Ein kleiner Schritt für eine Maus, ein grosser für Torben Kuhlmann

Sonntagvormittag. Erde. Der Lesungssaal ist voll mit neugierigen Kindern und Erwachsenen. Kinderlachen mischt sich gelegentlich in die Stille, die eintritt, sobald der grosse Mann mit Béret zu erzählen beginnt. Torben Kuhlmanns «Armstrong» verleiht der Phantasie Flügel und eine Zeit lang fühlt man sich tatsächlich schwerelos.

Geschafft! Der Held aus Torben Kohlmanns «Armstrong» erkundet den Mond.

Die gewitzte Maus aus «Armstrong» ist den Menschen immer ein paar Schritte voraus - auch auf dem Mond! Bild: Torben Kuhlmann, ©2016 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz

Es gibt Bilderbücher für Kinder, es gibt Bilderbücher für Erwachsene und es gibt solche für alle. Letztere sind natürlich die besten – und dank Torben Kuhlmann zum Glück wieder häufiger in den Regalen zu finden. Mit «Lindbergh», seinem Debüt-Werk, schaffte er es 2015 über den grossen Teich, mit «Armstrong» gelingt ihm ein weiterer Senkrechtstart. Aber abgehoben ist Torben Kuhlmann trotz seines Erfolgs nicht. Er meint sogar: «Ich hatte meine Chancen, einen Verleger für Lindbergh zu finden, relativ klein eingeschätzt.» Der Bestseller, der mittlerweile in über 20 Sprachen übersetzt wurde, entstand als Diplomarbeit im stillen Kämmerlein. Vielleicht ist dies gerade der Ort, wo Genialität zu blühen beginnt.

«Für schlaue Mäuse ist nichts ein Problem!» 

Durch ein Teleskop bestaunt eine wissbegierige Maus jede Nacht den Mond. Ihre präzisen Beobachtungen führen sie zum überraschenden Ergebnis, dass der Mond eine riesige Kugel aus Stein ist. Als sie aber versucht, ihre Artgenossen über den steinernen Himmelskörper aufzuklären, stösst sie auf Unglauben. Jede Maus sollte schliesslich wissen, der Mond ist aus köstlichem Käse gemacht! Beherzt, das Gegenteil zu beweisen und ermutigt durch eine erfahrene Flieger-Maus (der gealterte Protagonist aus «Lindbergh»), entschliesst sich die kleine Maus, zum Mond zu fliegen. Doch die Reise ist gefährlicher als gedacht. Die ersten beiden Versuche, sich mit Flugapparaten in den Sternenhimmel zu katapultieren, scheitern grandios. FBI-Agenten werden auf das versteckte Treiben aufmerksam und setzten alles daran, den Missetäter zu finden. Glücklicherweise ist die gewitzte Maus den Menschen immer einen Schritt voraus – auch auf dem Mond.

Besonders Kinder finden sich in der ganz aus Mäuseperspektive erzählten Geschichte wieder. Sie können sich mit dem pelzigen Helden identifizieren, der Höhen- genauso wie Tiefflüge erlebt. Auch ihnen erscheint die Welt rundherum manchmal überwältigend und mitunter furchteinflössend. Doch die Maus geht in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel voran und weiss sich in der Welt der Grossen zu behaupten. Erwachsene Leser finden diebisches Vergnügen darin, den Basteleien der Maus mit stibitzten Utensilien der Menschen zuzusehen. So wird ein Autoscheinwerfer zur Mondkapsel umfunktioniert, ein Tintenfass dient als Helm für den Raumanzug.

Kuhlmanns künstlerischer Anspruch

Kuhlmann agiert als Regisseur, der mit geschickten Perspektivwechseln und unterschiedlicher Ausleuchtung einzelne Szenen komponiert. Bemerkenswert an «Armstrong» ist Kuhlmanns eigene Form der Bild-Text-Synthese. Seine Illustrationen spinnen die Handlung weiter und treten damit aus dem Rahmen der typischen Erzählstrukturen in Bilderbüchern hervor. Kuhlmann spielt mit der doppelseitigen Totale: Es gibt viele Panoramen, die ohne Worte auskommen – und vielleicht gerade darum so wirkungsvoll sind. Die Maus baumelt an einer Schnur über dem Times Square, unter sich die Strassenschlucht: In den Händen von Kindern wird die Szene zu einem lebendigen Gemälde. Um die opulenten Aquarellillustrationen ganz zu erfassen, sollte man sich den Luxus gönnen und verweilen. Die präzisen Skizzen von technischen Details wirken so professionell, dass die fantastische Geschichte irgendwie glaubwürdig wird.

«Armstrong»

«Armstrong» ist Torben Kuhlmanns drittes Buch beim NordSüd Verlag. ©2016 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz

Gestreuter Humor wie Käse auf den Macaroni

Die wohl grösste Pointe kommt zum Schluss: Die Notizen, die nach dem Start des kleinen Astronauten zurückbleiben, bewegen die Menschen, 17 Jahre später ebenfalls zum Mond aufzubrechen. Bei Kuhlmann treten die Menschen somit in die Fussstapfen einer kleinen Maus. Wortwörtlich. Kuhlmann streut feinen Humor in seinen Text wie Käse auf die Macaroni. Kinder kichern und atmen auf. Wir landen sanft wieder auf der Erde in einem Lesungssaal in Zürich Seefeld. Zurück bleibt der kindliche Wunsch: «Nochmal!»

Eines ist sicher: «Armstrong» schreibt Geschichte. Und wir mögen es ihm von Herzen gönnen.

 

Text: Fabienne Eisenring im November 2016

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