Kinderbuchklassiker: Warum Heidi & Co noch immer unsere Herzen erwärmen

Sie haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel, doch ihr Alter ist ihnen einfach nicht anzumerken. Schweizer Kinderbuchklassiker sind bemerkenswert jung geblieben. Derzeit geniessen Schellen-Ursli, Heidi, Rösslein Hü, Fridolin, Pitschi und viele andere eine ganz besondere Welle der Zuneigung.

Schweizer Kinderbuchklassiker sind beliebt

Es gibt viele Schweizer Kinderbuchklassiker.

Heidi ist bereits 135 Jahre alt. Doch noch immer hüpft das Mädchen als aufgewecktes Naturkind leichtfüssig in den Bergen herum. Mit seinem offenen Herz für alles, was lebt, gewinnt es nicht nur die Menschen rund um die Hütte des Alpöhis und im Tal für sich. Heidi rührt selbst in Japan und der Türkei die Menschen mit ihren lustigen Einfällen. Mehr als 500 Millionen Mal wurde Johanna Spyris Roman verkauft, öfter als ein Dutzend Mal begegnete er uns in verschiedenen Verfilmungen. Im Dezember bringt der Schweizer Regisseur Alain Gsponer Heidi gross raus: Im Kino mit Bruno Ganz als Alpöhi.

Schellen-Ursli erschien bereits in der 32. Auflage
 

Schellen-Ursli mit seiner grossen Glocke

Heidi und Schellen-Ursli auf der Leinwand

Heidi – eine besondere Erfolgsgeschichte? Sicher. Doch keine Ausnahmeerscheinung. So kommt auch der Schellen-Ursli, der im gleichnamigen Bilderbuch Generationen von Kindern begeistert, in diesem Jahr gross raus. Xavier Kollers «Schellen-Ursli» spielte sich gleich nach seiner Leinwand-Premiere im Oktober ganz oben in die Kino-Charts. Im Schweizer Verlag Orell Füssli erscheint die Vorlage aus dem Jahr 1945 mit den Texten von Selina Chönz und den Illustrationen von Alois Carigiets bereits in der 32. Auflage.

Geballte Ladung an Neuauflagen

Es scheint, als gäbe es derzeit eine geballte Ladung an Neuauflagen und Verfilmungen von Kinderbuchklassikern. So legte der Atlantis-Verlag in diesem Jahr gleich zwei Bilderbücher des 2013 verstorbenen Schweizer Autors Max Bolliger mit frischen Illustrationen für Kinder ab vier Jahren neu auf. «Das Riesenfest» veranschaulicht, dass auch Kleine ganz gross sein können. Mit «Alois», dem kleinen übermütigen Stier, der aus Versehen das Lämmchen überrennt, können sich aufgeweckte Kinder gut identifizieren. Neu auf dem Markt ist auch eine Gesamtausgabe der Märchen der Brüder Grimm, illustriert vom berühmten Schweizer Grafiker Herbert Leupin. Die liebevollen und phantasievollen Illustrationen waren erstmals zwischen 1944 und 1949 erschienen.

Es gibt eine geballte Ladung an Neuauflagen

Es gibt eine geballte Ladung an Neuauflagen.

«Kinderbuchklassiker generell beliebt»

«Die geballte Ladung an Neuauflagen und Kinofilmen in diesem Jahr ist Zufall», sagt Christine Tresch, Leiterin der Literaturförderung beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM). Klassische Kinderliteratur sei generell beliebt. «Erwachsene kaufen für Kinder gerne Bücher, die sie kennen und an die sie gute Erinnerungen haben. Eltern, Patentanten, Grosseltern und Lehrpersonen müssen sich bei den Kinderbuchklassikern nicht fragen, ob sie gut sind. Sie geben die Geschichten weiter, weil sie ihnen selbst gefallen haben.» Ähnlich äussert sich Andrew Rushton, Stellvertretender Verleger beim Züricher NordSüd Verlag: «Menschen setzen gerne auf das, was sie kennen und was sie an ihre eigene Kindheit erinnert.» Kinderbuchklassiker seien für Menschen, die ein Buch verschenken wollen, also immer eine sichere Wahl.

Geschichten, die Generationen verbinden

Rösslein Hü und Fridolin

Geschichten die viele Generationen verbinden.

So verbinden klassische Geschichten viele Generationen, wie zum Beispiel «Die lustigen Abenteuer des Rösslein Hü» der Britin Ursula M. Williams, die 1938 zum ersten Mal erschienen. Übersetzt wurden die Abenteuer des Holzpferdes, das dem Spielzeugschnitzer Onkel Peter helfen will, vom Schweizer Kinderbuchautor Franz Caspar. Er schrieb auch den Kinderbuchklassiker vom Dackel «Fridolin» der sein verloren gegangenes Halsband sucht. Längere Zeit waren die beiden Bücher vergriffen. Jetzt aber hat der der Orell Füssli Verlag sie neu für Kinder ab acht Jahren aufgelegt. Ronny Förster, Medienverantwortlicher im Bereich Kinderbuch des Orell Füssli Verlages, weiss, dass diese Geschichten immer wieder Gespräche in Gang setzen. «Jeder will erzählen, was er mit dem Buch erlebt hat», berichtet er.

