werden und Sicherheit über Beziehungen erfahren. Rituale statt Geschenke Geschenke können schön sein – müssen aber nicht. Gerade für Familien ist es oft entspannter, wenn Valentinstag als kleines Ritual statt als Einkaufsprojekt funktioniert. Rituale geben Kindern Sicherheit: «So machen wir das bei uns.» «Rituale statt Geschenke» Wir planen etwas, das maximal 15 Minuten dauert. Alle dürfen mitmachen, niemand muss. Wir fokussieren auf Worte, Zeit oder Hilfsbereitschaft statt auf Geld. Wir vermeiden Vergleiche: «Bei anderen ist es grösser.» Wir sprechen vorher ab: Karten/Schoggi ja oder nein? Wir beenden den Tag mit einem Satz: «Heute hat mir an dir gefallen, dass …» Love-Notes: 5-Minuten-Briefchen Schneidet kleine Zettel zurecht und schreibt (oder malt) Mini-Botschaften. Das geht auch mit wenig Zeit: «Ich mag an dir, dass du …» «Danke, dass du mir heute geholfen hast bei …» «Mit dir macht mir Spass: …» «Ein Moment heute, der schön war: …» Für Teenager: «Ich sehe, wie du dich anstrengst mit …» Komplimente-Runde am Abend (auch für Geschwister) Setzt euch kurz zusammen: Jede Person sagt zwei Sätze – einen über sich («Heute war ich mutig, weil …») und einen an jemand anderen («Ich fand toll, dass du …»). Für Geschwister kann das ein echter Gamechanger sein, weil Anerkennung nicht nur bei Streit vorkommt. Familien-Act-of-Service: «Heute helfe ich dir bei …» Statt Dingen schenkt ihr Entlastung. Kinder erleben dabei: Liebe zeigt sich in Taten. Tisch decken/abräumen ohne Diskussion Jemandem eine Geschichte vorlesen Mit dem Hund rausgehen Ein Spiel auswählen, das die andere Person liebt Eine Entschuldigung aussprechen und es wiedergutmachen Eine kleine Aufgabe übernehmen, die sonst nervt (z.B. Schulsack parat machen) Dankbarkeitsglas (Start am 14.2., weiterführen bis Ende Monat) Stellt ein Glas hin und legt Zettel bereit. Jede Person schreibt (oder malt) täglich einen kleinen Dankbarkeitsmoment. Am Monatsende lest ihr alles vor. Das stärkt den Blick für Gelungenes – und wirkt oft gerade in stressigen Familienphasen verbindend. Praktische Ideen: kleine Geschenke, die Kinder selbst machen können Ob dein Kind am Valentinstag seinem Schwarm etwas bastelt oder einfach einer netten Person eine Freude machen möchte: Eine liebevolle Geste kann viel bedeuten. Denk auch an Menschen, die sich über Post oder Besuch besonders freuen: die ältere Nachbarin, Grosseltern, ein Freund im Spital oder die beste Freundin – einfach, weil sie wichtig ist. Blumen selber basteln Wer mag, kann Blumen leicht selber basteln. Die sehen nicht nur schön aus, sondern sind auch besonders haltbar. Dazu braucht es meist nicht mehr, als der Haushalt an Materialien hergibt. Schon ein Eierkarton, Schere und Leim reichen um eine hübsche Blume herzustellen. Auch aus Muffin-Förmchen, Krepp- und Tonpapier entstehen Blüten für die Ewigkeit. Hier geht's zu unserer Anleitung. Ein schönes Bild malen Kinder, die lieber zum Pinsel greifen, können auf vielfältige Weise jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Eine gute Idee ist, nicht «perfekt» malen zu wollen, sondern etwas Persönliches: Lieblingsfarben, ein gemeinsames Erlebnis, ein Symbol (Herz, Sonne, Blume) oder ein kleines «Danke» dazu. Für Kinder ist das oft leichter als ein «Liebesbild». Gedichte zum Valentinstag schreiben Nicht nur Blumen, auch Gedichte gehören zum Valentinstag wie der Hase und die Eier zu Ostern. Mit Worten zu spielen und Reime zu entdecken, macht Kinder zu stolzen Schriftsteller:innen. Deinem Kind fällt es schwer, Reimwörter zu finden? Das macht nichts: Gedichte