Kinderkrankheiten: Windpocken, Scharlach und Masern

Wenn ein Kind über Bauchschmerzen klagt, Fieber oder Hautausschlag hat und selbst das Lieblingsessen von sich schiebt, werden Eltern nervös: «Was hat das Kind?» fragen sie sich. Hier finden Sie wichtige Informationen und Tipps zu häufigen Kinderkrankheiten.

Kinderkrankheiten: Scharlach, Winpocken, Masern

Hautausschlag: ein typisches Symptom für die Windpocken. Foto: iStock, Thinkstock

Verbreiten sich in Windeseile: Windpocken

Ärzte diagnostizieren in der Schweiz etwa 20.000 Windpocken-Fälle pro Jahr bei Kindern. Windpocken werden vom Varicella-Zoster-Virus ausgelöst. Die Krankheit kann bakterielle Hautinfektionen, Lungenentzündungen sowie Hirn- und Hirnhautentzündungen hervorrufen. «Von 100.000 erkrankten Kindern sterben zwei Kinder an den Komplikationen, die mit Windpocken verbunden sind», so lautet die traurige Bilanz des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Zwar kann niemand mehr Windpocken bekommen, der sie einmal hatte, wohl aber ist es möglich, an Gürtelrose zu erkranken. Gürtelrose zeigt sich in einem streifenförmigen Hautausschlag mit Blasen, der oft von anhaltenden Schmerzen begleitet wird.

Windpocken: die Symptome

Rote, juckende Pusteln, die sich zu Bläschen entwickeln: So sehen Windpocken aus. Sobald sie ausgetrocknet sind, bilden sie eine Kruste. Das Kind hat darüber hinaus Fieber und fühlt sich schlapp.

Windpocken: der Krankheitsverlauf

«Windpocken verlaufen in Schüben, sodass täglich neue Flecken zu den schon bestehenden Krusten dazukommen», erklärt Dr. med. Ursula Keicher.

Windpocken: die Ansteckungsgefahr

Bis die Krankheit nach einer Ansteckung ausbricht, vergehen zwei bis drei Wochen. Ansteckend für andere ist das Kind, sobald der Ausschlag ausgebrochen ist. Die Ansteckungsgefahr bleibt bestehen, bis die letzte Kruste abgefallen ist.

Windpocken: die Behandlungsmöglichkeiten

Windpocken lassen sich nicht speziell behandeln. In der Regel verschreibt der Arzt Fieberzäpfchen, manchmal auch eine antibiotische Salbe. Gegen Juckreiz hilf Lotio alba, das rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Ursula Keifer: «Um Narben und Hautinfektionen zu vermeiden, sollten Sie Ihrem Kind die Nägel kurz schneiden, dann kann es sich die Windpocken nicht so leicht aufkratzen.» Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt allen 11- bis 39-Jährigen, die noch keine Windpocken hatten, sich gegen die Krankheit impfen zu lassen.

Kann mehrmals auftreten: Scharlach

Scharlach wird durch eine spezielle Sorte von Bakterien, sogenannten Streptokokken, hervorgerufen. Da verschiedene Streptokokken-Arten die Krankheit auslösen, kann Scharlach im Gegensatz zu vielen anderen Kinderkrankheiten mehrmals auftreten.

Scharlach: die Symptome

Das Kind ist schlapp. Das Fieber ist hoch. Der Hals tut weh. So weh, dass das Kind nicht essen mag. Der Hautausschlag – rot und sehr kleinflächig - fällt nicht immer leicht ins Auge. Kinder, die Scharlach haben, bekommen oft stark gerötete Wangen. Der Belag der Zunge ist erst weisslich, dann himbeerfarben.

Scharlach: der Krankheitsverlauf

«Die Krankheit beginnt mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und schnell ansteigendem Fieber», so Dr. med. Ursula Keicher, Kinderärztin und Autorin des Ratgebers «Kinderkrankheiten. Schnell erkennen – gezielt behandeln». «Zwei bis drei Tage nach den ersten Krankheitszeichen bildet sich der Hautausschlag, der innerhalb weniger Tage wieder verschwindet. Ein bis drei Wochen später schält sich die Haut, vor allem an Hand- und Fussflächen.»

