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Gute Väter: Ohne Papa läuft es nicht!

Meist sind es die Mütter, die ihren Einsatz im Beruf reduzieren, um im Alltag für die Kinder da zu sein. Väter verbringen in der Regel weit weniger Zeit mit dem Nachwuchs. Dennoch: Ohne Papa läuft es nicht! Was Väter tun können, um sich und der Familie gerecht zu werden, weiss Andrea Micus, Autorin des Buches «Starke Väter».

Einen so tollen Vater geben die Kinder nicht so schnell her.

Väter sollen heutzutage Alles-Könner sein. Bild: Fuse-Thinkstock

Familienleben: Frau Micus, heute wird von Vätern mehr verlangt, als nur Ernährer der Familie zu sein. Was genau wird erwartet?

Andrea Micus: Den modernen Vätern wird nichts geschenkt. Sie sind bei der Schwangerschaftsgymnastik dabei und im Kreisssaal. Sie besuchen wie selbstverständlich Krabbelstuben und kennen die Namen aller Kinder aus den Marienkäfer- oder Sonnenblumen-Gruppen. Die Gesellschaft erwartet, dass sie in der Grundschule Schaukeln aufbauen und mithelfen, den Pausenhof zu asphaltieren. Die Kinder erwarten, dass sie twittern und einen Facebook-Account haben und beim Frühstück die MTV-Hitliste rauf und runter sagen können.

Das klingt nach einem Allround-Talent.

Ja, Väter von heute sollen Alles-Könner sein. Sie müssen klar erziehen und alle wesentlichen Werte vermitteln, mit den Kindern nach Herzenslust herumtollen, ihnen Wärme und Geborgenheit geben, immer zur Stelle sein, «wenn der Schuh drückt», die Mutter vertreten und die heile Kinderwelt finanziell absichern.

Puh, das klingt anstrengend!

Das ist es auch. Natürlich ist es unmöglich, alle genannten Anforderungen zu erfüllen. Aber die meisten Väter stellen sich dennoch den immer grösser werdenden Herausforderungen. Sie wollen alles schaffen, was man von ihnen verlangt, um wirklich rundherum gute Väter zu sein.

Väter sind also hohem Druck ausgesetzt.

Ja, aber sie sind auch nur Menschen mit Fehlern, Schwächen und Unzulänglichkeiten. Deshalb sollten sie die eigene Messlatte nicht zu hoch hängen und sich nicht unnötig mit Selbstzweifeln quälen.

Wie können Väter Stress reduzieren?

Väter dürfen den Wunsch, perfekt zu sein, ruhig vergessen. Denn Kinder brauchen keine perfekten Väter. Sie brauchen starke Väter!

Was sind starke Väter?

Starke Väter sind Väter, an die sich Kinder anlehnen, denen sie vertrauen und bereitwillig durchs Leben folgen können! Sie sind so stark, dass sie sich trauen, auch schwach zu sein. Sie spielen nicht die Heldenrolle, sondern zeigen Emotionen. Sie sind menschlich. Sie verbringen keine Wunderwerke, aber sie sind da – gleichgültig, ob sie Vollzeit- oder Wochenend-Papa sind. Sie lassen sich auf ihre Kinder ein und überstülpen sie nicht mit festgelegten Meinungen. Starke Väter sind mit ihren Kindern im Gespräch.

Kann jeder Papa ein starker Vater werden?

Nicht jeder Mensch ist gleich empathisch. Aber diese Fähigkeit lässt sich trainieren. Ein erster Schritt ist, die Kinder genau zu beobachten, auf Gestik und Mimik zu achten und dann nachzufragen: «Hast du dich bei dem Telefonat über deine Freundin geärgert?», «Warst du heute Abend wütend auf den Fussballtrainer?» So können Väter ihre Einschätzung überprüfen. Ganz wichtig ist auch, hin und wieder in die Rolle des Kindes zu schlüpfen.

Haben Sie ein Beispiel dafür, wie sich die Perspektive wechseln lässt?

Der Sohn sitzt am Sonntagmorgen sichtbar genervt am Frühstückstisch und lässt sich jeden Satz aus der Nase ziehen. Statt ihn zu ermahnen, lässt man ihn in Ruhe. Aufschlussreich ist es, sich nach dem Frühstück in einen Sessel zu setzen, die Augen zu schliessen und sich vorzustellen, wie der Samstag mit seinen Freunden abgelaufen sein könnte. Vermutlich wird schnell deutlich, warum der Sohn so gereizt ist. Wenn man dann zu ihm geht und offen fragt, warum er sich schlecht fühlt, bekommt wahrscheinlich eine Antwort, die beide weiterbringt.

Viele Väter haben wenig Zeit …

Umso wichtiger ist es, die Zeit richtig zu nutzen! Im Schnitt verbringen Väter täglich gerade mal 60 Minuten mit ihren Kindern. Die andere Zeit des Tages wird mit Arbeit und Alltagserledigungen ausgefüllt. Es ist also eine wertvolle Stunde, die aber nur dann dem Vater-Kind-Verhältnis dient, wenn nicht ständig das Telefon klingelt und keine E-Mails beantwortet werden. Multi-Tasking haben Kinder nicht verdient.

Was raten Sie Vätern?

Wichtig ist zu lernen, aktiv zuzuhören. Das heisst im Wesentlichen: Wirklich zuhören, nicht unterbrechen, sich mit eigener Meinung zurückhalten, Aufmerksamkeit zeigen, das Gehörte zwischendurch mit eigenen Worten wiederholen. Wer darüber hinaus seinen Kindern zeigt, dass er sie wertschätzt und in Konflikten die Zuversicht ausstrahlt, dass sich gemeinsam eine Lösung finden lässt, hat bereits viel dafür getan, ein guter Vater zu sein

Zur Person:

Andrea Micus weiss was einen guten Vater ausmacht.Andrea Micus, freiberufliche Journalistin und Buchautorin, hat sich die Themenschwerpunkte‚ Erziehung und Familie‘ sowie ‚Familie und Partnerschaft‘ spezialisiert. Beraten von dem Kinderpsychologen Uwe Bohlmann schrieb sie den Ratgeber «Starke Väter – starke Kinder. Was Kinder von ihren Papas brauchen.» ( Humboldt-Verlag 2013)

 

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