«Das Bilderbuch ist ein Hafen»: Marcus Pfister über gute Kinderbücher

«Ich muss noch eben die Pinsel auswaschen», ruft Marcus Pfister und bietet schnell einen Platz an. Der Autor und Illustrator des weltberühmten Regenbogenfischs hat in seinem Atelier in Bern gerade seine neusten Ideen illustriert. Ein Gespräch über gute Kinderbücher und ihre Inspiration.

Regenbogenfisch-Autor Marcus Pfister zeichnet in seinem Büro

Der Autor des Regenbogenfischs in seinem Atelier: Hier erprobt er neue Ideen und Maltechniken. Bild: Michèle Graf.

Der NordSüdVerlag hat Ihnen jetzt eine Ausstellung mit Ihren Illustrationen aus Ihrer bisherigen Schaffenszeit gewidmet. Wie ist es für Sie all diese Bilder an einem Ort versammelt zu sehen?

Marcus Pfister: Ich kenne diese Bilder natürlich. Mir ging es bei dieser Ausstellung darum eine etwas andere Perspektive zu zeigen. Man kennt ja vor allem den Regenbogenfisch. Ich wollte auch unbekanntere Bilder zeigen. In den ersten Jahren habe ich Aquarelle gemalt. Nach dem Regenbogenfisch hatte ich das Gefühl, dass ich was anderes ausprobieren will: Acryl und Leinwand. Dann kamen mal fast ein Schwarz-Weiss-Buch oder ganz bunte Sachen. Die Abklatschtechnik hatte für mich einen grossen Reiz. Aber im Moment probiere ich schon wieder etwas Neues aus.

Dürfen wir spionieren?

Ja, die Geschichte wollte ich auch mit der Abklatschtechnik machen, aber jetzt probiere ich es mit Acryl. Ich habe gerade angefangen. Ich weiss noch nicht, was daraus wird. Im Moment sind es ein Bär und ein Hase.

Wie sind Sie auf diese Figuren gekommen?

Es ist oft so, dass ein Buch das andere inspiriert. In einem Kinderwörterbuch von mir war ein Teddybär, mit dem ich gerne noch etwas machen wollte. Jetzt bin ich vom Teddy wieder weggekommen zu einem lebendigen Bären. Bisher habe ich erste Farbskizzen erstellt und versuche verschiedene Perspektiven.

Ihre Ausstellung heisst «Bilderwelten». Wenn man Ihre Illustrationen betrachtet, fällt auf, dass sie sehr reduziert und ruhig wirken. Ist das nicht ein krasser Gegensatz zum heute üblichen Spielzeug, das knallig leuchtet und glitzert?

Es gibt zwei Gegensätze. Einerseits Wimmelbücher, die sehr überladen sind und andererseits solche Kinderbücher wie meine. In den Wimmelbüchern kann das Kind viele Sachen entdecken. Ich konzentriere mich im Bild und in der Geschichte auf das eigentliche Thema. Viele Details würden vom eigentlichen Inhalt ablenken. Wenn ich im Buch «Lisas Mohnblumen» viele Blumen und Insekten gezeichnet hätte, wären Lisa und ihre Blume nicht im Mittelpunkt. Wie beim Regenbogenfisch: Da habe ich nur Fisch und einen Hintergrund gemalt. Das Gleiche passiert beim Text: Er muss ganz stark reduziert werden. Bei «Lisas Mohnblume» war das zum Beispiel nur noch ein Satz bei einer Doppelseite. Das funktioniert natürlich nicht bei allen Geschichten.

Marcus Pfister hat Lisas Mohnblume geschrieben.

Das Buch Lisas Mohnblume ist in wenigen Wochen entstanden. Bild: ©Marcus Pfister, NordSüd Verlag 2013

Sie haben «Lisas Mohnblume» als das Ideal von einem Kinderbuch bezeichnet. Darin freundet sich die kleine Lisa mit einer Blume an und lernt einiges über den Kreislauf des Lebens. Warum ist diese Geschichte nicht so erfolgreich wie der Regenbogenfisch?

Diese Reduktion, die hier gelungen ist, war das, was ich angestrebt hatte: mit nur wenigen Worten Emotionen hervorrufen. Es ist deshalb nicht besser gelungen als der Regenbogenfisch. Ich sehe darin nur verwirklicht, was ich persönlich gut finde. Aber das ist sicher Geschmackssache. Das sind Liebhaberbücher.

Wie sind Sie auf Lisa gekommen?

Das ist eine Geschichte, die ich schon sehr lange erzählen wollte, bestimmt seit zehn oder 15 Jahren. Aber ich hatte nie den Text oder die Technik. Erst als ich das erste Buch mit der Abklatschtechnik gemacht hatte, ging plötzlich der Knopf auf. Das Buch ist in wenigen Wochen entstanden.

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