dürfen sich reimen, müssen es aber nicht. Gut geeignet für Kinder sind sogenannte «Elfchen», die grundsätzlich aus nur fünf Zeilen bestehen. Das einzige Wort der ersten Zeile bezeichnet das Thema, zum Beispiel «Wiedersehen», «Frühling» oder «Blume». Die zweite Zeile beschreibt mit nur zwei Wörtern das Thema. Die dritte Zeile mit drei Wörtern beginnt immer in der «Ich»-Form. Was man am Thema mag (oder nicht) lässt sich in der vierten Zeile mit vier Wörtern beschreiben. Das Ende markiert die fünfte Zeile mit einer Eigenschaft das Thema. Wiedersehen Wiedersehen Ist toll Ich freue mich drauf. Wir spielen zusammen. Juchhe! Das Haus zum Valentinstag schmücken Im trüben Winter das Haus bunt zu schmücken, tut vielen Familien gut. Kinder lassen sich oft dafür begeistern, Girlanden zu basteln. Rote Herzen lassen sich leicht auf Pappe malen, ausschneiden und auf ein Garn fädeln. Was innen schmückt, lässt sich oft auch draussen finden – zum Beispiel Tischschmuck. Haben deine Kinder Lust, bei einem Spaziergang nach Steinen in Herzform Ausschau zu halten? Die lassen sich später zu Hause mit Acrylfarbe bunt anmalen. Auch Blätter und Hölzer in Herzform eignen sich als Tischdeko. Bunte Blumen im Fenster sind darüber hinaus ein toller Hingucker. Valentinstag in Schule & Kindergarten In Gruppen kann Valentinstag kippen: in Leistungsdruck («Wer hat am meisten?») oder in Ausgrenzung («Wer bekommt nichts?»). Du kannst als Elternteil viel abfedern – mit klaren Absprachen und einer inklusiven Haltung. Inklusion: niemand bleibt ohne Karte (Regeln für Eltern) Wenn Karten oder kleine Aufmerksamkeiten Thema sind, helfen einfache Regeln: entweder für alle oder für niemanden. Gerade in Kindergarten und Unterstufe ist «nur für einzelne» oft sozial explosiv. Frag früh bei der Klassenlehrer:in nach, wie es gehandhabt wird. Süssigkeiten & Allergien: pragmatische Alternativen Süsses ist naheliegend, aber nicht immer praktisch (Allergien, Unverträglichkeiten, Zahnprophylaxe, Regeln der Schule). Einfache Alternativen: Sticker, ein kleines Ausmalbild, ein Herz aus Papier, ein Kompliment-Zettel oder ein selbstgemaltes Mini-Bild. Das ist oft sogar persönlicher – und verursacht weniger Druck. Wenn dein Kind ausgeschlossen wird: was du sagen/ tun kannst Wenn dein Kind traurig ist, weil es «nichts bekommen» hat, hilft zuerst Mitgefühl statt Relativieren: «Das tut weh. Ich verstehe das.» Danach kannst du sortieren: War es eine allgemeine Regel? Gab es Missverständnisse? Braucht dein Kind Unterstützung, um Kontakte zu knüpfen? Sinnvoll sind dann kleine, konkrete Schritte: mit der Lehrperson sprechen, ein gutes Gspändli stärken (Playdate/Spielplatz) oder ein Ritual zu Hause, das Zugehörigkeit spürbar macht (Komplimente-Runde, Dankbarkeitsglas). Bei anhaltendem Leidensdruck ist es okay, Beratung beizuziehen. Valentinstag in der Klasse: 7 Do’s & Don’ts Do: Vorher abklären, ob Karten/kleine Gesten erlaubt sind (Regeln der Schule). Do: Wenn es Karten gibt, dann möglichst für alle Kinder der Gruppe. Do: Aufwand klein halten (z.B. eine Karte, ein Sticker) – weniger Vergleich, mehr Ruhe. Do: Allergien/Unverträglichkeiten respektieren; besser Nicht-Essbares wählen. Don’t: «Top 3»-Geschenke oder öffentliche Übergaben, die Hierarchien schaffen. Don’t: Druck aufbauen («Du musst jetzt auch…»). Do: Kinder anleiten, freundlich Nein zu sagen und Grenzen zu respektieren. Unser Valentins-Special: So machen Sie Ihren Liebsten mit selbstgemachten Geschenken zum Valentinstag eine Freude. Die schönsten Sprüche zum Valentinstag Eigene Karten zum Valentinstag basteln