Kinderbuchklassiker sind zeitlos

Pitschi

Aus den 50er Jahren das Kätchen Pitschi

Was macht Kinderbuchklassiker aus wie zum Beispiel Hans Fischers Bilderbücher aus den 50er Jahren vom Kätzchen Pitschi, das am liebsten ein anderes Tier wäre. Was fasziniert so sehr am lebhaft träumenden «Tschipo» des Schweizer Schriftstellers Franz Hohler? Kinder aller Generationen können sich mit den kleinen Protagonisten und Heldinnen identifizieren. «Kinderbuchklassiker schildern archetypische Geschichten», darauf weist Christine Tresch hin. «Heidi beispielsweise erzählt die Geschichte vom Waisenkind, aber auch die Geschichte vom Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Zivilisation und Natur. So lässt sich das Buch auf vielseitige Weise lesen.»

Kinderbuchklassiker als nationales Kulturgut

«Die Bücher von Globi oder Papa Moll, die zu den bekanntesten Figuren der Schweiz gehören, sind Klassiker aufgrund der Popularität der Figuren, des Humors oder der Themenbreite ihrer Abenteuer», erklärt Ronny Förster, «Schellen-Ursli ist ein Klassiker aufgrund des Themas und der symbolischen Bedeutung für die Schweiz. Kurz: Schellen-Ursli und die weiteren Geschichten von Alois Cargiet und Selina Chönz gehören zum nationalen Kulturgut».

Kinderbuchklassiker: Herausragende Qualität

Tschipo

Tschipo von Franz Hohler.

Vor allem aber erzählt ein Klassiker seine Geschichte auf herausragende Weise – entweder mit Hilfe des Textes oder der Bilder. «Es gibt manche Bücher aus den letzten Jahrzehnten, die toll geschrieben sind, es dennoch nicht zu Kinderbuchklassikern gebracht haben, zum Beispiel Agatha Kellers «Happy End mit Skarabäus», das 1972 den Schweizer Jugendbuchpreis erhielt. Eine durch und durch moderne Erzählung», bedauert Christine Tresch. Eine gute Geschichte braucht einen Verlag, der sich für sie einsetzt, einen Film, der sie in Umlauf bringt oder eine Auszeichnung, die den Wert der Geschichte bestätigt. Einmal bekannt geworden, sorgt das Buch dann für kontinuierliche Verkaufszahlen. «Die Verlage können bei den Kinderbuchklassikern auf die Eltern zählen», sagt Christine Tresch. In der Regel werden sie im Medienverbund durch Bücher, Filme, Computerspiele und Hörspiele breit abgestützt. Andrew Rushton: «Gerade in dieser Zeit, in der die Kinder- und Jugendbuchszene nach neuer Identität sucht, könnten Kinderbuchklassiker ein Vakuum füllen.»

Weitere empfehlenswerte klassische Kinderbücher mit Schweizer Bezug:

«Der schweizerische Robinson», nacherzählt von Peter Stamm

Wer kennt nicht Robinson Crusoe, der einst auf einer einsamen Insel voller Zwerge landete? Peter Stamm hat die Geschichte anhand einer sechsköpfigen Schweizer Familie für Kinder ab zehn Jahren neu erzählt.

Neue Abenteuer von Globi und Globine:

Globis gelber Schnabel steht nicht still. Seit mehr als 80 Jahren erzählt der Vogel mit Baskenmütze und rot-schwarz-karierter Hose in Bilderbüchern, Comics und Hörspielen seine Geschichten. In «Globis Wald- und Wiesenkochbuch» präsentiert er Kindern ab sechs Jahren nun auch interessante, aber weniger bekannte Rezepte. Seine Kumpelin Globine erlebt in «Globine und die verschwundenen Pferde» ein spannendes Abenteuer, das für Kinder ab fünf Jahren geeignet ist.

Klassische Kinderbücher mit Schweizer Bezug


 

«Heute bin ich» von Mies van Hout

Auch Fische haben Gefühle, sogar viele verschiedene. Heute ist er traurig, dann wütend, neidisch, fröhlich. Beim Anschauen der Bilder erfahren Kinder ab drei Jahren, dass Gefühle – welche auch immer – zum Leben gehören und lernen, sie zu benennen. Mit mehr als 160.000 verkauften Exemplaren hat das Buch Potenzial zum Klassiker.

Heute bin ich

 

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Die Rubrik Freizeit wird Ihnen präsentiert von OMO. OMO ist Ihr Experte für saubere Wäsche und strahlende Farben. Kinder sind aktiv und sollten Ihre Umwelt unbeschwert entdecken können. Ob bei Abenteuern in der Natur, beim Sport oder anderen Freizeitaktivitäten, Schmutz gehört einfach dazu. mehr »

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