Scharlach: die Ansteckungsgefahr

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liegen zwei bis vier Tage. Nimmt das Kind ein Antibiotikum, besteht bereits zwei Tage danach keine Ansteckungsgefahr mehr. Ansonsten ist eine Ansteckung noch wochenlang möglich. Dr. med. Ursula Keicher: «Auch Menschen, die selbst nicht erkrankt sind, können die Bakterien, die Scharlach verursachen, an andere weitergeben.»

Scharlach: die Behandlungsmöglichkeiten

In der Regel verordnet der Arzt ein Antibiotikum, meist Penizillin. Nimmt das Kind das Antibiotikum nicht lange genug, können schwere Erkrankungen von Herz, Nieren und Gelenken auftreten.

Fieber und Krankheit sind kräftezehrend.

Fieber ist kräftezehrend: Das Kind ist schlapp und hat keine Energie.

Gefährlich: Masern

Vielen Eltern ist noch gut das Jahresende 2010 in Erinnerung, als sich eine Masern-Epidemie in der Schweiz ausbreitete. Allein im Monat Dezember meldeten 21 Kantone insgesamt 670 Masernfälle, mehr als 14 mal so viele wie im selben Zeitraum ein Jahr zuvor. Noch immer werden nur 76 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz gegen die Virus-Infektion geimpft. Doch Masern kann gefährliche Komplikationen mit sich bringen: Von tausend erkrankten Kindern erleidet ein Kind eine Hirnentzündung.

Masern: die Symptome

Zu den Symptomen zählen starker Husten und Schnupfen, hohes Fieber, eine Bindehautentzündung, kleine, weisse Flecken an der Mundschleimhaut und roter, fleckiger Hautausschlag.

Masern: der Krankheitsverlauf

«Masern verlaufen üblicherweise in zwei Krankheitsschüben: Ein erster Schub beginnt 7-18 Tage nach der Infektion mit Fieber, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Entzündung der Schleimhaut im Mund und ist oft begleitet von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen», klärt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf. Das zweite Stadium folgt zwei bis vier Tage danach mit einem erneuten Fieberanstieg. «Die bereits bestehenden Symptome verstärken sich und dazu tritt jetzt ein ausgeprägter Hautausschlag auf.»

Masern: die Ansteckungsgefahr

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen zehn bis zwölf Tage. Das Kind ist ansteckend, sobald erste Symptome auftreten. Die Ansteckungsgefahr endet erst dann, wenn der Hautausschlag verschwunden ist. Wer die Krankheit einmal duchgemacht hat, bekommt sie kein zweites Mal.

Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr muss man mit fünf bis zehn Infekten pro Jahr rechnen. Da entsteht schnell einmal der Eindruck, die Kinder seien ständig verschnupft. Bei Erwachsenen gelten drei bis sechs Episoden noch als normal.

Masern: die Behandlungsmöglichkeiten

Eine Behandlung, die speziell das Masern-Virus bekämpft, gibt es nicht. Medikamente können nur die Symptome lindern – zum Beispiel mit Hilfe von Fieberzäpfchen und Augentropfen. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, Kinder gegen Masern impfen zu lassen, in Kombination mit einer Impfung gegen Röteln und Mumps. Weitere Informationen finden Sie im Schweizerischem Impfplan 2011: www.swiss-paediatrics.org

Weiterführende Informationen:

  • Ratgeber: Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln: Moderne Medizin - Naturheilverfahren – Selbsthilfe. Von Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler. Kösel-Verlag 2010.
  • Ratgeber: Kinderkrankheiten: Schnell erkennen gezielt behandeln (Alles, was man wissen muss). Von Ursula Keicher. Gräfe und Unzer 2011.
  • Internetseiten des Fachbereiches« Infektiologie & Spitalhygiene»des Kantonsspital St.Gallen: www.infekt.ch
  • Informationen von Dr. med. Jürg Beriger, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Lostorf: www.allgemeinpraxis.ch

 

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