Alleinerziehend auf Zeit: Wenn der Vater ins Spital oder Gefängnis muss

Wenn ein Familienvater ausfällt, zum Beispiel wenn er in Haft genommen wird oder er infolge einer Erkrankung für längere Zeit in eine Klinik muss, hat das Folgen: Die Frau wird während dieser Zeit alleinerziehend. Dazu kommen finanzielle Probleme, vor allem wenn der Vater vorher alleine für das Erwerbseinkommen zuständig war. Tipps für diese Zeit finden Sie hier.

Wenn der Vater ins Gefängnis muss, ist die Mutter alleinerziehend auf Zeit.

Muss der Vater ins Gefängnis, ist die Mutter vorübergehend alleinerziehend. Foto: Dick Luria, Photodisc, Thinkstock

Auf welche Unterstützung hat ein Vater Anspruch bei einem Gefängnis- oder Klinikaufenthalt?

Bei einem Klinikaufenthalt eines erwerbstätigen Elternteils sind zunächst die Lohnfortzahlungsleistungen des Arbeitgebers abzuklären, welche je nach Anstellungsverhältnis unterschiedlich ausfallen können. Grundsätzlich sind Unternehmen verpflichtet, ihre Mitarbeitenden bei Krankheit für eine gewisse Zeit weiter zu entlöhnen. Einerseits kann dies durch die Krankentaggeld-Versicherung des Arbeitgebers geschehen, sofern das Unternehmen eine solche Versicherung abgeschlossen hat (freiwillig). Oder der Arbeitgeber bezahlt den Lohn für eine gewisse Zeitspanne selber weiter. Wie lange diese dauert, ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt. Die Mindestdauer ist aber gemäss Gerichtspraxis drei Wochen im 1. Dienstjahr.

Im Übrigen richtet man sich nach der sogenannten Zürcher-, Basler- und Berner-Skala. Bei Unfall sind alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in der Schweiz beschäftigt sind, gemäss UVG versichert.

Leistungen der Invalidenversicherung (IV) sind bei einem befristeten Klinikaufenthalt eher nicht zu erwarten. Die IV leistet erst nach eingehenden und umfassenden Abklärungen Beiträge zur beruflichen Integration oder Renten (bei Arbeitsunfähigkeit von über einem Jahr).

Logo von SVAMV

Mehr zum Thema Alleinerziehende gibt es unter www.einelternfamilie.ch

Ein Anspruch auf Sozialhilfe besteht, wenn eine Person/Familie als bedürftig im Sinne des Sozialhilfegesetzes gilt. Als bedürftig gilt, wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann. Zur Bemessung der Bedürftigkeit werden in der Mehrzahl der Kantone die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe SKOS angewandt. Wichtig ist, dass dazu nicht nur das Einkommen, sondern auch das Vermögen beigezogen wird sowie Leistungen Dritter (z.B. Taggeldversicherung Arbeitgeber). Der Anspruch auf Sozialhilfe ist subsidiär, weshalb Leistungen Dritter immer vor gehen.

Wer kommt für den Unterhalt der Familie auf, wenn der Vater im Strafvollzug ist?

Gemäss Herr Wyss, Vollzugsverantwortlicher in der Strafanstalt Witzwil, ist ein Strafgefangener nicht in der Lage, Unterhalt zu bezahlen. Der Sozialdienst leistet eine Bevorschussung zu Gunsten der Frau. Die Gefangenen in der Strafanstalt Witzwil, die sich im offenen Vollzug befinden, unterstehen der Arbeitspflicht. Sie erhalten ein Entgelt für ihre Arbeit und können damit einen Teil des Unterhaltes bezahlen. Den Rest bezahlt der Sozialdienst.

Die Klientel im Massnahmenzentrum St. Johannsen (therapeutische Massnahmen) ist gemäss Renata Sargent, Bereichsleiterin Soziotherapie und stellvertretende Vollzugsleiterin, oftmals nicht in ein gut funktionierendes Familiengefüge eingebettet. Daher gibt es in vielen Fällen gar keine Partnerinnen oder Kinder. Der Grund liegt sicher unter anderem bei den zum Teil schweren psychischen Störungen (Persönlichkeitsstörungen), respektive den einschlägigen Delikten. Es ist möglich, dass Mütter in den Genuss von Alimentenbevorschussung kommen, aber sie müssen schon vorher Alimente erhalten haben. Der Gang zum Sozialamt ist oft unumgänglich.

Wie kann der Vater sein Besuchsrecht ausüben?

In der Strafanstalt Witzwil haben die Gefangenen ein Besuchsrecht. Kinderbesuche müssen angemeldet werden. Die Kinder können ihren Vater einmal pro Woche von Montag bis Freitag während eineinhalb Stunden besuchen, in der Regel zusammen mit der Mutter, aber auch alleine. Es handelt sich dabei um einen Kinder- und Familienbesuch, der in einem separaten Raum stattfindet, um die Privatsphäre zu gewährleisten. Von Seiten der Vollzugsverantwortlichen wäre es wünschenswert, wenn die Kinder ihren Vater alleine besuchen würden. Wenn die Mutter auch dabei ist, handelt es sich manchmal um eine «Alibiübung», da die Eltern lieber für sich wären. Am Wochenende können die Frauen ihre Partner alleine besuchen. Diese Besuche finden in einem Gemeinschaftsraum statt. Viele Väter sind sehr fürsorglich. Sie können zu Hause anrufen und nützen dies auch.

Im geschlossenen Vollzug wie in der Strafanstalt Thorberg sind Väter im Allgemeinen nicht urlaubsberechtigt, können aber von ihren Familien besucht werden. Gemäss Herrn Caccivio, Direktor der Strafanstalt Thorberg, werden in ganz vereinzelten Fällen durch Sicherheitspersonal begleitete Ausgänge organisiert, so zum Beispiel vor wenigen Monaten, als ein Vater anlässlich einer grossen Untersuchung für seinen körperbehinderten Sohn anwesend sein wollte, um so gemeinsam mit der Mutter vor Ort und im Beisein des Arztes über den weiteren Behandlungsverlauf mitentscheiden zu können.

Die in St. Johannsen Eingewiesenen können jede zweite Woche in der Institution Besuch empfangen. Für Familien mit Kindern gibt es spezielle Besuchszeiten, damit sie unter sich sein können. Die Insassen haben zudem zu Beginn ihres Aufenthaltes zuerst durch das Personal vollbegleitete Urlaube. Die Urlaube werden dazu genutzt, das soziale Beziehungsnetz zu pflegen oder aufzubauen. Den Eingewiesenen werden progressiv teilbegleitete Urlaube bis hin zu unbegleiteten Urlauben gewährt, zuerst ohne, später mit Übernachtungen. Im Vordergrund steht die soziale Integration im weitesten Sinne. Ein gerichtlich verfügtes Besuchsrecht kann nicht von Anfang an vollumfänglich ausgeübt werden. Insassen haben von 06.45 bis 22.00 Uhr freien Zugang zu einer Telefonzelle.

Services & Newsletter