Facebook Pixel

Erziehungsratgeber: «Patentrezepte gibt es nicht»

Erziehungsratgeber können Eltern bei der Suche nach ihrem eigenen Erziehungsstil inspirieren. In der Buchhandlung stellt sich allerdings schnell die Qual der Wahl. Warum gibt es so viele Erziehungsratgeber? Welche sind wirklich gut? Die Zürcher Paar- und Familienberaterin Ursula Keller wagt Antworten.

Probleme in der Familie? Vielleicht hilft ein Beziehungsratgeber.

Haben Sie Probleme Zuhause? Beziehungsratgeber gibt es viele - hier erfahren Sie, wie Sie den richtigen finden. Foto: Goodshoot - Thinkstock


Warum gibt es Ihrer Meinung nach einen so grossen Markt an Erziehungsratgebern?

Ursula Keller: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ein Grund für die hohe Nachfrage nach Erziehungsratgebern liegt sicher darin, dass Kinder einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft geniessen. Die meisten Kinder werden heute bewusst geplant. Eltern wollen gute Eltern sein und setzen sich gezielt mit Erziehung auseinander. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, das heisst, Eltern sind es gewohnt, aus unterschiedlichen Quellen Informationen zusammenzutragen. Ein anderer Grund besteht darin, dass auch das hohe Angebot Nachfrage erzeugt: Frühere Generationen konnten auf nicht viel anderes als auf das Buch «Dr. Spock für Säuglingspflege» zugreifen. Das ist heute anders.

Spiegelt die Vielfalt der Erziehungsratgeber nicht auch eine Unsicherheit der Eltern wider?

Sicher, das Bedürfnis nach Beratung ist sehr gross. Eltern suchen Orientierung, denn die Werthaltungen innerhalb der Gesellschaft sind nicht mehr einheitlich, sondern individueller geworden. Jede Familie muss heute zu ihrem eigenen Wertesystem finden. Das ist eine grosse Herausforderung für Eltern.

Können Ratgeber denn diese Orientierung bieten?

Die Ratgeber sind oft sehr unterschiedlich. Auf gleiche Fragen bieten sie unterschiedliche Antworten. Das kann Eltern zusätzlich verwirren.

Woran lässt sich denn ein guter Erziehungsratgeber erkennen?

Ein guter Erziehungsratgeber basiert auf gewaltfreier Kommunikation. Er regt Eltern an, sich mit ihrem eigenen Erziehungsverhalten auseinander zu setzen, und macht Mut, einen eigenen Weg im Umgang mit den Kindern zu suchen – ohne Anspruch auf Perfektion. Ein guter Erziehungsratgeber berücksichtigt auch, dass Kinder sich unterschiedlich entwickeln. Vorsichtig sollten Eltern immer dann auf einen Erziehungsratgeber reagieren, wenn er versucht, Patentrezepte zu verkaufen. Denn Patentrezepte, die für alle Familien gelten, gibt es nicht.

Zur Person

Ursula KellerUrsula Keller ist Sozialarbeiterin mit Zusatzausbildungen in Systemischer Paar- und Familienberatung, Coaching, Supervision und Organisationsentwicklung. Sie arbeitet als Sozialpädagogische Familienbegleiterin mit schwer belasteten Familien und führt eine Beratungspraxis in Zürich. Mehr unter www.ursulakeller.ch.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter